Aktion am 20. März im Pressehaus

Patiententag „Organe retten Leben“ - auf Hochtouren dank neuer Niere

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Power-Schwestern: Doris Brandstetter (li.), 54, hat vor einem Jahr eine Niere von ihrer Schwester Susanne Menzinger, 49, bekommen. Heute treibt sie sogar wieder viel Sport – auf dem Foto gemeinsam mit ihrer Schwester.

Seit einem Jahr lebt Doris Brandstetter mit einer Niere ihrer Schwester. Das Organ anzunehmen war für sie eine schwere Entscheidung. Heute sind beide froh über die Transplantation – die Geschichte eines geschenkten Lebens.

Am Tag vor der großen Operation gehen Doris Brandstetter, 54, und ihre Schwester Susanne Menzinger, 49, in die Kapelle des Klinikums rechts der Isar. Sie zünden eine Kerze an, sie hoffen, dass am nächsten Morgen alles gut geht – dann, wenn Doris Brandstetter eine Niere von ihrer Schwester transplantiert bekommt.

Fast ein Jahr ist seit der Organverpflanzung vergangen. „Für mich hat damit ein zweites Leben begonnen“, sagt Doris Brandstetter, die in Hohenkammer (Kreis Freising) lebt. Sie ist ihrer Schwester unendlich dankbar. Damals jedoch fiel es ihr schwer, dieses große Geschenk anzunehmen. Denn sie hatte Angst, dass ihrer Schwester bei der Operation oder danach etwas passieren könnte. „Die Susi hat ja noch ein kleines Kind“, sagt sie. Die Tochter ist erst fünf Jahre alt, der Sohn 18.

Fast 30 Prozent der Nieren stammen von lebenden Spendern

Susanne Menzinger will ihrer Schwester trotzdem helfen. Und aus medizinischer Sicht spricht nichts dagegen. Sie ist sogar als Spenderin ideal. Immerhin springen 90 Prozent der lebend gespendeten Nieren direkt an, erklärt Prof. Lutz Renders, ärztlicher Leiter des Nieren-Transplantationszentrums am Klinikum rechts der Isar in München. Stammen Nieren von toten Spendern, sei dies nur bei 40 bis 60 Prozent der Fall. Diese Nieren brauchten oft ein paar Tage mehr, sagt er. Und: Nach einem Jahr funktionieren noch 97 Prozent der Nieren von lebenden Spendern – bei Organen toter Spender sind es mit 95 Prozent etwas weniger.

Möglich ist eine Lebendspende nur unter Verwandten und Personen, die sich sehr nahestehen. So sieht es das Transplantationsgesetz vor. Die Zahl solcher Eingriffe steigt: „In Deutschland werden bereits knapp 30 Prozent der Nieren-Transplantationen mit einer Lebendspende durchgeführt“, sagt Renders. Der Grund: Es gibt einfach zu wenige Organe von toten Spendern.

Doris Brandstetter wusste früh, dass ihre Nieren nicht gesund sind. Sie hat eine „Glomerulonephritis“. Das ist eine schwere, bei ihr chronisch verlaufende Entzündung der Nierenkörperchen beider Nieren. Die Erkrankung hat wohl genetische Ursachen: Schon ihr Vater starb 1964 mit nur 34 Jahren an der gleichen Krankheit. Doris Brandstetter lernte ihn nie kennen – als er starb, war ihre Mutter mit ihr schwanger.

Bei Doris Brandstetter verlief die Krankheit zunächst schleichend. Viele Jahre lebte sie relativ unbeschwert. Doch Ende 2013 werden ihre Nierenwerte deutlich schlechter. 2014 schaffen es die Nieren dann nicht mehr allein, das Blut zu filtern – Brandstetter beginnt mit einer Bauchfelldialyse. Diese Form der Blutwäsche können Patienten zuhause durchführen. Dafür bekommt Doris Brandstetter ein Katheter eingesetzt.

Doch 2017 reicht auch das nicht mehr: Doris Brandstetter werden beide Nieren entnommen. Jetzt muss sie – zusätzlich zur Bauchfelldialyse – zweimal wöchentlich zur „Hämodialyse“ ins Krankenhaus, wo sie nun jedes Mal für fünf Stunden an ein Dialysegerät angeschlossen wird.

Doris Brandstetter passt gut auf ihr „Nierchen“ auf

Brandstetter kommt zudem auf die Warteliste für eine Transplantation. Sie weiß aber: Bis sie eine Niere bekommt, können bis zu zehn Jahre vergehen – womöglich zu lang für sie. „Meine Hausärztin hat gesagt, dass ich bis dahin wahrscheinlich keine Niere mehr brauche...“

Verwandten und Freunden verschweigt sie die schlechte Prognose. „Doch ich habe gemerkt, dass es ihr nicht gut geht“, sagt ihre Schwester Susanne Menzinger. Die beiden telefonieren jeden Tag. Menzinger ist in dieser schweren Zeit eine der wichtigsten Anker für ihre Schwester.

Sie ist es auch, die anbietet, eine ihrer beiden Nieren zu spenden. Denn: Brandstetters Ehemann kommt dafür nicht infrage, wegen hohen Blutdrucks. Ebenso wenig die beiden älteren Schwestern – auch deren Nieren sind genetisch bedingt nicht ganz gesund. Gesundheit ist aber eine wichtige Voraussetzung für eine Lebendspende.

„911er Porsche“ haben die Ärzte Doris Brandstetters neue Niere genannt, weil diese sofort angesprungen ist. Das Modellauto hat sie geschenkt bekommen.

Susanne Menzingers Nieren funktionieren dagegen einwandfrei – weil sie „nur“ eine Halbschwester ist und die Neigung zu Nierenproblemen wohl nicht geerbt hat. Menzinger will ihre Schwester nicht länger leiden sehen. Doris Brandstetter zögert zunächst. Doch im Herbst 2017 nimmt sie das Angebot schließlich an – obwohl sie immer noch „große Skrupel“ hat.

Es folgt ein halbes Jahr voller Untersuchungen, Gesprächen mit Ärzten und Psychologen sowie der Ethikkommission. Immer wieder muss Susanne Menzinger von Obersüßbach, einem Dorf nahe Landshut, nach München ins Klinikum rechts der Isar fahren. Eine Sorge quält sie besonders: „Ich hatte furchtbare Angst, dass Doris’ Körper meine Niere abstößt.“ Damit wäre alles umsonst gewesen. Denn auch das kann passieren – obwohl Ärzte vorher testen, ob sich das Gewebe des Spenders mit dem des Empfängers verträgt.

Die Untersuchungen zeigen: Bei den Schwestern ist das der Fall. Allerdings haben sie nicht die gleiche Blutgruppe. Bei Nieren-Lebendspenden sei eine Transplantation mittlerweile auch in solchen Fällen möglich, sagt Experte Renders. Doris Brandstetter braucht vor dem Eingriff aber eine spezielle Antikörper-Behandlung.

Am 15. März 2018 ist es dann so weit: Die Schwestern werden jeweils in einen OP-Saal geschoben. Die Operation verläuft erfolgreich. Es ist eine von 56 Nierentransplantationen, die 2018 im Klinikum rechts der Isar durchgeführt werden – 20 davon als Lebendspende.

Noch im OP beginnt Susannes Niere in Doris’ Körper zu arbeiten. Die Chirurgen Prof. Stefan Thorban und Dr. Volker Aßfalg, die beide Operationen durchgeführt haben, verpassen dem Organ daher einen Spitznamen: „911er Porsche“ nennen sie die Niere. „Weil sie sofort angesprungen ist und seitdem auf Hochtouren läuft“, sagt Doris Brandstetter und lacht.

Das tut die Niere bis heute. „Ich hatte Glück, bis jetzt gab es keine Abstoßungsreaktion.“ Sie blickt zuversichtlich in die Zukunft. „Mir geht es so gut wie lange nicht.“ Sie treibt wieder Sport, achtet auf die Ernährung. „Ich passe gut aufs Nierchen auf. Das bin ich der Susi schuldig“, sagt sie. Als sie sich ein Motorrad kauft, hat sie fast ein schlechtes Gewissen – sie will nicht leichtfertig mit dem Geschenk der Schwester umgehen.

Die wiederum will davon nichts hören. „Doris soll ihr Leben genießen“, sagt sie. „Ich freue mich jeden Tag darüber, dass es ihr wieder so gut geht.“ Auch Menzinger

geht es gut – mit nur noch einer Niere. „Ich habe ein ganz klein wenig weniger Power“, sagt sie. „Das kann aber auch einfach am Alter liegen.“

Die Transplantation hat die Schwestern noch mehr zusammengeschweißt. Den ersten „Jahrestag“, diesen Freitag, werden sie gemeinsam feiern. „Jeder Mensch will doch Spuren hinterlassen“, sagt Doris Brandstetter. Und: „Ich bin jetzt Susis Spur.“

Hier können Sie sich anmelden für den Patiententag

Füllen Sie das Formular unten auf dieser Seite aus und melden Sie sich an für den Patiententag am 20. März, 17.30 Uhr, im Münchner Pressehaus. Die Teilnahme am Patiententag ist kostenlos, die Teilnehmerzahl jedoch ist begrenzt.

Die Anmeldefrist ist leider abgelaufen.

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