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Lieber Englisch: Stirbt die deutsche Sprache in Konzernen aus?

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Bei BWM und Lufthansa führt der Spagat zwischen Online-, Social-Media-, internationaler und deutscher Kommunikation zu manch seltsamer Formulierung auf der Konzern-Startseite im Internet.

Der Einfluss englischer Begriffe in der Online-Kommunikation auf die deutsche Sprache ist groß. Wie halten es deutsche Unternehmen damit?

Start-Webseiten großer deutscher Dax-Konzerne wurden auf englische Begriffe hin untersucht. Das Ergebnis ist erstaunlich: So ist laut einer Auswertung der Agentur Wortwahl fast jedes dritte Wort auf der Startseite von BMW ein Anglizismus oder englisches Wort.

"Englisch ist für deutsche Konzerne Standard", sagt Murtaza Akbar, Leiter der Agentur Wortwahl und Dozent im Studiengang Onlinekommunikation an der Hochschule Darmstadt. "Auch wenn es bei BMW viel zu viele Anglizismen und englische Begriffe sind, müssen wir uns keine Sorgen machen. Die deutsche Sprache ist und bleibt ausdrucksstark, auch wenn sie sich derzeit massiv verändert."

Wie sehr stehen deutsche Unternehmen auf englische Begriffe?

"Die Startseite eines Internetauftritts ist die Visitenkarte jedes Unternehmens", so Kommunikationsexperte Akbar. "Deshalb haben wir Startseiten von Dax-Unternehmen Ende Dezember 2016 bis Mitte Januar 2017 hinsichtlich Anglizismen und englischer Begriffe genau unter die Lupe genommen."

Das Ergebnis: Die BMW Group, die in ihrem Namen bereits ein englisches Wort trägt, hat 251 Wörter auf ihrer Startseite, darunter 76 Anglizismen oder englische Wörter, also 30,27 Prozent. BMW ist damit auf Platz zwei der "Englisch-Verwender" hinter Infineon mit 31,83 Prozent und vor The Linde Group (29,89 Prozent). Platz vier belegt die Deutsche Bank (26,75) vor Munich Re (25,23). Zu häufigen englischen Wörtern gehören etwa "Group", "Relations" und "Corporate".

Deutsche Sprache im Wandel

"Online- und Social-Media-Kommunikation beeinflussen die deutsche Sprache enorm", betont Akbar. "Die deutsche Sprache ist mächtig im Wandel. Das zeigt auch diese Untersuchung."

Murtaza Akbar plädiert für Wertschätzung der deutschen Sprache und für Gelassenheit, wenn es um Anglizismen, Soziale Medien oder Jugendslang geht.

Während gerade junge Generationen in sozialen Netzwerken knapper, einfacher und englischer schreiben, müssen Unternehmen einen Spagat hinlegen: Sie versuchen eine adäquate Brücke zwischen Online-, Social Media-, internationaler und deutscher Kommunikation zu schlagen. "Das kann zu seltsamen Formulierungen führen wie zum Beispiel 'Highlight der Iconic Impulses BMW Group Experience in London'", erläutert Akbar.

Andere Dax-Konzerne verwenden weniger Anglizismen

Ist BMW bei der Verwendung von englischen Begriffen ganz weit vorne, kommt VW dagegen mit nur 6,6 Prozent auf der Startseite der Website fast ohne Anglizismen aus. Dennoch ist Englisch bei VW die Konzernsprache.

Dass die Kommunikation im Wandel ist, steht außer Frage. So werde laut Akbar in SMS und auf WhatsApp oftmals weitestgehend auf Groß- und Kleinschreibung sowie Kommasetzung verzichtet. Dafür seien sie mit Anglizismen, Abkürzungen und Emojis gespickt.

Keine Angst vor dem Sprachverfall

Murtaza Akbar steht dieser Erfindungsvielfalt und den sozialen Medien dennoch positiv gegenüber: "Sprache lebt und hat sich schon immer verändert. Jede junge Generation entwickelt eigene Sprachbilder und Slangs."

Vor einem Sprachverfall hat Akbar keine Angst. Es gebe einen wunderbar vielfältigen deutschen Wortschatz, der von allen Generationen bereichert wird. Akbar plädiert dafür, den Wert von Sprache und Worten zu schätzen und gleichzeitig gelassen zu bleiben.

20 Dax-Konzerne und die Anzahl an Anglizismen auf ihren Websites

Name des Dax-Unternehmens gemäß Konzern- Startseite

Anglizismen und englische Wörter auf der Startseite der Website

Wörter insgesamt auf der Startseite der Website

Anteil Anglizismen und englische Wörter in Prozent

1. Infineon

78

245

31,83%

2. BMW Group

76

251

30,27%

3. The Linde Group

84

281

29,89%

4. Deutsche Bank

126

471

26,75%

5. Munich Re

189

749

25,23%

6. Lufthansa Group

56

239

23,43%

7. Continental

63

270

23,33%

8. HeidelbergCement Group

82

375

21,86%

9. Adidas Group

228

1.075

21,20%

10. SAP

75

357

21,00%

11. Deutsche Post DHL Group

190

968

19,62%

12. Deutsche Börse Group

117

611

19,14%

13. Allianz

137

754

18,16%

14. Bayer

121

701

17,26%

15. Daimler

20

117

17,09%

16. Pro7 Sat1 Media

34

242

14,04%

17. Commerzbank

39

285

13,68%

18. Fresenius Medical Care

35

272

12,86%

19. Henkel

69

579

11,91%

20. RWE

42

358

11,73%

Quelle: Murtaza Akbar/Wortwahl; Stichprobe und Auswertung: Ende Dezember KW 51/2016 bis Mitte Januar KW 02/2017

So viel kassierten die Bosse der Dax-Konzerne 2011

Von Simona Asam

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