Der Faktor Leidenschaft

IHKjobfit! YouTuber Flowest im Interview

YouTuber Flowest spricht im Interview über Ausbildung, YouTube-Hobby und Dinge, die junge Menschen von ihrem Job erwarten.

Die IHK setzt in diesem Jahr ihr Erfolgskonzept fort: Die Berufsbildungsmesse „IHKjobfit! 2017“ wird noch attraktiver durch die Zusammenarbeit mit YouTuber Flowest.

Die Idee: Flowest soll für die Ausbildung werben genau in der Sprache, die Jugendliche am besten verstehen. Im Interview mit „Wirtschaft Aktuell“ erklärt Flowest, wie man den Mix zwischen Hobby und Broterwerb hinbekommt – und was Unternehmen tun müssen, um sich für die YouTube-Community attraktiv zu machen.

Die Wirtschaft sucht verzweifelt nach Talenten. Welches Talent braucht man als YouTuber?

Ich glaube, dass es dieses Talent nicht gibt. Jeder macht da so sein eigenes Ding, die eine machen Gaming-Videos, andere Comedy. Ich fühle mich auch nicht als der geborene YouTuber. Ich hab das einfach ausprobiert. Du musst das machen, was dir Spaß macht. Den Erfolg kannst du nicht planen. Da braucht es viel Glück.

Wird die IHK auf der IHKjobfit! eines Tages den Ausbildungsberuf YouTuber vorstellen? Mit Praxisteil und in der Berufsschule Blockunterricht?

(Lacht) Das kann ich mir nicht vorstellen. Ich wüsste auch nicht, wie man das lernen sollte. Jeder drückt sich als YouTuber so aus, wie er will. So blöd das klingt: Man hat es im Blut oder nicht. Was am ehesten ginge, wäre eine Schauspieler-Ausbildung. Aber die gibt es ja schon.

Entscheidet also doch das Talent?

Ich würde es eher Gespür oder Gefühl nennen. Es geht auch nicht ums Geld. Die Zuschauer merken das sofort, wenn man nicht mit Leidenschaft oder Spaß dabei ist.

Dein Motiv war als nicht das große Geld?

Nein, das darf es keinesfalls sein. Es ist ein tolles Hobby, das ich mit vielen Menschen teile.

Wie sieht Dein YouTube-Konzept aus?

Ich habe verschiedene Konzepte, Wenn ich auf Reisen bin, filme ich meine Eindrücke. Mit einem Kumpel zusammen habe ich ein eigenes Studio. Dort planen, schneiden und drehen wir den Großteil unserer Videos. Es ist ein Mix aus Comedy und Lifestyle, ich bin da sehr flexibel.

Schaust Du Dir andere YouTuber an?

Klar, das machen wir alle. Das Schöne an dem Hobby ist, man hat nicht nur seinen eigenen Kanal. Auf Autogramm-Stunden, Netzwerk-Partys und Messen lernt man viele Leute kennen. Danach schaue ich sofort, was die auf YouTube machen. Das gibt mir natürlich auch Inspiration für eigene Sachen.

Hast Du eine Ausbildung gemacht?

Ja, ich bin 2013 nach dem Schulabschluss den klassischen Weg gegangen. Über Alternativen und andere Wege habe ich zwar schon immer nachgedacht, allerdings wollte ich mich erst mal absichern. Mit YouTube verdiene ich natürlich Geld, allerdings mache ich das derzeit nur nebenbei.

Hat die Ausbildung Spaß gemacht?

Ja, ich habe Mediengestalter gelernt. Hobby und Beruf ergänzen sich bei mir sehr gut. Der Betrieb, der mich ausgebildet hat, hat mich fest angestellt. Ich habe das nie bereut. Jeder Arbeitstag läuft anders. Das ist genau die Herausforderung, die ich brauche.

Als YouTuber hast Du eine Vorbild-Funktion. Hast Du darüber schon nachgedacht?

Ja, absolut. Für junge Heranwachsende bist du automatisch so etwas wie der große Bruder. Die warten auf mein wöchentliches Video – und mir ist klar, dass das, was ich im Video mache, auf die Zuschauer abfärbt. Ich überlege mir daher schon sehr genau, was ich in meinen Sketchen sage: Schimpfwörter, vulgäre und obszöne Sachen – das geht gar nicht.

Empfiehlst Du anderen Jugendlichen, eine Ausbildung zu machen?

Ja, nur auf den YouTube-Erfolg zu setzen, wäre Wahnsinn. Es gibt Millionen von YouTubern auf der Welt. Jede Woche kommen neue hinzu, die Trends wechseln auch rasend schnell. Nur ein ganz kleiner Teil hat es geschafft, davon wirklich zu leben. Der Zufall entscheidet, wenn es wirklich klappt. Natürlich entwickelst Du als YouTuber Fähigkeiten. Man ist da Schauspieler, Kameramann und Regisseur gleichzeitig. Das nützt aber nichts, wenn die Abo-Zahlen nicht steigen – und man dringend Geld verdienen muss. Eine abgeschlossene Ausbildung wirkt da sehr beruhigend.

Konzerne wie die Telekom kaufen sich YouTuber für das Marketing ein. Bietet sich auch für normale Unternehmen eine Zusammenarbeit mit YouTubern an?

Also grundsätzlich ist YouTube schon eine komplett andere Welt. Als Chef muss ich mich darauf zu bewegen. Ich muss überlegen, ob ein Gamer oder ein Comedian zu meinem Unternehmen und meinen Produkten passt. Und bloß nicht förmlich werden! Für die Arbeit mit einem YouTuber sollte das Unternehmen selbst schon einigermaßen locker drauf sein. Einige YouTuber haben ein eigenes Management. Da läuft es wieder anders. Dann kommt es darauf an, wie man kommuniziert, wie die Leute in dem Unternehmen ticken und ob man dem YouTuber ein cooles Angebot macht.

Die Wirtschaft interessiert sich brennend dafür, wie die Jugend heute tickt. Stimmt die Einschätzung der Jugendforscher, dass Geld nicht mehr das einzige Kriterium für die Berufswahl ist?

Das trifft voll zu. Ich habe nicht auf das Geld geschaut. Ich habe vor der Ausbildung Praktika gemacht. Ein Praktikum hat sich angefühlt wie Arbeit, das andere wie ein Hobby. Dieses Gefühl ist wichtig dafür, welchen Job man macht.

Was müssen Chefs heute tun, um Leute in Deinem Alter für ihr Unternehmen zu begeistern?

Gut ist natürlich, wenn man sich mit dem Sinn des Unternehmens identifizieren kann. Ganz wichtig ist die Stimmung, die in der Firma herrscht. Der Betrieb, in dem ich jetzt arbeite, ist für mich wie eine zweite Familie. Wir gehen nach der Arbeit auch mal gemeinsam auf ein Bier.

Interview: Martin Armbruster, Redakteur der IHK für München und Oberbayern

Hier erfahren Sie mehr über die IHKjobfit

IHKjobfit! Impressionen der Ausbildungsmesse

Um Schüler bestmöglich bei der Berufswahl zu unterstützen veranstaltet die Industrie- und Handelskammer (IHK) München und Oberbayern in Kooperation mit der Agentur für Arbeit München die Ausbildungsmesse IHKjobfit!
Um Schüler bestmöglich bei der Berufswahl zu unterstützen veranstaltet die Industrie- und Handelskammer (IHK) München und Oberbayern in Kooperation mit der Agentur für Arbeit München die Ausbildungsmesse IHKjobfit! © Andreas Gebert
Rund 130 renommierte Münchner Ausbildungsbetriebe präsentieren dort Berufsbilder und Ausbildungsmöglichkeiten.
Rund 130 renommierte Münchner Ausbildungsbetriebe präsentieren dort Berufsbilder und Ausbildungsmöglichkeiten. © IHK/Tobias Hase
Selfie oder zugeknöpft mit Anzug und Krawatte? Die Profi-Fotografen zeigen beim kostenlosen Fotoshooting, wie das perfekte Bewerbungsfoto aussieht.
Selfie oder zugeknöpft mit Anzug und Krawatte? Die Profi-Fotografen zeigen beim kostenlosen Fotoshooting, wie das perfekte Bewerbungsfoto aussieht. © Andreas Gebert
Vorträge und Workshops zum Thema Ausbildung und Berufsbilder runden das Messegeschehen ab.
Vorträge und Workshops zum Thema Ausbildung und Berufsbilder runden das Messegeschehen ab. © IHK/Tobias Hase
Fachleute verhelfen den Bewerbern die Selbsteinschätzung und Orientierung bei der Berufswahl zu schärfen – damit Schüler gleich zu Beginn den Beruf finden, der zu ihnen passt!
Fachleute verhelfen den Bewerbern die Selbsteinschätzung und Orientierung bei der Berufswahl zu schärfen – damit Schüler gleich zu Beginn den Beruf finden, der zu ihnen passt! © IHK/Tobias Hase
Viele spannende Arbeitsbereiche stellen sich bei der IHKjobfit! vor.
Viele spannende Arbeitsbereiche stellen sich bei der IHKjobfit! vor. © Andreas Gebert


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