Wenn ein Lob vom Boss das Gegenteil bedeutet

50 Codes: So übersetzen Sie Ihr Arbeitszeugnis

Arbeitszeugnis
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Beim Arbeitszeugnis kommt es auf die Feinheiten an – der Inhalt steht zwischen den Zeilen.

München - Um das Arbeitszeugnis ranken sich viele Mythen und wer es richtig deuten will, der muss vor eine Sache tun: zwischen den Zeilen lesen. tz verrät 50 beliebte Codes der Chefs und was sie bedeuten.

Für die meisten Arbeitnehmer ist es ein Buch mit sieben Siegeln – für Personalabteilungen hingegen eine eindeutige Beurteilung eines Mitarbeiters. Um das Arbeitszeugnis ranken sich viele Mythen und wer es richtig deuten will, der muss vor allem eins: zwischen den Zeilen lesen. Denn nicht immer ist alles so gemeint, wie es klingt. Auch für die Gesamtbewertung der Arbeitsleistung gibt es Standardfloskeln, die am Dienstag beim Bundesarbeitsgericht auf dem Prüfstand standen.

Dort hatte eine frühere Empfangsmitarbeiterin in einer Berliner Zahnarztpraxis geklagt. Sie wollte eine bessere Gesamtbewertung ihrer Arbeitsleistung erreichen. Die Gesamtbewertung der Arbeitsleistung ist zwar immer positiv formuliert, die unterschiedlichen Codes stehen aber für Schulnoten von „Sehr Gut“ bis „Ausreichend“. Der Klägerin wurde im Zeugnis attestiert, die Aufgaben „zu unserer vollen Zufriedenheit“ erledigt zu haben. Das entspricht der Note 3 und nach der bisherigen Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts einer durchschnittlichen Leistung. Die Klägerin beharrte aber auf der Formulierung „stets zu unserer vollen Zufriedenheit“ und der damit verbundenen besseren Bewertung (Note 2).

Beim Arbeitszeugnis hat sich eine Art Geheimsprache etabliert

Die Klägerin ist mit ihrer Klage gescheitert. Somit müssen Arbeitnehmer weiter beweisen, dass ihre Leistung überdurchschnittlich war, wenn sie eine bessere Note erstreiten wollen.

In Arbeitszeugnissen hat sich derweil eine Art Geheimsprache etabliert. Durch sie können sich die Personalleiter verschlüsselte Hinweisegeben. Der Grund für diese eigentümliche Sprachregelung: Nach der gängigen Rechtsprechung müssen Arbeitszeugnisse sowohl wahrheitsgetreu als auch wohlwollend formuliert sein, um das berufliche Fortkommen nicht zu erschweren. „Das Zeugnis muss so gut wie möglich sein, ohne dass es falsch ist“, beschreibt der auf Arbeitszeugnisse spezialisierte Freiburger Fachanwalt Günter Huber das Dilemma bei allen Arbeitsbeurteilungen.

Deshalb liest sich jedes Arbeitszeugnis für den ungeübten Leser zunächst wie eine kleine Lobeshymne. Dabei stecken stecken hinter vielen Formulieren kleine Gemeinheiten des Chefs – von der Betriebsratszugehörigkeit über sexuelle Vorlieben bis zur Trinkfestigkeit des Mitarbeiters. Offen dürften diese Themen nicht zur Sprache gebracht werden – freundlich verpackt sind sie gang und gäbe. In der Tabelle verrät die tz 50 beliebte Codes der Chefs.

Arbeitszeugnis: So entschlüsseln sie die Codes der Chefs

War im Arbeitszeugnis steht – und was es wirklich bedeutet.

Zeugnissprache

Bedeutung

„Der Mitarbeiter hat die ihm übertragenen Aufgaben stets zu unserer vollsten Zufriedenheit erledigt.“

Schulnote Eins – besser geht es nicht.

„…stets zu unserer vollen Zufriedenheit erledigt.“

Schulnote Gut.

„…zu unserer vollen Zufriedenheit erledigt.“

Schulnote Befriedigend.

„…zu unserer Zufriedenheit erledigt.“

Schulnote Ausreichend.

„…im Allgemeinen zu unserer Zufriedenheit erledigt.“

Schulnote Mangelhaft.

„Der Mitarbeiter bemühte sich, unseren Anforderungen zuentsprechen.“

Schulnote Ungenügend.

„Für die Belange der Belegschaft bewies er immer Einfühlungsvermögen.“

Der Mitarbeiter suchte sexuelle Kontakte im Kollegenkreis.

„Für die Belange der Belegschaft bewies er immer umfassendes Einfühlungsvermögen.“

Der Mitarbeiter suchte homosexuelle Kontakte im Kollegenkreis.

„Er hat mit seiner geselligen Art zur Verbesserung des Betriebsklimas beigetragen.“

Der Mitarbeiter hat ein Alkoholproblem.

„Er verfügt über Fachwissen und hat ein gesundes Selbstvertrauen.“

Der Mitarbeiter überspielt mangelndes Fachwissen mit Arroganz.

„Er war in der Lage, seine eigene Meinung zu vertreten und hat ein gesundes Selbstbewusstsein.“

Der Mitarbeiter ist wenig kritikfähig.

„Er hat seine Arbeitszeit korrekt genutzt.“

Der Mitarbeiter legt Wert auf einen pünktlichen Feierabend.

„Sie trat engagiert für die Interessen der Kollegen ein.“

Die Mitarbeiterin war Mitglied des Betriebsrats.

„Er trat sowohl innerhalb als auch außerhalb unseres Unternehmens engagiert für die Interessen der Arbeitnehmer ein.“

Der Mitarbeiter war gewerkschaftlich aktiv.

„Sie war tüchtig und wusste sich gut zu verkaufen.“

Die Mitarbeiterin war eine unangenehme Kollegin, der es an Kooperationsbereitschaft mangelt.

„Er hat alle Aufgaben in seinem und im Firmeninteresse gelöst.“

Der Mitarbeiter hat Firmeneigentum gestohlen.

„Sie machte sich mit großem Eifer an die ihr übertragenen Aufgaben.“

Der Mitarbeiter hatte trotz Fleiß keinen Erfolgen.

„Wir bestätigen, dass sie mit Fleiß, Ehrlichkeit und Pünktlichkeit an ihre Aufgaben herangegangen ist.“

Dem Mitarbeiter fehlt die fachliche Qualifikation.

„Er entsprach fachlich den Anforderungen und Erwartungen.“

Mit dem Mitarbeiter gab es zwischenmenschliche Probleme.

„Wegen ihrer Pünktlichkeit war sie stets ein gutes Beispiel.“

Die Mitarbeiterin glänzte nicht durch ihre Leistung.

„Er stand stets voll hinter uns.“

Der Mitarbeiter sprach öfters dem Alkohol zu.

„Er ist ein kommunikativer Mitarbeiter.“

Der Mitarbeiter ist geschwätzig.

„Sie koordinierte die Arbeit ihrer Mitarbeiter und gab klare Anweisungen.“

Die Mitarbeiterin beschränkt sich auf das Anweisen und Delegieren von Arbeit.

„Er erledigte alle Aufgaben pflichtbewusst und ordnungsgemäß.“

Der Mitarbeiter war ein Bürokrat ohne jede Eigeninitiative.

„Er war seinen Mitarbeitern jederzeit ein verständnisvoller Vorgesetzter.“

Der Vorgesetzte besaß keine Durchsetzungsstärke und wurde nicht respektiert.

„Ihre umfangreiche Bildung machte sie zu einer gefragten Gesprächspartnerin.“

Die Mitarbeiterin führte immer wieder lange Privatgespräche.

„Sie arbeitete sehr genau und erledigte seine Aufgaben ordnungsgemäß.“

Die Mitarbeiterin war uneffektiv und bürokratisch.

„Er zeigte reges Interesse an seiner Arbeit.“

Der Mitarbeiter war erfolglos.

„Sie zeigte im Umgang mit Kollegen und Vorgesetzte eine durchweg erfrischende Offenheit.“

Die Mitarbeiterin war frech und vorlaut.

„Er war stets kontaktbereit.“

Der Mitarbeiter ist ein Eigenbrötler.

„Das Produktionsniveau konnte durch ihre Leistung gehalten werden.“

Die Mitarbeiterin erreichte durch ihre Arbeit keine Verbesserung.

„Er arbeitete nach eigener Planung.“

Der Mitarbeiter kümmerte sich nicht um die Planungen des Unternehmens.

„Er verhielt sich stets einwandfrei gegenüber Kollegen und Geschäftskunden.“

Der Mitarbeiter war respektlos gegenüber seinen Vorgesetzten.

„Sie war Neuem gegenüber aufgeschlossen.“

Der Mitarbeiterin gelang es nicht, neue Aufgabenstellungen zu verarbeiten.

„Er zeigte sich Anforderungen und Belastungen gewachsen.“

Der Mitarbeiter verlor bei Stress ständig die Nerven.

„Sie arbeitete mit besonderer Genauigkeit und Sorgfalt.“

Die Mitarbeiterin arbeitet äußerst langsam.

„Seine Arbeitsergebnisse waren, auch bei wechselnden Anforderungen und unter sehr schwierigen Bedingungen, stets von sehr guter Qualität.“

Der Mitarbeiter leistete sehr gute Arbeit, an der es nichts auszusetzen gab.

„Die Qualität seiner Arbeitsergebnisse erfüllte in vollem Umfang die an ihn gestellten Anforderungen.“

Der Mitarbeiter lieferte im Betrieb nur durchschnittliche Leistungen.

„Er arbeitete stets sehr effizient, zielstrebig und sorgfältig und bewies ein herausragendes Organisationsgeschick.“

Der Mitarbeiter besticht durch eine hervorragende Arbeitweise.

„Dabei war er üblichem Zeitdruck und Arbeitsaufwand gewachsen.“

Der Mitarbeiter kam mit einer höheren Arbeitsbelastung nicht klar.

„Dabei war er auch höchstem Zeitdruck und Arbeitsaufwand stets gewachsen.“

Der Mitarbeiter kam glänzend mit Stresssituationen klar.

„Wir lernten sie als umgängliche Kollegin kennen.“

Die Mitarbeiterin war unbeliebt.

„Er schied im beiderseitigen Einvernehmen aus.“

Der Mitarbeiter wurde gekündigt. Eine wirklich einvernehmliche Kündigung wird umschrieben mit „im besten beiderseitigen Einvernehmen“.

„Er scheidet aus, um in einem anderen Unternehmen eine höherwertige Tätigkeitkeit zu übernehmen.“

Das Unternehmen traute dem Mitarbeiter keine höherwertige Aufgabe zu.

„Er schied aus, um sich finanziell zu verbessern.“

Das Unternehmen war nicht bereit, dem Mitarbeiter mehr Geld zu bieten.

„Wir danken dem Mitarbeiter für die stets hervorragende Zusammenarbeit und bedauern es sehr, ihn als Mitarbeiter zu verlieren. Für seinen weiteren Berufs- und Lebensweg wünschen wir ihm alles Gute und auch weiterhin viel Erfolg.“

Perfekte Grußformel, ohne jeden Hintergedanken, für einen sehr guten Mitarbeiter.

„Wir danken dem Mitarbeiter für seine wertvolle Mitarbeit und bedauern es, ihn als Mitarbeiter zu verlieren. Für seinen weiteren Berufs- und Lebensweg wünschen wir ihm alles Gute und auch weiterhin viel Erfolg.“

Grußformel für einen als gut eingeschätzten Mitarbeiter.

„Wir danken dem Mitarbeiter für die erbrachte Leistung und wünschen ihm für die Zukunft weiterhin alles Gute.“

Unterkühlte Grußformel für einen lediglich durchschnittlichen Mitarbeiter.

„Wir wünschen dem Mitarbeiter für die Zukunft alles Gute.“

Grußformel bei Mitarbeitern, dessen Leistungen allenfalls ausreichend waren.

„Wir wünschen ihm alles Gute, insbesondere auch Erfolg.“

Der Mitarbeiter hatte in unserem Unternehmen keinen Erfolg.

Weitere Codes auf arbeitszeugnis.de

Marc Kniepkamp

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