OP und Brustaufbau – was möglich ist

Schöner Busen trotz Krebs

München - Dr. Ilona Funke hilft Frauen nach einer Brustkrebsbehandlung, mit ihrem Körper wieder zufrieden zu werden. Sie klärt im Interview mit der tz die wichtigsten Fragen.

Man schätzt, dass in Deutschland über 270 000 Frauen leben, die in den vergangenen fünf Jahren wegen Brustkrebs behandelt wurden. Diese Frauen mussten nicht nur um ihr Überleben kämpfen, sondern auch die Angst vor dem Verlust an Schönheit und Attraktivität verkraften: Bei jeder fünften Patientin muss die Brust ganz abgenommen werden, bei den übrigen wird sie durch die Tumorentfernung meist umgeformt. Irgendwann möchten sich die Frauen wieder ganz fühlen, ist die Erfahrung der Chirurgin und Privatdozentin Dr. Ilona Funke, Leiterin des Brustzentrums der Rinecker-Klinik in München. Die Fachärztin für Plastische und Ästhetische Chirurgie hilft Frauen nach einer Brustkrebsbehandlung, mit ihrem Körper wieder zufrieden zu werden. Sie klärt in der tz die wichtigsten Fragen.

S. Stockmann

Für wen ist ein Brustaufbau geeignet?

Ilona Funke: Prinzipiell ist er für jede Patientin geeignet, die dies wünscht, und wenn ihr allgemeiner Gesundheitszustand eine entsprechend große Operation erlaubt. Man muss dazu nicht als geheilt gelten.

Besteht das Risiko, dass der Krebs durch einen Brustaufbau wiederkommt?

Funke: Wir wissen aus Studien, dass ein Brustaufbau definitiv nicht schädlich ist. Auch die Nachsorge wird nicht erschwert, denn mit Ultraschall und mit Kernspintomographie haben wir gute bildgebende Verfahren, um nach einem Brustaufbau sichere Aussagen machen zu können. Leider kehrt auch bei Patientinnen der Krebs zurück, die nach der Therapie und den Nachsorgeuntersuchungen jahrelang als tumorfrei galten. Aber eine Rekonstruktion der Brust hat auf dieses Risiko keinen Einfluss.

Was ist ein optimales Ergebnis?

Funke: Wir wollen eine möglichst gute Form- und Volumensymmetrie zwischen der erkrankten und der gesunden Brust erreichen. Der Frau soll es z. B. möglich sein, im Sommer einen Bikini zu tragen. Bei der Entnahme des Gewebes am Bauch oder am Gesäß wird darauf geachtet, die Narben in den Bereich der Bikinizone zu legen. Es bleiben auch an der Brust Narben zurück, aber interessanterweise stört dies die Patientinnen kaum. Etwa jede vierte Frau nimmt das Angebot an, zusätzlich zum Aufbau der erkrankten Brust, die gesunde Brust zu verkleinern oder zu straffen, um die Symmetrie nochmals zu verbessern.

Wann ist der richtige Zeitpunkt?

Funke: Den muss jede Frau für sich selbst finden. Als Arzt darf man die Patientinnen nicht mit den Möglichkeiten überrumpeln. Natürlich kann man gleich bei der Tumoroperation einen Wiederaufbau vornehmen, und das gibt meist das schönste Ergebnis, weil man die Brusthaut erhalten kann und kaum Narben bleiben. Aber man hat auch später noch alle Möglichkeiten zur Verfügung. Nach meiner Erfahrung will die Mehrheit der Patientinnen zunächst die Krankheit für sich verarbeiten und die belastende Behandlung verkraften. Die Entscheidung zum Brustaufbau kann Jahre dauern. Und es gibt Frauen, die erkennen, dass es für sie nicht wichtig ist, und die sich dagegen entscheiden. Das respektiere ich sehr. Dennoch es ist wichtig, die Frauen vor der Therapie zu informieren. Für viele ist es ein Trost zu wissen, dass es diese Möglichkeiten gibt, die sie dann wahrnehmen können, wenn sie wieder die Kraft dazu haben. Die Entscheidung ist übrigens keine Altersfrage. Das hat mit dem Selbstempfinden und dem Selbstverständnis der betroffenen Frau zu tun. Da gibt es die 80-jährige Patientin, die genauso hadert wie die junge Frau. Auch diese Patientinnen nehmen wir ernst.

Dr. Funke leitet das Brustzentrum der Rineckerklinik, Telefon: 089/72440/0

OP und Brustaufbau – das ist möglich:

Brusterhaltende OP:

Bei circa drei Viertel der Patientinnen bleibt die Brust erhalten. Die Chirurgen entfernen den Tumor und formen das verbliebene Drüsengewebe während des Eingriffs um. Dadurch gibt es meist keine oder nur eine kleine sichtbare Differenz zwischen operierter und nicht operierter Brust. Wird die neue Brust jedoch deutlich kleiner als die gesunde, kann dies durch Silikoneinlagen ausgeglichen werden. Oder die gesunde Brust wird verkleinert.

Brustamputation: Wenn der Tumor an mehreren Stellen der Brust sitzt, werden das gesamte Drüsengewebe und die Brustwarze operativ entfernt. Entscheidend ist, dass man den Tumor komplett entfernt. Früher wurden vorbeugend Anteile der Brustwand mit weggenommen, das macht man heute nicht mehr. Diese radikale Methode hat die Heilungsrate nicht erhöht. Es ist möglich, während der Tumoroperation gleich den Wiederaufbau vorzunehmen. Das passiert jedoch verhältnismäßig selten, meistens wird der Brustaufbau zu einem späteren Zeitpunkt vorgenommen.

Brustaufbau: Der Eingriff mit dem geringsten Aufwand und der kürzesten Operationszeit ist ein Implantat aus Silikon. Ilona Funke: „Das ist ein sehr sicheres Verfahren, bei dem aber das ästhetische Ergebnis nicht so schön sein wird, wie man es mit anderen Methoden erreichen kann.“ Bei Brustvergrößerungen in der Schönheitschirurgie sind die Implantate von Drüsengewebe bedeckt, bei einer wegen Brustkrebs operierten Frau liegt lediglich der dünne Brustmuskel und die Haut über dem Implantat. Es fehlt die Polsterung. Funke: „Das heißt nicht, dass das Verfahren schlecht ist. Aber die Patientin muss wissen, welche Vor- und Nachteile sie erwarten.“ Wenn die Patientin eine bessere Symmetrie haben und keine Prothese mehr tragen möchte, aber eine lange Operation scheut, dann kann das Implantat die richtige Entscheidung sein.

Aufbau mit Eigengewebe: Das Gewebe kann am Rücken, am Bauch und am Gesäß entnommen werden. Der Latissimus dorsi ist ein großflächiger Muskel am Rücken, dieser Muskel gilt als Arbeitstier der plastischen Chirurgie. Mit ihm kann man große Wunden abdecken. Dieser Latissimus dorsi wird so freigelegt, dass seine Versorgung mit allen Gefäßen erhalten bleibt. Dann wird der Muskel von der hinteren Wand des Brustkorbes an die vordere Wand verlagert und dort zur neuen Brust geformt. Die Wunde am Rücken wird durch spezielle Nähtechniken und die Einlage von Drainagen versorgt. Die Funktion im Rücken wird von anderen Muskelgruppen mit übernommen. Obwohl der ganze Muskellappen verlagert wird, reicht die Gewebemenge meist nicht für den Aufbau einer ganzen Brust aus. Dann braucht man die Kombination mit einem Implantat. Anders bei der Entnahme des Gewebes am Unterbauch oder am Gesäß: Hier hat man in der Regel eine ausreichende Gewebemenge für einen vollständigen Eigengewebsaufbau. Auch bei der Gewebeentnahme am Bauch können die Chirurgen die ursprüngliche Versorgung mit Gefäßen belassen, dieser sogenannte gestielte Lappen wird zur Brust versetzt.

Die Brustwarze kommt am Schluss: Nur im Einzelfall bleibt die Brustwarze erhalten, meist wird sie jedoch als Teil des Drüsengewebes mit herausoperiert. Sie wird als optisches I-Tüpfelchen erst aufgebaut, wenn der Brustaufbau abgeschlossen ist, die Schwellung abgeklungen ist und die neue Brust ihre endgültige Form gefunden hat. Die Brustwarze kann durch kleine Hautverpflanzungen modelliert oder auftätowiert werden.

Brustkrebs: Diese Stars sind betroffen

Brustkrebs Stars
Anastacia (44) traf es besonders hart. Nachdem die Sängerin bereits im Jahr 2003 gegen den Brustkrebs gekämpft hatte, kam Anfang 2013 die zweite Schock-Diagnose: Die Krankheit ist zurückgekehrt. © dpa
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Im Sommer 2008 wurde bei Christina Applegate (41) Brustkrebs diagnostiziert. Die Schauspielerin entschied sich für eine Entfernung beider Brüste. Heute gilt sie als geheilt. © dpa
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In den 1980er Jahren gewann Brigitte Bardot (78), französisches Model und Schauspielerin, den Kampf gegen den Brustkrebs. © dpa
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Kathy Bates (64) kämpfte 2003 gegen Eierstockkrebs. Als 2012 erneut Krebs diagnostiziert wurde, unterzog sie sich einer Brustamputation. © dpa
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Anfang 2006 erhielt auch Sheryl Crow (51) die Diagnose Brustkrebs. Sie konnte die Krankheit besiegen. © dpa
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Einen langen Kampf musste Bette Davis (1908-1989) durchstehen. Die Schauspielerin erkrankte 1983 an Brustkrebs, erlitt kurz darauf einen Schlaganfall und starb schließlich nach sechs Jahren Leid. © dpa
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Jane Fonda (75) besiegte die tückische Krankheit im Jahr 2010. Die Schauspielerin sieht heute blendend aus. © dpa
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Betty Ford (1918-2011), Ehefrau des ehemailigen US-Präsidenten Gerald Ford, entschied sich im Jahr 1974 für eine Mastektomie (Brustamputation). Nachdem sie längere Zeit an Alkoholismus litt, gründete sie das Betty Ford Center, eine bekannte Entzugsklinik in Kalifornien. © dpa
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Weil ihre Mutter dem Brustkrebs erlag, besteht bei Angelina Jolie (37) ein erhöhtes Risiko. Im Jahr 2013 ließ sie sich deshalb beide Brüste amputieren. Mit dieser Entscheidung wollte sie ihren Kindern die Angst nehmen, sie eines Tages an den Krebs zu verlieren. © dpa
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Hildegard Knef (1925-2002), eine der ganz großen deutschen Schauspielerinnen, konnte den Brustkrebs besiegen. © dpa
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Bei Kylie Minogue (44) wurde im Jahr 2005 Brustkrebs diagnostiziert. Die Sängerin wurde geheilt. MIt ihrer Erkrankung startete der sogenannte "Kylie-Effekt": 40% mehr Frauen als üblich meldeten sich zu einer Mammografie an. © dpa
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Olivia Newton-John (64) erhielt die Schock-Diagnose im Jahr 1992. Die "sandy" aus dem Kultfilm "Grease" verarbeitete das Erlebte auf ihrem Album "Gaia - One Woman's Journey". © dpa
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Cynthia Nixon (47) konnte den Brustkrebs im Jahr 2006 besiegen. © dpa
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Sharon Osbourne (60) erkrankte im Jahr 2002 an Darmkrebs. Aus Angst davor, auch noch eine Brustkrebs-Diagnose zu erhalten, ließ sie sich beide Brüste entfernen. © dpa
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Miriam Pielhau (38) konnte den Brustkrebs im Jahr 2008 besiegen. Sie verarbeitete die schwere Zeit in ihrem Buch "Fremdkörper". Die Moderatorin brachte im Mai 2012 eine Tochter zur Welt. © dpa
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Im Jahr 2009 kämpfte Sylvie van der Vaart (35) gegen den Brustkrebs. Nach der erfolgreichen Chemotherapie trug die beliebte Moderatorin eine Zeit lang ihre Haare kurz. © dpa

Den besten Weg gibt es nicht

Prinzipiell gilt: Es gibt keine richtige und keine falsche Methode. Der Arzt muss zusammen mit jeder einzelnen Patientin die Erwartungen und die Möglichkeiten besprechen. So muss auch berücksichtigt werden, ob die Wundheilung eventuell gestört sein kann, zum Beispiel weil die Frau Raucherin ist oder unter Diabetes leidet. Dr. Ilona Funke hat jedoch die Erfahrung gemacht: „Es gibt für jede Patientin den individuell, richtigen Weg.“

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