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Viele Aufträge, keine Fachkräfte

Mitarbeiter gesucht: Dem Handwerk gehen die Fachkräfte aus

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Besonders im Baugewerbe brummt das Geschäft – doch den Betrieben fehlen die Fachkräfte.

Das bayerische Handwerk ist derzeit glänzend unterwegs. Die gute Beschäftigungslage und die steigenden Einkommen sorgen im Verbund mit den weiterhin niedrigen Zinsen für eine rege Bautätigkeit.

Diese Entwicklung führt in erster Linie zu Aufträgen ohne Ende für die Branche. Die Kehrseite des Booms: Handwerkskammerpräsident Franz Xaver Peteranderl berichtet, die Betriebe hätten so viel zu tun, dass ihnen die Mitarbeiter ausgehen.

Wie die bayerischen Handwerksbetriebe ihre Geschäftslage für dieses Jahr einschätzen und wo trotz aller Zuversicht der Schuh drückt:

Rekordjahr

Das abgelaufene Jahr bezeichnet Handwerkskammer- Präsident Franz Xaver Peteranderl als ein „sehr erfolgreiches“. 90 Prozent der Betriebe schätzen ihre derzeitige Lage als gut oder befriedigend ein – das sind zwei Prozent mehr als im Vorjahr.

Das spiegelt sich auch bei der Auftragslage wider. „Die Betriebe haben im Schnitt Bestellungen für sieben Wochen in ihren Büchern“, berichtet Peteranderl. Ein Rekordwert, der zuletzt während der Wiedervereinigung erreicht wurde. Dementsprechend groß ist die Auslastung der Betriebe, die auf überdurchschnittlich hohe 82 Prozent angestiegen ist.

Beschäftigung

Zum Jahresende waren 294 300 Menschen im bayerischen Handwerk tätig – ein Plus von 0,3 Prozent. Der Beschäftigungsaufbau ist allerdings nicht auf die Sparsamkeit der Betriebe, sondern auf den Mangel an Fachkräften zurückzuführen. „Der leergefegte Fachkräftemarkt hat ein noch höheres Wachstum im arbeitsintensiven Handwerk verhindert“, klagt Peteranderl.

Fachkräftemangel

Für die Branche ist er längst das drängendste Problem. „Nur noch in jedem zweiten Betrieb sind alle Stellen besetzt“, so Peteranderl. Knapp ein Viertel der Unternehmen geben sogar an, dass der Personalmangel ihre Entwicklung ernsthaft einbremst. Ein wirksames Rezept gegen den Fachkräftemangel hat die Branche bisher nicht gefunden. In jedem zweiten Betrieb könnten die Aufträge ohne Überstunden nicht mehr erledigt werden. „Das ist kein Dauerrezept“, mahnt der Handwerkskammer- Präsident. Immerhin 45 Prozent der Betriebe verstärken ihre Ausbildungsbemühungen.

Zwar verzeichnet das bayerische Handwerk 2,4 Prozent mehr Auszubildende als noch im Vorjahr, doch haben die Betriebe Probleme, ihre Mitarbeiter an sich zu binden. „Es wäre viel gewonnen, wenn mehr der von uns ausgebildeten Gesellen im Anschluss an ihre Ausbildung im Handwerk blieben“, so Peteranderl. Die bittere Realität: Nach abgeschlossener Ausbildung bleiben derzeit nur 40 Prozent der Gesellen dem Handwerk erhalten – ein großer Anteil schaut sich nach einer Anstellung in der Industrie um.

Flüchtlinge

Ein Baustein bei der Bekämpfung des Fachkräftemangels könnte die Ausbildung von Flüchtlingen sein. „Da ist es aber wenig hilfreich, wenn Menschen mit Fluchthintergrund, die bereits die Übergangsklasse absolviert und einen Lehrvertrag im Handwerk abgeschlossen haben, ihre Stelle nicht antreten können, weil ihnen aufgrund einer negativen Bleibeprognose die Arbeitserlaubnis verweigert wird“, ärgert sich Peteranderl.

Er fordert Rechtssicherheit für die Betriebe in Fällen, in denen vor der Ablehnung des Asylantrags ein Lehrvertrag abgeschlossen worden ist. Die Handwerkskammer hofft auf eine Klärung bei einem Runden Tisch mit der Regierung von Oberbayern im Februar.

Wie werde ich...? Bäcker/in

Knusprig kommt das Brot aus dem Ofen: Lehrling Nicolas Herzog (r) arbeitet zusammen mit seinem Ausbilder. Er lernt bei Endorphina Backkunst in Berlin. Foto: Inga Kjer
Knusprig kommt das Brot aus dem Ofen: Lehrling Nicolas Herzog (r) arbeitet zusammen mit seinem Ausbilder. Er lernt bei Endorphina Backkunst in Berlin. Foto: Inga Kjer © Inga Kjer
Am Ende eines langen Arbeitstags hält er das Ergebnis seiner Arbeit in der Hand: Nicolas Herzog macht bei Endorphina Backkunst in Berlin eine Ausbildung zum Bäcker. Foto: Inga Kjer
Am Ende eines langen Arbeitstags hält er das Ergebnis seiner Arbeit in der Hand: Nicolas Herzog macht bei Endorphina Backkunst in Berlin eine Ausbildung zum Bäcker. Foto: Inga Kjer © Inga Kjer
Beim "Rundwirken" stellt Bäckerlehrling Nicolas Herzog einen möglichst feinporigen Teig her. Das verhindert, dass es später Luftlöcher im Brot gibt. Foto: Inga Kjer
Beim "Rundwirken" stellt Bäckerlehrling Nicolas Herzog einen möglichst feinporigen Teig her. Das verhindert, dass es später Luftlöcher im Brot gibt. Foto: Inga Kjer © Inga Kjer
Den Bäckern bei der Arbeit zuschauen: Bei Endorphina Backkunst in Berlin ist das möglich. Hier ist Azubi Nicolas Herzog bei der Brotherstellung zu sehen. Foto: Inga Kjer
Den Bäckern bei der Arbeit zuschauen: Bei Endorphina Backkunst in Berlin ist das möglich. Hier ist Azubi Nicolas Herzog bei der Brotherstellung zu sehen. Foto: Inga Kjer © Inga Kjer
Ein bisschen Mathe braucht man in der Lehre zum Bäcker auch. Azubi Nicolas Herzog muss zum Beispiel Teig und Zutaten abwiegen. Er lernt bei Endorphina Backkunst in Berlin. Foto: Inga Kjer
Ein bisschen Mathe braucht man in der Lehre zum Bäcker auch. Azubi Nicolas Herzog muss zum Beispiel Teig und Zutaten abwiegen. Er lernt bei Endorphina Backkunst in Berlin. Foto: Inga Kjer © Inga Kjer
Schuften mit Nudelholz: Wer Bäcker werden will, muss körperlich fit sein. Außerdem darf man Nachtarbeit nicht als Belastung empfinden. Üblicherweise beginnt der Arbeitstag für Bäcker um 2.00 Uhr in der Früh. Foto: Inga Kjer
Schuften mit Nudelholz: Wer Bäcker werden will, muss körperlich fit sein. Außerdem darf man Nachtarbeit nicht als Belastung empfinden. Üblicherweise beginnt der Arbeitstag für Bäcker um 2.00 Uhr in der Früh. Foto: Inga Kjer © Inga Kjer

Von Marc Kniekamp

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