Vier Strategien

Früher in Rente: So können Sie hohe Abschläge reduzieren

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Entspannt zurücklehnen: Für den früheren Einstieg in den Ruhestand braucht es die richtige Strategie.

München - Viele Arbeitnehmer würden gerne früher in Rente gehen, doch das kommt teuer zu stehen. Stiftung Warentest hat untersucht, wie sich Abschläge reduzieren lassen – die tz stellt Ihnen vier Strategien vor.

Experten und Politiker fordern immer wieder, dass die Deutschen länger arbeiten sollen. Die Rente mit 67 ist politisch längst auf den Weg gebracht, doch auch die Rente mit 70 ist längst kein Tabu mehr. Dabei haben viele Arbeitnehmer etwas ganz anderes vor: Sie möchten gern früher in den Ruhestand starten und schon vor erreichen der Altersgrenze den Lebensabend mit Familie, Freunden und Reisen genießen. Allerdings ist dieser Traum teuer bezahlt – pro Monat, den man früher in den Ruhestand geht, sind 0,3 Prozent der Rente futsch. Diese Abschläge gelten ein Leben lang.

Die Stiftung Warentest hat in ihrem neuen Finanztest-Heft untersucht, wie sich diese Abschläge reduzieren lassen – die tz beantwortet wichtige Fragen und stellt Ihnen vier Strategien vor:

Wie alt muss man eigentlich sein, um die volle Rente zu beziehen? Derzeit liegt das reguläre Rentenalter bei 65 Jahren und fünf Monaten – es steigt aber jährlich an (siehe Tabelle unten).

Wie viele Menschen gehen früher in Rente? Die große Mehrheit der Deutschen. Im Jahr 2014 sind von den 823 000 Menschen, die das Rentenalter erreicht haben, nur 371 000 erst dann in Rente gegangen. Knapp 55 Prozent sind also schon früher in Rente gegangen.

Welche Voraussetzungen muss man dafür erfüllen? Die Grundvoraussetzung sind 35 Beitragsjahre in der Rentenversicherung. Außerdem können Versicherte wegen einer Schwerbehinderung schon mit 63 in Rente gehen.

Wie hoch sind die Abschläge? Pro Monat, den man früher in Rente gehen will, werden 0,3 Prozent abgezogen. Das geht ins Geld: Wer zweieinhalb Jahre früher in Rente gehen möchte, muss auf neun Prozent seiner eigentlichen Altersrente verzichten – ein Leben lang!

Wie lassen sich die Abschläge minimieren? Die Stiftung Warentest hat verschiedene Strategien unter die Lupe genommen und anhand eines Musterfalls durchgerechnet. Dabei gehen die Tester von einem Versicherten aus, der überdurchschnittlich verdient, mit einer Altersrente von 1500 Euro rechnen kann und zwei Jahre früher in Rente gehen möchte. Das würde für den Beispielrentner pro Monat einen Abschlag von 193 Euro bedeuten. In den Texten unten zeigen wir unterschiedliche Wege auf, um finanziell gegenzusteuern.

Kann man auch abschlagsfrei mit 63 in Rente gehen? Ja. Dafür müsste man allerdings 45 Beitragsjahre aufweisen können, außerdem darf man in den letzten zwei Jahren vor der Rente nicht arbeitslos gewesen sein. Die Jahrgänge bis einschließlich 1952 konnten so mit 63 Jahren abschlagsfrei in Rente gehen. Für die Jahrgänge zwischen 1953 und 1963 erhöht sich der frühestmögliche Eintritt in die Rente dann um jeweils zwei Monate. Der Jahrgang 1964 und alle späteren können dann also mit 65 frühzeitig in Rente gehen.

Wer hilft bei der Wahl der richtigen Strategie? Die Rentenkasse. Unter 0800/10004800 können Sie kostenlose Beratungen vereinbaren.

Ab wann sollten sich Versicherte um die richtige Strategie kümmern? „Einige Jahre bevor sie in Rente gehen wollen“, rät Frank Heidemann von der Rentenversicherung. Gerade bei einer Sonderzahlung kann es aus steuerlichen Gründen sinnvoll sein, diese über mehrere Jahre zu verteilen.

Geburtsjahr

Regulärer Rentenbeginn im Alter von …

Abschlag bei der Rente ab 63 Jahren

1951

65 Jahren + 5 Monaten

8,7 %

1952

65 Jahren + 6 Monaten

9,0 %

1953

65 Jahren + 7 Monaten

9,3 %

1954

65 Jahren + 8 Monaten

9,6 %

1955

65 Jahren + 9 Monaten

9,9 %

1956

65 Jahren + 10 Monaten

10,2 %

1957

65 Jahren + 11 Monaten

10,5 %

1958

66 Jahren

10,8 %

1959

66 Jahren + 2 Monaten

11,4 %

1960

66 Jahren + 4 Monaten

12,0 %

1961

66 Jahren + 6 Monaten

12,6 %

1962

66 Jahren + 8 Monaten

13,2 %

1963

66 Jahren + 10 Monaten

13,8 %

ab 1964

67 Jahren

14,4 %

Quelle: Finanztest 7/2016

Strategie 1: Ausgleichen

Abschläge bei der Rente müssen nicht sein – auch wenn man schon früher in Rente gehen will. Denn die Renteversicherung ermöglicht es Neurentnern, die Abschläge mit freiwilligen Zahlung teilweise auszugleichen. Ein Beispiel: Wer 24 Monate vor Erreichen des regulären Renteneintrittsalters die Segel streichen will muss mit einem Abschlag von 7,2 Prozent rechnen. Bei einer Regelaltersrente von 1500 Euro würden am Ende also nur 1307 Euro bleiben. Durch die Zahlung eines Einmalbeitrags von 24 336 Euro würde sich die Rente immerhin auf 1408 Euro erhöhen. Der Schritt will gut überlegt sein – denn den eingezahlten Betrag hat man erst nach 20 Jahren wieder eingespielt. Ab dem 83. Geburtstag geht die Rente dann ins Plus.

Strategie 2: Aussitzen

Wer eine freiwillige Nachzahlung an die Rentenkasse nicht leisten kann oder will, könnte auf eine andere Idee kommen: Die zwei Jahre bis zur regulären Altersrente einfach aussitzen. Die Altersrente würde dann erst mit Erreichen der Regelaltersgrenze beantragt. Der Haken: Bis dahin müsste man den früheren Ruhestand selbst finanzieren, etwa aus dem Einkommen des Partners. Das wird teuer und rechnet sich in der Regel nicht. Denn weil für die zwei Jahre keine Rentenversicherungsbeiträge bezahlt werden, würde die spätere Rente wie in Strategie 1 bei 1408 Euro liegen. Allerdings müssten die 1408 Euro für die zwei Jahre „Vorruhestand“ selbst bezahlt werden.Das macht 33 792 Euro und würde sich erst nach 28 Jahren Rente lohnen.

Strategie 3: Teilzeitrente

Wer nicht gleich komplett in den Ruhestand gehen will, kann zwei Jahre vor dem Rentenbeginn seine Arbeitszeit um 50 Prozent reduzieren. Wer 35 Jahre Wartezeit eingesammelt hat, hat Anspruch auf eine Teilrente. Bisher nehmen nur wenig Versicherte diese Möglichkeit in Anspruch: von den 820 000 Menschen, die 2014 in Rente gingen, hatten nur 2167 eine Teilrente bezogen. In unserem Beispiel würde der „Frührentner“ zwei Jahre lang 2265 Euro Gehalt bekommen, dazu käme eine Teilrente von 653 Euro. Am Ende der zwei Jahre würde die Rente statt 1500 Euro noch 1403 Euro betragen. Attraktiver sind Altersteilzeitregelungen mit dem Arbeitgeber. Da sie aber nicht mehr gefördert werden, müssen sie individuell ausgehandelt werden.

Strategie 4: Minijob 

Wer den früheren Ruhestand genießen will und gleichzeitig die Haushaltskasse aufbessern möchte, kann auch regulär zwei Jahre früher in Rente gehen und dann per Minijob höchstens 450 Euro im Monat hinzuverdienen. Die Rente würde dann mit vollen Abschlägen belastet und läge in unserem Fall bei 1307 Euro – lebenslang. Mit einem Minijob würde unser Rentner aber auf 1756 Euro im Monat kommen. In zwei Monaten im Jahr dürfte er sogar bis zu 900 Euro verdienen. Allerdings muss man höllisch aufpassen: Werden in den zwei Jahren die Hinzuverdienstgrenzen überschritten, wird sofort ein Drittel der Rente gekürzt! Übrig blieben dann nur 870 Euro. Diese Strategie lässt sich übrigens mit Stragie 1 kombinieren.

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