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Bluthochdruck: Das müssen Sie wissen

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Von: Nina Bautz

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Das Mitfiebern beim Fußball ist Stress pur und belastet Herz und Blutkreislauf – das Herzinfarkt-Risiko ist erhöht. © dpa

München - Jedes Jahr 300.000 Todesfälle: Die tz nimmt die Volkskrankheit Bluthochdruck unter die Lupe. Das müssen Sie wissen - und das sind Bluthochdruck-Mythen.

Das Herz klopft, der Puls steigt: Wenn es jetzt bei den WM-Spielen zum Ende der Gruppenphase um alles oder nichts geht, dann wird unser Kreislauf ganz schön strapaziert. Die tz nimmt die Volkskrankheit Bluthochdruck deshalb mal genauer unter die Lupe: Der schleichende Killer lauert Statistiken zufolge in fast jedem zweiten Menschen.

Bis zu 40 Millionen Deutsche leiden unter Hypertonie, wie der Fachbegriff lautet. Jedes Jahr gehen rund 300.000 Todesfälle auf die Folgen der Hypertonie zurück. Laut Landesamt für Statistik waren 2012 insgesamt 857 Münchner zur Behandlung im Krankenhaus, davon waren 593 Frauen.

Ein Münchner Experte klärt in der tz auf: Was sind die Ursachen, Symptome und Folgen? Welche Lügen gibt es über Bluthochdruck – und wie lässt er sich ohne Medikamente senken? Hier gibt’s die Antworten.

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Der menschliche Körper ist durchzogen von Blutgefäßen. Ist der Druck auf die Gefäße zu groß, ­werden sie hart und spröde – das bedeutet: Lebensgefahr! © dpa

Bluthochdruck hat viele Ursachen. „Eine ist beispielsweise Übergewicht“, erklärt der Münchner Hypertonie-Experte Prof. Uwe Heemann, Leiter der Nephrologie am Klinikum Rechts der Isar. „Denn wenn mehr Körperzellen mit Blut versorgt werden müssen, produziert der Körper mehr Blut. Das belastet das Herz, und die Gefäße verlieren durch den erhöhten Druck an Flexibilität.“ Die Gefäßwände werden spröde und hart und lagern Fett und Kalk ein: Arteriosklerose. Weitere Ursachen können Diabetes sein oder Tumore sowie Niereninsuffizienz – beides führt zur Hormonausschüttung, die die Gefäße enger werden lässt.

Die Folgen können dramatisch sein. Heemann: „Sie reichen von Nierenschäden bis zum Schlaganfall oder Herzinfarkt.“ Die Gefahr: „Bluthochdruck kommt meist schleichend. Je langsamer er kommt, desto später bemerken die Patienten die Symptome.“

Anzeichen können sein: Schlappheit, Atemnot, häufiger Schwindel, Kopfschmerzen oder Übelkeit. Deshalb ist es wichtig, den Blutdruck regelmäßig zu kontrollieren – an beiden Armen, tags und nachts, im Liegen, Sitzen und Stehen. Zuverlässige Geräte gibt es ab 25 Euro in der Apotheke. Als Richtwert gilt: Wer über 140/90 mm Hg hat, sollte unbedingt zum Arzt gehen!

Zehn Tipps zur Vorbeugung

Wie kann ich hohem Blutdruck vorbeugen oder leichten Bluthochdruck senken, ohne Medikamente zu nehmen? Der Münchner Experte Prof. Uwe Heemann von Klinikum rechts der Isar hat zehn Tipps:

  1. Gewicht reduzieren: Hat der Körper einen größeren Umfang, muss er mehr Zellen mit Blut versorgen – eine der Hauptursachen für Bluthochdruck.
  2. Regelmäßig Sport treiben: Sport trainiert durch die kurzfristige Blutdruckerhöhung die Gefäße und macht sie dauerhaft elastischer.
  3. Weniger Salz essen: Salz lagert Flüssigkeit ein, das führt zu einem höheren Blutvolumen.
  4. Das Rauchen einstellen: Rauchen verengt die Gefäße, damit steigt in ihnen automatisch der Druck.
  5. Kaffee- und Red-Bull-Konsum verringern: Koffein verengt die Gefäße. Das koffeinhaltige Red Bull ist besonders gefährlich, da das zusätzliche Taurin auch noch leicht abhängig machen kann.
  6. Lakritze in Maßen: Lakritze enthält viel Salz.
  7. Autogenes Training zur Entspannung: Bei Dauer-Stress schüttet die Nebennierenrinde Adrenalin und Noradrenalin aus – Problem: Das verengt die Gefäße.
  8. Vorsicht bei Schnarchen und Schlafapnoe: Beides bedeutet Dauerstress für den Körper, was zu verengten Gefäßen führt (s. Punkt 7).
  9. Zucker einstellen: Der Blutzucker bei Diabetespatienten karamellisiert quasi die Gefäße von innen und verengt sie.
  10. . Ausreichend Schlaf: Wer vor dem Zubettgehen nicht zu viel isst und in einer ruhigen Umgebung schläft, entspannt den Körper und minimiert den Stress und beugt so Gefäßverengung vor.

Zehn Bluthochdruck-Lügen 

Falsch-Informationen können gerade bei der Gesundheit gefährlich sein. Prof. Uwe Heemann, Leiter der Nephrologie am Klinikum Rechts der Isar, deckt deshalb zehn Bluthochdruck-Lügen auf:

  1. Bluthochdruck ist erblich: Nur in den wenigsten Fällen ist er eindeutig auf genetische Ursachen zurückzuführen.
  2. Bluthochdruck kann man ertasten: Die Pulsfrequenz hat primär nichts mit dem Blutdruck zu tun. Nur bei völlig gesunden Menschen besteht ein Zusammenhang.
  3. Ich kann die Gefahr spüren: Leichter Hochdruck macht sich für den Laien nicht körperlich bemerkbar. Die Folgen spürt man oft erst, wenn es zu spät ist.
  4. Ist der Blutdruck tagsüber in Ordnung, ist alles okay: Der Blutdruck kann auch nachts höher werden, zum Beispiel bei Nierenschäden, weil die Niere genau da Überstunden macht. Deshalb bei Verdacht eine 24-Stunden-Messung machen!
  5. Hoher Wert bedeutet Gefahr: Stimmt nicht. Wer einmalig einen hohen Wert misst, muss noch lange keinen Bluthochdruck haben. Hier kann die Ursache vorherige Anstrengung, Kaffeegenuss oder viel Salz im letzten Essen sein.
  6. Medikamente können das Problem dauerhaft beheben: Wer die ­Ursachen nicht ändert, muss sein Leben lang Medikamente nehmen, auch wenn die Werte durch die Einnahme besser werden.
  7. Eine einmalige Messung reicht: Wenn an einem Arm eine Messung einen niedrigen Wert zeigt, kann der Blutdruck dennoch zu hoch sein – nämlich dann, wenn an diesem Arm eine verengte Arterie liegt, die den Bluteinstrom verhindert.
  8.  Jeder sollte einen Blutdruck von 120 zu 80 haben: Das stimmt nicht. Der Wert muss am Patienten orientiert sein. Patienten mit Nierenproblemen oder Diabetes beispielsweise brauchen einen höheren Blutdruck – sonst kann es gegebenenfalls zu einem Schlaganfall kommen.
  9. Hoher Blutdruck muss schnell runter: Sind die Medikamente zu hoch dosiert und die Senkung erfolgt zu schnell, kann dies erst recht einen Schlaganfall auslösen.
  10. . Alkohol erhöht den Blutdruck: Nur übermäßiger Konsum schadet. Ei Glas Rotwein beispielsweise entspannt und senkt sogar kurzfristig den Blutdruck.

Nina Bautz

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