Prof. Eckhard Nagel im Gespräch über Organspende

„Der Körper ist kein Ersatzteillager“

Experte im Pressehaus: Prof. Eckhard Nagel.

Was genau bedeutet die Diagnose „hirntot“? Diese Frage beschäftigt viele unserer Leser, die sich mit dem Thema Organspende beschäftigen – manche haben sogar Angst, als „Ersatzteillager“ zu gelten.

Prof. Eckhard Nagel vom Institut für Medizinwissenschaften und Gesundheitsmanagement in Bayreuth beantwortet die wichtigsten Fragen. Der Experte nimmt morgen Abend auch an unserem Patiententag in der Alten Rotation des Pressehauses teil.

Manche Menschen fühlen sich in ihrer Ehre verletzt und fürchten, nach ihrem Hirntod als menschliches „Ersatzteillager“ angesehen zu werden. Was sagen Sie dazu?

Der menschliche Körper ist kein Ersatzteillager! Das mechanische Denken in der modernen Medizin geht zurück auf den Philosophen Descartes. Es ist eine große Versuchung, unseren Corpus als eine hochkomplexe Maschine zu verstehen. Das tut die moderne Medizin aber gerade nicht. Weil wir heute so viel mehr wissen, sind die meisten Ärzte eher ehrfürchtiger vor der Biologie und der Schöpfung des Menschen, als dass man bei Organen und Geweben von Ersatzteilen sprechen würde. Das wird auch der Komplexität und dem Wunder einer funktionierenden Organübertragung nicht gerecht.

Einige finden, man störe den Sterbeprozess, weil der Mensch bei der Organentnahme „nur“ als hirntot gilt ...

Die Todesfeststellung ist für viele entscheidend für die Bereitschaft zur Organspende. Dabei haben die Diskussionen meist eben nicht die Diagnose des irreversiblen Hirnfunktionsausfalls – früher nannte man das Hirntod – zum Gegenstand. Vielmehr geht es um die Frage, ob der nicht umkehrbare, vollständige Hirnfunktionsausfall mit dem Tod des Menschen gleichzusetzen ist. Ich bin der Überzeugung, dass er geeignet ist, den Tod eines Menschen sicher festzustellen.

Könnten Sie das genauer erklären?

Der Grund ist: Die Gesamtfunktion des Groß- und Kleinhirns sowie des Stammhirns ist dann erloschen. Geistige Funktionen und Eigenschaften, die zum körperlichen Leben zwingend erforderlich sind, wie der Atemantrieb, sind unwiederbringlich verloren. Die Einheit von Körper, Geist und Seele existiert nicht mehr.

Vielen geht es dabei vor allem um die spirituelle Ebene.

Ein über die Biologie hinausgehender Abschiedsprozess, den wir uns metaphysisch, spirituell oder religiös vorstellen, ist eben gerade nicht an die Körperlichkeit gebunden. Ganz im Gegenteil! Hier braucht es Haltungen, die über den materiellen Menschen hinaussehen. Eine Störung im Sterbeprozess durch eine Organentnahme kann ich deshalb nicht wahrnehmen.

Das Interview führte Barbara Nazarewska

Hier können Sie sich anmelden für den Patiententag am 20. März

Füllen Sie das Formular unten auf dieser Seite aus und melden Sie sich an für den Patiententag am Mittwoch, 20. März, 17.30 Uhr (Einlass ab 17 Uhr) im Münchner Pressehaus. Die Teilnahme am Patiententag ist kostenlos, die Teilnehmerzahl jedoch ist begrenzt.

Die Anmeldefrist ist leider abgelaufen.

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