Münchner Ärzte und Warentest über Risiken

Wie gefährlich sind Ibuprofen und Paracetamol?

Paracetamol
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Paracetamol ist in fast jeder Hausapotheke zu finden.

München - Manche Menschen schlucken sie täglich: Schmerzmittel wie Ibuprofen, Diclofenac (Voltaren), Paracetamol oder ASS. Aber wie gefährlich sind rezeptfreie Schmerzmittel?

Sie sind in fast jeder Hausapotheke zu finden, manche Menschen schlucken sie täglich: Schmerzmittel wie Ibuprofen, Diclofenac (Voltaren), Paracetamol oder ASS. Bei leichten bis mittleren Beschwerden wirken diese Präparate meist gut und sind recht günstig. Eine Packung gibt’s bereits für ein paar Euro – ohne Rezept. Aber harmlos sind diese Schmerzmittel nicht. „Sie haben mehr Nebenwirkungen als viele denken“, warnt die Stiftung Warentest in ihrem neuen Test-Heft. In der Praxis komme es häufig zu Magen-Darm-Beschwerden, berichteten Münchner Mediziner. Doch auch andere Organe können in Mitleidenschaft gezogen werden.

Dr. Volker Smasal.

Wie gefährlich sind Ibu, Diclo & Co.? Generell gilt: Wer die Schmerzmittel in Maßen und nur vorübergehend einnimmt, der bekommt in der Regel keine Probleme. Auf Dauer können sie allerdings krank machen. „ASS und viele verwandte Schmerzmittel hemmen die Bildung von sogenannten Prostaglandinen“, so die Stiftung Warentest. „Diese Botenstoffe fördern Schmerz, Entzündung und Fieber. Sie erfüllen im Körper viele weitere wichtige Aufgaben, etwa im Magen. Daher können Nebenwirkungen entstehen, wenn Arzneien Prostaglandine verringern.“ So verliere etwa die Magenschleimhaut ihren Schutz vor Säure, es drohen sogar Blutungen und Geschwüre.

„Schmerztabletten sind keine Bonbons“, sagt Dr. Volker Smasal. Aus jahrzehntelanger Erfahrung weiß der Arzt, dass „mindestens zehn Prozent der Patienten mit Ibuprofen oder Diclofenac Probleme bekommen. „Ihnen wird übel, oder sie bekommen Durchfall. Deshalb ist es wichtig, dass man vor allem bei längerer Einnahme auch ein Magenschutz-Präparat dazu nimmt.“

Der Orthopäde aus Berg-Aufkirchen betont aber auch den Nutzen von Ibu, Diclo & Co. – gerade wenn es um die Behandlung von Verletzungen an Gelenken, Knochen und Bändern geht: „Sie lindern nämlich nicht nur die Schmerzen, sondern wirken auch entzündungshemmend und abschwellend“, erklärt Smasal. „Die beste Lösung ist es also, die Medikamente gezielt einzusetzen.“

Sonst können nicht nur Magen und Darm, sondern auch weitere Organe geschädigt werden. „Bei einer Langzeiteinnahme von Ibuprofen, Diclofenac und vergleichbaren Mitteln erhöht sich auch das Risiko eines Herzinfarkts, Schlaganfalls oder von Nierenschäden – vor allem bei älteren Patienten“, weiß Dr. Thomas Helmer, Chefarzt für Schmerztherapie in der Schwabinger Clinic Dr. Decker. Neueste Forschungsergebnisse untermauern diese Sorge – jüngst vor allem eine sogenannte Meta-Analyse unter Leitung der Uni Oxford. Sie stützt sich auf 600 klinische Studien mit insgesamt 350 000 Patienten.

Eine gefürchtete Nebenwirkung betrifft speziell das Medikament Paracetamol, so die Stiftung Warentest: „Nehmen Menschen zu viel davon, entstehen im Körper Abbauprodukte, die zu schweren Leberschäden oder zum Tod führen können.“

 Kopfschmerzen: Wie man sie unterscheidet, was hilft

Drei von vier Menschen haben immer mal wieder Kopfschmerzen. Viele bekämpfen sie mit Tabletten, zum Beispiel mit Aspirin. Aber auch diese Volkspille kann zum Bumerang werden – besonders dann, wann man sie zu oft und in größeren Mengen nimmt: „Gerade bei älteren Menschen besteht die Gefahr von Magen-Darm-Blutungen“, erklärt der Schmerz-Spezialist Dr. Thomas Helmer.

Generell gilt: Wenn jemand öfter Kopfschmerzen hat, dann sollte er erst mal herausfinden (lassen), warum ihm eigentlich der Schädel brummt. 90 Prozent der Patienten leiden entweder an Spannungskopfschmerzen oder an Migräne. Aber wie kann man diese beiden Beschwerden unterscheiden? Dr. Helmer beschreibt typische Erkennungsmerkmale für Migräne: „Wenn man Treppen steigt, joggt oder den Kopf schüttelt, dann werden die Beschwerden stärker. Sie sind pochend und hämmernd. Meist haben die Patienten einseitig Schmerzen – also links oder rechts, vorne oder hinten.“

Dagegen fühlt sich Spannungskopfschmerz ganz anders an. „Viele Patienten empfinden ihn so, als hätten sie einen zu engen Hut auf“, weiß der Chefarzt in der Clinic Dr. Decker. Spannungskopfschmerzen werden in der Regel bei Bewegung oder Sport besser.

Gegen Migräne können Medikamente aus der Gruppe der soganannten Triptane helfen – das gängige freiverkäufliche Präparat heißt Formigran. „Der Nachteil dieses Mittels ist: Es fängt erst zwei bis drei Stunden nach der Einnahme an zu wirken“, so Dr. Helmer.

Triptane machen nicht abhängig – ebenso wenig wie Ibuprofen oder Naproxen. „Sie können aber bei zu häufiger Einnahme gemei-nerweise einen Dauerkopfschmerz verursachen.“ Finger weg gilt bei sogenannten Kombi-Präparaten mit Paracetamol: „Die wirken bei Migräne lausig schlecht.“

Andreas Beez

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