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Patientenverfügung: Richtig vorsorgen und vererben

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Eine Patientenverfügung können Sie mit dem Anwalt und einem Arzt besprechen.

München - Die tz erklärt, was Sie bei der Vorsorge für Alter und Tod beachten müssen – und warum Sie damit nicht früh genug beginnen können.

Wer beschäftigt sich schon gerne mit Themen wie Tod oder Pflegebedürftigkeit? Kaum jemand, doch obwohl das Abfassen einer Vorsorgevollmacht, eines Testaments oder eine Vorsorgevollmacht alles andere als vergnügungssteuerpflichtig ist, ist es doch umso wichtiger. Die tz erklärt, was Sie bei der Vorsorge für Alter und Tod beachten müssen – und warum Sie damit nicht früh genug beginnen können:

Was ist eine Patientenverfügung? „Sie ist eine Anweisung an den behandelnden Arzt für den Fall, dass der Verfügende selbst aufgrund von Bewusstlosigkeit oder Bewusstseinstrübung seinen Willen nicht mehr äußern kann“, erklärt der Münchner Rechtsanwalt Dr. Thomas Fritz. In dieser Verfügung kann der Patient also regeln, welche Behandlungen oder Eingriffe er wünscht – oder eben dem Arzt ausdrücklich untersagt.

Wer sollte eine Patientenverfügung verfassen? Jeder, der bestimmte Vorstellungen über die ärztliche Behandlung in einem Notfall hat. Im Fokus stehen dabei meist lebenserhaltende Maßnahmen. Denn die Ärzte sind an sich dazu verpflichtet, das Leben des Patiente solange wie möglich mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln zu erhalten – auch wenn sich der Zustand des Patienten dadurch nicht verbessert. „Im ungünstigsten Fall bleibt jemand, der hirntot ist, trotzdem jahrelang an Schläuchen hängen“, so Anwalt Dr. Thomas Fritz.

Können nur medizinische Dinge in einer Patientenverfügung geregelt werden? Nein. Zwar ist das ihr Hauptzweck, aber: „Man kann in der Patientenverfügung auch festlegen, wem der behandelnde Arzt Auskunft erteilen darf“, erklärt Fritz. Besonders wichtig ist dieser Erklärung für unverheiratete Paare, damit der Partner vom Arzt auch über den Gesundheitszustand informiert wird. Außerdem ist es möglich, den Ehepartner, die Kinder oder andere nahestehende Personen dazu zu ermächtigen, für einen selber im Falle der Bewusstlosigkeit Entscheidungen zu treffen. Das kann vor allem dann wichtig werden, wenn die Regelungen in der Patientenverfügung den Fall nicht genau beschreiben.

Wie ist eine Patientenverfügung zu verfassen? „Dafür gibt es mittlerweile 1001 Formulierungen“, weiß Anwalt Dr. Thomas Fritz. Es gibt dafür die unterschiedlichsten Vorlagen, von Texten auf zwei Din-A4-Seiten bis zum Buch mit Ankreuzmöglichkeiten aus dem Verlag C.H. Beck. Außerdem bieten Hospiz-Vereine immer wieder Wochenendseminare zu dem Thema Patientenverfügung an. Welche Formulierung man wählt, hängt laut Fritz auch ein wenig von den persönlichen Umständen ab. „Im Notfall ist es sinnvoll, wenn die Vorlage kurz und schnell lesbar ist.“ Wenn jemand dagegen lange im Krankenhaus liegt und sich dessen Zustand absehbar immer weiter verschlechtert, können sich die behandelnden Ärzte auch einer längeren Erklärung widmen.

Wie aktuell muss die Verfügung sein? „Alle zwei bis drei Jahre sollte man die Verfügung auf der Rückseite erneut unterschreiben und damit klar machen, dass die Verfügung immer noch den aktuellen Vorstellungen entspricht“, rät Fritz. Denn mit zunehmendem Alter kann sich die Einstellung zum Tod und zur medizinischen Behandlung verändern – und auch die Medizin macht ständig Fortschritte.

Wer hilft bei der Formulierung? Mit dem Rechtsanwalt kann man einen Grundentwurf besprechen. Dabei sollte die Verfügung nach den eigenen Vorstellungen individuell gestaltet werden. Danach empfiehlt es sich, die Verfügung auch mit dem Hausarzt durchzusprechen. Einerseits, weil er den medizinischen Formulierung den letzten Feinschliff geben kann. Andererseits spielt der Hausarzt eine entscheidende Rolle, wenn es tatsächlich zum Ernstfall kommen sollte. Dann ist es von Vorteil, wenn er die Wünsche des Patienten kennt. „Der Arzt sollte die Familie kennen und wissen, wen er im Ernstfall ansprechen muss“, rät Fritz.

Wer setzt die Patientenverfügung am Ende durch? Rechtsanwalt Dr. Thomas Fritz sagt: „Das richtige Personal ist das A und O.“ Deshalb ist es wichtig, die entscheidungsbefugten Personen in der Patientenverfügung festzulegen. „Lebenspartner, Ehegatten, Kinder und der Hausarzt kommen hierfür infrage. Wenn sich das Team gut versteht, dann sind die meisten Probleme vom Tisch“, erklärt Fritz. Besonders tückisch, wenn entfernte Verwandte den Willen des Patienten nicht respektieren und ihn nicht sterben lassen wollen. „Eine Patientenverfügung ist nur so gut wie das Personal, dass für ihre Ausführung zuständig ist. Dafür bieten sich besonders durchsetzungsfähige Verwandte oder Ärzte an.

Was, wenn keine Verfügung vorliegt, aber jemand im Koma liegt, der so nicht weiter leben wollte? Rechtsanwalt Fritz berichtet von einem Fall aus seiner Kanzlei. „Ein 24-Jähriger hatte erleben müssen, wie sein Freund von einem Auto angefahren und dabei so schwer verletzt wurde, dass er anschließend nur noch als debiles Wrack und Querschnittsgelähmt in einem Rollstuhl sein Leben verbringen musst.“ So wollte er selbst nicht enden und über Wochen kannte er im Familienkreis kein anderes Thema. Wenig später ereilte ihn das gleiche Schicksal. Eine schriftliche Patientenverfügung hatte er aber nicht gemacht. In dieser Situation gaben alle, mit denen der junge Mann über den Unfall seines Freundes diskutiert hat, eidesstattliche Versicherungen ab, in denen sie erklärten, dass er zigmal ausdrücklich gesagt hätte, dass er in einer solchen Situation sofort sterben wolle. In dieser Sondersituation wurde der vielfach mündlich geäußerte Wille schließlich vom Gericht und den Ärzten akzeptiert und respektiert und die ärztlichen Bemühungen auf der Intensivstation eingestellt.

Auf die lange Bank geschoben

Gehört davon haben fast alle, aber noch längst nicht alle haben auch eine: 94 Prozent der Bundesbürger wissen von der Möglichkeit einer Patientenverfügung. Das haben die Meinungsforscher des Instituts für Demoskopie Allensbach in einer Umfrage herausgefunden. Doch so bekannt die Patientenverfügung auch ist – verfasst haben bisher nur 28 Prozent der Befragten ein entsprechendes Dokument. 45 Prozent haben dies zumindest vor. Besonders häufig haben Ältere mit einer Patientenverfügung vorgesorgt: 51 Prozent der über 60-Jährigen gab an, bereits ein Dokument verfasst zu haben, 34 Prozent wollen dies tun. Bei den 45- bis 59-Jährigen haben immerhin noch 27 Prozent eine Patientenverfügung verfasst, 58 Prozent planen dies. Von den 30- bis 44-Jährigen haben 13 Prozent der Befragten bereits vorgesorgt, immerhin 54 Prozent wollen dies bald tun. Wesentlich geringer ist der Anteil bei den 16- bis 29-Jährigen: Hier haben nur 4 Prozent eine Verfügung, 37 Prozent wollen eine verfassen.

Eine Angst, die viele Menschen umtreibt, hält der Münchner Rechtsanwalt Dr. Thomas Fritz übrigens für unbegründet. „Die Möglichkeit, dass sich die Familie eines Angehörigen oder schwerkranken Menschen mit leichter Hand ,entledigt’ liegen praktisch bei null.“ Wenn auch nur die geringste Chance auf eine Genesung besteht, dürfen die Ärzte keinen Patienten sterben lassen. Da werden zweite Meinungen und zusätzliche Gutachten eingeholt. Schließlich steht auch für die Ärzte einiges auf dem Spiel – handeln sie voreilig, können sie selbst vor dem Kadi landen. Gerade in größeren Krankenhäuser treibt die Sorge vor strafrechtlichen Folgen die Ärzte dermaßen um, dass es nicht immer leicht ist, den erklärten Willen des Patienten auch durchzusetzen.

Jetzt die liebevolle Pflege der Zukunft organisieren

Dr. Thomas Fritz, Münchner Rechtsanwalt und Erbrechtsexperte: "Weil wir im Durchschnitt immer älter werden, ist nicht nur ein Testament erforderlich! Die Papiere Vorsorgevollmacht, Betreuungsverfügung und Patientenverfügung sollte wirklich jede voll geschäftsfähige Person unterzeichnen und in der Schublade haben. Unser Körper wird zwar immer älter, unsere Gehirnleistung nimmt aber offensichtlich schneller ab als unser Körper. Deshalb kann es für jeden von uns es am Ende des Lebens 20 Jahre geben, in denen wir darauf angewiesen sind, dass wir liebevoll betreut werden. Denjenigen, die uns liebevoll betreuen, sollten wir ihre Arbeit so leicht wie möglich machen. Dazu gehört nicht nur eine entsprechende finanzielle Ausstattung, sondern auch eine intelligente Organisation. Ob man die letzten Lebensjahre glücklich oder unglücklich lebt, hängt vielfach davon ab, ob wir uns heute die Zeit nehmen, uns mit dem Thema einer eventuellen späteren Demenz auseinanderzusetzen und für diese Eventualität ernsthaft und sich und anderen gegenüber liebevoll planen. Wer das nicht tut, riskiert, dass auf seine alten Tage alles so läuft wie er es nie hätte haben wollen!"

Vorsicht: So gehen Erbschleicher ans Werk

Schwester Bernadette, kämpft gegen Erbschleicher und gründete Initiative für Kranke, Alte und deren Angehörige: "Bemerkt man, dass jemand umgarnt wird, dann sollte man ganz gezielt diese Person darauf ansprechen und versuchen ihr die Augen zu öffnen. Beim Betreuungsgericht eine Betreuung über die Vermögensverhältnisse beantragen. Bei Interessenkollision oder bei dem Verdacht der Unterschlagung eine Überwacherbetreuung beantragen. Versuchen den Sozialkontakt aufrecht zu erhalten. Auf Änderungen in der Verhaltensweise achtgeben. Schutz vor Erbschleicherei gibt es letztlich nicht. Eine liebevolle Familie, ein gutes soziales Netz und gute Freunde können die Wahrscheinlichkeit einer Opferwerdung verringern.

Die Warnsignale:

1. Die Person wird isoliert

2. Die Person wird abhängig gemacht

3. Der Person wird ein schlechtes Gewissen gemacht."

Mit dem Testament Frieden in der Familie stiften

Dr. Anton Steiner, Präsident des Deutschen Forums für Erbrecht: "An fast jedem Wochenende lesen wir Berichte über Lawinentote und Verkehrsunfälle. Das allein zeigt, wie schnell das Leben zu Ende gehen kann – auch wenn wir jung und gesund sind. Dennoch behandeln zahlreiche Bürger die Thematik als Tabu, während andere die Notwendigkeit des Handelns zwar erkannt haben, sich aber nicht fachkundig beraten lassen und Opfer fehlerhafter rechtlicher Gestaltungen werden. Nicht selten endet dies in einer wirtschaftlichen oder gar familiären Katastrophe. Deshalb sollte jeder, der einigermaßen vermögend ist, ein Testament haben – zumindest als Notfallvorsorge. Der letzte Wille ist in so vielen Konstellationen einfach nötig – um den letzten Willen durchzusetzen und um Frieden innerhalb der Familie zu stiften. Und in so vielen Fällen ist ein Testament einfach unabdingbar – etwa bei unverheirateten Lebensgefährten, die sonst nicht einmal ein kleines Andenken erben würden."

Marc Kniepkamp

Tückische Patientenverfügung

In jeder Folge der Serie Vererben & Vorsorgen stellt Ihnen der Münchner Rechtsanwalt und Erbrechtsexperte Dr. Thomas Fritz einen Fall aus der Praxis vor, bei dem sich ein Fehler eingeschlichen hat. Heute geht es um eine Frau, die alles richtig gemacht hat - und mit ihrer Patientenverfügung trotzdem nicht das erwünschte Ergebnis erreicht hat:

Veronika Vorsicht entstammte einer Familie in der seit Generationen die Haupttodesursache Gehirnschlag gewesen war. Häufig war es dann so gewesen, dass die Familienmitglieder nach dem ersten Gehirnschlag Jahrelang im Koma lagen oder zumindest geistig so stark eingeschränkt waren, dass sie weder für sich noch die anderen Familienmitglieder einen Freude, sondern ausschließlich eine große Belastung gewesen waren. Voll von solchen schrecklichen Erinnerungen hatte Veronika Vorsicht nur einen Gedanken, so etwas sollte ihr nicht passieren. Sie verfasste einen individualisierte Patientenverfügung: In dieser schilderte sie kurz die Geschichte der Familienkrankheit und verfügte, dass im Fall eines bei ihr auftretenden Gehirnschlages keinerlei medizinischen Maßnahmen ergriffen werden sollten: So sollte insbesondere keine Schädelöffnung stattfinden, um Blut abzusaugen und somit die Folgen für die Funktionsfähigkeit des Gehirns zu minimieren. Zwei Jahre später war es so weit: Veronika Vorsicht erlitt einen Gehirnschlag. Leider hatte die individuelle Regelung in ihrer Patientenverfügung nicht den gewünschten Erfolg: Zwar wurde die Schädeldecke von Veronika Vorsicht nicht geöffnet, so dass das Gehirn größtmöglichen Schaden nahm. Aber die Ärzte trauten sich nicht, die künstliche Ernährung über eine Magensonde zu unterlassen. Denn der Körper von Veronika Vorsicht funktionierte – abgesehen von dem nicht mehr funktionierendem Gehirn – noch gut. Und so kam es zu der Situation, die Veronika Vorsicht auf alle Fälle vermeiden wollte: Sie blieb am Leben und vegetierte noch drei Jahre in einem Krankenzimmer vor sich hin, bevor sie durch einen zweiten, diesmal tödlichen, Gehirnschlag erlöst wurde.

Merke: Auch eine noch so ausgeklügelte Patientenverfügung führt nur dann zum gewünschten Ergebnis, wenn sie zum einen alle Eventualitäten mit erfasst (das ist nahezu unmöglich) und außerdem Seitens des medizinischen Personals und der Familie der notwendige Mut besteht, die Konsequenzen auch eintreten zu lassen. Im vorliegenden Fall hätte Veronika Vorsicht auch noch schreiben müssen: Selbst wenn trotz eines Gehirnschlags mein Körper noch gut funktioniert, will ich nicht mehr künstlich ernährt werden, sondern sterben dürfen. Ob diese Anweisung aber befolgt wird, steht noch einmal auf einem anderen Blatt: Denn in diesem Fall wären die Ärzte gezwungen, einen durchaus noch lebensfähigen Körper sterben zu lassen. Für die Ärzte wie für die Familie eine – auch strafrechtlich sehr schwierige Situation, für die es keine allgemein verbindliche Antwort gibt.

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