tz-Ratgeber Vererben & Vorsorgen

Stolperfalle Testament: Die häufigsten Fehler

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Ein Testament, das fehlerhaft ist, kann nach dem Tod eines geliebten Menschen für dessen Hinterbliebenen zu bösen Überraschungen führen.

Der größte Fehler ist es, überhaupt kein Testament zu machen. Gleich dahinter folgt jedoch ein schlecht gemachter, mit Fehlern gespickter letzter Wille. Denn in dem Fall kann das Erbe genau dahin fließen, wo es nach dem Willen des Erblassers niemals hätte landen sollen.

Von der Form bis zu unklaren Formulierungen und weitgehend unbekannten Regelungen lauern viele Stolperfallen beim Abfassen eines Testaments. Die tz erklärt in dieser Folge, welches die häufigsten Fehler sind und was passiert, wenn kein Testament vorhanden ist:

Die Form: „In Deutschland ist das wirksame Vererben an strenge Formvorschriften gebunden“, erklärt der Münchner Rechtsanwalt und Experte für Erbrecht, Dr. Thomas Fritz. Ein Testament in Deutschland muss handgeschrieben oder vom Notar beurkundet werden. Ist das nicht der Fall, drohen katastrophale Konsequenzen. Rechtsanwalt Dr. Fritz erinnert sich: „Ich stand mit einem 85-jährigen Vater am Grab seines 50-jährigen Sohnes. Die Familie war steinreich. Der Vater sagte zu mir am offenen Grab seines Sohnes: ,Mein Sohn ist ein Idiot’.“ Was war passiert? Der Sohn hatte das gesamte Vermögen durch ein Testament verschleudert, das er irgendwann mal nachts mit der eigenen Schreibmaschine geschrieben und dann unterschrieben hat. Das Testament war ungültig und das Vermögen floss dahin, wo es nicht hin sollte.

Zu spät testieren: Viele Menschen schieben die Abfassung ihres letzten Willens auf die lange Bank. Ein Fehler, findet der Präsident des Deutschen Forums für Erbrecht, Dr. Anton Steiner: „Viele haben nur die statistische Lebenserwartung im Kopf und meinen, noch ausreichend Zeit zu haben. Und dann ist es plötzlich zu spät!“ Dabei muss nicht mal der Tod zur Testierunfähigkeit führen: „Auch ein schwerer Unfall oder ein Schlaganfall können alle Gestaltungsmöglichkeiten zunichte machen“, warnt Steiner.

Aufbewahrung: Jeder darf sein Testament aufbewahren, wo er will. Aber: Die Dunkelziffer nicht gefundener oder gar mutwillig zerstörter Testamente ist groß – und was nützt der beste letzte Wille, wenn er zum Raub der Flammen wird. „Deshalb empfiehlt sich die Aufbewahrung im eigenen Safe, bei einem Rechtsanwalt, Notar oder Gericht“, rät Anwalt Dr. Thomas Fritz.

Alles ist möglich: Bedenken Sie alle Möglichkeiten, auch, dass in einer Reihenfolge gestorben wird, die Sie sich nicht wünschen. Anwalt Dr. Fritz erklärt es an einem Beispiel: „Leoni Lustig war Alleinerbin eines großen Unternehmens. Ihr Mann Tristan wollte die Geschäfte führen, konnte das aber nicht, es kam zum Streit und die beiden ließen sich scheiden. Leoni setzte per Testament ihre Tochter zu ihrer Alleinerbin ein. Irgendwann – so dachte Leoni – würde dann die Tochter das Unternehmen erben und dann ginge es irgendwann einmal an die Enkelkinder. Doch es kam anders: Als Leonis Tochter noch gar keine Kinder hatte, verunglückten Leoni und ihre Tochter gemeinsam bei einem Autounfall. Leoni verstarb sofort, die Tochter, die Alleinerbin war, verstarb zwei Tage später. Da die Tochter keine Kinder hatte, wurde Alleinerbe und damit Erbe des Unternehmens tatsächlich der Vater von Leonis Tochter, nämlich ihr geschiedener Ehemann! Er übernahm die Führung des Unternehmens, das zwei Jahre später pleite war.“ Deshalb gehört eine Regelung der Ersatzerbschaft unbedingt in ein Testament.

Unklare Formulierungen: Seien Sie so konkret wie möglich. Forumulierungen wie „Die Kirche soll alles erben“ (welche?), „Mutti soll alles erben“ (ist die Mutter oder die Ehefrau gemeint?) oder „Die Kinder sollen alles erben“ (gerade bei Patchwork-Familien stellt sich die Frage welche), machen die Testamentsauslegung unnötig schwer.

Das Ehegattentestament: Beim Ehegattentestament reicht es aus, dass einer der beiden Ehegatten den Testamentstext eigenhändig schreibt und der andere mit unterschreibt. „Ein ganz wichtiger Punkt wird jedoch oft übersehen: Darf der Überlebende die gemeinsam getroffene Schlusserbenregelung, also die Verfügungen für seinen Tod, wieder ändern?“, fragt Anwalt Dr. Steiner. Die richtige Antwort ist schwierig, schließlich betrifft sie die Zukunft. Anwalt Dr. Fritz rät: „Ein gutes Testament enthält immer Abänderungsklauseln.“ Gerade bei Paaren mit großem Altersunterschied ist es wichtig, dass der länger lebende Ehegatte das Testament später einseitig – zumindest teilweise – den neuen Lebensumständen anpassen kann. Dr. Fritz: „Das Leben und die Zukunft der Angehörigen durch ein Testament für alle Zeiten festschreiben zu wollen, ist der untaugliche Versuch, dem lieben Gott zu sagen, wie er doch bitte die Zukunft gestalten soll.“

Testament contra Ehevertrag: Der gesetzliche Güterstand bei Ehepartnern ist die Zugewinngemeinschaft. Manche Ehepaare vereinbaren mit einem notariellen Ehevertrag allerdings den Güterstand der Gütertrennung. „Das kann Vorteile haben, aber auch schwere Nachteile“, sagt Rechtsanwalt Dr. Fritz. Probleme lauern gerade bei größeren Vermögen. „Denn in einer Zugewinngemeinschaft ist das, was der längerlebende Ehegatte als sogenannten Zugewinnausgleich nach dem Tod des Erstversterbenden erhält, steuerfrei“, erklärt Dr. Fritz. Wenn Eheleute ein Testament machen, sollten sie also gleichzeitig überprüfen, ob der eheliche Güterstand den mit dem Testament verfolgten Zielen förderlich ist oder nicht. Eine Möglichkeit, dieses Problem zu umgehen: die Vereinbarung der sog. modifizierten Zugewinngemeinschaft. Sie bedeutet Gütertrennung für den Fall der Scheidung, aber Zugewinngemeinschaft für den Fall des Todes des Erstversterbenden“, so Dr. Steiner.

Vor- und Nacherben verwechseln: Obacht: Der Vorerbe erbt direkt beim Tode des Erblassers. Das Erbe fällt im Nacherbefall – meist wenn der Vorerbe selber stirbt – an den oder die Nacherben. Schlusserbe ist wiederum die Person, die in einem „Berliner Testament“ nach dem letztversterbenden Ehegatten eingesetzt wird.

Auf rechtliche Beratung verzichten: Bei der Gestaltung des Testaments sollten Sie auf jeden Fall fachkundigen Rat beim Fachanwalt für Erbrecht oder einem Notar suchen – damit Ihr letzter Wille auch zur Ausführung kommt.

Marc Kniepkamp

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