Unterfunktion der Schilddrüse

Schilddrüsenunterfunktion: So erkennen und behandeln Sie eine Hypothyreose

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Eine Schilddrüsenunterfunktion kommt mit vielfältigen Symptomen daher. Ständige Müdigkeit ist eines davon.

Frieren, Gewichtszunahme oder Erschöpfung: Es gibt viele Symptome einer Schilddrüsenunterfunktion. Worauf Sie noch achten sollten, erklärt hier ein Experte.

Sie hat die Form eines Schmetterlings und sitzt versteckt im Hals: Die Schilddrüse macht sich meist erst bemerkbar, wenn sie ihre Arbeit nicht mehr schafft. Bei einer Unterfunktion fühlt man sich schlapp, manche nehmen zu oder frieren leicht – ein Ratgeber.

Wann haben Sie zuletzt an Ihre Schilddrüse gedacht?

Das ist wahrscheinlich schon länger her – sofern Sie keinen Ärger mit ihr haben. Denn: "Wenn sie richtig funktioniert, merken wir überhaupt nicht, dass sie da ist", sagt Prof. Martin Reincke, Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik IV am Klinikum der Universität München. Das ändere sich aber schnell, wenn ihre Funktion gestört ist.

Nehmen Patienten zu, kann das auf eine Störung der Schilddrüsen-Funktion hindeuten. "Das allein ist aber selten ein Hinweis auf eine Unterfunktion", sagt Experte Prof. Martin Reincke. Fühlen sich Betroffene zudem ständig müde, frösteln leicht und sind antriebslos, sollte man dem Verdacht nachgehen – mit einem Bluttest.

Was genau macht die Schilddrüse überhaupt?

"Die Schilddrüse bildet lebenswichtige Hormone, die sehr viele Vorgänge in unserem Körper regeln", erklärt Experte Reincke. Von ihr hängt zum Beispiel ab, wie schnell Stoffwechselreaktionen ablaufen. Die Schilddrüse regelt den Sauerstoff- und Energieverbrauch, die Wärmebildung und den Mineralstoff- und Wasserhaushalt des Körpers. Sie steuert Puls und Pumpleistung des Herzens und beeinflusst die Verdauung.

Sie sorgt zudem für eine reibungslose Funktion der Nerven und ist wichtig für das Gedächtnis und wirkt auf den Schlaf- und Wachrhythmus. Letztlich beeinflusse sie auch das seelische Wohlbefinden, die Sexualität und die Fruchtbarkeit, sagt Reincke.

Was, wenn das Organ nicht richtig funktioniert?

Bildet die Schilddrüse nicht mehr ausreichend Hormone, spricht man von einer Unterfunktion, einer "Hypothyreose" – im Gegensatz zu einer Überfunktion (Hyperthyreose), bei der sie zu viele Hormone bildet. Eine Unterfunktion habe meist einen schleichenden Verlauf mit unspezifischen Symptomen, erklärt Reincke.

Da Schilddrüsenhormone im ganzen Körper wirken, können die Beschwerden bei einer Unterfunktion sehr vielfältig sein. Es kommen meist viele andere Ursachen infrage – und das erschwert natürlich die Diagnose. Ein Verdacht auf eine Unterfunktion bestehe daher tatsächlich erst, wenn mehrere typische Symptome gleichzeitig vorliegen, sagt Reincke.

Welche Beschwerden sind das konkret?

Da der Stoffwechsel gebremst wird, nehmen Patienten oft zu. "Eine Gewichtszunahme allein ist aber selten ein Hinweis auf eine Unterfunktion", stellt Reincke klar. Typisch sei es dagegen, wenn sich Betroffene müde, abgeschlagen, antriebslos oder sogar depressiv fühlen. Puls und Blutdruck sind bei vielen niedrig.

Patienten neigen auch zu trockener Haut sowie zu spröden und brüchigen Haaren. Viele sind sehr kälteempfindlich – "auch im Sommer". Bei Frauen wird die Monatsblutung oft unregelmäßig oder bleibt aus. Insgesamt könne man den Zustand der Betroffenen mit "einer Art Winterschlaf" vergleichen, aus dem sie sich selbst nicht befreien können.

Wie stellt der Arzt die Diagnose?

Mit einem Bluttest lässt sich die Konzentration verschiedener Hormone ermitteln: Am wichtigsten sei die Bestimmung des TSH-Wertes, sagt Reincke. TSH (Thyreoidea stimulierendes Hormon) ist ein Hormon, das in der Hypophyse, also der Hirnanhangdrüse, gebildet wird.

Die steuert so die Aktivität der Schilddrüse: Produziert diese nicht genug Schilddrüsenhormone, bildet die Hypophyse mehr TSH. Ist der TSH-Wert im Blut erhöht, besteht daher der Verdacht auf eine Unterfunktion.

Dieser bestätige sich aber nur, wenn zugleich auch die Werte für die Schilddrüsenhormone Trijodthyronin (T3) und Thyroxin (T4) zu niedrig sind. Mit einer Blutuntersuchung lässt sich zudem schnell klären, ob eine sogenannte Hashimoto-Thyreoiditis vorliegt. Das ist eine häufige Ursache einer Unterfunktion.

Was genau ist eine Hashimoto-Erkrankung?

Dabei handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung, die meist bei Frauen zwischen dem 20. und 50. Lebensjahr festgestellt wird. Bei Betroffenen bildet das Immunsystem Antikörper und Abwehrzellen, die sich gegen die Schilddrüse richten und diese nach und nach zerstören.

Ob solche Antikörper im Blut vorhanden sind, lässt sich einfach testen. Mit einer Ultraschall-Untersuchung kann der Arzt zudem sehen, ob die Schilddrüse als Folge der Erkrankung geschrumpft ist oder ob es darin entzündete Bereiche gibt.

Welche anderen Ursachen für eine Unterfunktion gibt es?

Auch eine Operation kann zu den typischen Beschwerden einer Unterfunktion führen. Musste die Schilddrüse zum Beispiel wegen einer Tumorerkrankung oder einer starken Überfunktion des Organs entfernt (Basedow-Kropf-Operation) werden, mangelt es danach natürlich auch an den Hormonen, die sie zuvor gebildet hat.

Manchmal fehlt die Schilddrüse allerdings auch schon von Geburt an: Unentdeckt und unbehandelt kann das bei betroffenen Kindern zu bleibenden Schäden wie etwa einer geistigen Behinderung führen. Um das zu verhindern, gibt es in Deutschland daher eine Reihenuntersuchung zur Früherkennung für alle Neugeborenen.

Bei Erwachsenen wiederum kann auch eine Bestrahlung im Bereich des Halses eine Unterfunktion verursachen. Äußerst selten kann eine Störung der Hirnanhangsdrüse, also der zentralen Steuerdrüse der Schilddrüse und anderer hormonbildender Gewebe, der Auslöser sein

Welche Therapie hilft den Betroffenen?

Wurde die Schilddrüse entfernt oder bildet sie nicht genug Hormone, müssen Patienten diese ersetzen – und zwar durch Tabletten, die sie lebenslang nehmen müssen. "Das Mittel der Wahl ist L-Thyroxin", sagt Reincke. Die Bezeichnung steht für "Levothyroxin", ein synthetisch hergestelltes Hormon, das wie das natürliche Thyroxin (T4) wirkt. Das wichtige Trijodthyronin (T3) stellt der Körper daraus selbst her.

Wie findet der Arzt die richtige Dosis?

Der Arzt verordnet zunächst eine niedrige Dosis L-Thyroxin. Erst nach und nach erhöht er diese, bis der Patient richtig eingestellt ist. So lasse sich eine Überfunktion vermeiden, erklärt Reincke. Ob die Dosis passt, prüft der Arzt mit einer zweiten Blutabnahme nach etwa sechs Wochen. Entscheidend sei dabei der TSH-Wert: Dieser Bereich sollte zwischen 0,4 bis 4 mU/ml sein. "Liegt er im Normbereich, wissen wir, dass wir die optimale Dosis gefunden haben", sagt Reincke.

Dann sollten auch die Beschwerden der Patienten nachlassen. Manchmal zeigt ein erhöhter TSH-Wert bereits eine Störung der Schilddrüse an. Wenn die Konzentration der Hormone T3 und T4 noch im Normbereich liegt, spricht man von einer "latenten Unterfunktion". Ob weitere Untersuchungen oder Tabletten nötig sind, entscheidet der Arzt abhängig vom Einzelfall.

Kann sich die nötige Dosis plötzlich ändern?

In der Tat kann eine Anpassung nötig sein: So haben etwa Schwangere einen deutlich höheren Bedarf. Auch die hormonelle Umstellung in den Wechseljahren, aber auch Wechselwirkungen mit anderen Arzneien können eine Anpassung nötig machen.

Aufpassen sollte man etwa bei Verhütungsmitteln oder bei Säureblockern, die oft bei Sodbrennen eingesetzt werden. Beide erhöhen den Bedarf an Schilddrüsenhormonen. Wer stark zu- oder abnimmt, sollte ebenfalls prüfen lassen, ob die Thyroxin-Dosis noch passt. "Gut eingestellt und bei regelmäßiger Einnahme sind Patienten damit aber genauso leistungsfähig", sagt Reincke.

L-Thyroxin: Das sollten Patienten bei der Einnahme beachten

Der Wirkstoff "L-Thyroxin" gehört zu den zehn am häufigsten verordneten Arzneien in Deutschland. Das Medikament kommt nämlich bei vielen Schilddrüsen-Erkrankungen zum Einsatz, die zu einem Mangel an körpereigenen Schilddrüsen-Hormonen führen. Diese lassen sich zwar durch das synthetisch hergestellte Hormon vollständig ersetzen. Patienten müssen dabei aber einiges beachten, sagt unser Experte Prof. Martin Reincke.

Ganz wichtig: "Sie sollten die Tablette dazu morgens auf nüchternen Magen mit einem Glas Wasser einnehmen", sagt Reincke. Danach müssen Sie mindestens 20 Minuten, besser eine halbe Stunde, mit dem Frühstück warten. Auch Kaffee oder Milch sollten Sie sich solange verkneifen.

Denn: Nur wenn die Tablette auf ausreichend Magensäure trifft, kann das Hormon vollständig vom Körper aufgenommen werden. Wer gleich nach der Tablette isst, riskiert Einbußen: "Das kann die Aufnahme des Hormons um rund ein Drittel reduzieren", warnt Reincke. Das Mittel wirkt dann nicht richtig.

Von Neda Caktas

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