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Woran erkenne ich ein gutes Pflegeheim? 

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Wenn Sie auf bestimmte Kritewrien achten, finden Sie leichter ein gutes Pflegeheim.

München - Welches Pflegeheim ist gut, welches schlecht? Diese Fragen stellen sich viele Menschen, wenn sie nach der perfekten Einrichtung für ihre Liebsten suchen. Wir geben Ihnen Tipps.

Fest steht: Ein gutes Heim lässt sich erkennen! Wer nach ausgezeichneter Pflege sucht, der sollte immer mehrere Heime besichtigen – und sich selbst ein Bild machen. Lesen Sie, worauf Sie achten sollten.

Riechen! 

Beim Betreten des Heims sollten Sie Ihren Augen, Ihrer Nase und Ihrem Bauchgefühl vertrauen. Wie riecht es im Heim? Wie sieht es dort aus? Riecht es schlecht, sollten Sie vorsichtig sein. Zwar kann es sein, dass einige Bewohner einen stark riechenden Katheter tragen müssen. Es kann aber auch sein, dass die Pfleger die gefüllten Windeln nicht schnell genug wechseln. Gleichzeitig sollte ein Pflegeheim nicht streng nach Desinfektionsmitteln riechen wie ein Krankenhaus. Es soll ein Zuhause sein, in dem Menschen jahrelang leben. Achten Sie darauf, ob es genügend Desinfektionsspender gibt. Falls nicht, kann das auf mangelnde Hygiene deuten. Hinschauen! Welchen Eindruck machen die Heimbewohner auf Sie? Wenn diese über Stunden nur herumsitzen, warten, gar nichts machen, gibt es vielleicht kaum Angebote für Aktivitäten. Sitzen viele im Rollstuhl? Das könnte darauf hindeuten, dass es sich die Pfleger zu einfach machen. Die Bewohner lieber in einen Rollstuhl setzen, als sie zu mobilisieren, ihre Beweglichkeit zu erhalten.

Reden! 

Auch im Gespräch mit dem Heimleiter oder Betreiber sollten Sie auf Ihr Bauchgefühl vertrauen. Ersetzt ein Hochglanzprospekt ein ausführliches Gespräch mit persönlicher Führung, dann ist das kein gutes Zeichen. Viele Betreiber schulen ihre Heimleiter und Pfleger für die Gespräche mit potenziellen Kunden. Seien Sie also stets skeptisch. Interessant sind auch Auskünfte von Heimbewohnern oder anderen Angehörigen. Wie zufrieden sind die Kunden des Heims?

Fragen!

Grundsätzlich ist interessant: Wie viele Bewohner leben in einem Wohnbereich? Gibt es mehr Einzelzimmer oder Doppelzimmer? Kann man eigene Möbel mitbringen? Und: Wie lang ist die Wartezeit bis zum Einzug? Längere Wartelisten sind oft ein gutes Zeichen. Fragen Sie die Verwaltung nach der Art und Anzahl des Personals in Früh-, Spät- und Nachtdienst. Wie viele Bewohner muss eine Pflegekraft betreuen? Setzt das Heim Leih-Arbeiter ein? Gibt es „87b-Kräfte“, gesetzlich anerkannte Betreuungskräfte, die die Bewohner zusätzlich betreuen? Welche Tätigkeiten übernehmen sie?

Schmecken!

Wie gut das Essen ist, erfahren Sie am ehesten, indem Sie mitessen. Fühlen Sie sich wie in einem Krankenhaus, in einem Hotel oder wie zu Hause? Helfen die Bewohner beim Kochen oder warten sie nur darauf, dass ihnen jemand etwas vor die Nase stellt? Beobachten! Beobachten Sie die Pfleger dabei, wie diese die alten Menschen berühren. Wird den Bewohnern unter die Schultern gegriffen? Das ist für das Personal oft einfacher, lässt die Bewohner mit der Zeit aber passiv werden. Oder bieten die Pfleger den Arm an und warten darauf, dass sich die Bewohner selbst hochdrücken, oft wackelig den Gang heruntergehen – statt sie in einen Rollstuhl zu hieven und zum Zimmer zu schieben. Solche feinen Unterschiede sagen viel aus über die Qualität des Personals. Sehen Sie viele Gitter und Gurte an den Betten? Fixierungen müssen gerichtlich angeordnet werden. Heime sollten alles dafür tun, die Zahl der Gitter und Gurte so niedrig wie möglich zu halten.

Erleben! 

Versuchen Sie, sich so frei wie möglich im Heim zu bewegen. Sind die Zimmer und Gemeinschaftsräume liebevoll gestaltet? Setzen Sie sich eine halbe Stunde hin und erleben Sie den Alltag. Wenn Sie ein Heim in die nähere Auswahl nehmen, sollten Sie die Einrichtung noch ein zweites Mal besuchen, diesmal ohne sich anzumelden. Und wenn Sie sich ein gutes Bild gemacht haben und ein Heim Ihrer Wahl gefunden haben – dann ziehen Sie nicht einfach ein. Sondern vereinbaren Sie ein Probewohnen, mit Aussicht auf dauerhaften Aufenthalt. Erst dann sollten Sie wirklich einen Vertrag unterschreiben.

So schneiden die Pflegeheime im Landkreis Fürstenfeldbruck ab

Zum Vergrößern auf das Kästchen rechts oben klicken.

Die Tabelle zeigt die wichtigsten Kategorien für eine gute Pflege: Schmerzversorgung, medizinische Versorgung, Nahrungsversorgung, Wundbehandlung und Inkontinenzhilfe. Wenn Pflegeheime hier Probleme haben, kann das ein Hinweis auf Mängel sein. Ein rotes Kästchen bedeutet, dass das jeweilige Heim bei der Bewertung durch den Pflege-TÜV in der jeweiligen Kategorie nicht die volle Punktzahl erreicht hat. Beispiel: Wenn „Wundbehandlung“ rot markiert ist, hat das entsprechende Heim nicht die volle Punktzahl erreicht. Zudem ermöglicht die Tabelle einen Preisvergleich bei vollstationären Pflegeplätzen, aufgeteilt nach Pflegestufen. Wichtig: Die Preisangaben sind Durchschnittspreise ohne Investitionskosten und ohne Ausbildungsabgabe, da die Investitionskosten nicht bei allen Heimen für alle Bewohner gleich sind. Der Stand der Preisangaben ist der 7. April 2016. Die Daten hat das Recherchezentrum correctiv.org zusammengetragen. Die Auswertung aller deutschen Pflegeheime findet sich unter www.correctiv.org/pflege. Mitte Juni erscheinen die correctiv-Recherchen in Buchform: Jeder pflegt allein (20 Euro), zu bestellen unter shop.correctiv.org.

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