Studium ist in Deutschland beliebt wie nie

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Medizinstudenten sitzen im Hörsaal Anatomie in einer Vorlesung von Professor Bechmann an der Universiät Leipzig.

Wiesbaden - Die Hochschulen in Deutschland platzen aus allen Nähten. Sie melden Spitzenwerte bei Erstsemestern, Studienanfängerquote und den Studierenden insgesamt. Mit dem Ende der Wehrpflicht könnte es 2011 weitere Rekorde geben.

In Deutschlands Hörsälen wird es eng: An den Universitäten, Fach- und Verwaltungshochschulen waren noch nie so viele Studenten und Studienanfänger eingeschrieben wie in diesem Jahr. Die Zahl der Erstsemester stieg im Sommer- und Wintersemester um insgesamt mehr als vier Prozent auf rund 442 600. Das teilte das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Mittwoch auf der Basis vorläufiger Zahlen mit.

Insgesamt lernen etwa 2,2 Millionen Studierende im laufenden Wintersemester an den Hochschulen, fünf Prozent mehr als vor einem Jahr. Mit dem Ende der Wehrpflicht wird die Zahl der Studenten zwischen Kiel und Konstanz voraussichtlich weiter steigen: Schätzungen gehen von einem Plus von 50 000 bis 60 000 aus.

Der Anteil der Studienanfänger an der gleichaltrigen Bevölkerung kletterte innerhalb eines Jahres noch einmal um drei Prozentpunkte auf den Spitzenwert von 46 Prozent. Das sind zwar mehr als die von Bund und Ländern angestrebten 40 Prozent, in vielen anderen OECD- Staaten und wirtschaftlichen Konkurrenten Deutschlands liegt die sogenannte Studienanfängerquote jedoch bereits weit über 50 Prozent.

Soldat oder Zivi: Was die Promis machten

Bund oder Zivildienst. Diese Frage stellt sich allen jungen Männern, sobald der Musterungsbescheid ins Haus flattert. Jetzt wurden beide Dienste auf sechs Monate verkürzt. Wir zeigen, welcher Promi Soldat war und wer als Zivi diente. © dpa
Harald Schmidt leistete seinen Zivildienst im Pfarrbüro der Kirchengemeinde Nürtingen (Baden-Württemberg). Auf die Frage, warum er nicht zum Bund gegangen sei antwortete Schmidt: Weil Zivildienstleistende nicht mit der Waffe töten dürfen, versuchen sie es mit Essen auf Rädern.  © dpa
Michael "Bully" Herbig dagegen leistete seinen Werhdienst mit der Waffe in der Hand beim Bund. © dpa
Der Terminator als Zivi? Absurde Vorstellung. Deswegen diente Arnold Schwarzenegger auch als Panzerfahrer beim österreichischen Bundesheer. Für eine Bodybuilding-Meisterschaft türmte er sogar aus seiner Kaserne. © dpa
Moderator und Musiker Götz Alsmann war ebenfalls beim Bund. Seine heutige Frisur passte aber wohl nicht unter den Helm. © dpa
Tote-Hosen-Sänger Campino war dagegen Zivi. Er leistete seinen Dienst in der Rheinischen Landesklinik für Psychiatrie in Düsseldorf. © dpa
Moderator und Promi-Versteher Reinhold Beckmann war Zivi in einer Jugendbildungseinrichtung. © dpa
Entertainer Thomas Gottschalk war weder Soldat noch Zivi. Er wurde als Halbwaise ausgemustert. © dpa
Gottschalks Kollege Günther Jauch entkam dem staatlichen Zwangsdienst aus einem ganz anderen Grund: Er lebte in Berlin - die Stadt war durch das Viermächteabkommen entmilitarisiert. West-Deutsche mit Wohnsitz im Westteil Berlins wurden nicht eingezogen. © dpa
RTL-Moderator Oliver Geissen ging dagegen zum Bund und robbte mit dem Gewehr in der Hand über den Boden. © dpa
Komiker Dirk Bach leistete seinen Zivildienst in Köln. © dpa
Unser Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) diente selbstverständlich in der Bundeswehr. Er leistete seinen Wehrdienst bei den Gebirgsjägern in Mittenwald. © dpa
Nationalspieler Lukas Podolski diente dem deutschen Staat als Zivi. Von April bis Dezember 2005 leistete Poldi seinen Zivildienst mit einer Sonderregelung für Spitzensportler von 15 Stunden pro Woche - und zwar im Olympia-Stützpunkt im heimatlichen Köln. © dpa
Auch Poldis Nationalmannschaftskollege Per Mertesacker war Zivi. Er diente in einer geschlossenen Anstalt für Geistigbehinderte. Mertesacker: "Für mich war das ein guter Ausgleich neben dem Fußball." © dpa
Der King of Rock 'n' Roll diente als G.I. für die US-Army in Deutschland. Elvis Presley leistete seinen Wehrdienst unter anderem von 1958 bis 1960 im Panzerbatallion der 3rd Armored Division in Friedberg (Hessen). © dpa
DSDS-Gewinner Alexander Klaws wurde wegen einer Wespengift-Allergie ausgemustert. © dpa
Sat1-Moderator Kai Pflaume war Soldat. Er diente in der Nationalen Volksarmee (NVA) der DDR. © dpa
"Isch hab' gedient", kann Hape Kerkeling sein. Und zwar als Zivi. © dpa
War ebenfalls Zivildienstleistender: Schwimmstar Paul Biedermann. © dpa
RTL-Chefredakteur Peter Kloeppel kennt dagegen den Drill auf dem Kasernenhof: Er war bei der Bundeswehr. © dpa
Auch Starkoch Johann Lafer war Soldat. Er diente im österreichischen Bundesheer. © dpa
Ex-Nationalspieler Marco Bode war Zivi. Nach eigenen Angaben erfuhr er im Altenheim „wahren Wert der Gesundheit und Jugend“. © dpa
Moderator Stefan Raab leistete 1986/1987 seinen Grundwehrdienst bei der Flugbereitschaft des Verteidigungsministeriums in Köln-Wahn ab. © dpa
Komiker Hans Werner Olm entging seiner Einberufung, indem er nach West-Berlin zog: „Ich hatte keine Lust auf Bundeswehr. Und in Berlin war man davon befreit.“ © dpa
Ex-Boxweltmeister Henry Maske war Soldat in der DDR. Er brachte es sogar zum Offizier der NVA. © dpa
Im Westen diente Moderator Jürgen von der Lippe beim Bund. Und zwar in Olivgrün. Hawaii-Hemden sind im Manöver eher unpraktisch. © dpa
Schauspieler Til Schweiger leistete kurzzeitig seinen Wehrdienst beim Bund. Dann verweigerte er den Dienst an der Waffe aus Gewissensgründen und wurde Zivi im Krankenhaus. © dpa
Muskelmann Ralf Möller dagegen zog seinen Wehrdienst beim Bund durch. Er berichtet: "Ich habe meinen Wehrdienst bei den Pipeline-Pionieren absolviert, von 1979 bis 1981, Bataillon 840 in Wuppertal-Elberfeld." © dpa
BAP-Sänger Wolfgang Niedecken diente als Zivi. Er wurde in der Altenbetreuung und beim Essen auf Rädern in Köln eingesetzt. © dpa
Rodel-Olympiasieger Georg Hackl war Sportsoldat bei der Sportfördergruppe der Bundeswehr in Bischofswiesen. Er brachte es bis zum Dienstgrad eines Stabsfeldwebels. © dpa
Altkanzler Gerhard Schröder (SPD) war zwar ein guter Fußballspieler und bestimmt tauglich. er wurde aber als Sohn einer Kriegerwitwe nicht eingezogen. © dpa
Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) Philipp Rösler war Sanitätsoffizier bei der Bundeswehr. © dpa
Grünen-Fraktionsvorsitzender musste nach dem Abitur zunächst zum Bund. Seine Kriegsdienstverweigerung war zunächst nicht anerkannt worden. Er klagte sich allerdings in den Zivildienst und arbeitete in einem Heim für schwer erziehbare Jungen bei Bremen. © dpa
Komiker Mike Krüger ging zum Bund. Er war Funkfernschreiber bei der Marine in Glücksburg, Flensburg sowie beim Marinefliegergeschwader 1 (MFG1) in Kropp/Jagel. © dpa
CSU-Ehrenvorsitzender Edmund Stoiber sitzt auf diesem Bild zwar im Panzer. Er absolvierte seinen Grundwehrdienst aber bei der Gebirgsdivision in Mittenwald und Bad Reichenhall. © dpa
Grünen-Politiker Hans-Christian Ströbele diente beim Bund. Er lehnte aber die übliche Beförderung zum Gefreiten ab. © dpa
Er hatte ein Gewehr in der Hand und war ein Soldat: Komiker Bernd Stelter war in Unna-Königsborn im Nachschub-Bataillon stationiert. © dpa

Als Ursache für das Plus nennen die Statistiker vor allem zwei Gründe: Mehr Studienberechtigte als in früheren Jahren und mehr Abiturienten, die sich für ein Studium entscheiden. Doppelte Abiturjahrgänge infolge der Gymnasialzeitverkürzung auf acht Jahre gab es 2010 nur in Hamburg und dies habe statistisch keine nennenswerte Rolle gespielt, erläutert Pia Brugger vom Statistischen Bundesamt. So legte die Zahl der Studienanfänger trotz des doppelten Abiturientenjahrgangs in der Hansestadt nur um zwei Prozent zu.

Besonders groß fiel die Steigerung bei Studienanfängern im Saarland (plus 13 Prozent), in Bayern (plus 9 Prozent) sowie in Berlin und Nordrhein-Westfalen (mit je 8 Prozent) - im Saarland und in Berlin müssen Studenten keine Gebühren bezahlen. In den neuen Bundesländern haben sich - mit Ausnahme von Thüringen - weniger Erstsemester eingeschrieben. Eine wesentliche Ursache dafür sehen die Statistiker im Geburtenrückgang im Osten Anfang der 90er Jahre.

Knapp die Hälfte der Erstsemester waren Frauen. Über den Anteil der Ausländer gibt es noch keine Zahlen. Bei den Fächern waren vor allem Bauingenieurwesen und Elektrotechnik begehrter als im Vorjahr. Allerdings haben die Statistiker bislang nur Zahlen für vier technische Fächer. Mehr als zwei Drittel aller Studierenden (1,5 Millionen) lernen an einer Universität.

Marie-Christine Reinert vom Bundesvorstand der Juso- Hochschulgruppen forderte in Berlin: “Die mindestens 60 000 nötigen zusätzlichen Studienplätze müssen schnellstens geschaffen werden, denn schon zum Wintersemester 2011/2012 brauchen wir die Kapazitäten für die erste Generation derer, die keinen Wehr- oder Zivildienst mehr leisten müssen.“ Der Bund müsse hierfür die Kosten voll übernehmen.

dpa

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