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So wirkt die "Pille danach"

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Von: Barbara Wimmer

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Berlin - Die "Pille danach" ist Thema im Bundestag. Am Donnerstag wird über die mögliche Befreiung von der Rezeptpflicht beraten. Die tz sammelt die Argumente dafür und dagegen.

Die „Pille danach“ soll von der Verschreibungspflicht befreit werden, das wollen – unter anderem – Grüne und Linke, die mit ihrem Antrag dafür gesorgt haben, dass das Thema nächsten Donnerstag im Bundestag beraten wird. Die Fronten sind einigermaßen klar: Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) wendet sich gegen den Vorstoß, der auch vom Sachverständigenausschuss des Bundesinstitutes für Arzneimittel unterstützt wird. Eine starke Nebenwirkung des Tagesordnungspunktes wird sein, dass schon im ersten Quartal ein Dissens in der GroKo offenbar wird: Die SPD ist nämlich auch für eine Freigabe. Im Jahr 2013 hatte der rot-grün dominierte Bundesrat auf Initiative des SPD-geführten Bundeslandes Nordrhein-Westfalen ebenfalls die rezeptfreie Abgabe des Verhütungsmittels beantragt. In vielen Ländern seien damit gute Erfahrungen gesammelt worden. Die tz zeigt, wie die "Pille danach" wirkt und gibt eine Übersicht über Für und Wider Rezeptfreiheit.

So wirkt die "Pille danach"

Präparate: Zur Empfängnisverhütung nach einem Geschlechtsverkehr stehen in Deutschland grundsätzlich zwei hormonell wirksame Präparate zur Verfügung: Pidana mit dem Gestagenderivat Levonorgestrel und der Wirkstoff Ulipristalacetat. Die aktuelle Diskussion dreht sich um den Wirkstoff Levonorgestrel.

Wirkung: Beide Wirkstoffe unterdrücken oder verzögern den Eisprung. Sie verhindern dadurch eine Befruchtung, wenn es vor dem Eisprung zum Geschlechtsverkehr gekommen ist. Je mehr Zeit danach vergeht, desto weniger wirksam ist die Pille danach. Die Pille mit dem Wirkstoff Levonorgestel muss spätestens drei Tage (72 Stunden) danach eingenommen werden. Nach 24 bis 48 Stunden ist sie nur noch zu 85 Prozent wirksam.

Einschränkung: Die Wirksamkeit kann auch durch Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten (Antibiotika, Antidepressiva, Mitteln gegen Epilepsie) oder Arzneien mit Johanniskraut eingeschränkt sein.

Nebenwirkungen: Häufig auftretende Nebenwirkungen bei Levonorgestrel sind Übelkeit, Kopfschmerzen und Unterbauchschmerzen sowie Blutungen.

Verhütungsmittel: Die Pille danach sollte nur im Notfall eingenommen werden. Die Dosis von Levonorgestrel liegt beim 15-Fachen der üblichen Tagesdosis von Antibabpillen!

Pro

- Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfahl 2010 aufgrund der relativ guten Verträglichkeit von Levonorgestrel und weil eine ärztliche Untersuchung vor der Einnahme nicht nötig sei, die „Pille danach“ rezeptfrei zugänglich zu machen. So könnten ungewollte Schwangerschaften oder Schwangerschaftsabbrüche vermieden werden.

- Der zuständige Ausschuss des Bundesinstitutes für Arzneimittel und Medizinprodukte hat sich schon Mitte 2003 dafür ausgesprochen, die Pille danach auf Basis des Hormons Levonorgestel aus der Rezeptpflicht zu entlassen.

- Fast alle europäischen Länder außer Italien und Polen haben die Rezeptpflicht abgeschafft, als letztes 2009 Spanien, im selben Jahr wie die USA.

- Die Grünen beklagen die „Blockadepolitik“ Gröhes und der Union. Fraktionsvize Katja Dörner sagte, es sei „längst überfällig, auch in Deutschland Frauen zur Verhinderung einer ungewollten Schwangerschaft in Notfallsituationen einen selbstbestimmten, schnellen Zugang zur ,Pille danach‘ zu ermöglichen“.

- Beratung durch Apotheker: In der Schweiz wurde die Beratung 2002 vom Arzt auf den Apotheker verschoben. Diese Praxis könnte man durchaus auch in Deutschland einführen, so der Andreas Kiefer, Präsident der Bundessapothekenkammer zur Welt. Die Apotheker wollen sich im aktuell diskutierten neuen Leitbild ohnehin verstärkt als Alternative zum Arzt präsentieren. Gröhe kann sich die Beratung an der „Fensterklappe“ einer Apotheke schlecht vorstellen.

Kontra

- Beratungspflicht: Minister Gröhe setzt auf „einen zügigen, diskriminierungsfreien Zugang zur Pille danach“ – aber eben mit Beibehaltung der ärztlichen Beratung und Rezeptpflicht.

- Verschreibungszahl tendiert nach oben: 13 Prozent aller Frauen haben die Pille danach schon mindestens einmal eingenommen. Allein 2013 wurde das Präparat laut Gesundheitsministerium knapp 200 00-mal verschrieben, mehr als je zuvor. Für Gröhe ein Grund mehr, auf Verschreibungspflicht zu pochen.

- Abtreibungen: Aufgrund der geltenden Praxis sei in Deutschland die Zahl der Abtreibungen bei Teenagern deutlich gesunken, während sie in anderen Ländern mit rezeptfreier „Pille danach“ ansteige, so Gröhe. Der Berufsverband der Frauenärzte befürchtet ebenfalls „eine Zunahme von Schwangerschaftsabbrüchen und vor allem von Schwangerschaftsabbrüchen bei Teenagern“, so Christian Albring, Präsident des Berufsverbandes. Grund: Levonorgestrel sei das am wenigsten wirkungsvolle Mittel, um eine ungewollte Schwangerschaft zu verhindern.

- Nebenwirkungen: Der Verband der Frauenärzte glaubt, „dass diese Präparate vielfach ohne Grund eingenommen werden, wir fürchten deshalb eine Zunahme von Nebenwirkungen, nicht zuletzt auch von Thrombosen bei gefährdeten Mädchen und Frauen.“

- Sorgloser Umgang mit Verhütung: Diese Folge befürchtet die Gynäkologin Anette Voigt – sie ist eigentlich für eine Abschaffung der Rezeptpflicht – vor allem bei Minderjährigen gegenüber der Welt.

BW

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