Weltkrebstag

Wird Krebs in wenigen Jahren tatsächlich komplett besiegbar sein?

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Prävention und neue Behandlungsmethoden verbessern die Aussicht auf ein Leben ohne Krebs. Einen "Sieg über den Krebs" will Michael Baumann vom Deutschen Krebsforschungszentrum aber nicht prognostizieren.

Krebs ist nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen die zweithäufigste Todesursache. Können Prävention und Behandlungsmethoden alle Krebsarten in naher Zukunft besiegen?

Update vom 10. September 2019: Schock-Diagnose für eine deutsche Spitzenpolitikerin. Manuela Schwesig, die Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, ist an Brustkrebs erkrankt und legt alle Ämter auf Bundesebene nieder.

Berlin - Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hält Krebsleiden in absehbarer Zeit für besiegbar. Innerhalb von ein bis zwei Jahrzehnten könne das erreicht sein, sagte der CDU-Politiker der "Rheinischen Post".

Aussage: "Es gibt gute Chancen, dass wir in 10 bis 20 Jahren den Krebs besiegt haben."

Bewertung: Sehr unwahrscheinlich

Fakten: Etwa 500.000 Krebsneuerkrankungen werden in Deutschland derzeit jedes Jahr registriert. Das Erkrankungsrisiko nimmt bei vielen Krebsarten mit zunehmendem Alter zu - damit steigen in der älter werdenden Gesellschaft Deutschlands die Fallzahlen. Experten gehen von einer Zunahme auf bis zu 600.000 pro Jahr bis 2030 aus, wie es beim Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) heißt.

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Die Krebsmedizin hat in den vergangenen Jahrzehnten beträchtliche Erfolge verbucht. Doch noch immer ist Krebs nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen die zweithäufigste Todesursache in Deutschland. Bei einigen Krebsarten wie Bauchspeicheldrüsenkrebs sind die Heilungsaussichten unvermindert gering.

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Rund 230.000 Menschen sterben jährlich an Krebs. 90 Prozent der Todesfälle gehen inzwischen nicht auf den Primärtumor, sondern auf Metastasen zurück - die oft schwer zu bekämpfen sind. Deutlich wird das etwa beim Brustkrebs, der häufigsten Krebsform bei Frauen. Jede achte entwickelt die Krankheit hierzulande im Laufe ihres Lebens.

In der Mehrheit der Fälle kann der Tumor zunächst erfolgreich behandelt werden - allerdings kehrt der Krebs bei jeder dritten bis vierten Frau zurück. Dies kann auch noch Jahre nach einer zunächst erfolgreichen Behandlung passieren.

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Nicht jeder Krebs ist vermeidbar

"Krebs ist durch seine biologische Vielfalt eine der komplexesten Erkrankungen", erklärt Michael Baumann, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Krebsforschungszentrums. Zwar seien in den kommenden 10 bis 20 Jahren deutliche Verbesserungen bei den Krebsüberlebensraten zu erwarten - mit zeitlichen Prognosen zu einem "Sieg über den Krebs" sei es aber schwierig, wie Erfahrungen aus der Vergangenheit zeigten. Auch in der Krebsprävention sei möglicherweise ein längerer Atem nötig, bis Erfolge sichtbar würden.

Viele Krebsfälle gelten als vermeidbar, weil Faktoren wie Rauchen und Alkoholkonsum, Übergewicht und Bewegungsmangel eine Rolle spielen. Nach einer im vergangenen Jahr vorgestellten Analyse des DKFZ sind geschätzt rund 37 Prozent der Krebsneuerkrankungen auf bestimmte Risikofaktoren zurückzuführen. Ein großer Teil sei aber auch genetisch bedingt oder entstehe durch Infektionen, erklärte Bernhard Wörmann, Krebsmediziner an der Charité in Berlin. "Nicht jeder Krebs ist vermeidbar."

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Neue Behandlungsansätze

Große Hoffnungen richten sich derzeit auf neue Behandlungsansätze wie die Immuntherapie, insbesondere die Checkpoint-Inhibitor-Therapie. Dabei sollen Wirkstoffe molekulare Bremsen von Immunzellen lösen - sogenannte Checkpoints - und dadurch eine Reaktion des Immunsystems gegen Tumore entfesseln. Solche Behandlungen verbuchen beeindruckende Erfolge, insbesondere bei Schwarzem Hautkrebs, teils auch bei Lungen- und Brustkrebs. Allerdings schlägt die Behandlung nur bei einem relativ kleinen Teil der Patienten an - bei Brustkrebs sind es etwa 10 bis 20 Prozent. Warum das so ist, ist derzeit unklar.

Auch Gentherapien gegen Krebs seien in der Entwicklung, aber ein großflächiger Einsatz in 10 bis 20 Jahren sei nicht zu erwarten, sagte Wörmann. Bei vielen Krebsarten werde es in den kommenden Jahren nicht um Heilung gehen, sondern darum, die Krankheit mit lebenslang einzunehmenden Medikamenten in Schach zu halten. "Wir werden aus vielen akuten Krebserkrankungen chronische machen können, aber "besiegen" im Sinne von gar keinen Krebs mehr haben, das halte ich für unrealistisch."

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dpa

Achtung: Diese vier Erreger können Krebs auslösen

Das Magenbakterium Helicobacter pylori soll das Risiko in sich bergen, an Magenkrebs zu erkranken. Das Pikante daran: Etwa ein Viertel der deutschen Bevölkerung trägt es bereits in sich. Helicobacter soll Magengeschwüre begünstigen, welche sich dann zu Krebs ausweiten können. Allerdings ist eine Behandlung in den meisten Fällen mit einer Kombination aus Antibiotika und Magensäureblocker äußerst erfolgreich.
Das Magenbakterium Helicobacter pylori soll das Risiko in sich bergen, an Magenkrebs zu erkranken. Das Pikante daran: Etwa ein Viertel der deutschen Bevölkerung trägt es bereits in sich. Helicobacter soll Magengeschwüre begünstigen, welche sich dann zu Krebs ausweiten können. Allerdings ist eine Behandlung in den meisten Fällen mit einer Kombination aus Antibiotika und Magensäureblocker äußerst erfolgreich. © picture-alliance/ dpa/ dpaweb
Hepatitis B fördert dagegen Leberentzündungen. Auch diese können sich zu Leberkrebs weiterentwickeln. Allerdings können Sie sich gegen diesen Hepatitis-Typ beim Hausarzt impfen lassen. 
Hepatitis B fördert dagegen Leberentzündungen. Auch diese können sich zu Leberkrebs weiterentwickeln. Allerdings können Sie sich gegen diesen Hepatitis-Typ beim Hausarzt impfen lassen.   © pixabay
Gegen Hepatitis C unglücklicherweise (noch) nicht. Die aggressiven Erreger gelten sogar als die zweithäufigste Ursache für Leberkrebs. Etwa 8.500 Menschen sollen jährlich daran erkranken.
Gegen Hepatitis C unglücklicherweise (noch) nicht. Die aggressiven Erreger gelten sogar als die zweithäufigste Ursache für Leberkrebs. Etwa 8.500 Menschen sollen jährlich daran erkranken. © pixabay
Humane Papillomviren (HPV) sind meist ungefährlich - doch es gibt zwei Arten davon, die krebserregend wirken und Gebärmutterhalskrebs auslösen sollen. Zudem stehen sie im Verdacht, Anal- oder Peniskrebs zu begünstigen. Allerdings gibt es auch hier eine sehr effektive Schutzimpfung, die gegen alle HPV-Typen helfen soll.
Humane Papillomviren (HPV) sind meist ungefährlich - doch es gibt zwei Arten davon, die krebserregend wirken und Gebärmutterhalskrebs auslösen sollen. Zudem stehen sie im Verdacht, Anal- oder Peniskrebs zu begünstigen. Allerdings gibt es auch hier eine sehr effektive Schutzimpfung, die gegen alle HPV-Typen helfen soll. © pixabay/jrvalverde

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