Weniger zuzahlungsfreie Medikamente

Pillen-Schock! Diese Medikamente kosten jetzt

München - Die Liste der zuzahlungsfreien Medikamente wurde zum 1. Juli drastisch gekürzt. Rund 1800 Mittel kosten jetzt in der Apotheke. Die tz erklärt, worauf Patienten jetzt achten müssen.

Neuer Ärger für die Patienten in Deutschland! Die Liste der zuzahlungsfreien Medikamente ist mit dem 1. Juli radikal zusammengestrichen worden – gut 1800 Mittel sind davon betroffen. Das bedeutet: Die Apotheker werden von ihren Kunden für Medikamente, die sie bisher kostenfrei erhalten haben, Geld verlangen. Die tz erklärt die Hintergründe und worauf Patienten jetzt achten müssen:

Warum sind auf einmal weniger Medikamente von der Zuzahlung befreit? Die Krankenkassen haben ihre Festbeträge für 46 Arzneimittelgruppen gesenkt. „Damit sinkt die Obergrenze des Betrages, den die Krankenkassen für Arzneimittel erstatten“, heißt es beim Deutschen Apotherverband. Sprich: Der Festbetrag ist der Preis, den die Krankenkassen den Apotheken tatsächlich erstatten.

Wer legt diese Obergrenze fest? Der Spitzenverband der Krankenkassen. Jedes Jahr wird der Festbetrag gesenkt – so sollen die Hersteller einem stärkeren Wettbewerb bei den Preisen ausgesetzt werden.

Diese Medikamente sind jetzt zuzahlungspflichtig

Wie reagieren die Hersteller? Häufig senken sie ihre Preise auf oder unter die jeweilige Grenze. Tun sie das nicht, müssen gesetzlich Versicherte die Differenz zwischen dem Preis und der Erstattung der Krankenkasse als Aufzahlung selber übernehmen.

Was hat das ganze mit der Zuzahlung zu tun? Damit ein Medikament von der Zuzahlung befreit wird, muss es besonders günstig sein. Die Kassen schreiben hierfür einen Wert von 30 Prozent unter dem Festbetrag vor. Sinkt der Festbetrag, überschreiten mehr Medikamente diese Marke als noch zuvor.

Wie viele Medikamente sind aktuell betroffen? Derzeit existiert für rund 33.000 Präparate ein solcher Festbetrag. Bisher waren 4800 Produkte zuzahlungsbefreit – künftig sind es nur noch 3000. Damit sinkt die Quote der zuzahlungsbefreiten Medikamente von fast 15 auf unter 10 Prozent.

Diese Medikamente sind weiterhin zuzahlungsbefreit

Wie hoch sind die Zuzahlungen? Das hängt vom Preis des Medikaments ab. Als Faustregel gilt: Zehn Prozent des Verkaufspreises werden fällig. Mindestens jedoch fünf Euro – und höchstens zehn Euro.

Wie kommt man an ein zuzahlungsfreies Medikament? Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker – nach Alternativen. Eigentlich müssten Ärzte es ihren Patienten mitteilen, wenn sie ein Medikament verschreiben, dass über der Festpreisgrenze liegt. Beim Apotheker kann man aber immer noch das Präparat gegen ein günstigeres mit dem gleichen Wirkstoff eintauschen. Das geht allerdings nur, wenn kein Rabattvertrag mit der Krankenkasse besteht.

Was haben die Rabattverträge damit zu tun? Die Kassen können frei entscheiden, mit welchem Hersteller sie einen Rabattvertrag, also eine Preisermäßigung für diese eine Krankenkasse, abschließen will. Diese sind verpflichtend einzuhalten und können verhindern, dass die Apotheke ein zuzahlungsbefreites Medikament mit dem gleichen Wirkstoff ausgeben darf.

Was haben die Kassen eigentlich davon? Sie sparen gleich mehrfach Geld. Einmal dadurch, dass sie die Festbeträge senken und so der Höchstpreis für Medikamente sinkt. Und auch wenn Patienten plötzlich eine Zuzahlung für ein bisher befreites Präparat leisten müssen, entlastet das die Kassen finanziell.

Marc Kniepkamp

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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