Überschuss

Bayern schickt Lehrer nach Berlin

München – Der Überschuss an Lehrern treibt seltsame Blüten: Das bayerische Kultusministerium empfiehlt seinen angehenden Gymnasiallehrern, sich in Berlin auf eine Stelle zu bewerben.

Das geht aus einem Schreiben des zuständigen Ministerialdirigenten an alle Gymnasien im Freistaat hervor. Darin werden die Schulleiter aufgerufen, die Referendare auf die Option Berlin hinzuweisen.

Wie berichtet finden in Bayern Studenten bei bestimmten Fächerkombinationen selbst mit Einser-Examen keine Stelle. Vergangene Woche hatte das Ministerium mitgeteilt, nur 170 Absolventen im Freistaat könnten in den Staatsdienst übernommen werden. Vor allem bei der Fächerkombination Deutsch und Englisch stehen die Chancen schlecht. Der Frust der Lehramtsanwärter entlud sich am vergangenen Wochenende in einem spontanen Protest auf dem Münchner Marienplatz.

Bildungsmesse:

am 1. & 2. Februar finden im MTC die Schultage München statt.

Ganz anders ist die Situation in Berlin. In diesem Jahr werdeder Stadtstaat 1700 Lehrer unbefristet einstellten, heißt es in einem Brief der Berliner Senatsverwaltung, das sich direkt an bayerische Referendare wendet. Er liegt dem Schreiben des Kultusministeriums bei. Die Berliner wollen in der zweiten Februarhälfte zwei Informationsveranstaltungen abhalten, um Interessenten den Standort schmackhaft zu machen. Insider rechnen aber mit mäßigem Interesse: Die Bezahlung in Berlin ist schlechter als im Freistaat, zudem winkt keine Verbeamtung, sondern nur ein Angestelltenverhältnis.

„Der Andrang wird sich in Grenzen halten“, glaubt auch der SPD-Bildungspolitiker Martin Güll. Die Landtags-Opposition fordert ebenso wie die Lehrerverbände von der Staatsregierung zusätzliche Stellen. Angesichts des Ganztagsausbaus und möglicher Änderungen beim G8 bestehe bald Bedarf.

Ähnlich äußert sich Lisa Fuchs, Vorsitzende der bayerischen Referendar- und Jungphilologenvertretung. „Es kann nicht sein, dass Bayern die Referendare für teures Geld ausbildet und dann in andere Länder abschiebt.“ Sie hoffe nach wie vor auf zusätzliche Stellen.  

mik

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Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa/dpaweb

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