Zahnspangen

Endlich schöne Zähne!

+
In Reih und Glied stehen die Zähne bei den beiden Mädchen auf dem Foto – offenbar das Ergebnis der Behandlung mit festen Zahnspangen.

In ihrem Kiefer herrscht das Chaos: Bei vielen Jugendlichen tanzen die Zähne aus der Reihe. Mit einer Spange lassen sie sich gerade richten. Und dabei geht es längst nicht nur um gutes Aussehen. Fehlstellungen können der Gesundheit schaden. Hier lesen Sie alles, was Sie dazu wissen müssen.

Ein perfektes Gebiss? Das hat kaum einer. Nicht mal Popsängerin Britney Spears oder Prinz William. Dass ihre Zähne heute trotzdem in Reih und Glied stehen, hat einen anderen Grund: Beide haben in jungen Jahren eine Zahnspange getragen – und das Metall im Mund damit bei Jugendlichen populär gemacht. Die einst verhasste Spange ist längst zum modischen Accessoire geworden. Schließlich will jeder Teenager das Lächeln eines Promis.

Doch sind schiefe Zähne und Lücken wirklich nur eine Frage der Optik?

 „Nein“, sagt Prof. Andrea Wichelhaus, Direktorin der Poliklinik für Kieferorthopädie am Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität München. „Schiefe Zähne sind primär ein funktionelles Problem. Und Zahnfehlstellungen können die allgemeine Gesundheit beeinträchtigen.“

Was sind die Ursachen für Zahnfehlstellungen?

Stehen die Zähne kreuz und quer im Kiefer, kann das viele Ursachen haben. So haben manche Betroffene die Anlagen dazu von ihren Eltern geerbt. Sie hatten also einfach Pech. Aber auch ein Unfall kann zu Fehlstellungen führen. Vermeidbar indes: Dauernuckeln. Eltern sollten daher versuchen, ihr Kind früh vom Schnuller zu entwöhnen. Das gilt übrigens auch fürs Daumenlutschen.

Warum sind schiefe Zähne und Lücken nicht nur ein ästhetisches Problem?

Stehen die Zähne nicht da, wo sie hingehören, kann das die Funktion des Kiefers stören. Ein Beispiel ist der sogenannte Kreuzbiss: Dabei stehen die Zähne des Unterkiefers etwas vor denen des Oberkiefers, wenn der Betroffene zubeißt. In einem gesunden Kiefer ist dies genau umgekehrt. „Der Kreuzbiss kann funktionelle Probleme im Kiefergelenk verursachen“, sagt Expertin Wichelhaus.

Prof. Andrea Wichelhaus Direktorin der Poliklinik für Kieferorthopädie am Klinikum der LMU München.

Von einem „offenen Biss“ spricht man, wenn zwischen den Zähnen im Ober- und Unterkiefer beim Zubeißen eine Lücke bleibt. Diese Fehlstellung ist oft Folge des Dauernuckelns. Sie stört nicht nur beim Kauen und Sprechen. Die Fehlstellung führt oft auch zu einer offenen Mundhaltung, die wiederum Entzündungen des Zahnfleischs verstärke, sagt Wichelhaus. Langfristig könne dies zu einer weiteren Parodontal-Erkrankung, also zu einer anhaltenden Erkrankung des Zahnfleisches, führen. Und die wiederum erhöhe das Risiko, einen Herzinfarkt zu erleiden. Auch Atemwegsinfektionen sind bei den Betroffenen häufiger. Starke Fehlstellungen können sich zudem negativ auf die Psyche auswirken – und darunter leidet dann auch die allgemeine Gesundheit.

Sollte man auch leichte Fehlstellungen korrigieren?

Wenn die Zähne kreuz und quer im Kiefer stehen, ist für Eltern und Kinder meist klar: Hier muss eine Spange her. Schwerer fällt die Entscheidung bei leichteren Fehlstellungen: Ist dann wirklich immer eine Behandlung nötig? Die Antwort ist natürlich vom Einzelfall abhängig. Tendenziell rät Expertin Wichelhaus aber eher zu frühzeitigem Eingreifen. Stehen die Zähne beispielsweise zu eng, nimmt das Problem weiter zu, wenn die Kinder älter werden.

Ist die Behandlung bei Jugendlichen einfacher?

„Das kann man so pauschal nicht sagen“, erklärt Wichelhaus. Dies sei abhängig vom Ausmaß der Zahn- und Kieferfehlstellung. „Es ist jedoch bekannt, dass die Reaktions-Bereitschaft des Knochens bei jugendlichen Patienten günstiger ist als bei Erwachsenen.“ Der Grund: Bei ihnen sei die Zahl der „Osteoblasten“ und der „Osteoklasten“ höher. Dabei handelt es sich um Zellen, die Knochengewebe auf- bzw. abbauen.

Muss es immer eine feste Zahnspange sein?

Eine lose Spange sei nicht per se weniger wirksam als eine feste, sagt Wichelhaus. Entscheidend für den Effekt ist vielmehr, dass der Arzt eine Spange empfiehlt, die am besten zum jeweiligen Patienten und zu seinem Problem passt.

So könne man für kleinere, weniger schwierige Zahnbewegungen auch durchsichtige Schienen (Aligner) verwenden. Diese kämen aber nur für wenige Patienten infrage.

Die meisten kommen um eine feste Spange aber nicht herum. Die hat nämlich einen entscheidenden Vorteil: Im Gegensatz zu herausnehmbaren Zahnspangen lassen sich die Zähne damit viel gezielter in die gewünschte Richtung bewegen. Die meisten Jugendlichen bekommen zuvor aber eine lose Spange: Damit lassen sich Fehlstellungen des Kiefers korrigieren. Die feste Spange erhalten sie dann erst im Anschluss.

Ist die gewünschte Position von Kiefer und Zähnen erreicht, müssen jugendliche Patienten zudem erneut eine Weile eine Art herausnehmbare Zahnspange tragen, einen „Retainer“. In dieser letzten Phase der Behandlung, der „Retention“, sollen sich Zähne und Kiefer an die erreichte Position gewöhnen. Dafür brauchen sie etwas Zeit. Sonst kann es passieren, dass sie sich in ihre alte Position zurückbewegen. Bei Erwachsenen sollten zu diesem Zweck übrigens festsitzende Retainer eingesetzt werden, sagt Wichelhaus.

Bekommt man die Zähne trotz Spange sauber?

„Dies ist nur eine Frage der Putztechnik“, erklärt Wichelhaus. „Und: der Ernährung des Patienten.“ Für die Zahnpflege gebe es eine große Auswahl an guten fluoridhaltigen Zahnpasten, Gelen, Zahnseiden und Zahnbürsten. Worauf Patienten dabei achten müssen, erklärt ihnen der Kieferorthopäde. Er zeigt ihnen auch, wie man die Zähne trotz fester Spange richtig sauber bekommt. Das erfordert ein wenig Geduld. Denn zwischen Drähten und Brackets, wie die aufgeklebten Metallplättchen heißen, bleiben Speisereste leicht hängen. Eine gute Mundhygiene sei daher ein Muss. Und: Zu viel Süßes ist für Zahnspangen-Träger besonders ungünstig. „Man sollte darauf achten, Süßes nicht mehr als drei- bis viermal pro Tag sich zu nehmen“, sagt Wichelhaus. Klingt nach viel. Doch sind hier auch zuckerhaltige Getränke gemeint. Damit sollten die Patienten besonders zurückhaltend sein.

Bei festen Spangen sind die Zähne nach dem Nachziehen der Drähte sehr empfindlich. Was hilft dagegen?

„Neue Behandlungs-Mechaniken mit Light-wire-Techniken führen zu einer deutlich geringeren Empfindlichkeit“, sagt Wichelhaus. Der Grund: Die Kräfte, die auf Zähne und Kiefer einwirken, sind hierbei geringer. „Sie liegen bei 0,2 bis 0,3 Newton“, sagt Wichelhaus. Sehr empfindlichen Patienten empfiehlt sie, das Schmerzmittel Ibuprofen einzunehmen – in geringer Dosierung und maximal drei Tage lang. Danach haben sich die Zähne in der Regel wieder beruhigt.

Übernehmen gesetzliche Krankenkasse die Kosten?

Das kommt auf das Ausmaß des Problems an. So erhalten Patienten mit leichten Zahnfehlstellungen in der Regel keinen Zuschuss. „Für die Einstufung des Schwierigkeitsgrads gibt es dabei klare Richtlinien“, erklärt Wichelhaus. Nach dem Aufwand der Behandlung richten sich auch die Kosten. Vor Start der Therapie erhalten die Eltern einen Behandlungsplan, den sie ihrer Krankenkasse vorlegen. Stimmt diese der Kostenübernahme zu, müssen die Eltern zunächst einen Teil der Behandlung selbst bezahlen. Diesen Betrag erhalten sie aber zurück – wenn der junge Patient gut mitarbeitet und die Therapie daher erfolgreich abgeschlossen wird.

Von „Abdruck“ bis „Retainer“: Diese Begriffe sollten Sie kennen

  • Abdruck: Dieser ist nötig, um eine passgenaue Spange herzustellen. Der Arzt füllt eine Form mit einer weichen Masse, die später fest wird. Die presst er auf die Zahnreihen. Mithilfe dieses Abdrucks wird zunächst ein Modell des Kiefers hergestellt – und dann die passende Spange.
  • Aligner: So nennt man durchsichtige Schienen aus Kunststoff, die die Zähne des Ober- oder Unterkiefers wie eine Haut umhüllen. Damit lassen sich nur leichte Fehlstellungen korrigieren.
  • Brackets: Das sind die Klammern, die bei einer festen Spange auf die Zähne geklebt werden. Sie dienen als Halterung für den Drahtbogen und sind meist aus Edelstahl. Inzwischen gibt es zum Beispiel auch Brackets aus Keramik oder Titan. Die sind aber meist keine Kassenleistung.
  • Head-Gear: So nennt man ein Metallgestell, das der Patient nicht im Mund, sondern außen am Kopf trägt. Manche Fehlstellungen lassen sich nämlich besser korrigieren, wenn die Kräfte von außen auf den Kiefer einwirken.
  • Retainer: So nennt man Apparaturen, die nach der aktiven Phase der Behandlung zum Einsatz kommen. Sie verhindern, dass sich die Zähne in ihre ursprüngliche Position zurückbewegen. Es gibt herausnehmbare Retainer, aber auch solche, die dauerhaft im Mund bleiben – das ist dann meist ein Draht, befestigt an der Kieferinnenseite

Andrea Eppner

Auch interessant

Meistgelesen

Mann isst Gecko nach einer Wette: Mutprobe nimmt unfassbar trauriges Ende
Mann isst Gecko nach einer Wette: Mutprobe nimmt unfassbar trauriges Ende
Teuerste Therapie der Welt für Baby John: Nur Zwei-Millionen-Euro-Spritze kann ihn retten
Teuerste Therapie der Welt für Baby John: Nur Zwei-Millionen-Euro-Spritze kann ihn retten
Verblüffend: Dieser Faktor beeinflusst wirklich, ob Sie im Alter gesund bleiben
Verblüffend: Dieser Faktor beeinflusst wirklich, ob Sie im Alter gesund bleiben
Unglaubliche Geschichte: Frau trinkt vier Wochen lang jeden Tag drei Liter Wasser - so schaut sie danach aus
Unglaubliche Geschichte: Frau trinkt vier Wochen lang jeden Tag drei Liter Wasser - so schaut sie danach aus

Kommentare