Sechs mutmaßliche IS-Mitglieder in mehreren Bundesländern festgenommen

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Spezialist erklärt die Kopfverletzung

So tückisch ist ein Schädel-Hirn-Trauma

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Professor Bernhard Meyer ist Spezialist für Kopf- und Gehirnverletzungen.

München - Michael Schumacher hat bei seinem Ski-Unfall ein schweres Schädel-Hirn-Trauma erlitten. Der Münchner Professor Bernhard Meyer erklärt in der tz, was diese Kopfverletzung für Patienten bedeutet.

Albtraum Schädel-Hirn-Trauma – immer wieder werden Skifahrer wie Michael Schumacher in Krankenhäuser eingeliefert. In der tz erklärt Professor Dr. Bernhard Meyer, was diese Verletzungen für die Patienten bedeuten und wie die Ärzte versuchen, ihr Leben zu retten. Der 51-jährige Chef des Neuro-Kopf-Zentrums am Münchner Klinikum rechts der Isar gehört zu Deutschlands renommiertesten Neurochirurgen. Andreas Beez

Was versteht man unter einem Schädel-Hirn-Trauma?

„Als Schädel-Hirn-Trauma (SHT) bezeichnet man eine Kopfverletzung, bei der sowohl der Schädelknochen als auch das Gehirn geschädigt worden ist“, so Meyer. Mediziner unterscheiden zwischen einem gedeckten SHT ohne äußere Verletzung und einem offenen SHT. Dabei sind auch Kopf- und Hirnhaut beschädigt.

Wie wird der Schweregrad eines Schädel-Hirn-Traumas (SHT) bestimmt?

Nach der internationalen Glasgow-Koma-Skala wird ein Schädel-Hirn-Trauma in drei Schweregrade unterteilt: das leichte, das mittelschwere und das schwere. „Die Einstufung richtet sich im Wesentlichen nach dem Grad der Bewusstseinseinschränkung“, so Meyer. So wird ein leichtes SHT ersten Grades auch als Gehirnerschütterung bezeichnet. Der Patient war nur einige Sekunden bis maximal zehn Minuten bewusstlos. Beim mittelschweren SHT zweiten Grades spricht man von einer Gehirnprellung. Hierbei hält die Bewusstlosigkeit länger als zehn Minuten an. Und im Falle eines schweren SHT dritten Grades – das auch Michael Schumacher erlitten hat – liegt eine Gehirnquetschung vor. Der Patient ist länger als eine Stunde ohne Bewusstsein.

Was genau bedeutet Koma bzw. künstliches Koma?

Wenn ein Mensch im Koma liegt, dann ist er nicht bei Bewusstsein. Dies kann infolge eines Traumas der Fall sein. Ein künstliches Koma bedeutet, dass der Patient mit Hilfe von Medikamenten in einen Tiefschlaf versetzt worden ist.

Was ist der Unterschied zwischen einer Hirnblutung und einem Hirnödem?

„Ein Hirnödem ist eine unnatürliche Wassereinlagerung im Gehirn“, erklärt Meyer. „Meistens entsteht sie im Umfeld einer Hirnblutung. Das Tückische am Hirnödem ist, dass es sich oft noch 24 bis 48 Stunden nach dem Trauma weiterentwickeln und ausdehnnen kann. Oft ist dieser sogenannte sekundäre Schaden noch problematischer als die ursprüngliche Verletzung.“

Warum ist ein Hirnödem so gefährlich?

Professor Meyer: „Weil dadurch der Hirndruck ansteigt. Man kann sich das so vorstellen: Der Platz innerhalb des Schädels ist begrenzt, aber das Volumen des Gehirns wird immer größer, es dehnt sich aus. Dadurch steigt der Druck aufs Gehirn an und quetscht es. Wenn der Druck zu groß wird, stirbt der Patient.“

Was bedeuten die Begriffe „weit verbreitete Verletzungen“ und „Läsionen im Gehirn“?

Dann haben Schädelknochen und Gehirn an verschiedenen Stellen Schaden genommen. Läsion ist der Obergriff für Blutungen und Ödeme.

Wie diagnostiziert man das Ausmaß einer Hirnverletzung?

Zunächst machen die Ärzte immer eine Computertomografie (CT) vom Schädel. Diese Untersuchung „in der Röhre“ wird oft auch als Hirn-Scan bezeichnet. „Auf den Bildern kann man erkennen, wo sich Flüssigkeiten wie Blut oder Wasser im Gehirn eingelagert haben. Auch Verletzungen am Schädelknochen sind sichtbar“, berichtet Meyer.

Wie behandelt man ein schweres SHT?

Der Schädelspezialist: „Alle Behandlungen zielen darauf ab, den Druck innerhalb des Schädels zu senken. Der Patient bekommt spezielle hirndrucksenkende Medikamente. Er wird in ein künstliches Koma versetzt, seine Körpertemperatur auf etwa 35 Grad heruntergekühlt. Dadurch werden der Stoffwechsel und die Durchblutung vermindert – um so das Volumen im Schädel zu reduzieren.“ Oft kommt auch eine Sonde zum Einsatz. Mit dieser speziellen Hohlnadel punktieren die Ärzte die Hirnkammer – sie saugen praktisch Hirnwasser ab, um den Hirndruck zu senken. Wenn das alles nicht ausreicht, wird ein Teil der Schädeldecke vorübergehend entfernt und solange tiefgefroren, bis das Gehirn wieder abgeschwollen ist. Bei einem sogenannten diffusen SHT mit mehreren verletzten Stellen müssen die Ärzte in der Regel die halbe Schädeldecke vorübergehend entfernen.

Wie lange kann ein kritischer Zustand anhalten, bevor der Patient außer Lebensgefahr ist?

„In der Regel weiß man etwa 72 Stunden nach dem SHT, ob der Patient das Gröbste überstanden hat.“

Welche bleibenden Schäden können entstehen?

Der Experte: „Das kann man nie vorhersagen. Die Spannbreite reicht von vollständiger Genesung bis hin zu schwerster Behinderung.“

Wann lässt sich frühestens beurteilen, ob ein Patient bleibende Schäden davongetragen hat?

Meyer: „Nach sechs Wochen hat man einige Anhaltspunkte, aber Genaueres weiß man in den allermeisten Fällen erst nach drei Monaten.“

In welchem Maße kann sich das Gehirn nach einer Verletzung regenerieren?

Manchmal übernehmen nicht verletzte Hirnregionen einen Teil der Funktionen der beschädigten Bereiche – beispielsweise des Bewegungs- oder des Sprachzentrums. Aber in welchem Ausmaß dieser Teilersatz funktioniert, lässt sich nur schwer sagen. „Hier steht die Forschung noch am Anfang“, so der Neurochirurg.

Wie verhält man sich richtig, wenn man als Ersthelfer zu einem Patienten mit SHT kommt?

„Man sollte sofort einen Notruf absetzten und den Patienten in die stabile Seitenlage bringen“, rät der Professor. „Wenn er keinen Puls mehr hat, dann sollte man Wiederbelebungsversuche starten. Mehr kann man als Laie nicht tun.“

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