Die tz-Serie über die Körpersignale (von Diana Faust)

Seien Sie ganz Ohr

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Das menschliche Ohr ist ein faszinierendes Organ.

Unsere Ohren sind ständig auf Empfang. Sie sind bereits im Mutterleib aktiv, geben uns Orientierung, warnen uns vor Gefahren, ermöglichen es, mit unseren Mitmenschen zu kommunizieren.

Sie bescheren uns die Klänge schöner Musik. Kurz: Unsere Lauscher sind Multitalente. Und sie können noch etwas: Sie geben Auskunft über den Gesundheitszustand:

Gerötete Ohren: Entweder ist es höchste Zeit in den Schatten zu gehen: Da die Ohren vom Kopf abstehen, sind sie Eins-A-Kandidaten für Sonnenbrand. Oder die roten Ohren weisen beispielsweise auf eine Ohreninfektion hin. Sie können auch Alarmsignal für Hautkrankheiten wie Schuppenflechte sein. In ganz seltenen Fällen sind gerötete Ohren Zeichen für das Syndrom des roten Ohres, an dem überwiegend Kinder oder Jugendliche leiden. Dabei reichen eine Berührung mit dem Ohr oder ein Drehen des Kopfes, damit ein Ohr rot wird. Meistens kommen noch Migränekopfschmerzen hinzu.

Missgebildete Ohren hat man meistens von Geburt an. Teilweise handelt es sich um ein kosmetisches Problem, deformierte Ohren können aber auch Anzeichen eines vererbten oder angeborenen Defekts wie des Down-Syndroms sein. Ein seltsam geformtes Ohr kann auch erst später im Leben entstehen. So sind die sogenannten „Boxerohren“ oder „Blumenkohlohren“ ein Zeichen dafür, dass die Ohren immer wieder verletzt wurden, in der Regel durch Schläge. Heftige Schläge auf die Ohren verursachen Blutgerinnsel um den Knorpel der Ohrmuschel oder im Knorpel selbst. Wenn nicht gleich behandelt wird, entsteht Narbengewebe – und das Ohr bleibt verformt.

Zu viel Ohrenschmalz: Die klebrige Substanz – fachsprachlich Zerumen – schützt das Ohr vor Wasser, Pilzbefall und zahllosen Krankheitserregern. Und sie hindert Staub und Schmutz, tiefer ins Ohr einzudringen. Produziert das Ohr zu viel Schmalz, kann das paradoxerweise darauf hindeuten, dass man die Ohren zu oft säubert. Wenn Wattestäbchen zu tief ins Ohr dringen, besteht zudem die Gefahr, dass man das Trommelfell perforiert und Bakterien, Pilze oder Viren in den Gehörgang bringt. Zu viel Ohrenschmalz ist zuweilen auch ein Zeichen für eine zu fettarme Ernährung.

Ein Juckreiz tief im Ohr, wo man nicht kratzen kann, ist höchst unangenehm. Juckende Ohren sind oft Auswirkungen von Allergien oder Hautleiden wie Ekzemen und Schuppenflechte. Zu viel Ohrensäubern kann auch zu dem lästigen Juckreiz führen: Das Ohr trocknet aus und ist Bakterien und Pilzen schutzlos ausgeliefert. In seltenen Fällen sind juckende Ohren Warnsignal des sogenannten Schwimmerohres, ein Bakterien- oder Pilzbefall im äußeren Gehörgang. Schwimmerohren sind ein Fall für den Arzt, sie können sich ohne Behandlung zu einer Knocheninfektion auswachsen.

Verstopfte Ohren: Das Gefühl, die Ohren seien in Watte gepackt, kennen vor allem Taucher, Piloten und Bergsteiger. Dieses Phänomen, auch als Fliegerohr oder Barotrauma bekannt, entsteht durch plötzliche Druckschwankungen. Das gleiche Gefühl hat man aber auch, wenn die Ohren tatsächlich verstopft sind, z.B. durch zu viel Ohrenschmalz oder ein Insekt, das sich verirrt hat. Und in seltenen Fällen ist es ein Warnsignal für Krankheiten wie Mittelohrentzündung oder die Menière-Krankheit, eine Erkrankung des Innenohrs.

Ohrenklingeln: Musik und Geräusche, die man nur selber hört, können ein Zeichen von Tinnitus sein. Darüber hinaus führt laute Musik zu einer Schädigung des Hörnervs: Folge: Ohrenklingeln. Die Geräusche entstehen manchmal auch, wenn das Ohr übermäßig Schmalz produziert. In seltenen Fällen sind sie eine Reaktion auf zu viel Alkohol, Koffein oder Medikamente. Ohrenklingeln kann ebenfalls Warnzeichen für einige Krankheiten wie Ohr- oder Nasennebenhöhleninfektion, Blutarmut, Allergien und Bluthochdruck sein.

Den eigenen Herzschlag hören: Dieses Phänomen erlebt man beispielsweise, wenn man vor dem Einschlafen das Ohr aufs Kissen legt. Es ist in der Regel völlig unproblematisch. Manche Menschen hören den pulsierenden Laut jedoch auch unter anderen Umständen und nur auf einem Ohr. Dann könnte eine Gefäßerkrankung wie Bluthochdruck dahinterstecken.

Geräuschüberemfindlichkeit ist eine seltene Erscheinung, von der einer von 50 000 Menschen betroffen ist. Manchmal ist sie ein Vorreiter von Tinnitus. Extreme Geräuschempfindlichkeit kann durch den Süßstoff Aspartam, manche Antibiotika oder Antiallergika ausgelöst werden. Sie weist in manchen Fällen auch auf einen Magnesiummangel hin.

Geräusche, die andere nicht hören, wie Stimmen, Musik oder ähnliches, können eine ziemlich gruselige Erfahrung sein. Vor allem, weil wir alle die Geschichten über Schizophrene kennen, die unter sogenannten akustischen Halluzinationen leiden. Auf jeden Fall sollte man solcher Art Geräusche ernst nehmen: Sie können ein Zeichen für neurologische Krankheiten wie Parkinson sein.

Plötzlicher Gehörverlust tritt meistens in Form eines Hörsturzes auf. So nennt man eine einseitige Schwerhörigkeit oder Taubheit, die sich höchstens innerhalb von 72 Stunden entwickelt. Die meisten Betroffenen sind zwischen 30 und 60 Jahren alt. Des Weiteren kann plötzlicher Hörverlust ein Signal für Ohrenkrankheiten wie AIED (Autoimmunerkrankung des Innenohrs) sein.

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Wussten Sie schon, dass…

… die älteste Mumie der Welt offenbar Ohrschmuck trug. Bei der 1991 in einem australischen Gletscher entdeckten 5000 Jahre alten Mumie fanden die Forscher mehrere riesige Ohrlöcher mit einem Durchmesser zwischen 0,6 und 1,4 Zentimetern.

… ihre Ohren das ganze Leben lang wachsen.

… Säugetiere die einzigen Lebewesen auf unserer Welt sind, deren Ohren aus Knorpel – und nicht nur aus Haut – bestehen.

… dass die Form unserer Ohrmuschel genauso einzigartig ist wie unsere Fingerabdrücke.

… Ludwig van Beethoven sein Gehör bereits im Alter von 27 Jahren schleichend verlor. Zudem litt der weltberühmte Komponist an Ge-

räuschüberempfindlichkeit und Tinnitus. Mit 50 Jahren war er komplett taub. Dennoch komponierte Beethoven bis zu seinem Tod sieben Jahre später eisern weiter.

… der kleinste Knochen des menschlichen Körpers im Ohr sitzt. Dieses Knöchelchen heißt Steigbügel und ist gerade mal so groß wie ein Reiskorn.

… Männer ein weniger ausgeprägtes Hörvermögen als Frauen haben. Das ist das Ergebnis einer US-Studie. Wenn Frauen sich also darüber beschweren, dass ihre Männer ihnen nicht zuhören, dann manchmal durchaus zurecht. Die Wissenschaftler fanden auch heraus, dass Schwarze ein besseres Gehör besitzen als Weiße.

… der indische Arzt Sushruta den ersten uns bekannten Fall plastischer Chirurgie am Ohr bereits im Jahr 600 vor Christus beschrieb: Er entnahm Fleisch von der Wange eines Patienten, um damit ein fehlendes Ohrläppchen zu ergänzen.

… Sie bei Tinnitus Ihr Gehirn überlisten können, so dass Sie die Geräusche nicht mehr hören. Sanfte Musik oder eine tickende Uhr beim Einschlafen können von den störenden Lauten ablenken. Auch Entspannungs- und Konzentrationsübungen helfen manchmal.

Genauer betrachtet: Das Hörorgan

Der Hörsinn ist der differenzierteste unserer fünf Sinne. Das Ohr ist sogar sensibler, genauer und leistungsfähiger als unser Auge. Es kann zwischen zehn Oktaven und bis zu 400 000 Tönen unterscheiden. Und es steuert auch unser Gleichgewicht.

Wie es aufgebaut ist: Unser Ohr besteht aus drei Bereichen – dem Außenohr, dem Mittelohr und dem Innenohr. Zum Außenohr gehören die Ohrmuschel – der einzige Teil, der von außen zu sehen ist –, die Schmalzdrüsen und der Gehörgang. Dann kommt das Trommelfell, das den Übergang zum Mittelohr bildet. Zum Mittelohr zählen die drei Gehörknöchelchen Hammer, Amboss und Steigbügel. Im Innenohr befinden sich die Bogengänge, die Schnecke und der Hörnerv. Darüber hinaus sitzt im Innenohr auch unser Gleichgewichtsorgan.

Und so funktioniert das Höhrorgan: Hohe und tiefe Töne, laute und leise Geräusche dringen als Schallwellen ans Ohr. Die Ohrmuschel fängt die Schallwellen wie ein Trichter auf. Die Schallwellen gelangen über den Gehörgang zum Trommelfell. Das gerät durch den Aufprall der Wellen in Schwingung und leitet diese Schwingung an die Gehörknöchelchen im Mittelohr weiter. Die drei winzigen Knochen übertragen und verstärken die akkustischen Signale. Von dort wandert der Schall weiter zur Schnecke im Innenohr. Diese transportiert die Signale über die Hörnerven zum Gehirn. Sind die Informationen im Hirn angekommen, merken wir, dass wir etwas hören

Quelle: tz

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