Große Gesundheitsstudie

Rauch-Stopp lohnt sich auch im Alter

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München - Das macht Tabakaussteigern Mut! Wie sehr es sich lohnt, dem blauen Dunst auch nach vielen Jahren noch abzuschwören, dokumentiert der große tz-(Nicht-)Raucher-Report.

Nichts nervt eingefleischte Raucher so sehr wie Belehrungen mit dem erhobenen Zeigefinger. Sie wissen ja selbst, dass Zigaretten Gift für ihr Herz-Kreislauf-System sind, vom Krebsrisiko mal ganz abgesehen. Aber jetzt gibt es neue wissenschaftliche Erkenntnisse, die möglicherweise mehr Eindruck hinterlassen als Moralpredigten – weil sie potenziellen Tabakaussteigern Mut machen! Wie sehr es sich lohnt, dem blauen Dunst auch nach vielen Jahren noch abzuschwören, dokumentiert der große tz-(Nicht-)Raucher-Report.

Eine aktuelle Mammutanalyse des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) belegt: Selbst wenn man erst in einem Alter jenseits der 60 dem blauen Dunst abschwört, kann man gesundheitlich noch sehr davon profitieren. „Schon in den ersten fünf Jahren nach der letzten Zigarette sinkt das Risiko messbar, an einem Herzinfarkt oder Schlaganfall zu sterben“, berichtet DKFZ-Expertin Dr. Ute Mons im tz-Gespräch.

Gemeinsam mit ihrem Team hat die federführende Epidemiologin die Daten von über einer halben Million Menschen aus Europa und den USA ausgewertet, dabei sind die Ergebnisse aus 25 Einzelstudien eingeflossen. Alle berücksichtigten Männer und Frauen waren mindestens 60 Jahre oder älter. Es handele sich um die bislang umfangreichste Untersuchung zu den Auswirkungen des Rauchens auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei älteren Menschen, teilt das DKFZ mit.

Wie sehr das (statistische) Herztodrisiko mit jedem rauchfreien Jahr sinkt, offenbart die DKFZ-Untersuchung in Prozentwerten. Schon nach zehn Jahren sinkt es um 22 Prozent (siehe Tabelle). „Im Mittel ist die Wahrscheinlichkeit, an einem Infarkt oder Schlaganfall zu sterben, für ehemalige Raucher nur noch um 30 Prozent erhöht“, erläutert Dr. Mons.

Klar ist natürlich: Die Statistik sagt nichts über Einzelfälle aus. Ob, wann und wie sehr die Zigaretten krank machen, ist von Raucher zu Raucher verschieden. Allerdings lässt sich aus den DKFZ-Auswertungen ein klarer Trend ablesen. So hat Dr. Mons beispielsweise errechnet, um wie viele Jahre das Rauchen den Herztod beschleunigt. Demnach versterben Raucher ab 60 im Mittel fünfeinhalb Jahre früher an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung als Nichtraucher. Bei Ex-Rauchern sind es dagegen nur noch zwei Jahre.

Noch stärker können Raucher freilich ihr Gesundheitsrisiko senken, wenn sie bereits in jüngeren Jahren ihr Laster aufgeben. Zwar hat Dr. Mons dazu selbst keine aktuellen Analysen vorgenommen, aber sie verweist auf eine hochbeachtete und aussagekräftige britische Studie über männliche Raucher. Sie lief über 50 Jahre. Dabei kam heraus, dass Raucher im Durchschnitt zehn Jahre früher sterben als Nichtraucher.

Dass Rauchen oft tödlich ist, beweisen schockierende Zahlen. So hat Dr. Mons ermittelt, dass an den Folgen des Rauchens allein in Deutschland jedes Jahr zwischen circa 100 000 und 120 000 Menschen sterben. Weltweit sind es mehr als fünf Millionen, berichtet das Robert-Koch-Institut (RKI). In einer Studie aus dem Jahr 2012 heißt es unter anderem: „Die Kosten für die medizinische Versorgung von Krankheiten, die auf das Rauchen zurückgehen, werden in Deutschland mit 7,5 Milliarden Euro beziffert.“

Trotzdem greifen laut RKI-Informationen nach wie vor 28 Prozent der Bundesbürger zur Zigarette – und zwar 31 Prozent der Männer und 24 Prozent der Frauen (siehe Tabelle). Erfreulich ist allerdings, dass der Anteil der minderjährigen Raucher spürbar schrumpft. „Er liegt derzeit bei zwölf Prozent. „2001 waren es noch 28 Prozent“, weiß Dr. Mons. Sie führt dies vor allem auf die Erhöhung der Tabaksteuer zurück. „Das ist nachweislich die wirksamste Maßnahme.“

Ob sich auch langjährige Raucher ab 60 durch Steuererhöhungen von den Zigaretten abbringen lassen? Möglicherweise können in dieser Altersgruppe auch die Ärzte einen Sinneswandel anstoßen. „Häufig bekommen ältere Patienten zu hören: ‚Wenn Sie schon so lange geraucht haben, dann brauchen Sie jetzt auch nicht mehr unbedingt damit aufzuhören‘“, weiß Dr. Mons. „Aber das stimmt nicht, wie unsere Untersuchung eindeutig belegt. Deshalb sollten die Mediziner auch Patienten in fortgeschrittenem Alter immer wieder zu einem Rauch-Stopp ermuntern. Es lohnt sich!“

Später Rauch-Stopp ab 60 Jahren: So stark sinkt das Herztod-Risiko

Dieser Risiko-Vergleich bezieht sich immer auf Gleichaltrige, die unverändert weiterrauchen.

Rauchfreie Zeit Risiko-Reduzierung
In den ersten fünf rauchfreien Jahren 10 Prozent weniger Risiko
5 bis 9 Jahre rauchfrei 16 Prozent weniger Risiko
10 bis 19 Jahre rauchfrei 22 Prozent weniger Risiko
20 Jahre und länger rauchfrei 39 Prozent weniger Risiko

Zur Erklärung: In dieser tz-Übersicht bezieht sich der Begriff Herztod auf alle Herz-Kreislauf-Erkrankungen, beispielsweise auch auf Schlaganfälle. Datenquelle: Deutsches Krebsforschungszentrum/Dr. Ute Mons.

So viele Frauen rauchen

Anteil an der weiblichen Bevölkerung in Prozent

Altersgruppe Raucher Ex-Raucher Nie geraucht
Frauen insgesamt 23,9 20,5 55,6
18 bis 29 Jahre 30,2 11,3 58,5
Untere Bildungsgruppe 32,2 10,0 57,7
Mittlere Bildungsgruppe 29,7 11,8 58,5
Obere Bildungsgruppe 28,0 12,2 59,8
30 bis 44 Jahre 31,4 20,6 47,9
Untere Bildungsgruppe 45,7 12,6 41,8
Mittlere Bildungsgruppe 33,4 21,1 45,6
Obere Bildungsgruppe 20,6 24,1 55,3
45 bis 64 Jahre 27,6 25,9 46,5
Untere Bildungsgruppe 31,2 25,4 43,4
Mittlere Bildungsgruppe 29,5 25,6 44,9
Obere Bildungsgruppe 19,8 26,9 53,3
ab 65 Jahren 9,4 18,6 72,0
Untere Bildungsgruppe 8,6 14,9 76,5
Mittlere Bildungsgruppe 10,6 20,1 69,3
Obere Bildungsgruppe 7,7 27,8 64,5

Quelle: Robert-Koch-Institut/Gesundheitsberichterstattung des Bundes

So viele Männer rauchen

Anteil an der männlichen Bevölkerung in Prozent

Altersgruppe Raucher Ex-Raucher Nie geraucht
Männer insgesamt 31,4 29,9 38,7
18 bis 29 Jahre 38,6 10,7 50,7
Untere Bildungsgruppe 42,6 6,7 50,7
Mittlere Bildungsgruppe 38,6 12,6 48,8
Obere Bildungsgruppe 30,0 11,7 58,3
30 bis 44 Jahre 39,1 22,6 38,2
Untere Bildungsgruppe 49,4 22,5 28,2
Mittlere Bildungsgruppe 44,4 22,0 33,6
Obere Bildungsgruppe 26,0 23,9 50,2
45 bis 64 Jahre 32,8 34,7 32,5
Untere Bildungsgruppe 38,0 38,7 23,2
Mittlere Bildungsgruppe 37,1 34,1 28,8
Obere Bildungsgruppe 23,7 34,5 41,7
ab 65 Jahren 14,6 45,8 39,6
Untere Bildungsgruppe 23,3 32,5 44,2
Mittlere Bildungsgruppe 15,0 48,6 36,4
Obere Bildungsgruppe 9,5 47,2 43,3

Quelle: Robert-Koch-Institut/Gesundheitsberichterstattung des Bundes

Jeder vierte Deutsche raucht

Immer mehr Bundesbürger verzichten auf Zigaretten. So ist der Anteil der Raucher an der Gesamtbevölkerung seit 2003 um bis zu sieben Prozentpunkte gesunken. Allerdings greifen noch immer 28 Prozent zum Glimmstengel – heißt unterm Strich: Mindestens jeder vierte Deutsche raucht. Das geht aus der Studie Gesundheit in Deutschland aktuell 2012 (GEDA) hervor, die das Robert-Koch-Institut (RKI) veröffentlicht hat.

Die weiteren Ergebnisse: Nach wie vor ist der Raucheranteil bei den Männern mit 31 Prozent deutlich höher als bei den Frauen mit 24 Prozent. Lediglich 39 Prozent der Männer und 56 Prozent der Frauen haben nie geraucht, so das Robert-Koch-Institut weiter. Und: Bei beiden Geschlechtern ist der Raucheranteil in der Altersgruppe zwischen 18 und 44 Jahren am höchsten. Bei den 45- bis 64-Jährigen ist die Quote nur etwas niedriger. Erst im höheren Lebensalter ab 65 Jahren rauchen deutlich weniger Menschen.

Interessant: Es gibt bezüglich des blauen Dunsts auch regionale Unterschiede. So ist der Raucheranteil bei uns in Bayern (31,4 Prozent der Männer und 21,6 Prozent der Frauen) deutlich geringer als in den Berlin sowie in den nördlichen neuen Bundesländern Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern (35,0/25,3 Prozent). Den geringsten Wert bei den Männern weist Baden-Wütterberg mit 28,2 Prozent auf, bei den Frauen sind es Thüringen und Sachsen mit 20,8 Prozent.

Andreas Beez

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