Forscher stellen Ergebnisse vor

Wenn die Lunge leidet: 311 Tote jeden Tag

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Pusten gegen den Lungenkrebs: Dieser Automat soll die Krankheit an der Atem-Temperatur erkennen können.

München - In der Messe München tauschen sich derzeit 20.000 Lungenexperten aus aller Welt aus. Die tz erklärt drei brandneue Forschungsergebnisse, die am Montag vorgestellt wurden – und sogar bei den Experten für Aufsehen sorgten.

Die Zahl ist erschreckend: Jede Minute stirbt ein Mensch in Europa an einem Lungenleiden. Tendenz steigend! Die Killer sind meist dieselben: Lungenkrebs, die chronische Atemwegserkrankung COPD sowie Asthma und Tuberkulose. Da die meisten Erkrankungen auf Rauchen und Luftverschmutzung zurückzuführen sind, schlagen die Mediziner nun Alarm. In der Messe München tauschen sich derzeit 20 000 Lungenexperten aus aller Welt – eingeladen von der European Respiratory Society – aus, wie die Leiden eingedämmt werden können. Und ja, die Champions League der Forscher hat neue Erkenntnisse entdeckt und Therapien entwickelt, um das Leid vieler Menschen zu lindern.

„Allein am heutigen Tag werden 311 Menschen in Deutschland an einer Lungenerkrankung sterben“, sagte Professorin Elisabeth Bel gestern bei einer Tagung. „Es wird Zeit, den Leuten nahezubringen, gute Luft zu atmen.“ Immerhin leiden 20 Prozent aller Deutschen an einem Lungenleiden. Besonders das Rauchen koste Hunderttausenden jährlich noch immer das Leben. Die Medizinerin betonte, dass alleine in einer Zigarette über 4000 Giftstoffe stecken würden. Experten wissen längst, dass der blaue Dunst und seine Folgen auch das Gesundheitssystem immens belasten: Ein Patient mit Lungenkrebs verursacht knapp 1,5 Millionen Euro an direkten und indirekten Gesundheitskosten, ein Patient mit Tuberkulose knapp 18 000 Euro. Und das ist nicht alles: Wissenschaftler gehen davon aus, dass im Jahr 2030 Lungenerkrankungen weltweit die zweithäufigste Todesursache sein werden, während HerzKreislauf-Erkrankungen im Vergleich eher abnehmen.

Ein weiterer Grund für diese Entwicklung ist eben die „feine“ Luftverschmutzung. „Es gibt immer mehr kleine Partikel in der Luft, die unserem Atemorgan richtig zu schaffen machen“, so die Forscher. Dies sei in deutschen Großstädten genauso der Fall wie in Metropolen wie Bangkok oder Peking. Ein Zeichen dafür sei auch, dass die Zahl der Kinder mit Allergien im Land ständig steige. Professorin Bel: „Deshalb ist es wichtig, dass wir überall für eine gute und saubere Luft sorgen.“

Wenn die Lunge leidet: Wie kann man also die Erkrankungen noch schneller diagnostizieren, welche neuen Erkenntnisse gibt es über die Leiden? Genau darüber diskutieren die Mediziner in der Messestadt seit Sonntag. Die tz erklärt drei brandneue Forschungsergebnisse, die gestern vorgestellt wurden – und sogar bei den Experten für Aufsehen sorgten:

Auch Elektro-Zigaretten sind schädlich

Elektro-Zigaretten sind groß in Mode – aber keinesfalls harmlos.

Elektro-Zigaretten: kein Rauch – also harmlos? Denkste! Die Mediziner warnen auf dem Kongress vor diesem Trugschluss: „Noch ist gar nicht genau analysiert, welche Stoffe hier in dem Dampf vom Körper aufgenommen werden“, warnen die Experten. Aber einiges habe man nun herausgefunden: So konnte man an Menschen beobachten, dass sich die Zellen in der Lunge beim Konsum von E-Zigaretten genauso verändern, wie sie das beim Rauchen von herkömmlichen Glimmstengeln tun. Zudem zeigen Experimente mit Mäusen, dass diese an Asthma erkranken, wenn sie lange dem Dampf der E-Stengel ausgesetzt waren. Auch zu Lungenschäden kam es bei den Tieren.

Fazit: Das Ziehen an den modernen Elektro-Zigaretten sei keineswegs ungefährlich, ist aber immerhin nach ersten Erkenntnissen nicht so schädlich wie die Aufnahme herkömmlichen Tabaks. „Hier muss noch geforscht werden, da die Langzeit-Effekte einfach noch völlig im Dunkeln liegen.“

Automat findet Tumore

Kann Lungenkrebs künftig schon in ein paar Sekunden diagnostiziert werden? Es sieht so aus. Jedenfalls hat ein Forscherteam um Professor Giovanna Carpag­nano aus Italien eine Methode entdeckt, die schreckliche Krankheit per Atem-Temperatur festzustellen. Wie das geht? Die Mediziner stellten bei einer Studie mit 84 Patienten fest, dass Lungenkrebs-Erkrankte immer eine höhere Atem-Temperatur in der Lunge haben als normal – und zwar 34 Grad. Daraufhin entwickelten sie ein hochsensibles Messgerät, in das Versuchspersonen einfach reinpusten. Anhand des Atems kann nun festgestellt werden, ob eine Erkrankung vorliegt. „Wir haben daraufhin Menschen untersucht, bei denen der Verdacht auf einen Lungentumor vorlag“, so eine Forscherin des Teams zur tz. „Wenn der Verdacht zutraf, zeigte sich dies stets an unserem Messgerät. Es war beeindruckend.“

Die Folge ist klar: Lungenkrebs kann viel früher erkannt werden, die Heilungschance ist somit höher. Zudem ist die Untersuchung weitaus kostengünstiger als die bisherigen Vorgehensweisen – mit Strahlenaufnahmen.

Rauchende Väter – kranke Kinder

Die Forscher tagen seit Sonntag auf dem Riemer Messegelände

„Wer raucht und einmal Vater werden will, sollte sich das gut überlegen“, erklärt Dr. Cecile Svanes aus Norwegen. Die Lungen-Expertin von der Universität Bergen machte mit ihrem Team nämlich eine beängstigende Entdeckung. Bei einer großen Studie stellte sie fest, dass Väter, die einmal geraucht haben, ihren Kindern eine doppelte Wahrscheinlichkeit vererben, einmal an Asthma zu erkranken. „Wir haben Familien über Jahre hinweg genau untersucht – und kamen immer wieder zu diesem Ergebnis.“ Dabei spielt es keine Rolle, ob der Vater das Rauchen vor der Zeugung aufgegeben hat. Wenn er einmal länger als fünf Jahre am Glimmstengel regelmäßig gezogen hat, ist es wahrscheinlich, dass sein Nachwuchs später an Asthma leidet. Dieses Ergebnis könnte auch erklären, warum die Zahl der Asthma-Erkrankten noch immer steigt. In Deutschland leiden derzeit gut drei Millionen Menschen an der Atemwegserkrankung. Dass viele dies von ihren einst rauchenden Väter vererbt bekommen haben, ist eine völlig neue Erkenntnis.

Armin Geier

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