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Hightech fürs Herz: Neue Methoden

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Analyse im Herzkatheterlabor: Chefärztin Professorin Ellen Hoffmann und Oberarzt Dr. Johannes Rieber © Klinikum (fkn)

München - Im Rahmen tz-Serie über Spitzenmedizin in München berichtet die tz über neue Techniken im Kampf gegen Infarkte und Vorhofflimmern. Zudem gibt eine Expertin Tipps für Ihr Herz.

Zwei Münchner, ein Problem – das Herz: Manfred Eckenweber drohte ein Infarkt, seine Kranzgefäße waren stark verengt. Angela Bruns litt an Herzrasen, Angst und Atemnot raubten ihr die Lebensqualität. Nach der Behandlung im Städtischen Klinikum Bogenhausen geht es beiden wieder viel besser. Sie sind Paradebeispiele dafür, wie Patienten von moderner Spitzenmedizin profitieren.

Eckenweber hätte eigentlich eine Bypass-OP am offenen Herzen gebraucht. „Seine koronare Herzerkrankung ist komplex“, berichtet Chefärztin Prof. Ellen Hoffmann. Mehrere Engstellen befanden sich an Gefäßgabelungen, waren nur schwer zu versorgen. Aber eine offene Herz-Operation wollte er nicht.

Es gelang den Kardiologen, die Stents – lebensrettende Röhrchen aus Metallgeflecht – exakt zu platzieren. Sie verwendeten dazu im Herzkatheterlabor ein neues Bildgebungsverfahren: die optische Kohärenztomographie (OCT). „Diese Super-LED-Technologie ermöglicht es uns, die Gefäße noch differenzierter zu betrachten“, erklärt die Chefärztin.

Auch Angela Bruns wurde mit einer innovativen Methode behandelt. Ihr Vorhofflimmern bändigten die Ärzte mit einer Vereisungstechnik. Hightech fürs Herz – in der tz-Serie über Spitzenmedizin in München erklärt Chefärztin Hoffmann die beiden Verfahren.

Andreas Beez

Eis-Ballon: Wie er hilft

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Angela Bruns litt an Herzrasen © Beez

Angela Bruns (64) kann mit ihrem Hund wieder unbeschwert Gassi gehen, ihre Beete im Garten mit viel Schwung umgraben – ganz ohne dieses wilde Herzrasen, befreit von dieser Angst, sie könnte ohnmächtig werden oder sogar tot umfallen: „Ich habe jetzt wieder dieselbe Lebensqualität wie vor meiner Erkrankung“, erzählt die frühere Kinderkrankenschwester der tz.

Die Patientin litt an Vorhofflimmern – die häufigste anhaltende Herzrhythmusstörung, die vor allem ältere Menschen trifft: Statistisch gesehen haben über zehn Prozent aller 75-Jährigen Vorhofflimmern.

Als bei Angela Bruns die Medikamente nicht mehr halfen, nahmen die Ärzte im Herzkatheterlabor eine sogenannte Ablation mit der Cryoballontechnik vor. Dabei werden die Herzrhythmusstörungen praktisch mit Kälteschocks tiefgefroren – bei bis zu minus 60 Grad. Seit zwei Monaten setzen die Bogenhausener Kardiologen die zweite Generation dieses innovativen Verfahrens ein. Und so funktioniert’s:

Das Prinzip: Oft sind die Lungenvenen Auslöser des Flimmerns. Sie geben im Einmündungsbereich zum Vorhof Extrasystolen ab – das sind zusätzliche Herzschläge außerhalb des normalen Takts. „Die Stellen, wo diese Impulse entstehen, kann man entweder mit Hitze oder mit Kälte veröden“, erklärt Professorin Hoffmann. „Wir halten die Cryoballontechnik für das schonendere Verfahren.“ Cryo leitet sich aus dem Griechischen ab und steht für Vereisung.

Die Methode: Im Herzkatheter wird ein zusammengefalteter Spezialballon durch die Herzscheidewand in den linken Vorhof bis zu den Einmündungsbereichen der Lungenvenen geschoben. Dann lassen die Kardiologen durch einen winzigen Schlauch Lachgas als Kühlmittel in die Hülle strömen – sie blasen praktisch einen Eis-Ballon auf. Mit sogenannten Freezes setzen sie Vereisungskreise rund um die Lungenvenen-Einmündungen.

Die Erfolgsrate: etwa 70 Prozent! Die Komplikationsrate ist mit zwei bis vier Prozent sehr gering. Gute Quoten – auch deshalb, weil die Bogenhausener Ärzte über die weltweit größte Erfahrung mit der Cryoballontechnik verfügen. „Wir haben seit 2007 bereits über 800 Patienten behandelt“, erläutert die Chefärztin.

„So blieb mir eine Operation erspart“

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Manfred Eckenweber drohte ein Infarkt © Beez

„Schuld an dem Drama war eigentlich meine Frau“, erzählt Manfred Eckenweber (48) aus Haidhausen augenzwinkernd. Sie hat im Herbst ein neues Radl bekommen und ist ihm laufend davongefahren. „Ich dachte mir: Das gibt’s doch nicht! Aber immer wenn ich Gas geben wollte, ist mir die Luft weggeblieben. Ich musste dauernd husten“, erinnert sich der Orthopädie-Schuhmacher.

Also ging Eckenweber zum Arzt. Nach mehreren Untersuchungen stand auch ein Belastungs-EKG an. „Schon bei 150 Watt Widerstand hat der Doktor befürchtet, dass ich ihm gleich vom Radl falle!“ Im Klinikum Bogenhausen ergab eine Untersuchung im Herzkatheterlabor: Alle drei großen Herzkranzgefäße sind so gut wie dicht. Die Kardiologen sahen in Eckenweber einen klassischen OP-Kandidaten. Dabei hätten ihm Bypässe gelegt werden sollen – das sind praktisch Umleitungen um die vorstopften Gefäße herum. „Aber für mich kam das nicht infrage. Ich wollte mir nicht den Brustkorb aufschneiden lassen.“

Deshalb entschieden sich die Ärzte, den Patienten mit Stents zu versorgen. Um die Engstellen in den Gefäßen genau analysieren zu können, setzten sie die OCT-Technik ein. Chefärztin Hoffmann: „Dabei wird ein Leuchtdraht bis in die Kranzgefäße geschoben. Er hat einen Durchmesser von weniger als einem Millimeter. An der Spitze befinden sich winzige, aber extrem leistungsstarke Leuchtdioden.“

Diese LEDs ermöglichen eine hochauflösende Darstellung der Gefäße. So bekommen die Herz-Profis wertvolle Infos: „Wir können unter anderem zwischen fettreichen und verkalkten Plaques an den Gefäßinnenwänden unterscheiden.“ Dies ist wichtig, um die Gefährlichkeit der Ablagerungen einschätzen zu können. Der zweite große Vorteile der OCT-Bildgebung: „Wir können kontrollieren, ob sich die gesetzten Stents in der optimalen Position befinden und das Gefäß offen halten.“

Stent-Behandlung bei koronarer Herzerkrankung

Wenn die Kardiologen Verengungen in den Kranzgefäßen ausfindig machen wollen, müssen sie eine sogenannte Koronarangiographie durchführen. Während dieser speziellen Röntgen-Untersuchung im Herzkatheterlabor bekommt der Patient ein Kontrastmittel in die Kranzgefäße gespritzt. Dadurch können die Ärzte genau erkennen, welche Abschnitte verstopft sind – bei der Analyse der Bilder gilt: Je dunkler, desto besser durchblutet.

Unsere Expertin

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© fkn

Ellen Hoffmann gehört zu den führenden Elektrophysiologen mit enormer Erfahrung bei der Behandlung von Herzrhythmusstörungen. Die Professorin, die unter anderem in Cambridge, Oxford und 19 Jahre an der Uniklinik Großhadern arbeitete, leitet seit 2003 die Kardiologie und die Intensivmedizin im Städtischen Klinikum Bogenhausen. Im vergangenen Jahr hatte sie als erste Kardiologin seit Gründung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie 1927 die Tagungspräsidentschaft inne.

Ellen Hoffmann: Meine Tipps für Ihr Herz

1.) Weil Bluthochdruck für viele Herzkreislauferkrankungen ursächlich ist, auch für Vorhofflimmern, sollte Ihr Blutdruck optimal eingestellt sein: unter 140/90 mmHg.

2.) Rauchen ist der Herz-Risikofaktor Nummer 1. Wer aufhört, halbiert bereits nach sechs Monaten das Risiko für eine Unterversorgung des Herzens mit Sauerstoff (Koronarinsuffizienz).

3.) Es muss kein Leistungssport sein! Mit körperlicher Aktivität (fünf Mal 30 Minuten pro Woche) senken Sie das Risiko für Herzkreislauferkrankungen um 25 Prozent. Es eignen sich zum Beispiel Radeln oder schnelles Gehen. Gleichzeitig verbessern Sie so die Blutfettwerte. Außerdem bauen Sie Stress ab.

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