Plantschen verboten?!

Skandal in deutschen Schwimmbädern: Diese diskriminierende Badeverordnung sorgt für Aufruhr

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Das Freibad: Eine der ersten Anlaufstellen, wenn das Thermometer über 25 Grad Celsius klettert. Doch eine Badeverordnung sollte Sie stutzig machen.

Viele deutsche Schwimmbäder sind dringend sanierungsbedürftig - auch die vorherrschenden Regeln sind oft nicht mehr zeitgemäß. Besonders eine Badeverordnung irritiert Badegäste.

Umkleiden und Sprungtürme, die in die 70er Jahre zurückversetzen, veraltete Waschräume mit defekten Duschköpfen, die alles andere als ein schönes Duscherlebnis versprechen: Viele deutsche Hallen- oder Freibäder hätten eine Grundsanierung dringend nötig. Doch nicht nur die Bäder selbst, auch die dort herrschenden Badeordnungen erinnern an längst vergangene Zeiten.

111 Badeverordnungen in Deutschland verunsichern Hautkranke

So ist ein pauschales Einlassverbot für "Personen mit Hautkrankheiten" oder Menschen mit "unästhetischen Hautausschlägen" oder "Ekel erregenden Krankheiten" noch in vielen Badeverordnungen enthalten, wie das Gesundheitsportal der Stadt München berichtete. "Diese Bestimmungen sind längst überholt" kritisiert der Berufsverbands der Deutschen Dermatologen, da diese Passagen Menschen mit Hautkrankheiten diskriminieren würden.

Die unglücklichen und teils sogar diskriminierenden Formulierungen in Badeordnungen würden viele Menschen mit Hautkrankheiten wie Schuppenflechte (Psoriasis) oder Neurodermitis verunsichern - und viele sogar daran hindern, ins Schwimmbad zu gehen. Dabei sind die Hautkrankheiten weit verbreitet und nicht ansteckend. In der Musterbadeordnung der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen ist zwar ein entsprechender Paragraph geändert worden, der ein Badeverbot für diejenigen verhängte, "die (…) an Hautveränderungen leiden, bei denen sich z.B. Schuppen oder Schorf ablösen und in das Wasser übergehen". Doch nach Angaben des Berufsverbands der Hautärzte gibt es immer noch mindestens 111 Badeverordnungen in Deutschland, die Hautkranke diskriminieren würden.

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Badeverbot bei offenen Wunden und übertragbaren Krankheiten

"Die entzündlichen Hautstellen und Schuppen (Anmerk. der Red.: bei Psoriasis oder einer Neurodermitis) stellen keinerlei gesundheitliche Gefährdung für andere dar und sind daher kein legitimer Grund, jemanden des Bades zu verweisen", zitierte das Gesundheitsportal der Stadt Berlin Ralph von Kiedrowski vom Berufsverband der Deutschen Dermatologen. Neurodermitis- oder Schuppenflechte-Patienten sollten sich nicht scheuen, die Betreiber von Bädern mit veralteten und diskriminierenden Badeordnungen anzusprechen. Und vor allem: Sie sollten sich nicht von den veralteten Regeln irritieren lassen, sondern einen schönen Tag im Schwimmbad genießen.

Wichtig zu wissen: Badeverbot gilt laut Musterbadeordnung nur für Menschen mit offenen Wunden oder meldepflichtigen, übertragbaren Krankheiten.

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jg

Hautkrebs - die unterschätze Gefahr

Sonnen im Liegestuhl
Sonnenanbeter am Strand, Solariumsbesucher oder Bauarbeiter, die in der prallen Mittagssonne schuften - sie alle setzen sich UV-Strahlung aus, die das Hauptrisiko für Hautkrebs ist. Krebserkrankungen sind in Deutschland weiter auf dem Vormarsch. Der am Dienstag veröffentlichte Arztreport der Barmer GEK belegt das: 2012 waren schätzungsweise 1,56 Millionen Menschen von Krebs betroffen - Tendenz steigend. © dpa-mzv
Hautkrebs
Wie viele Neuerkrankungen gibt es? Jedes Jahr erkranken in Deutschland laut Barmer-Report mehr als 200.000 Menschen neu an Hautkrebs. Die Deutsche Krebshilfe geht sogar von jährlich rund 234.000 Neuerkrankungen aus. Allein mehr als 20.000 Diagnosen betreffen den gefährlichen "schwarzen" Hautkrebs. © dpa-mzv
Schwarzer Hautkrebs
Welche Arten von Hautkrebs gibt es? Die gefährlichste Form ist das maligne Melanom, der sogenannte schwarze Hautkrebs. Er kann sich rasch über das Lymphgefäßsystem oder die Blutbahn im Körper ausbreiten. © dpa
Hautkrebs
Der sogenannte helle Hautkrebs, zu dem das Basalzellkarzinom und das Plattenephithelkarzinom zählen, ist deutlich verbreiteter, bildet aber seltener Metastasen. Kennzeichen sind leichte Verhornungen auf der Haut, vornehmlich an Stellen, die besonders der Sonneneinstrahlung ausgesetzt sind wie Gesicht und Nacken.   © dpa
Hautkrebs-Screening
2012 starben laut Statistischem Bundesamt 2875 Menschen an einem schwarzen Hautkrebs. Die Prognosen sind Experten zufolge vergleichsweise günstig: Zwei Jahre nach der Erstdiagnose leben noch 97,3 Prozent der Männer und 97,5 Prozent der Frauen. Beim hellen Hautkrebs sind die Prognosen noch etwas günstiger. Grundsätzlich gilt: Wird Hautkrebs früh erkannt, bestehen gute Heilungschancen. © dpa
UV-Strahlung Sonne
Welche Faktoren begünstigen die Entstehung? Hauptrisikofaktor ist die UV-Strahlung der Sonne, die die Haut schädigen und Krebs hervorrufen kann. Auch das künstliche UV-Licht von Solarien erhöht das Hautkrebsrisiko, weshalb zum Beispiel die Deutsche Krebshilfe von Solarienbesuchen abrät. Neben UV-Strahlen beeinflusst nach Angaben des unabhängigen IQWiG-Instituts vor allem das Erbgut, ob jemand erkrankt. © dpa
Sonne in den Bergen
Was sind weitere Risikofaktoren? Menschen mit heller Haut haben ein höheres Risiko als jene mit dunklerer Haut. Auch häufiger und starker Sonnenbrand vor allem im Kindesalter steigert das Risiko, ebenso eine höhere Zahl von Muttermalen und Leberflecken. Hat jemand einen Hautkrebsfall in der eigenen Familie, kann dies das eigene Risiko steigern. Auch manche Chemikalien und bestimmte Medikamente können Hautkrebs fördern. Nicht zuletzt wächst das Hautkrebsrisiko mit zunehmendem Alter. © obs
Solarium
Dürfen Minderjährige ins Solarium? Nein. Seit 2009 ist unter 18-Jährigen die Benutzung von Solarien verboten. 2012 wurden die Vorschriften für Sonnenstudio-Betreiber nochmals verschärft. So gilt unter anderem ein Mindestabstand für Lampen. Das Personal muss jeden Kunden außerdem beraten. © dpa
Hautkrebs erkennen?
Wie kann ich Hautkrebs erkennen? Man sollte auf auffällige Hautstellen achten. Schwarze Melanome etwa können in sehr unterschiedlicher Form auftreten. Sie können zum Beispiel asymmetrisch sein, einen fransigen Rand haben, sich verfärben oder größer werden. Verdächtige Flecken sollten beim Hausarzt oder Dermatologen abgeklärt werden. © dpa
Sonnen
Gibt es eine Früherkennungsuntersuchung? Ja. Ab dem 35. Lebensjahr können sich gesetzlich Versicherte alle zwei Jahre untersuchen lassen. Das Hautkrebs-Screening bezahlt die Kassen. © dpa-mm
Sonnencreme
Wie kann ich Hautkrebs generell vorbeugen? Da wichtigste ist ein guter Sonnenschutz durch entsprechende Kleidung, Mützen und Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor, um sich gegen Sonnenbrand zu wappnen. © dpa
Unter dem Sonnenschirm
Im Sommer sollte man sich vor allem mittags und am frühen Nachmittag besser im Schatten aufhalten. Zur Vorsicht raten Experten bei Lebens- und Nahrungsergänzungsmitteln, die mit dem Versprechen angepriesen werden, Hautkrebs vorzubeugen. Dafür gebe es keine zuverlässigen wissenschaftlichen Belege. © dpa-mzv

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