Viele Infizierte wissen nichts von der Gefahr

Hepatitis-Virus: Leber in Not

München - Über zwei Milliarden Menschen weltweit haben Hepatitis B bereits durchgemacht. Die tz sprach mit Dr. Martin Wächtler vom Klinikum München-Schwabing über die Erfolge der Behandlung und für wen eine Impfung sinnvoll ist.

Müdigkeit ist der Schmerz der Leber – da das Organ nicht von Nerven durchzogen wird, tut bei einer Leberentzündung nichts weh. Der Patient fühlt sich meist nur ziemlich schlapp. Daher werden Leberschäden, sei es aufgrund von Alkoholmissbrauch oder Infektionen, erst entdeckt, wenn es schon zu spät und das Organ zu krank ist, um wieder ganz gesund zu werden. Dies gilt auch für eine der häufigsten Infektionskrankheiten auf der Welt: Hepatitis B. Über zwei Milliarden Menschen weltweit haben diese Erkrankung bereits durchgemacht. 300 bis 400 Millionen sind nicht wieder gesund geworden: Sie sind, meist ohne davon zu wissen, chronisch infiziert und können andere anstecken. Unbehandelt kann die Infektion nach Jahren zu tödlichen Erkrankungen wie Leberzirrhose und Krebs führen. Die tz sprach mit Dr. Martin Wächtler vom Klinikum München-Schwabing über die Erfolge der Behandlung und für wen eine Impfung sinnvoll ist.

Wie groß ist die Gefahr, sich mit dem Hepatitis-Virus anzustecken? Kann man es sich im Schwimmbad holen?

Dr. Martin Wächtler: Nein, Hepatitis-B-Viren werden über Blut bei auch nur geringfügigen Verletzungen von Haut oder Schleimhaut übertragen oder sexuell durch Geschlechtsverkehr. Beim Blut reichen allerdings kleinste Mengen, um sich anzustecken, also auch Spuren an gebrauchten Spritzen oder Akupunkturnadeln. Mit Hepatitis B kann man sich auch im Haushalt anstecken, also in der Familie oder in einem Heim. Hepatitis C wird sehr selten über sexuelle Kontakte übertragen, sondern fast ausschließlich über Blut. Meist bleibt die Infektion unbemerkt, da die Symptome sehr diffus sind, also Mattigkeit oder Müdigkeit. Werden Kinder infiziert, z. B. bei der Geburt von infizierten Müttern, entwickeln sie zu 90 Prozent eine chronische Form der Hepatitis B. Da in Deutschland Schwangere getestet werden, kommt diese Übertragung bei uns sehr selten vor. Hier stecken sich überwiegend erwachsene Menschen an, bei ihnen heilt die Erkrankung zu 95 Prozent aus. Doch fünf Prozent entwickeln eine chronische Erkrankung. Ganz anders als bei Hepatitis C: Hier ist der Verlauf bei 80 bis 100 Prozent chronisch. Das heißt, auch nach sechs Monaten ist das Virus noch in ihrem Blut nachweisbar.

Gibt es Medikamente gegen die ­Erkrankung?

Wächtler: Es gibt sogar sehr gute Medikamente, da hat sich in den letzten Jahren viel getan. Bei der Hepatitis B wartet man zunächst ab, wie das Immunsystem reagiert. Es gibt vor allem bei asiatisch-stämmigen Patienten eine Form der Erkrankung, wo das Immunsystem das Virus toleriert. Die Leber wird ja nicht durch das Virus geschädigt, sondern durch die Immunantwort des Körpers. Wenn der Patient jedoch eine zu hohe Viruslast im Körper hat und die Leberwerte verändert sind, können wir mit einer Interferon-Therapie oder mit einem der beiden sehr wirksamen antiviralen Medikamente das Hepatitis-B-Virus gut kontrollieren. Manchmal schlägt die Behandlung so gut an, dass das Virus nicht mehr nachweisbar ist. Bei der Hepatitis C wird man fast immer behandeln. Denn hier ist die Gefahr zu groß, dass die Leber auf Dauer geschädigt wird. Die Forschung schreitet rasant voran, wir glauben, dass wir in fünf bis zehn Jahren diese Krankheit heilen können.

Die Deutsche Leberstiftung rät, jeder sollte seine Leberwerte kennen. Welche sind das?

Wächtler: Die Leber ist ein chemisches Syntheselabor und daher sind die Werte ein bisschen komplizierter als z. B. beim Bluthochdruck. Ein wichtiger Wert ist der sogenannte GPT-Wert; ist dieser Wert erhöht, hat man einen deutlichen Hinweis auf eine Entzündung. Ein weiterer Leberwert zeigt an, ob die Leber schon Schaden genommen hat, z. B. durch eine Leberzirrhose. Dann gibt es Werte, an denen wir die Funktion der Leber ablesen können. Vielen bekannt ist vielleicht der Bilirubin-Wert, ein Abbauprodukt des roten Blutfarbstoffes, das eigentlich mit der Galle ausgeschieden wird. Wenn dieser Wert stark erhöht ist, sorgt das für die gelbliche Färbung von Haut, Schleimhäuten und der Lederhaut der Augen von Patienten.

Wer sollte sich gegen Hepatitis B impfen lassen?

Wächtler: Wenn ich das gefragt werde, gibt es für mich nur eine Antwort: jeder! Das ist eine der sinnvollsten Dinge, die man für seine Gesundheit tun kann. Drei Injektionen und man ist vor einer Krankheit geschützt, die einen chronisch krank machen und das Leben verkürzen kann. Für das Säuglings- und Kindesalter gibt es ja seit 1995 eine Impf-Empfehlung der Ständigen Impfkommission am Robert-Koch-Institut.

sus

München entwickelt Schutz-Strategie

Mehr als 10.000 Menschen, die in München leben, sind mit Hepatitis B infiziert – und wissen es gar nicht. Um über die Krankheit und ihre Risiken aufzuklären, wurde in München erstmals in Deutschland ein Hepatitis-B-Projekt gestartet mit dem Ziel, chronische Lebererkrankungen und Leberkrebs zu verhindern.

Dr. Heidi Cohn vom Gesundheitsreferat der Stadt München koordiniert zurzeit die Aktivitäten und zieht gegenüber der tz nach gut einem Jahr eine erste positive Bilanz: „Unsere Angebote werden sehr gut angenommen.“ Das Projekt verfolgt mehrere Ziele. Es sollen langfristig Kooperationspartner wie Kliniken, Migrantenorganisationen und Vereine gefunden werden, die über die Krankheit aufklären und Menschen ermutigen, sich testen zu lassen. Angesprochen werden Frauen und Männer aller Altersgruppen mit Migrationshintergrund. Im Osten Europas, in der Türkei, aber auch in Spanien, Portugal, Afrika und Asien ist das Virus in der Bevölkerung weiter verbreitet als bei uns. Heidi Cohn: „Andere Risikogruppen wie z.B. medizinisches Personal sind schon gut mit Angeboten versorgt, daher sehen wir den größten Bedarf in dieser Bevölkerungsgruppe.“

Selbst ungewöhnliche Angebote fanden große Zustimmung. So wurde in einer Moschee ein Vortrag gehalten, mit der Möglichkeit sich testen zu lassen. „Die Menschen standen zur Blutabnahme Schlange“, erinnert sich Heidi Cohn. Der Test bei der Stadt ist kostenlos und anonym, es werden Nummern und ein Codewort vergeben, mit dem sich jeder sein Ergebnis am Telefon oder persönlich mitteilen lassen kann.

In diesem Jahr haben sich schon 530 Menschen testen lassen, bei 63 wurde festgestellt, dass sie eine Infektion durchgemacht haben, diese aber ausgeheilt ist. Bei 17 Menschen jedoch wurde das Virus nachgewiesen. Zwölf Kranke waren völlig ahnungslos. „Es gibt wirksame Medikamente gegen das Virus“, betont Heidi Cohn, so dass diesen Menschen eine lange Leidenszeit erspart werden kann. Was leider noch nicht von den Krankenkassen bezahlt wird, ist eine Impfung gegen Hepatitis für alle Erwachsene.: „Das auf den Weg zu bringen, ist ein weiteres Ziel unseres Projekts“, so Cohn.

Wer sich testen lassen möchte: Beratungsstelle zu sexuell übertragbaren Infektionen einschließlich AIDS, Bayerstraße 28a, 80335 München. Montag, Mittwoch, Donnerstag 8 bis 11 Uhr, Dienstag 14 bis 18 Uhr, Donnerstag 14 bis 15 Uhr. Telefon 089-233-23333

sus

Hepatitis B und C

Leberentzündungen werden häufig durch Viren ausgelöst. Die Hepatitis-Viren B und C gelten als besonders gefährlich, weil sie zu chronischen Erkrankungen führen können. In Deutschland schätzt man, sind 500 000 Menschen chronisch mit dem Hepatitis-B-Virus infiziert, nur 180 000 wissen von ihrer Erkrankung. Von den Betroffenen stammen zwei Drittel aus Regionen mit einem erhöhten Hepatitis-B-Vorkommen: Süd-, Südost-, und Osteuropa, Asien und Afrika.

Das größte Organ unseres Körpers

Die Leber ist, wie gut in dem Modell zu sehen, unser größtes inneres Organ und wiegt zwischen 1500 und 2000 Gramm. Als chemische Fabrik des Körpers leistet sie Schwerstarbeit: Rund 2000 Liter Blut filtert die Leber täglich, sie schleust Schadstoffe aus dem Körper und reguliert den Fett- und Zuckerstoffwechsel sowie den Mineral- und Vitaminhaushalt. Als eines der wenigen Organe des Körpers kann sie sich regenerieren und Schäden reparieren, so lange noch genügend gesunde Zellen vorhanden sind. Daher kann man auch Teile einer Leber transplantieren, das Organ wächst zur vollständigen Größe heran.

Reisekrankheiten -  Souvenirs die unter die Haut gehen

durchfall
Die mit Abstand häufigste Reiseerkrankung ist  Durchfall. In den meisten Fällen ist der Reisedurchfall eine Schutzreaktion des Körpers. Gifte und Krankheitserreger sollen auf schnellstem Wege ausgeschieden werden. Ruhe ist das beste Therapeutikum. Schutz: Bevorzugung gekochter Speisen, Obst schälen, Eiswürfel vermeiden, Körperhygiene © dpa
Unerwünschte Urlaubssouvenirs
Ulcus Molle oder Weicher Schanker ist eine sexuell übertragbare, vor allem in den Tropen häufig auftretende Krankheit. Sie äußert sich wenige Tage nach Ausbruch durch Hautgeschwüre an den Geschlechtsorganen. Vor allem Männer sind gefährdet. Schutz: Verhütung mit Kondom © dpa
Unerwünschte Urlaubssouvenirs
Fußpilz lauert überall im Urlaub, wo sich viele Menschen barfuß bewegen. Denn, Schwimmbad, Hotelzimmern- und Kabinenböden tummeln sich Hautpartikel, die mit Pilzsporen versehen sein können. Eine Wunde am Fuß oder ein schwaches Immunsystem genügen um sich zu infizieren. Der Pilz löst starken Juckreiz aus und ist sehr hartnäckig. Schutz: Haus- und Badeschuhe, Flip Flops, Desinfektion © dpa
Unerwünschte Urlaubssouvenirs
Madenwürmer leben im Dickdarm des Menschen. Sie sind ein häufig vorkommender Parasit der vor allem Kinder befällt und starken Analjuckreiz auslöst. Nach dem Baden in unreinen Hotelpools oder dem Spielen am Sandstrand ist die Gefahr besonders groß.  © dpa
Schutz: Die Fingernägel kurzhalten- und die Hände oft und gründlich mit Seife gewaschen. Stuhlgang beobachten, Hygiene nach dem Toilettengang, Familienmitglieder vorbeugend mitbehandeln  © dpa
Unerwünschte Urlaubssouvenirs
Die  Feuerqualle ist ein Nesseltier und lebt in Nord- und Ostsee sowie im Atlantik. Gefahr besteht durch Kontakt mit dem Tier, aber auch durch abgestoßene, frei schwebende Tentakel. Das Nesselgift verursacht rote brennende Striemen auf der Haut. Im schlimmsten Fall können Kopfschmerzen und Schwindelgefühl oder sogar Herzprobleme auftreten. Schutz: Auf Gefahrenschilder achten, Schutzcreme © dpa
Unerwünschte Urlaubssouvenirs
Hepatitis A ist eine Entzündung der Leber, die durch das Hepatitis-A-Virus verursacht wird. Die Infektion kommt vor allem in bestimmten Regionen wie Süd- und Südosteuropa, Afrika, Asien sowie Süd- und Mittelamerika vor. Symptome sind Durchfall, Abgeschlagenheit, Gelbsucht sowie Kopf- und Gliederschemrzen. Die Krankheit wird durch unreines Trinkwasser und Schmierinfektion übertragen. Schutz: Impfung © dpa
Unerwünschte Urlaubssouvenirs
Lungenegel: Die Krankheit tritt in Ostasien, im tropischen Afrika sowie in Mittel- und Südamerika auf. Nach dem Verzehr roher infizierter Krabben oder Krebse, wandern die Larven aus dem Darm über die Lebervene in die Lunge. Hauptsymptom ist ein blutiger- und schleimiger Hustenreiz. Die Egel können in der Lunge bis zu 20 Jahre überleben. Schutz: In gefährdeten Gebieten Krabben- und Krebsarten ausschliesslich gekocht verzehren. © dpa
Unerwünschte Urlaubssouvenirs
Vor allem bei Tauchurlauben besteht erhöhte Gefahr für eine Ohreninfektion. Sie entsteht wenn bakteriell infiziertes Wasser in den Gehörgang kommt. Der Gerhörgang ist eine perfekte Brutstätte für die Bakterien. Kinder sind eine Hochrisikogruppe. Es empfiehlt sich nach Schnorchel- und Tauchgängen die Ohren mit Süßwasser zu spülen. Schutz: Ohrenreinigung beim HNO vor Abreise, Süßwasserspülung © dpa
Unerwünschte Urlaubssouvenirs
Schimmelpilze können einen Vielzahl von negativen körperlichen Reaktionen hervorrufen. Diese treten relativ bald nach Sporenkontakt auf. Husten, Bronchitis, Fieber, Hautreizungen und Magen-Darm-Krankheiten sind nur eine Auswahl der möglichen Folgen. Besonders Kinder sind sehr gefährdet. Schutz: intensives Stoßlüften © dpa
Unerwünschte Urlaubssouvenirs
Mallorca-Akne entsteht durch das Zusammenwirken von UV-Strahlung und fetthaltigen Sonnenschutzmittlen. Sie äußert sich durch starken Juckreiz und Pustelbefall. Nach dem ersten intensiven Sonnenbad treten Ausschläge und Pusteln am Dekolleté, der Haut und den Beinen auf. Betroffen sind häufig junge Menschen mitteleuropäischer Herkunft. Schutz: fettfreie Sonnenschutzmittel, Vitamin E, Beta-Karotin-Einnahme, zu Urlaubsbeginn auf ausgiebige Sonnenbäder verzichten © dpa
Unerwünschte Urlaubssouvenirs
In Afrika, Ostasien, Mittel- und Südamerika leben Mückenarten, die für uns weitaus gefährlicher als europäische Mücken sind. Sie übertragen lebenbedrohliche Krankheiten wie Malaria und das Denguel-Fieber. Nach Einbruch der Abenddämmerung, empfiehlt es sich lange Ärmel und Hosenbeine zu tragen. Schutz: Moskitonetze, Fliegengitter, Mückenschutz, Aufenthalt in klimatisierten Räumen © dpa
Unerwünschte Urlaubssouvenirs
Blutegel leben vorzugsweise in Gewässern und Wäldern tropischer Regionen Afrikas, sowie in Süd- und Mittelamerika. Mit ihren Saugnäpfen an den Körperenden saugen sie sich an der Haut fest. Um ans Blut zu gelangen schneiden sie mit ihrem Kiefer eine kleine Wunde in die Haut. Sind sie satt, lassen sie sich  fallen und hinterlassen eine Hautrötung. Schutz: Ätherische Öle, Zitronensaft, Essig, Nylonstrümpfe © dpa
Sonnenbrand
Der "klassische" Sonnenbrand zählt zu den unterschätztesten Hauterkrankungen überhaupt. Diese Entzündung zeigt sich durch eine Rötung oder Schwellung der betroffenen Stellen. Es können über Jahre sogar Tumore und Geschwülste entstehen. Schutz: Meidung von starker Sonnenbestrahlung, Wahl des geeigneten Lichtschutzfaktors der Sonnencréme  © dpa

Rubriklistenbild: © dapd

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