Mythen und Fakten

Das sind die zwölf größten Irrtümer über Rückenschmerzen

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Über Rückenprobleme kursieren immer noch viele Irrtümer.

Hilft Schwimmen bei Rückenschmerzen? Tut Wärme gut? Schaden Stöckelschuhe auf Dauer? Gerade beim Thema Rücken glauben viele Menschen mehr, als sie wissen.

"Oft haben Patienten eine völlig falsche Kenntnis über die Schmerz­ursachen und verhalten sich daher nicht rückenfreundlich", sagt Dr. Reinhard Schneiderhan, Orthopäde aus München und Präsident der Deutschen Wirbelsäulenliga.

"Dabei führen in vielen Fällen führen schon kleine Verhaltensänderungen im Alltag zu einem gesunden und schmerzfreien Rücken."

Jetzt räumt der Mediziner in seinem Buch "Schmerzfrei daheim & im Büro" mit den häufigsten Irrtümern auf.

Irrtum Nummer Eins: Bei Rückenschmerzen gilt es, sich zu schonen

Nein. Bewegung ist auch hier die beste Medizin. Oftmals bewirkt eine Schonung genau das Gegenteil. Erfährt der Rücken keine angemessene Beanspruchung, verkrümmt mit der Zeit die Muskulatur und bildet sich zurück.

Als einen Hauptgrund für Rückenschmerzen nennen Experten sogar Bewegungsmangel, denn Bandscheiben brauchen die Zufuhr von Wasser und Nährstoffen. Körperliche Aktivität sorgt für eine ständige Be- und Entlastung der Bandscheiben. Durch die dabei entstehende Pumpbewegung saugen sie sich wie Schwämme mit Flüssigkeit voll.

Nicht ausschließlich deshalb empfiehlt es sich, Sport zu treiben, denn zusätzlich erfährt die Rückenmuskulatur ein kräftigendes Training. Infolgedessen bilden sich Muskeln, die zusätzlich die Wirbelsäule stärken.

Irrtum Nummer Zwei: Je härter die Matratze, desto besser für den Rücken

Fälschlicherweise hat sich diese Annahme in vielen Köpfen festgesetzt. Auf zu harten Matratzen verspannt sich der Rücken und die Beschwerden verschlimmern sich. Viel besser eignen sich Matratzen, die sich an die natürliche Krümmung der Wirbelsäule anpassen.

Sehr harte Schlafunterlagen führen häufig zu Hohlstellen im Lendenwirbelbereich. Zusätzlich verspannt sich die Muskulatur. Aber auch sehr weiche Matratzen bringen Nachteile mit sich, denn sie stabilisieren den Rücken nicht ausreichend.

Am besten eignen sich mittelharte Liegeflächen. Als einfache Regel lässt sich Folgendes festhalten: Je geringer das Gewicht, desto weicher die Matratze. Beim Kauf sollten Kunden jedoch nicht auf eine individuelle Beratung sowie Probeliegen verzichten.

Irrtum Nummer Drei: Wärme tut immer gut

Nein. Die hilft nur zur Entspannung der Muskeln. Bei Ischiasreizung und anderen entzündlichen Erkrankungen sind Fango, Kiesel und Co. völlig falsch, weil sie die Entzündung nur befeuern!

Irrtum Nummer Vier: Rückenschmerzen treten erst im höheren Alter auf

Irrtum, denn Rückenschmerzen betreffen auch junge Menschen. Nicht umsonst schließen Rückenschmerz-Umfragen und Langzeitstudien bereits Jugendliche ab dem 14. Lebensjahr mit ein.

Begründet liegen die früh auftretenden Schmerzen vor allem im Wandel der Kultur. Heutzutage sitzen die Arbeitnehmer weitaus mehr, als es früher der Fall war.

Hinzu kommt vermehrter Bewegungsmangel sowie die Unwissenheit über den gesunden Umgang mit dem eigenen Rücken. Daher ist ein Bandscheibenvorfall zwischen 20 und 30 Jahren heute keine Seltenheit mehr.

Irrtum Nummer Fünf: Akupunktur bringt gar nichts

Falsch. Dr. Reinhard Schneiderhan glaubt als ausgebildeter Akupunkteur an die energetischen Zusammenhänge im Körper, die durch die Nadeln reguliert werden können. Schmerzlinderung, Entzündungshemmung und Muskelentspannung seien vielfach möglich.

Wissenschaftliche Studien belegen, dass Akupunktur besser hilft als ein Placebo. Allerdings zeigen die neuesten Untersuchungen, dass es dabei egal ist, ob die Nadeln nach traditioneller chinesischer Technik gesetzt werden – oder rein zufällig.

Irrtum Nummer Sechs: Ayurveda, heiße Steine und Co. sind nur Hokuspokus

Nicht generell. Bei ganz bestimmten, leichteren Formen von Rückenschmerzen können diese Heilmethoden schon helfen – vor allem Verspannungen der Muskeln lassen sich sehr gut bessern.

Irrtum Nummer Sieben: Langes Sitzen im Büro führt ganz automatisch zu Rückenschmerzen

Nicht zwangsläufig. Vor allem die falsche Sitzposition und rückenschädliche Angewohnheiten wie das Übereinanderschlagen der Beine oder das hinters Ohr geklemmte Telefon verursachen Kreuzschmerzen. Auf Dauer führen diese Körperhaltungen nicht selten zu späteren Problemen wie einem Hohlkreuz oder auch dem sogenannten Rundrücken.

Allerdings gilt vor allem: Wer den ganzen Tag regungslos im Büro sitzt, tut seinem Rücken keinen Gefallen. Daher raten Rückenexperten den Leuten mit sitzender Tätigkeit nicht nur, auf geeigneten Bürostühlen Platz zu nehmen, sondern ab und an auch die Sitzposition zu wechseln. Einseitige Belastungen lassen sich somit oftmals vermeiden.

Irrtum Nummer Acht: Stöckelschuhe und High-Heels sind schön – aber bestimmt nicht für den Rücken!

Auch hier gilt: Die Dosis macht das Gift. Wenn "frau" die Schuhe gelegentlich abends für besonders schöne Anlässe trägt, sind sie nicht so schlimm. Wichtiger ist es, bei Belastung – etwa bei der Arbeit – gute und gesunde Schuhe zu tragen. Wer schön sein will, muss also nicht unbedingt leiden.

Irrtum Nummer Neun: Patienten mit Bandscheibenproblemen hilft nur eine Operation

Auch in diesem Punkt lautet die Antwort: Nein. In vielen Bereichen der Medizin setzen sich zunehmend schonende Methoden durch – die minimalinvasiven Schmerztherapien befinden sich im ständigen Fortschritt.

Mittlerweile bringen beispielsweise der Einsatz des Wirbelsäulenkatheters sowie die Hitzesondenbehandlung vielfach den erhofften Erfolg – umso erstaunlicher, dass in Deutschland pro Jahr immer noch über 100.000 Rückenschmerz- und Band­scheibenpatienten unters Messer kommen - und das noch nicht einmal mit Aussicht auf Besserung.

Irrtum Nummer Zehn: Sport hilft immer

Kommt darauf an. Tennis, Squash und Golf etwa können Rückenprobleme noch deutlich verschlimmern. Auch beim Schwimmen sollte man aufpassen: Rückenschwimmen ist ideal, Brustschwimmen belastet die Halswirbelsäule und hilft nur bei einer sehr guten Technik.

Aber wer hat die schon? Auch im Fitness-Studio sollten sich Menschen mit Schmerzen nicht einfach an die Geräte schwingen. Wichtig ist, die Ursache der Beschwerden zu kennen, und die kann im Zweifelsfall nur ein Arzt diagnostizieren.

Irrtum Nummer Elf: Dicke haben öfter Rückenprobleme als Schlanke

Auch in vielen Arztpraxen heißt es leider oft völlig zu Unrecht: "Bei Ihrem Übergewicht brauchen Sie sich nicht zu wundern!" Dicke leiden durch die Belastung vielleicht häufiger an speziellen Rückenschmerzen etwa im unteren Lendenwirbel­bereich.

Aber auch schlanke Menschen haben ihr Kreuz mit dem Kreuz. Bandscheibenprobleme etwa können jeden erwischen. Da kommt es auf die Kilogramm nicht an.

Irrtum Nummer Zwölf: Wilde Fahrgeschäfte wie die auf dem Oktoberfest sind ganz gefährlich

Na ja. Die Halswirbelsäule reagiert alles andere als entzückt auf blitzschnelle und überraschende Richtungsänderungen, die ja oft den Reiz von Achterbahn und Co. ausmachen.

Aber: Viele Fahrgeschäfte sind etwa durch entsprechende Polster in den letzten Jahren viel sicherer geworden. Als Faustregel gilt für das Oktoberfest: Erst fahren, dann trinken.

Denn Alkohol verzögert die Reaktion und sorgt damit für ein größeres Schmerz-Risiko. Festzelt-Gänger sollten nicht nur ihr Auto, sondern auch den Wagen der Achterbahn links liegen lassen.

Auch interessant: Viele nehmen gegen ihre Schmerzen Medikamente wie Paracetamol. Doch laut Studien soll das gefühllos machen.

David Costanzo

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