Gesund genießen

Tipps vom Hautarzt: So hält uns die Sonne fit

München - Endlich zeigt sich die Sonne wieder! Das bedeutet einerseits: der erste Sonnenbrand droht. Andererseits tut Sonne der Haut auch viel Gutes. Ein Hautarzt erklärt die Heilkraft der Sonne und wie man sie effektiv nutzt.

Nix wie raus an die frische Luft, endlich wieder auftanken unter Bayerns weißblauem Himmel: Jetzt zeigt uns der April sein lachendes Gesicht, am Mittwoch soll das Thermometer bis auf 19 Grad klettern und die Sonne 13 Stunden lang strahlen. Da kann man sich auf dem Balkon, im Biergarten oder beim Spazierengehen an der Isar schon den ersten Sonnenbrand der Saison einhandeln. „Dagegen sollte man sich zwar unbedingt wappnen“, rät Dr. Stefan Duve (Foto rechts). „Aber gleichzeitig gilt auch: Wenn man die Sonne in Maßen genießt, dann tut man seiner Gesundheit viel Gutes.“ In der tz erklärt der renommierte Münchner Hautarzt die Heilkraft der (Frühjahrs-)Sonne und wie man sie effektiv nutzt:

Sonne kann gegen Tumorerkrankungen helfen

Achtung: Zu viel Sonne kann Hautkrebs verursachen.

Klar, die Sonne hat auch Schattenseiten: Fast jeder hat wohl schon mal davon gehört, dass UV-Strahlung die Entstehung von Hautkrebs befeuern und dadurch sogar zum Killer werden kann. Aber wer weiß schon, dass die Sonne – zumindest indirekt – auch gegen Tumorerkrankungen helfen kann? Sie hat nämlich entscheidenden Anteil daran, dass der Körper ausreichend Vitamin D bildet (siehe Stichwort rechts). „Und dieses wiederum stärkt unter anderem das Immunsytem. Es hilft dabei, verschiedenen bösartigen Tumoren vorbeugen“, weiß Dr. Duve.

Einer kanadischen Studie zufolge kann Vitamin D sogar das Wachstum von Tumorzellen bremsen. So haben die Wissenschaftler herausgefunden, dass Brustkrebspatientinnen mit Vitamin-D-Mangel ein dreifach erhöhtes Risiko für Metastasen haben.

Vitamin D schützt vor Diabetes

Mehr noch: Das fettlösliche Vitamin hat viele weitere wichtige Aufgaben im Körper. „Es ist praktisch ein Alleskönner und erfüllt eine Art Schlüsselfunktion im Stoffwechsel aus“, erläutert Dr. Duve. „Durch bestimmte Prozesse kann Vitamin D auch vor Diabetes schützen oder die Krankheit sogar verhindern.“ Es spiele auch bei der Regulation des Blutdrucks eine Rolle. Besonders wichtig: Vitamin D ist ein entscheidender Faktor bei der Knochenbildung. Gerade ältere Patienten, die unter Osteoporose (Knochenschwund) leiden, sollten deshalb so oft wie möglich Sonnenlicht tanken.

Aber nicht nur als Motor der Vitamin-D-Produktion ist die Sonne ein Gesundmacher. Sie fördert auch die Bildung des Glückshormons Serotonin, das seelischen Erkrankungen wie Depressionen entgegenwirkt, sowie des Schlafhormons Melatonin. „Insofern gilt: Wer tagsüber öfter mal in die Sonne geht, der kann nachts besser schlafen“, berichtet Dr. Duve.

Hautkrebs - die unterschätze Gefahr

Sonnen im Liegestuhl
Sonnenanbeter am Strand, Solariumsbesucher oder Bauarbeiter, die in der prallen Mittagssonne schuften - sie alle setzen sich UV-Strahlung aus, die das Hauptrisiko für Hautkrebs ist. Krebserkrankungen sind in Deutschland weiter auf dem Vormarsch. Der am Dienstag veröffentlichte Arztreport der Barmer GEK belegt das: 2012 waren schätzungsweise 1,56 Millionen Menschen von Krebs betroffen - Tendenz steigend. © dpa-mzv
Hautkrebs
Wie viele Neuerkrankungen gibt es? Jedes Jahr erkranken in Deutschland laut Barmer-Report mehr als 200.000 Menschen neu an Hautkrebs. Die Deutsche Krebshilfe geht sogar von jährlich rund 234.000 Neuerkrankungen aus. Allein mehr als 20.000 Diagnosen betreffen den gefährlichen "schwarzen" Hautkrebs. © dpa-mzv
Schwarzer Hautkrebs
Welche Arten von Hautkrebs gibt es? Die gefährlichste Form ist das maligne Melanom, der sogenannte schwarze Hautkrebs. Er kann sich rasch über das Lymphgefäßsystem oder die Blutbahn im Körper ausbreiten. © dpa
Hautkrebs
Der sogenannte helle Hautkrebs, zu dem das Basalzellkarzinom und das Plattenephithelkarzinom zählen, ist deutlich verbreiteter, bildet aber seltener Metastasen. Kennzeichen sind leichte Verhornungen auf der Haut, vornehmlich an Stellen, die besonders der Sonneneinstrahlung ausgesetzt sind wie Gesicht und Nacken.   © dpa
Hautkrebs-Screening
2012 starben laut Statistischem Bundesamt 2875 Menschen an einem schwarzen Hautkrebs. Die Prognosen sind Experten zufolge vergleichsweise günstig: Zwei Jahre nach der Erstdiagnose leben noch 97,3 Prozent der Männer und 97,5 Prozent der Frauen. Beim hellen Hautkrebs sind die Prognosen noch etwas günstiger. Grundsätzlich gilt: Wird Hautkrebs früh erkannt, bestehen gute Heilungschancen. © dpa
UV-Strahlung Sonne
Welche Faktoren begünstigen die Entstehung? Hauptrisikofaktor ist die UV-Strahlung der Sonne, die die Haut schädigen und Krebs hervorrufen kann. Auch das künstliche UV-Licht von Solarien erhöht das Hautkrebsrisiko, weshalb zum Beispiel die Deutsche Krebshilfe von Solarienbesuchen abrät. Neben UV-Strahlen beeinflusst nach Angaben des unabhängigen IQWiG-Instituts vor allem das Erbgut, ob jemand erkrankt. © dpa
Sonne in den Bergen
Was sind weitere Risikofaktoren? Menschen mit heller Haut haben ein höheres Risiko als jene mit dunklerer Haut. Auch häufiger und starker Sonnenbrand vor allem im Kindesalter steigert das Risiko, ebenso eine höhere Zahl von Muttermalen und Leberflecken. Hat jemand einen Hautkrebsfall in der eigenen Familie, kann dies das eigene Risiko steigern. Auch manche Chemikalien und bestimmte Medikamente können Hautkrebs fördern. Nicht zuletzt wächst das Hautkrebsrisiko mit zunehmendem Alter. © obs
Solarium
Dürfen Minderjährige ins Solarium? Nein. Seit 2009 ist unter 18-Jährigen die Benutzung von Solarien verboten. 2012 wurden die Vorschriften für Sonnenstudio-Betreiber nochmals verschärft. So gilt unter anderem ein Mindestabstand für Lampen. Das Personal muss jeden Kunden außerdem beraten. © dpa
Hautkrebs erkennen?
Wie kann ich Hautkrebs erkennen? Man sollte auf auffällige Hautstellen achten. Schwarze Melanome etwa können in sehr unterschiedlicher Form auftreten. Sie können zum Beispiel asymmetrisch sein, einen fransigen Rand haben, sich verfärben oder größer werden. Verdächtige Flecken sollten beim Hausarzt oder Dermatologen abgeklärt werden. © dpa
Sonnen
Gibt es eine Früherkennungsuntersuchung? Ja. Ab dem 35. Lebensjahr können sich gesetzlich Versicherte alle zwei Jahre untersuchen lassen. Das Hautkrebs-Screening bezahlt die Kassen. © dpa-mm
Sonnencreme
Wie kann ich Hautkrebs generell vorbeugen? Da wichtigste ist ein guter Sonnenschutz durch entsprechende Kleidung, Mützen und Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor, um sich gegen Sonnenbrand zu wappnen. © dpa
Unter dem Sonnenschirm
Im Sommer sollte man sich vor allem mittags und am frühen Nachmittag besser im Schatten aufhalten. Zur Vorsicht raten Experten bei Lebens- und Nahrungsergänzungsmitteln, die mit dem Versprechen angepriesen werden, Hautkrebs vorzubeugen. Dafür gebe es keine zuverlässigen wissenschaftlichen Belege. © dpa-mzv

Voraussetzung sei, dass man die Sonne „intelligent und vernünftig“ genieße, betont der Dermatologe. Dazu gehört eine Faustregel: „Gerade im Frühjahr, wenn die Haut noch nicht an die UV-Strahlung gewöhnt ist, sollte man maximal 10 bis 15 Minuten in die Sonne gehen – vor allem dann, wenn man zu den helleren europäischen Hauttypen 1 und 2 gehört. Die besten Zeiten für ein Sonnenbad sind morgens oder nach 16 Uhr, möglichst nicht über die Mittagszeit.“

Es sei durchaus möglich, die Haut zu trainieren, sagt Dr. Duve. Er empfiehlt eine Art Aufbauprogramm nach einem ähnlichen Prinzip wie beim Sporteln. „Man beginnt mit einem Sonnenbad von zehn Minuten, wiederholt das ein paar Mal und steigert dann langsam die Dauer.“ Dieses „Sonnen-Training“ sei vor allem für Menschen empfehlenswert, die viel Zeit im Freien verbringen. „Sie sollten ihre Haut rechtzeitig an die Sonne gewöhnen. Dann bekommen sie nicht so schnell einen Sonnenbrand.“

Diese Gewöhnung kann aber auch tückisch sein – gerade im Frühjahr. So unterschätzt man die Sonne beispielsweise leicht, wenn ein frischer Wind weht. Sogar ein kühler Fahrtwind bei der ersten Radltour der Saison kann ausreichen, um die Gefahren der Sonneneinstrahlung zu verflüchtigen. „Immer wieder berichten Patienten mit einem schweren Sonnenbrand, sie hätten zunächst gar nicht gemerkt, wie ihre Haut verbrennt“, sagt Dr. Duve. „Das kann am Wind oder auch am bewölkten Himmel liegen. Man vergisst leicht, dass die UV-Strahlung trotzdem durchkommt.“

Deshalb sei es enorm wichtig, sich gerade bei sportlichen Freiluft-Aktivitäten gründlich einzucremen. Neben dem Wind kann hier auch das Schwitzen zum Problem werden: die schützende Sonnencreme rinnt buchstäblich davon. „Je nach Aktivität kann es Sinn machen, zwei bis fünf Mal nachzucremen“, rät Dr. Duve. Als Lichtschutzfaktor empfiehlt er mindestens 20 bis 30, bei sehr hellen Hauttypen sogar bis zu 50.

Das hilft bei Sonnenbrand

Größte Vorsicht sei bei Babys und Kleinkindern geboten. „Deren Haut ist besonders empfindlich. Eltern sollten daneben auch auf die richtige Kleidung achten. Denn die UV-Strahlung kann auch durch den Stoff auf die Haut gelangen“, warnt der Dermatologe.

Bleibt die Frage, was zu tun ist, wenn man sich trotz aller Vorsichtsmaßnahmen einen Sonnenbrand eingehandelt hat. Bei leichten (Entzündungs-)Symptomen helfen kühlende Cremes und rückfettende Körperlotionen. Bewährt habe sich auch dieses Hausmittel: „Tauchen Sie eine Kompresse in schwarzen Tee und legen diese auf die verbrannten Hautstellen. Das lindert die Schmerzen und fördert die Heilung.“

Bei schweren Sonnenbränden helfen Aspirin und kortisonhaltige Salben. „Von den Tabletten sollte man allerdings nicht mehr als drei Stück am Tag nehmen“, empfiehlt Duve. Kortisonhaltige Salben gibt es rezepfrei in der Apotheke.

Vitamin D

Nach Schätzungen des Robert-Koch-Instituts werden etwa 80 Prozent des Vitamin-D-Bedarfs über die Haut gedeckt – diese braucht zur Produktion allerdings Sonnenlicht. „Schon täglich 10 bis 20 Minuten in der Sonne steigern die Vitamin-D-Produktion um das 50-fache“, erklärt Dr. Stefan Duve. Der restliche Bedarf an ­Vitamin D wird über die Nahrung aufgenommen, ein hoher Anteil steckt beispielsweise in Fisch, ­Pilzen und Eiern.

Tipps für draußen

Wie kann man sich beim Sport und anderen Freizeitaktivitäten im Freien vor zu viel Sonne schützen? Hier einige Hinweise und Tipps des Bundesverbandes der deutschen Dermatologen:

* Bei lockerer Bewölkung kann noch bis zu 75 Prozent der UV-Strahlung den Boden erreichen.

* Im Schatten sind noch etwa 50 Prozent der Sonnenstrahlung vorhanden.

* Wassersportler sollten daran denken, dass das UV-Licht verstärkt reflektiert wird.

* Bei Bergtouren ist zu beachten, dass die Strahlung mit 1000 Höhenmetern um etwa 20 Prozent steigt.

* Beim Wassersport und schweißtreibenden Aktivitäten auf wasser- und schweißfeste Sonnenschutzprodukte achten!

* Zur Vorbeugung von Haut­reizungen, die durch Schwitzen noch begünstigt werden, Produkte ohne Duft- und Konservierungsstoffe verwenden!

* Sonnenschutzpräparate schon 30 Minuten vor Aktivitäten im Freien anwenden, damit sie ihre volle Wirkung entfalten können!

* Normale Sportkleidung lässt noch 25 bis 30 Prozent des UV-Lichts durch. Deshalb darunter ebenfalls eincremen oder Textilien mit zertifiziertem UV-Schutz tragen!

* Kopfbedeckung – möglichst mit Schirm und Nackenschutz – nicht vergessen!

Frühjahrsmüdigkeit bekämpfen

Während die Natur zu neuem Leben erwacht, kommen viele morgens immer noch schwerer aus dem Bett als sonst und kämpfen mit Müdigkeit, Antriebslosigkeit, auch Kreislaufproblemen und Schlafstörungen. „Ein Grund für die Frühjahrsmüdigkeit ist der Klimawechsel von kalten Temperaturen im Winter zu wärmeren im Frühjahr“, erklärt Patric Stamm von der Krankenkasse KKH in München. „Daran muss sich unser Körper erst gewöhnen. Er reagiert vorübergehend mit geweiteten Blutgefäßen und sinkendem Blutdruck, der müde macht.“ Hinzu kommt, dass die Konzentration des Schlafhormons Melatonin im Blut nach der Winterzeit besonders hoch ist. „Der Frühjahrsmüdigkeit, unter der vor allem wetterfühlige Menschen leiden, ist jedoch niemand hilflos ausgeliefert“, sagt Stamm. Hier einige Tipps, wie Sie ihr entkommen:

Schwungvoll in den Tag starten: Starten Sie den Tag mit Wechselduschen. Kalt-Warm-Reize trainieren die Gefäße und bringen den Kreislauf in Schwung. Hierbei stets mit einem warmen Wasserstrahl beginnen und mit einem kalten enden. Morgendliche Atemübungen am offenen Fenster bringen den Kreislauf ebenfalls auf Trab und liefern eine Extraportion Sauerstoff.

Tageslicht wirkt Wunder: Tanken Sie häufig Tageslicht, das stärkt Körper und Geist (siehe großer Text links). Einen Versuch wert: Passen Sie Ihren Tagesrhythmus übergangsweise den derzeitigen Lichtverhältnissen an, um viel Licht und Sonne zu tanken, das heißt: abends zeitig ins Bett und morgens früh aus den Federn.

Den Körper mobilisieren: Bewegen Sie sich mindestens drei, vier Mal pro Woche eine halbe Stunde. Bewegung erhöht das Blutvolumen im Körper und kann Cholesterinwerte und Blutdruck senken.

Rubriklistenbild: © dpa

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