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Top-Ärzte ziehen ausländische Patienten nach München

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Erleichterung nach einem schwierigen Start ins Leben: Anton kam mit einem seltenen Herzfehler zur Welt, den Prof. Rüdiger Lange (links) und Prof. Christian Schreiber im Herzzentrum beheben konnten. Mama Alyona Morozova ist überglücklich. © Götzfried

München - Medizin-Mekka München – immer mehr ausländische Patienten pilgern zu den Top-Ärzten unserer Stadt, darunter vor allem Araber und Russen. Ein Wirbelsäulen-Spezialist erklärt, wie etwa die Patienten aus der arabischen Welt ticken.

Medizin-Mekka München – immer mehr ausländische Patienten pilgern zu den Top-Ärzten unserer Stadt, darunter vor allem Araber und Russen. Vorausgesetzt, sie können es sich leisten, finden wohlhabende Gönner oder staatliche Unterstützung. So wie Alyona Morozova, deren schwer kranker Sohn Anton daheim in Moskau verloren gewesen wäre. Eine russische Hilfsorganisation ermöglichte, dass der Bub unmittelbar nach seiner Geburt in München am Herzen operiert werden konnte. Auch Ilya Berestnev (40) profitierte von Knowhow und Hightech der Spezialisten im Deutschen Herzzentrum. In der tz möchten sie – auch stellvertretend für viele Landsleute – eine Botschaft loswerden: Danke, München, für unsere Rettung!

Andreas Beez

So retteten Münchner Spezialisten den kleinen Anton

Alyona durchlebte eine unkomplizierte Schwangerschaft, alle Routineuntersuchungen verliefen normal – bis zur 33. Woche: Wie aus heiterem Himmel eröffneten die Moskauer Ärzte der werdenden Mutter, dass das vermeintlich pumperlg’sunde Baby in ihrem Bauch einen Herzfehler hat. Hinter vorgehaltener Hand machten die Mediziner der geschockten jungen Frau klar: „Wir haben hier wenig Erfahrung mit solchen Fällen. Das Risiko, dass bei der Geburt etwas schiefgeht, ist hoch. Zudem braucht Ihr Kind direkt danach eine Herz-OP. Wenn Sie können, versuchen Sie Ihr Glück im Ausland.“

Also fragten Morozova (27) und ihr Mann Alexander bei mehreren Spezialkliniken in den USA und in Deutschland an, was die entsprechenden Behandlungen kosten würden. Die forderten bis zu 200.000 Euro – zahlbar per Vorkasse. Dagegen wirkten die 90.000 Euro, die das Deutsche Herzzentrum veranschlagte, noch vergleichsweise günstig. Doch auch dieses Geld hatten die Morozovs nicht. Die junge Mutter kämpfte wie eine Löwin – so lange, bis sie eine russische Hilfsorganisation fand, die den Aufenthalt in München finanzierte. „Uns fiel ein Stein vom Herzen“, erinnert sich Al­yona im tz-Gespräch.

So kam der kleine Anton im Klinikum rechts der Isar auf die Welt, wurde bereits am nächsten Tag zur OP ins Herzzentrum gebracht. „Anton ging es sehr schlecht“, berichten Prof. Rüdiger Lange und Prof. Christian Schreiber. Die Herzchirurgen wagten einen seltenen und technisch schwierigen Eingriff, verpflanzten dabei unter anderem eine Herzklappe.

Vier Tage lang stand es sehr kritisch um den kleinen Patienten. Er hing drei Tage an der Herz-Lungenmaschine, bekam 15 verschiedene Medikamente. „Meine Angst war unvorstellbar groß. Ich habe sogar die Maschine angebetet, dass sie meinen Sonnenschein am Leben halten soll“, so die Mama. Am Ende ging alles gut: „Sein kleines Herz konnte sich langsam erholen“, freuen sich Lange und Schreiber. Für Alyona das schönste Geschenk ihres Lebens: „Ich bin den Münchner Ärzten unendlich dankbar!“

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Ilya Berestnev aus Moskau, hier mit Ehefrau Tatyana, wurde ein Defibrillator eingesetzt. © Beez

Auch Ilya Berestnev empfindet es als großes Glück, dass er auf Vermittlung einer russischen Agentur ins Herzzentrum nach München gekommen ist. „Bei uns in Russland ist die medizinische Grundversorgung viel schlechter als in Deutschland“, erzählt der Filmtechniker aus Moskau. „Wenn ich in einem kleinen Dorf nur 100 Kilometer von unserer Hauptstadt wohnen würde und kein Geld hätte, dann wäre ich wahrscheinlich heute nicht mehr am Leben.“

In München konnten die Ärzte die massive Herzschwäche des Patienten so behandeln, dass er erst mal über den Berg ist. „München kann sich glücklich schätzen, dass es hier so gute Kliniken und Mediziner gibt“, sagt Ilya. „Und ich auch...“

Wirbelsäulen-Spezialist berichtet: So ticken die Araber

Die arabische Welt hat ihn schon immer fasziniert – und als ihn der Ruf

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Dr. Reinhard Schneiderhan erklärt einem arabischen Ehepaar einen Eingriff an der Wirbelsäule. © Klinik

der Wüste ereilte, packte er gleich begeistert seine Koffer: Mehrfach reiste Dr. Reinhard Schneiderhan nach Kuwait, um dort im New Mowasat Hospital als Gastarzt zu arbeiten. „Es war ein Abenteuer, das zu den spannendsten Erfahrungen meiner Laufbahn gehört“, sagt der renommierte Münchner Wirbelsäulen-Spezialist. Inzwischen kennt er die Mentalität der Patienten aus diesem Kulturkreis sehr gut – und genießt das Vertrauen einflussreicher Araber. Viele kommen zur Schmerzbehandlung extra in Dr. Schneiderhans Praxisklinik in Taufkirchen, darunter auch der Polizeipräsident von Dubai. In der tz erzählt der Orthopäde, wie seine Patienten aus dem Nahen Osten ticken.

Herr Dr. Schneiderhan, die Golfstaaten haben einen starken Bezug zu Amerika, während des zweiten Golfkriegs 1991 bezogen die US-Streitkräfte bei Kuwait-Stadt ihre Einsatzbasis. Warum lassen sich viele Araber trotzdem lieber in Deutschland behandeln als in den USA?

Dr. Reinhard Schneiderhan: Während des zweiten Golfkriegs und danach ist spürbar Vertrauen zerstört worden. Die Berichte über die Greueltaten der US-Armee im Irak und ihr teilweise respektloses Auftreten hat viele Einheimische empört. Diese Leute wollen sich nicht von amerikanischen oder englischen Ärzten behandeln lassen. Wir Deutsche sind ihnen lieber.

Weil sich Deutschland damals nicht am zweiten Irak-Feldzug beteiligt hat?

Schneiderhan: Ja. Das spielt eine verblüffend große Rolle. Mir hat in Kuwait mal ein Patient auf die Schulter geklopft und gesagt: Wir danken eurem Bundeskanzler Gerhard Schröder und Außenminister Joschka Fischer, dass Deutschland nicht mitgemacht hat.

Spielt die Politik auch bei anderen ausländischen Patienten eine Rolle?

Schneiderhan:

Ja, in vielen Ländern sind politische Überlegungen bei der Arztwahl wesentlich wichtiger als für uns Deutsche. Zum Beispiel in Russland. Kürzlich hat ein Patient bei uns in der Praxisklinik angefragt, ob Russen nach den Auseinandersetzungen um die Ukraine in Deutschland denn überhaupt noch willkommen sind.

Wie suchen sich ausländische Patienten ihren Arzt in Deutschland aus?

Schneiderhan: Meist läuft das über Mund-zu-Mund-Progapanda – besonders in der arabischen Welt. Wenn ein Arzt mal einem Familienmitglied geholfen hat, dann gehen in der Regel alle anderen Patienten aus dem Clan auch zu ihm. Persönliche Erfahrungen sind dort ungemein wichtig.

Was erwarten die ausländischen Patienten, wenn sie nach Deutschland kommen?

Schneiderhan: Sie wollen eine gute Rundum-Betreuung – im Idealfall von Mitarbeitern, die ihre Sprache sprechen. Wir haben mit Dr. Zainalabdin Anwar Hadi einen Kollegen im Team, der aus dem Irak stammt. Er kann dolmetschen, wenn ein Patient etwas auf Englisch nicht richtig versteht.

Interview: Andreas Beez

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