Richtig oder falsch?

20 Fakten übers Essen

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Der Gang zum Kühlschrank spät abends hemmt den Fettabbau in der Nacht.

Werden wir wirklich schlank im Schlaf? Warum sollte man abends nichts mehr essen? Und stimmt es, dass Light-Limonaden Heißhunger auf Süßes machen?

Professor Volker Schusdziarra bespricht in der tz die 20 größten Ernährungsirrtümer. Der Experte erklärt, an welchen Binsenweisheiten was dran ist – und was wir vergessen können:

Schlank im Schlaf.Da ist schon was dran: Wer früh ins Bett geht, nimmt keine Spätmahlzeit mehr zu sich. Der Körper baut im Schlaf aber nicht mehr Kalorien ab als im wachen Ruhezustand.

Essen nach 18 Uhr setzt mehr an.Unser Essen hat immer gleich viele Kalorien, egal, wann wir es verspeisen. Fürs Abnehmen ist spätes Essen trotzdem nicht gut. Die Nacht ist die längste Phase, in der wir nichts essen. Tagsüber essen wir alle vier bis fünf Stunden, bei Zwischenmahlzeiten häufiger. Die Kohlenhydrate im Essen aktivieren die Insulinausschüttung – und Insulin hemmt den Fettabbau. Tagsüber findet darum kein nennenswerter Fettabbau statt. Zur Fettmobilisierung bleibt nur die Nachtphase. Je später wir Kohlenhydrate essen, desto kürzer ist diese Phase. Die Obstplatte um 22 Uhr gegen den späten Hunger ist also ganz verkehrt. Besser ist ein Ei oder Naturjoghurt.

Vitaminpillen sind gut als Nahrungsergänzung.Keine einzige Studie hat gezeigt, dass Vitamintabletten sich positiv auswirken. Wer sich nicht extrem einseitig ernährt, hat sowieso keinen Vitaminmangel. Zu viele Vitamine können sogar gefährlich werden: Studien haben gezeigt, dass Raucher, die zu viel Vitamin A zuführen, ein 40 Prozent höheres Lungenkrebsrisiko haben.

Menschen, die frühstücken, sind schlanker. „Meine Analyse von fast 3000 Ernährungsprotokollen übergewichtiger Menschen zeigt, dass an den Tagen mit geringen Frühstückskalorien auch die Gesamtkalorien niedriger sind“, sagt Prof. Schusdziarra. Wer das Frühstück nicht braucht, hat diese Kalorien schon mal gespart – und holt sie im Laufe des Tages nicht wieder rein.

Kartoffeln machen dick. Falsch! Kartoffeln haben mit nur 0,7 kcal/g von allen Kohlenhydratbeilagen die niedrigste Energiedichte. Selbst Bratkartoffeln (1,3 kcal/g) haben deutlich weniger Kalorien als eine Vollkornsemmel (2,3 kcal/g). Obst und Gemüse kann man nie genug essen. Für Gemüse (0,2 kcal/g) stimmt das. Beim Obst (0,5 kcal/g) muss man aufpassen: Früchte bewirken die Ausschüttung von Insulin, der Verzehr hemmt daher den Fettabbau. Außerdem wird Obst ohnehin oft und in großen Mengen gegessen. Ein Apfel wiegt im Schnitt 150 Gramm, das sind 75 kcal.

Lieber viele kleine Snacks als drei Hauptmahlzeiten. Falsch! Die Ernährungsprotokolle zeigen: Jede Zwischenmahlzeit erhöht die Kalorienaufnahme, weil man bei der folgenden Hauptmahlzeit deswegen nicht weniger isst.

Die Zuckerersatzstoffe in Light-Limonaden machen Heißhunger auf Süßes. „Das stimmt höchstens für 1 Prozent, 99 Prozent meiner Patienten verspüren keinen Heißhunger“, sagt Prof. Schusdziarra und empfiehlt selbst der kleinen Minderheit: „Light-Limonaden haben null Kalorien. Selbst wenn manche nach dem Verzehr etwas mehr Lust auf Süßes haben, nehmen sie dabei nicht unbedingt mehr Kalorien zu sich, als wenn sie normale Limo trinken würden.“

Säfte und Schorlen sind gesund. Gerade vor oder nach dem Sport sollte man Saftschorlen trinken.Das gilt nur für Menschen ohne Gewichtsproblem. Saft hat mit 500 kcal pro Liter genauso viele Kalorien wie Cola. Wer sich bewegt, um abzunehmen, sollte keine Säfte und Schorlen trinken. Durch ihre Insulin stimulierende Wirkung hemmen sie den Fettabbau.

Margarine ist besser als ­Butter.Margarine und Butter haben dieselbe Energiedichte – fürs Abnehmen ergeben sich also keine Vorteile. Der Unterschied: Das Pflanzenfett in der ­Margarine enthält kein Cholesterin.

Nüsse sind reine Gehirnnahrung.Nüsse sind vor allen Dingen fett! Mit 6,0 kcal/g haben sie sogar noch mehr Kalorien als Schokolade (5,4 kcal/g)!

Manche Menschen müssen das Essen nur ansehen und nehmen schon zu. Das ist nicht immer nur eine Ausrede: Wer einen sehr niedrigen Grundumsatz von z. B. nur 1000 Kilokalorien pro Tag hat, kann wirklich nicht viel essen, ohne zuzunehmen. Dies gilt auch für ältere Menschen, denn mit den Jahren sinkt der Grundumsatz.

Fleisch ist ungesund. Naturbelassenes Fleisch, das nicht paniert oder zu Würsten verarbeitet wurde, hat eine niedrige Energiedichte und ist darum empfehlenswert. Die Vermutung, dass der Verzehr von Fleisch das Risiko für bestimmte Krebsarten erhöht, ist durch neuere Studien widerlegt. Bewiesen hingegen ist: Übergewicht steigert das Krebsrisiko deutlich!

Salat undRohkost am Abend können nicht mehr verdaut werden.Falsch! Die Verdauung funktioniert abends und nachts genauso wie tagsüber. Allerdings gärt Gemüse, Obst und Salat im Dickdarm, das ist ganz normal. Den Blähbauch empfinden manche Menschen gerade abends als unangenehm.

Mediterranes Essen ist gesund und kalorienarm.Gemüse und Salat sind zwar kalorienarm – aber in der mediterranen Küche werden sie meist in Öl eingelegt, das treibt die Kalorien gewaltig in die Höhe. Neuere Analysen mit 35 000 Patienten zeigen, dass mediterrane Kost nicht gesünder ist.

Wer Sport macht, kann mehr essen, weil er mehr Kalorien verbraucht.Das ist trügerisch! Durch Sport werden meist wesentlich weniger Kalorien verbraucht, als viele denken. Um sich eine Semmel mit 150 Gramm Leberkäse abzutrainieren, müsste man etwa 83 Minuten radfahren!

Wasser trinken vor dem Essen macht satt.Wenn überhaupt, erzielt man damit höchstens einen psychologischen Effekt. Flüssigkeiten tragen nicht zur Sättigung bei. Ein Viertel Liter ist nach zehn Minuten wieder raus aus dem Magen und kann daher nicht satt machen. Darum sind flüssige Kalorien ja reine Dickmacher.

Eier sind ungesund wegen des hohen Cholesterins.Eier tragen selbst bei hohem Cholesterinspiegel nicht zu einer weiteren Steigerung bei. Umgekehrt lässt sich durch den Verzicht auf Eier der Cholesterinspiegel nicht wesentlich senken. Der Vorteil: Eier sind energiearm und sehr sättigend.

Lieber zu dick als zu dünn. Statistisch gesehen haben Menschen mit einem Body-Maß-Index von 25 – die Obergrenze von Normalgewicht – die niedrigste Sterberate. Menschen mit BMIs darüber und darunter haben ein höheres Sterberisiko. Ein leichtes Übergewicht ist noch kein Gesundheitsproblem, so lange keine Zusatzerkrankungen wie Bluthochdruck auftreten. Aber: Starkes Übergewicht führt zu vielen, teils tödlichen Krankheiten. Also lieber nicht zu dick …

Simone Herzner

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