Vorsicht!

ZDF-Doku enthüllt: So zocken Ärzte Patienten ab

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Keramikfüllungen hier, Kronen dort: Manche Ärzte sollen Patienten laut ZDF überflüssige, teure Behandlungen aufschwatzen.

Eine neue ZDF-Doku deckt einen massiven Betrug im Gesundheitswesen auf - es soll um Beträge in Milliardenhöhe gehen. So kassieren manche Ärzte und Kliniken doppelt ab.

Es ist ein gigantisches Geschäft: Rund 350 Milliarden Euro werden jährlich im deutschen Gesundheitswesen umgesetzt. Täglich landen Millionen Abrechnungen bei den Krankenkassen, geprüft wird nur ein Bruchteil davon. Das wissen auch Kliniken und Ärzte, die sich den Mangel an Transparenz zunutze machen.

ZDF-Doku enthüllt Betrugsfälle von Ärzten

Sie rechnen falsch ab, kassieren für Leistungen, die nie erbracht wurden und lassen sich von Laboren schmieren. Der jährliche Schaden, so schätzen Experten, liegt im zweistelligen Milliardenbereich. Mit welchen Methoden gelogen und betrogen wird, deckt heute die ZDF-Doku "Patienten im Visier" (19.25 Uhr) auf.

Filmemacher Andreas Baum hat mit Verbraucherschützern, Branchen-Insidern und Patienten gesprochen. Im Gespräch mit der tz stellt er klar: "Die Zeche zahlen am Ende wir. Die hohen Kosten, die durch kriminelle Machenschaften entstehen, gehen zu Lasten der Versichertengemeinschaft." Was Sie wissen müssen und wie Sie sich vor Abzockern in Weiß schützen können, lesen Sie hier.

Mit welchen Tricks wirtschaften viele Ärzte in die eigene Tasche?

Der Betrugsklassiker ist die Abrechnung einer Leistung, die der Patient gar nicht in Anspruch genommen hat. In der ZDF-Doku kommt Kunsthistoriker Hubertus Günther zu Wort, der mit seinen akuten Rückenproblemen einen Orthopäden aufsuchte. Er bekam in mehreren Sitzungen zehn Schmerzspritzen. "Am Ende standen Akupunktur, Sonografie und 26 Spritzen auf meiner Rechnung", erklärt der Privatpatient. Kostenpunkt: knapp 11.000 Euro. Als er seinen Arzt bat, ihm die Ungereimtheiten zu erklären, lehnte der ab. Auch eine Beschwerde beim Fachverband blieb unbeantwortet.

"Das ist entmutigend", bestätigt Dokumentarfilmer Andreas Baum. "Trotzdem sollte man bei einer überhöhten Rechnung immer das Gespräch mit dem behandelnden Mediziner suchen. Die meisten sind einsichtig und korrigieren die falschen Positionen."

Welche Gefahren lauern in Kliniken?

Auch in Krankenhäusern wird zunehmend falsch abgerechnet. Bedenklicher aber ist die steigende Anzahl der Operationen, die in Deutschland vorgenommen werden. Etwa 17 Millionen Eingriffe sind es jährlich. "Damit liegen wir im europäischen Vergleich weit vorn", sagt Andreas Baum. "Viele OPs, so haben es uns ehemalige Chirurgen bestätigt, dienen aber mehr der Klinik als dem Patienten. Wenn unnötigerweise ein Eingriff vorgenommen wird, grenzt das an Körperverletzung."

Sein Tipp: Wer eine Operation empfohlen bekommt, sollte sich auf jeden Fall eine Zweit- oder Drittmeinung einholen.

Wie sinnvoll sind die sogenannten Individuellen Gesundheitsleistungen (IGel)?

Gesetzlich versicherte Kassenpatienten geben jährlich über eine Million Euro für Zusatzleistungen aus, die ihnen ihr Arzt empfiehlt. Die Kosten für beispielsweise einen Extra-Ultraschall oder spezielle Untersuchungen müssen die Patienten selbst übernehmen. Nicht selten verkaufen Mediziner "IGel"-Leistungen, obwohl sie von den Krankenkassen übernommen werden. So kommt es vor, dass Ärzte doppelt abrechnen.

Warum ist es so schwer, die Betrüger zu ermitteln?

Es gibt keine zentrale Kontrollstelle, die auf Bundesebene ermittelt. Schwerpunktstaatsanwaltschaften existieren nur in wenigen Bundesländern wie in Bayern. Die gesetzlichen Krankenkassen sind rechtlich dazu verpflichtet, dem Missbrauch nachzugehen. Dazu Dina Michels von der KKH: "Wir können nur einen Bruchteil überprüfen. Und trotzdem sparen uns die stichprobenhaften Kontrollen im Jahr Millionen."

Auch interessant: Falsche Diagnose, mehr Geld - so dreist tricksen uns Krankenkassen aus.

Strafrechtliche Konsequenzen hat das Fehlverhalten im Gesundheitswesen selten. Filmemacher Andreas Baum weiß: "Viele Ärzte manipulieren ihre Abrechnungen so geschickt, dass sie falsche Positionen im Nachhinein als Fehler deklarieren können. Im Falle einer berechtigten Beschwerde überweisen sie den Betrag einfach zurück und ziehen sich mit einer lapidaren Entschuldigung aus der Affäre."

Was kann ich als Patient tun?

"Ehrlich gesagt: nicht allzu viel. Das Abrechnungssystem zwischen Ärzten und Krankenkassen ist kompliziert, für Nicht-Experten kaum durchschaubar", sagt Filmemacher Andreas Baum. "Was hilft, ist sich klarzumachen, dass das Verhältnis zum Arzt eine Geschäftsbeziehung ist. Viele Patienten haben noch so ein sozialromantisches Bild vom Helfer in Weiß."

Wer sich schlecht behandelt fühlt, sollte wechseln oder Zweifel offen ansprechen. Bei undurchsichtigen Rechnungen können sich Patienten auch an Verbraucherverbände oder ihre Krankenkasse wenden.

Das Fazit des Filmemachers:

"Das war sicher die zeitintensivste Recherche, die ich für eine Dokumentation gemacht habe. Es war auch nicht ganz einfach, Informanten zu finden, die vor laufender Kamera auspacken. Die meisten Fachverbände und privaten Krankenkassen haben bei unseren Fragen gemauert", sagt Andreas Baum. Dennoch seien ihm auch zahlreiche Ärzte begegnet, die ihren Eid sehr ernst nehmen und sich ärgern, dass einige schwarze Schafe dem Berufsstand nachhaltig schaden.

Lesen Sie auch: Das bedeuten Codes auf Krankschreibungen wirklich.

tz

Abgezockt: Die schlimmsten Fälle der Verbraucherzentrale

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