Kündigungsfrist richtig berechnen

Achtung: Ist Ihre Kündigungsfrist zu kurz oder lang? Dann sollten Sie handeln

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Wenn es um eine Kündigung geht, müssen Sie Ihren Arbeitsvertrag genau prüfen.

Sind kurze Kündigungsfrist schlecht für Arbeitnehmer oder ist das ein Irrglaube? Wenn Sie Ihren Job wechseln wollen, könnten Sie länger gebunden sein, als Ihnen lieb ist.

Kurze Kündigungsfristen verbinden viele mit Chefs, die ihre Mitarbeiter am liebsten monatlich wechseln würden. Dabei können die Monate, die Sie nach Ihrer Kündigung an den Betrieb binden auch schnell zu lang werden. Beispielsweise, wenn Sie einen attraktiven neuen Job in Aussicht haben oder andere Gründe, die ein schnelles Ausscheiden erfordern.

Wie lang darf Ihre Kündigungsfrist überhaupt s ein? Das ist nicht nur wichtig für Ihre zeitliche Planung, sondern beispielsweise auch für die Beantragung des Arbeitslosengeldes.

Genaue Vorgaben für Kündigungsfristen

Die Kündigungsfristen für ordentliche Kündigungen sind gesetzlich geregelt. In § 622 BGB ist festgelegt, dass die Grundkündigungsfrist vier Wochen beträgt. Aber Vorsicht: Damit ist nicht etwa ein Monat gemeint, sondern tatsächlich 28 Tage.

Außerdem ist festgeschrieben, dass die Kündigung jeweils zum 15. oder mit Ablauf eines Kalendermonats zu erfolgen hat. Anders sieht es aus, wenn Sie noch in der Probezeit sind. Hier beträgt die Kündigungsfrist nur magere zwei Wochen. Nach zwei Jahren Betriebszugehörigkeit fängt die Kündigungsfrist an, sich zu verlängern. Maximal kann die Frist sieben Monate betragen. Das haben Sie erreicht, wenn Sie 20 Jahre im selben Betrieb sind.

Auch interessant: Fünf Zeichen, dass Ihnen die Kündigung droht

Die Kündigungsfristen nach Betriebszugehörigkeit im Überblick

Betriebszugehörigkeit

Kündigungsfrist

Probezeit

2 Wochen

6 Monate bis 2 Jahre

4 Wochen zum 15. oder zum Ende des Kalendermonats

2 bis 5 Jahre

1 Monat zum Ende des Kalendermonats

5 bis 8 Jahre

2 Monate zum Ende des Kalendermonats

8 bis 10 Jahre

3 Monate zum Ende des Kalendermonats

10 bis 12 Jahre

4 Monate zum Ende des Kalendermonats

12 bis 15 Jahre

5 Monate zum Ende des Kalendermonats

15 bis 20 Jahre

6 Monate zum Ende des Kalendermonats

mehr als 20 Jahre

7 Monate zum Ende des Kalendermonats

Verlängerte Kündigungsfristen gelten nur für den Arbeitgeber

Sie sind schon fünf Jahre im Betrieb und möchten gerne schnellstmöglich den Job wechseln? Keine Panik. Die Kündigungsfristen verlängern sich nur für Kündigungen durch den Arbeitgebers automatisch mit der Dauer der Betriebszugehörigkeit. Für den Arbeitnehmer bleibt es bei der vierwöchigen Kündigungsfrist, außer Sie haben es vertraglich anders geregelt.

Hier ist allerdings nicht alles zulässig. Zum Beispiel darf die Kündigungsfrist des Arbeitsnehmers in keinem Fall länger dauern, als die für den Arbeitgeber. Außerdem darf die vertraglich vereinbarte Kündigungsfrist die gesetzliche nicht unterschreiten.

Üblich ist dagegen eine Klausel im Arbeitsvertrag, die die Länge der Arbeitnehmerkündigungsfrist an die des Arbeitgebers koppelt.

Lesen Sie hier: So kündigen Sie Ihren Arbeitsvertrag richtig

Sonderregelungen bei der Kündigungsfrist

Die oben genannten Fristen gelten im Regelfall. Unter speziellen Umständen kann es aber auch zu anderen Fristen kommen. Sonderfälle sind:

  • Insolvenz des Arbeitgebers
  • Kleinbetrieb Kündigung trotz Sonderkündigungsschutz
  • Ausschluss der ordentlichen Kündigungen durch Tarifvertrag
  • Arbeitnehmer, die nur zu Aushilfszwecken einstellt sind

Wenn es zu einer Insolvenz kommt, kann Ihr Arbeitgeber Sie mit einer Kündigungsfrist von drei Monaten zum Monatsende kündigen, außer es ist eine kürzere Frist maßgeblich.

In Kleinbetrieben, in denen in der Regel nicht mehr als 20 Arbeitnehmer beschäftigt sind, können kürzere Kündigungsfristen vertraglich vereinbart werden. Diese dürfen vier Wochen allerdings nicht unterschreiten.

Ist die ordentliche Kündigung durch Tarifvertrag ausgeschlossen (z.B. bei 15-jähriger Betriebszugehörigkeit) ist der Ausschluss für den Arbeitgeber bindend.

Sind Sie nur zu Aushilfszwecken angestellt, kann auch eine Kündigungsfrist festgelegt werden, die kürzer als vier Wochen ist. Dafür darf die Aushilfstätigkeit aber tatsächlich nur vorübergehend dauern, und eine Dauer von drei Monaten nicht überschreiten.

Lesen Sie hier: Darf mein Arbeitsvertrag ohne Grund befristet werden?

Was ist, wenn in meiner Kündigung ein zu früher Kündigungstermin genannt ist?

Ihnen ist eine Kündigung übergeben worden. Nach der gründlichen Prüfung stellen Sie fest, dass das Datum Ihres Ausscheidens zu früh festgesetztist. Und nun? 

In so einem Fall ist leider nicht gleich die ganze Kündigung ungültig. Es ist lediglich festgelegt, dass die Kündigung zum nächsten zulässigen Termin erfolgen muss.

Was ist, wenn die Kündigungsfrist zu lang ist?

Sie waren lange bei einem Arbeitgeber und wollen nun schnellstmöglich wechseln. Leider steht nun eine lange Kündigungsfrist zwischen Ihnen und Ihrem neuen Traumjob. Versuchen Sie zunächst, einen Auflösungsvertrag mit Ihrem derzeitigen Arbeitgeber zu verhandeln. Das sollten Sie aber nur tun, wenn der neuen Job fest ist. Sollte dieser doch platzen kann es zu einer

Wenn sich Ihr Chef nicht auf einen Auflösungsvertrag einlassen möchte, kann er Sie natürlich nicht mit Gewalt zum Arbeiten zwingen. Allerdings kann der Arbeitgeber Schadensersatz, eine Entschädigung, oder soweit vertraglich geregelt auch eine Vertragsstrafe gegen Sie geltend machen. Wechseln Sie zu einem Konkurrenzunternehmen kann Ihr derzeitiger Arbeitgeber sogar auf eine Unterlassen dieser Arbeit klagen.

Greifen Sie also im Fall der Fälle auf die Hilfe eines Rechtsbeistandes zurück, um sich über ein vorzeitiges Ausscheiden beraten zu lassen.

Lesen Sie auch: Kündigung in der Probezeit? Was Sie jetzt wissen müssen. 

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Gekündigt! Diese Bagatellen können Sie den Job kosten

Brot
Der erste Fall, in dem das Bundesarbeitsgericht über eine Kündigung wegen eines Bagatelldiebstahl entschieden hat, führte zum „Bienenstich-Urteil“ von 1984. Eine Verkäuferin hatte einen Bienenstich verzehrt aber nicht bezahlt. Sie erhielt eine fristlose Kündigung. Das „Bienenstich-Urteil" gehört heute zum Einmaleins jedes Arbeitsrechtlers. © dpa
Berühmte Bagatellvergehen
Oktober 2009: Weil sie für Gäste und den Chef bestimmte Brötchen selbst gegessen haben, müssen zwei Sekretärinnen des Bauverbands Westfalen um ihren Job kämpfen. Ein erster Gütetermin der einen Frau vor dem Arbeitsgericht Dortmund bleibt ohne Ergebnis. © Fotos und Texte: dpa
Berühmte Bagatellvergehen
Der Verband will für die 59-Jährige eine außergerichtliche Lösung finden. Der Fall ihrer Kollegin wird voraussichtlich Ende November verhandelt. Die Frauen waren nach 34 beziehungsweise fast 20 Dienstjahren im Betrieb fristlos entlassen worden. © dpa
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September 2009: Ein Bäcker bestreicht am Arbeitsplatz ein gekauftes Brötchen mit firmeneigener Paste im Wert von vermutlich unter zehn Cent - nach seiner Darstellung, um sie abzuschmecken. © dpa
Berühmte Bagatellvergehen
Der Arbeitgeber wertet das als Diebstahl und wirft ihn raus. Das Landesarbeitsgericht Hamm hebt die fristlose Kündigung durch die Bäckereikette aber als unverhältnismäßig auf. © dpa
Berühmte Bagatellvergehen
Juli 2009: Der Streit um die gekündigte Supermarkt-Kassiererin “Emmely“ geht in die höchste Instanz. Wegen grundlegender Bedeutung des Falls lässt das Bundesarbeitsarbeitsgericht in Erfurt ein Revisionsverfahren zu. © dpa
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Der unter ihrem Spitznamen bundesweit bekanntgewordenen Berlinerin war nach 31 Jahren Betriebszugehörigkeit fristlos gekündigt worden. Sie soll zwei Pfandmarken im Gesamtwert von 1,30 Euro unterschlagen haben. © dpa
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Juli 2009: Ein Prozess um drei angeblich gestohlene Brötchen endet mit einem Vergleich. Das Arbeitsgericht Heilbronn hebt die Kündigung einer 59 Jahre alten Küchenhilfe eines Krankenhauses zwar nicht auf. Die Klinik wirft der Frau aber nicht länger Diebstahl vor und zahlt ihr Gehalt noch bis Ende September. © dpa
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Juli 2009: Eine Abfallentsorgungsfirma in Mannheim kündigt einem Mitarbeiter fristlos, weil der Vater zweier Töchter ein Reisekinderbett aus dem Müll mit nach Hause genommen hatte. Eine Kündigung sei unverhältnismäßig, urteilt das Arbeitsgericht Mannheim. © dpa
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Februar 2009: Wegen eines Fehlbetrags von 1,36 Euro in der Kasse wird eine Bäckereiverkäuferin in Friedrichshafen am Bodensee fristlos entlassen. Nach einem Vergleichsvorschlag des Arbeitsgerichts Ravensburg erhält sie eine ordentliche Kündigung. © dpa
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Januar 2006: Ein Arbeiter hatte Aluminiumreste aus seinem Betrieb mitgehen lassen und an ein Recyclingunternehmen verkauft. Das Argument, es habe sich um Abfall gehandelt, überzeugt das Landesarbeitsgericht Mainz nicht. Es weist die Kündigungsschutzklage © dpa
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Mai 2005: Das Zerreißen von drei Briefen wird einem Postboten zum Verhängnis. Das hessische Landesarbeitsgericht bestätigt seine fristlose Entlassung. Der Briefträger hatte sein Verhalten mit einem “Blackout“ angesichts privater Probleme begründet. © dpa
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Oktober 2009: Wegen sechs Maultaschen im Wert von drei bis vier Euro verliert eine 58-jährige Altenpflegerin in Konstanz ihren Job. Das Arbeitsgericht Radolfzell gibt zunächst dem Arbeitgeber Recht. Bei der Berufungsverhandlung vor dem Landesarbeitsgericht Freiburg einigten sich die Parteien. Die Gekündigte erhält 42.500 Euro Abfindung und Gehaltsnachzahlung. Im Gegenzug akzeptiert sie die Kündigung. © dpa

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