Die tz erklärt die neuen Entwicklungen

Schlaganfall: Leben retten mit dem Stent

München - Die nackten Zahlen klingen schockierend: Jedes Jahr erleiden allein in Deutschland etwa 250.000 Menschen einen Schlaganfall, etwa jeder vierte endet tödlich. Aber es gibt zum GAU im Gehirn auch eine ermutigende Nachricht: Gerade in speziellen Behandlungszentren, sogenannten Stroke-Unites, können die Ärzte immer mehr Patienten retten.

„Die Akutversorgung, also die Behandlung unmittelbar nach dem Schlaganfall, ist in den vergangenen Jahren viel besser geworden“, berichtet Professor Dr. Martin Dichgans, Direktor des Instituts für Schlaganfall- und Demenzforschung am Uniklinikum Großhadern (ISD). „Eine der großen Herausforderungen besteht jetzt darin, künftig auch die chronischen Folgen von Schlaganfällen effektiver erforschen und behandeln zu können.“ In der tz erklärt Professor Dichgans die neuen Entwicklungen.

Akutbehandlung: Nach einem Schlaganfall zählt jede Minute – „Time is Brain“ lautet eine englische Faustregel (Zeit ist Gehirn). In der Regel spritzen die Ärzte ihren Patienten zunächst Medikamente, um die Blutgerinnsel aufzulösen. Aber gerade bei größeren Thromben – der Begriff Thrombus kommt aus dem Griechischen und bedeutet soviel wie Klumpfen oder Propfen – eignet sich die medikamentöse Behandlung nur bedingt. Hier haben Wissenschaftler und Industriekonzerne ein mechanisches Hightech-Verfahren entwickelt, den sogenannten Stent Retriever.

Viele kennen den Begriff Stent im Zusammenhang mit einem Herzinfarkt. Dabei handelt es sich um ein Gitterröhrchen aus Metall, das verengte Herzkranzgefäße stabilisieren und offenhalten soll. Im Falle des Stent-Retrievers wird das Gittergeflecht aber nicht als Gefäßstütze, sondern sozusagen als eine Art Transportzange eingesetzt. „Man umschließt damit den Thrombus und zieht ihn aus dem Gefäß“, erklärt Professor Dichgans. Der Stent-Retriever wird mit einem dünnen, hochbiegsamen Schläuchlein durch die Beinarterie (Leiste) bis ins Gehirn geschoben, Ärzte nennen diesen Schlauch Katheter.

Schlaganfall: Bleibender Schaden lässt sich verhindern

„Wie hocheffektiv dieses Verfahren ist, belegen gleich fünf kürzlich veröffentlichte klinische Studien“, berichtet Professor Dichgans. Die Daten zeigen unter anderem, dass sich mit dem Stent Retriever nicht nur Leben retten, sondern oft auch ein bleibender Schaden verhindern lässt.

Langfristige Behandlung und Nachsorge von Schlaganfall-Patienten: „Sie gewinnt immer mehr an Bedeutung“, weiß Professor Dichgans. Früher beschränkte sich die medizinische Versorgung von Schlaganfall-Patienten im Wesentlichen auf die Akutbehandlung und eine anschließende stationäre Reha. Heute wissen die Wissenschaftler, dass „auch Jahre nach einem Schlaganfall noch Nervenzellen zugrunde gehen – oft deshalb, weil die Ursachen der Gefäßerkrankung nicht ausreichend behandelt werden“, erläutert Professor Dichgans.

Dabei rücken übrigens auch die kleineren Blutgefäße im Gehirn, die sogenannten Mikrogefäße, immer mehr in den Fokus der Wissenschaftler. „Sie sind mitverantwortlich für den schleichenden Sterbeprozess von Nervenzellen im Gehirn.“

Die Zusammenhänge zwischen Schlaganfällen und Demenz: „Chronische Durchblutungsstörungen im Gehirn können dazu führen können, dass Nervenzellen im Gehirn absterben – auch zeitlich verzögert“, erklärt Professor Dichgans. „Schlaganfälle und andere Durchblutungsstörungen im Gehirn – Mediziner sprechen von cerebralen Gefäßerkrankungen – sind die zweithäufigste Ursache von Demenz nach Alzheimer.“

Rubriklistenbild: © dpa

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