Patienten-Zunahme dramatisch

Hautkrebs: So machen Sie den Selbsttest

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„Der Wunsch nach Bräune hat einen hohen Preis“, warnen Gesundheitsexperten. Vermehrte UV-Strahlung ist ein Haupt-Risikofaktor für Hautkrebs. Besonders gefährlich ist der schwarze Hautkrebs (Grafik oben). Mediziner sprechen von einem malignen Melanom Fotos.

München - Immer mehr Menschen bekommen die Quittung für häufig erzwungene Urlaubsbräune und etliche Sonnenbrände im Laufe ihres Lebens: Sie erkranken an Hautkrebs.

Die Zeit heilt alle Wunden, sagt ein Sprichwort – aber bei diesem tückischen Leiden ist genau das Gegenteil der Fall. Immer mehr Menschen bekommen die Quittung für häufig erzwungene Urlaubsbräune und etliche Sonnenbrände im Laufe ihres Lebens: Sie erkranken an Hautkrebs. „Diese Tumorart ist inzwischen leider zu einer Volkskrankheit geworden“, analysiert Professor Dr. Dr. Ralf Uwe Peter im tz-Gespräch. Neueste Zahlen untermauern diese Entwicklung. Allein in Deutschland kommen jedes Jahr mehr als 200 000 neue Patienten dazu.

Gerade der weiße Hautkrebs, der praktisch aus einer zu hohen Gesamtdosis an UV-Strahlung heraus entsteht, wuchert immer mehr in unsere alternde Gesellschaft hinein – Senioren sind besonders häufig davon betroffen. Die Krankenkasse KKH berichtet von einer explosionsartigen Zunahme der Fälle, und meist sind die Patienten älter als 60 Jahre. Eine Auswertung der Daten ihrer Versicherten ergab, dass sich die Zahl der ambulanten Behandlungen von weißem Hautkrebs zwischen 2006 und 2013 mehr als verdoppelt hat – exakt um 118 Prozent. „Der Wunsch nach Bräune hat einen hohen Preis“, kommentiert Patric Stamm von der KKH in München.

„Der weiße Hautkrebs bildet zwar nur selten Metastasen, und ist deshalb gut zu behandeln“, erläutert Dr. Marcella Kollmann-Hemmerich vom Hautzentrum München-West. „Aber auf die leichte Schulter nehmen sollte man ihn nicht. Besonders wichtig ist es, dass Eltern ihre Kinder akribisch vor UV-Strahlung schützen. „Ein Sonnenbrand bei einem Baby ist Körperverletzung“, diagnostiziert ihr Kollege Professor Peter schonungslos.

Gefährlicher als der weiße Hautkrebs ist der schwarze, Mediziner sprechen von einem malignen Melanom. Auch hier beschreiben die KKH-Experten eine besorgniserregende Entwicklung: Binnen sechs Jahren sei die Zahl der ambulanten Behandlungen um 84 Prozent gestiegen. Das sei zwar kein Grund, in Panik zu verfallen, betont Dr. Kollmann-Hemmerich, „denn im Frühstadion sind maligne Melanome gut zu behandeln. Wenn man sie rechtzeitig entfernt, liegt die Heilungschance bei 100 Prozent. Das geschieht in der Regel ambulant. Der Arzt schneidet das Melanom meist unter örtlicher Betäubung heraus. Oft stellt er mit Hilfe eines Mikroskops und späteren Gewebetests im Labor sicher, dass er auch wirklich alle Krebszellen erwischt hat. Dann ist der Patient hinterher geheilt. Aber wenn man diesen Zeitpukt verpasst, dann wird es kritisch.“

Schwarzer Hautkrebs gilt nämlich als sehr aggressiv, er streut schnell und weitläufig. „Er entsteht aus entarteten Pigmentzellen. Sie haben die Fähigkeit, sich überall im Körper gut ansiedeln, festsetzen und vermehren zu können“, erklärt Professor Peter. „Wenn ein Melanom erstmal vielfältig Metastasen bildet, dann liegt die durchschnittliche Lebenserwartung noch bei sechs bis neun Monaten.“

Im Umkehrschluss bedeutet das: „Bruchteile eines Millimeters können über Leben und Tod entscheiden“, so Professor Peter. Als Richtwert gilt: Wenn der Durchmesser des Tumors größer als 0,8 bis 1 Millimeter ist, steigt das Metastasen-Risiko massiv an. Umso wichtiger ist die Früherkennung – und die fängt bereits zu Hause mit einer regelmäßigen Selbstkontrolle nach der sogenannten ABCDE-Methode an (siehe Extra-Bericht unten). Entscheidend ist allerdings die regelmäßige Vorsorgeuntersuchung beim Hautarzt. „Die sichere Beurteilung von auffälligen Hautstellen gehört in die Hände von erfahrenen Spezialisten. Sie sind dafür ausgebildet, kritische Hautstellen entdecken und beurteilen zu können“, weiß Dr. Kollmann-Hemmerich.

Das große Problem dabei: Auch der allerbeste Dermatologe kann den Hautkrebs nur dann in Schach halten, wenn der Patient auch zum freiwilligen Hautkrebs-Screening vorbeischaut. Dabei untersucht der Arzt mit einer Art Lupe, in der Fachsprache Dermatoskop genannt, den gesamten Körper. Seit 2008 hat jeder gesetzlich versicherte Patient ab 35 Jahren Anspruch auf diese Untersuchung. Doch angesichts der alarmierenden Patientenzahlen machen sich die ersten Kassen für eine Ausweitung des Screening-Programms stark. So fordert die KKH eine Herabsetzung des Mindestalters auf 18 Jahre. „Das macht Sinn“, kommentiert Professor Peter, „denn auch junge Leute können an einem Melanom erkranken. Das ließe sich in den meisten Fällen verhindern. Die Vorsorgeuntersuchung ist für die Patienten vielleicht etwas unangenehm, dafür aber harmlos und zugleich sehr effektiv.“

Wie so oft in unserem Gesundheitssystem haben Privatpatienten auch bei der Hautkrebsvorsorge einen Leistungs-Vorteil: Ihre Krankenkassen bezahlen das Screening von Haus aus in jedem Alter. Wer bei einer gesetzlichen Kasse versichert ist, muss aber trotzdem nichts riskieren. „Sobald der Hautarzt auch nur eine kritische Stelle feststellt, werden die Untersuchungskosten immer übernommen“, sagt Dr. Kollmann-Hemmerich.

So machen Sie daheim den Selbsttest

Auch Laien können ihren Blick für den Risikofaktor Hautkrebs schärfen. Zur Selbsteinschätzung – sie kann allerdings niemals die ärzliche Diagnose ersetzen (!) – gibt es eine Reihe von Unterscheidungsmerkmalen. Hier die wichtigsten im tz-Überblick:

Weißer Hautkrebs: Der Begriff ist irreführend. „Man sollte ihn nicht wörtlich nehmen, er schaut nämlich gar nicht weiß aus“, erläutert Dr. Marcella Kollmann-Hemmerich. „Stattdessen wirken die betroffenen Stellen eher hautfarben oder rötlich. Manche Unterarten erinnern an glasige Perlchen, vor allem an den Rändern. Andere zeigen sich als Knoten, die häufig schnell wachsen.“ Alle Varianten müssen entfernt werden. „Die Operation ist hier die Therapie der ersten Wahl!“ Das kann durchaus schon mal sichtbare Narben hinterlassen. „In bestimmten Fällen ist auch eine Bestrahlung mit farbigem Licht möglich, das nennt man photodynamische Therapie“, so Dr. Kollmann-Hemmerich. „Davor wird eine Salbe aufgetragen, die die Haut lichtempfindlich macht. Es gibt auch spezielle Cremes, die Tumorzellen zerstören können.“

Die gute Nachricht:  Weißer Hautkrebs bildet nur in etwa einem Prozent aller Fälle Tochtergeschwülste. Wenn allerdings Metastasen vorhanden sind, dann kann diese Ausbreitung auch im Falle von weißem Hautkrebs tödlich enden.

Schwarzer Hautkrebs: Die Früherkennung sollte schon zuhause beginnen – am besten mit einem Selbsttest nach der sogenannten ABCDE-Regel. Sie soll auch Laien helfen, sogenannte Leberflecken zu beurteilen. Dabei steht jeder Buchstabe für eine Auffälligkeit. Sobald man eine dieser fünf Auffälligkeiten feststellt, sollte man den Leberfleck einem Hautarzt zeigen. Hier die Erklärung der Regel in der Version der Deutschen Krebsgesellschaft (mehr dazu auch im Internet unter www.krebsgesellschaft.de):

A wie Asymmetrie: ungleichmäßige, asymmetrische Form. Ein neuer dunkler Hautfleck ist ungleichmäßig geformt, das heißt: nicht gleichmäßig rund, oval oder länglich. Außerdem ist es möglich, dass sich die Form eines bereits vorhandenen Flecks verändert hat.

B wie Begrenzung: Verwaschene, gezackte oder unebene und raue Ränder: Ein dunkler Hautfleck hat verwischte Konturen oder wächst ausgefranst in den gesunden Hautbereich.

C wie Colour (kommt aus dem Englischen und heißt auf Deutsch Farbe): unterschiedliche Färbungen, hellere und dunklere Flecken innerhalb eines Leberflecks: Achten Sie auf einen Fleck, der nicht gleichmäßig in der Farbe, sondern vermischt ist mit rosafarbenen, grauen oder schwarzen Punkten. Er kann auf ein malignes Melanom hinweisen und sollte grundsätzlich ärztlich untersucht werden. Dasselbe gilt für krustige Auflagen.

D wie Durchmesser: Der Durchmesser ist an der breitesten Stelle größer als fünf Millimeter: Pigmentmale, die größer als fünf Millimeter im Durchmesser sind oder eine Halbkugelform haben, sollten kontrolliert werden.

E wie Evolution: Veränderung eines Pigmentmales innerhalb der letzten drei Monaten sollten von ärztlicher Seite kontrolliert ­werden.

Zusätzliche Faktoren, auf die man laut Krebsgesellschaft achten sollte, sind: Größenzunahme des Leberflecks, Formveränderungen, Juckreiz und Blutungen aus dem Fleck.

Hautkrebs - die unterschätze Gefahr

Sonnen im Liegestuhl
Sonnenanbeter am Strand, Solariumsbesucher oder Bauarbeiter, die in der prallen Mittagssonne schuften - sie alle setzen sich UV-Strahlung aus, die das Hauptrisiko für Hautkrebs ist. Krebserkrankungen sind in Deutschland weiter auf dem Vormarsch. Der am Dienstag veröffentlichte Arztreport der Barmer GEK belegt das: 2012 waren schätzungsweise 1,56 Millionen Menschen von Krebs betroffen - Tendenz steigend. © dpa-mzv
Hautkrebs
Wie viele Neuerkrankungen gibt es? Jedes Jahr erkranken in Deutschland laut Barmer-Report mehr als 200.000 Menschen neu an Hautkrebs. Die Deutsche Krebshilfe geht sogar von jährlich rund 234.000 Neuerkrankungen aus. Allein mehr als 20.000 Diagnosen betreffen den gefährlichen "schwarzen" Hautkrebs. © dpa-mzv
Schwarzer Hautkrebs
Welche Arten von Hautkrebs gibt es? Die gefährlichste Form ist das maligne Melanom, der sogenannte schwarze Hautkrebs. Er kann sich rasch über das Lymphgefäßsystem oder die Blutbahn im Körper ausbreiten. © dpa
Hautkrebs
Der sogenannte helle Hautkrebs, zu dem das Basalzellkarzinom und das Plattenephithelkarzinom zählen, ist deutlich verbreiteter, bildet aber seltener Metastasen. Kennzeichen sind leichte Verhornungen auf der Haut, vornehmlich an Stellen, die besonders der Sonneneinstrahlung ausgesetzt sind wie Gesicht und Nacken.   © dpa
Hautkrebs-Screening
2012 starben laut Statistischem Bundesamt 2875 Menschen an einem schwarzen Hautkrebs. Die Prognosen sind Experten zufolge vergleichsweise günstig: Zwei Jahre nach der Erstdiagnose leben noch 97,3 Prozent der Männer und 97,5 Prozent der Frauen. Beim hellen Hautkrebs sind die Prognosen noch etwas günstiger. Grundsätzlich gilt: Wird Hautkrebs früh erkannt, bestehen gute Heilungschancen. © dpa
UV-Strahlung Sonne
Welche Faktoren begünstigen die Entstehung? Hauptrisikofaktor ist die UV-Strahlung der Sonne, die die Haut schädigen und Krebs hervorrufen kann. Auch das künstliche UV-Licht von Solarien erhöht das Hautkrebsrisiko, weshalb zum Beispiel die Deutsche Krebshilfe von Solarienbesuchen abrät. Neben UV-Strahlen beeinflusst nach Angaben des unabhängigen IQWiG-Instituts vor allem das Erbgut, ob jemand erkrankt. © dpa
Sonne in den Bergen
Was sind weitere Risikofaktoren? Menschen mit heller Haut haben ein höheres Risiko als jene mit dunklerer Haut. Auch häufiger und starker Sonnenbrand vor allem im Kindesalter steigert das Risiko, ebenso eine höhere Zahl von Muttermalen und Leberflecken. Hat jemand einen Hautkrebsfall in der eigenen Familie, kann dies das eigene Risiko steigern. Auch manche Chemikalien und bestimmte Medikamente können Hautkrebs fördern. Nicht zuletzt wächst das Hautkrebsrisiko mit zunehmendem Alter. © obs
Solarium
Dürfen Minderjährige ins Solarium? Nein. Seit 2009 ist unter 18-Jährigen die Benutzung von Solarien verboten. 2012 wurden die Vorschriften für Sonnenstudio-Betreiber nochmals verschärft. So gilt unter anderem ein Mindestabstand für Lampen. Das Personal muss jeden Kunden außerdem beraten. © dpa
Hautkrebs erkennen?
Wie kann ich Hautkrebs erkennen? Man sollte auf auffällige Hautstellen achten. Schwarze Melanome etwa können in sehr unterschiedlicher Form auftreten. Sie können zum Beispiel asymmetrisch sein, einen fransigen Rand haben, sich verfärben oder größer werden. Verdächtige Flecken sollten beim Hausarzt oder Dermatologen abgeklärt werden. © dpa
Sonnen
Gibt es eine Früherkennungsuntersuchung? Ja. Ab dem 35. Lebensjahr können sich gesetzlich Versicherte alle zwei Jahre untersuchen lassen. Das Hautkrebs-Screening bezahlt die Kassen. © dpa-mm
Sonnencreme
Wie kann ich Hautkrebs generell vorbeugen? Da wichtigste ist ein guter Sonnenschutz durch entsprechende Kleidung, Mützen und Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor, um sich gegen Sonnenbrand zu wappnen. © dpa
Unter dem Sonnenschirm
Im Sommer sollte man sich vor allem mittags und am frühen Nachmittag besser im Schatten aufhalten. Zur Vorsicht raten Experten bei Lebens- und Nahrungsergänzungsmitteln, die mit dem Versprechen angepriesen werden, Hautkrebs vorzubeugen. Dafür gebe es keine zuverlässigen wissenschaftlichen Belege. © dpa-mzv

Andreas Beez

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