G9-Debatte

Bald wieder neun Jahre Gymnasium?

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München – Trotz der Kehrtwende beim Bayerischen Philologenverband sieht Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) keinen Anlass für Änderungen beim achtjährigen Gymnasium.

„Die Schulen haben Anspruch auf pädagogische Verlässlichkeit“, so Spaenle. Er nehme die Vorschläge des Philologenverbands zur Kenntnis: Die Standesvertretung der Gymnasiallehrer hatte sich auf ihrer Hauptversammlung in Amberg für ein neues G9 ausgesprochen. „Gymnasiale Bildung braucht Zeit und wir möchten für die Zukunft sicherstellen, dass bayerische Abiturienten keine Vorsemester oder Hochschuleingangsprüfungen für ein Studium benötigen“, betonte Verbandschef Max Schmidt.

SPD und Freie Wähler für G8/G9-Parallelsystem

Bildungsmesse:

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Der Vorschlag für das neue G9 löste eine breite Diskussion aus. Die Landtags-SPD wertete den Vorstoß des Philologenverband als „echte Watschn“ für Spaenle. „Hier gehen Spaenle die letzten Getreuen von der Fahne“, erklärte die stellvertretende Fraktionschefin Simone Strohmayr. Die SPD befürwortet bislang ein Parallelsystem von G8 und G9, ebenso die Freien Wähler, die nach wie vor Unterschriften für ein G8/G9-Volksbegehren sammeln. Die Grünen waren bislang im Grundsatz Gegner einer Rückkehr zum G9, fordern nun aber ebenfalls ein verschärftes Nachdenken von Spaenle: „Wenn sich innerhalb einer Schülergeneration der Widerstand nicht legt, muss man Konsequenzen ziehen“, erklärte der bildungspolitische Sprecher Thomas Gehring.

Alternativ-Vorschlag von Spaenle: Flexibilisierungsjahr

Aus Sicht der CSU kommt diese Debatte zur Unzeit. Denn Kultusminister Spaenle hatte erst kürzlich demonstrativ eine Reformpause in der Schulpolitik verkündet. Reformen also gibt es derzeit nicht. Doch eine Denkpause kann Spaenle nicht verordnen. Er verteidigte gestern sein Alternativkonzept: Statt eine Rückkehr zum G9 zu ermöglichen, hat das Kultusministerium ein so genanntes Flexibilisierungsjahr eingerichtet. Dabei kann ein Schüler der Mittelstufe ein Schuljahr in zwei Jahren absolvieren und in schwächeren Fächern gezielt Förderstunden belegen. Allerdings muss er dazu im zweiten Jahr die Klasse verlassen – deswegen halten viele Schulpraktiker das Angebot für nicht attraktiv. Im Philologenverband spricht man von einer „Totgeburt“.

Zahlen, wie viele Schüler in diesem Jahr das Angebot wahrnehmen, gibt es trotz wiederholter Nachfragen nicht. Spaenle sagte, das Angebot werde an 40 Prozent der Gymnasien in Anspruch genommen. „Fürs erste Jahr ist das eine bemerkenswerte Zahl“, fügte er hinzu.

Dirk Walter

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