tz-Interview zum Thema

Twitter-Star Naina (17): Hat sie mit ihrer Kritik recht?

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Naina (17) traf einen Nerv.

München - Doch hat die 17-jährige Naina mit ihrer Twitter-Kritik recht?  Die tz sprach darüber mit Benjamin Brown (17), Mitglied und Sprecher des Landesschülerrats in Bayern.

Dass sich Schüler über die Schule beschweren, ist nichts Neues. Doch die 17-jährige Naina aus Köln hat mit einer kurzen Internet-Nachricht auf Twitter offenbar einen Nerv getroffen. Denn dieser Tweet verbreitet sich seit Samstagabend rasend schnell im Internet, wurde mittlerweile mehr als 13 000-mal positiv bewertet. Darin prangert sie an: „Ich bin fast 18 und hab keine Ahnung von Steuern, Miete oder Versicherungen. Aber ich kann ’ne Gedichtsanalyse schreiben. In 4 Sprachen.“ Damit traf Naina offenbar ins Schwarze und stieß eine Diskussion im Netz an.

Sie selber ist von ihrem Internetruhm und den vielen Reaktionen überrascht: „Ich bin völlig überwältigt von dem Hype“, sagte sie dem Kölner Express.

Doch hat sie mit ihrer Kritik recht? Lernen unsere Kinder in den Schulen wirklich nicht, was sie später brauchen? Die tz sprach darüber mit Benjamin Brown (17), Mitglied und Sprecher des Landesschülerrats in Bayern:

Würden Sie bestätigen, dass Schulen ihre Schüler zu wenig auf das richtige Leben vorbereiten?

Benjamin Brown (17): Im Landesschülerrat gehen die Meinungen da­rüber auseinander: Die Vertreter aus den Fachoberschulen, den Berufsoberschulen, den Berufsschulen und den Förderschulen fühlen sich gut vorbereitet. Die Mittelschulen gar nicht. Ich kann für die Gymnasien sprechen: Wir sind wie die Realschulen geteilter Meinung.

Inwiefern?

Brown: Themen wie Steuern und Versicherungen werden zwar im Unterricht angesprochen, in Fächern wie Wirtschaft und Recht etwa. Aber weder belegen das in der Oberstufe alle Schüler, noch können das alle Schüler belegen. Das hängt damit zusammen, welche Fächerkombination man wählt. Darüber hinaus gibt es noch das Fach Sozialkunde. Darin wird politische Bildung geleistet und erklärt, wie unsere Gesellschaft funktioniert. Das wird aber nur eine Stunde pro Woche gelehrt. Das reicht nicht aus.

Mehr Sozialkunde­unterricht – wäre das also die Lösung?

Brown: Es wäre definitiv ein Anfang. Allgemein wünschen wir uns auch, wie von Naina auf Twitter beschrieben, mehr Praxisnähe. Ganz konkrete Erklärungen wären sinnvoll.

Sie machen in einem Jahr Abitur. Unter Umständen ziehen Sie bald bei Ihren Eltern aus – wissen Sie denn, wie man eine Versicherung abschließt?

Brown: Nein, ich traue mir aber zu, alles Wichtige selber zu lernen.

So geht es ja offenbar nicht allen Schülern. Woher nehmen Sie das Selbstvertrauen?

Brown: Ich habe von Oktober 2013 bis April 2014 an dem Projekt Klassenzimmer unter Segeln teilgenommen. Dabei segelt man mit anderen Jugendlichen über den Atlantik und hat Unterricht an Bord eines Segelschiffes. Dabei habe ich zwar nicht alles gelernt, was ich später brauche, wurde aber selbstständiger. Meine Eltern waren ja nicht in der Nähe. Mit ist aber klar, dass diese Möglichkeit nicht allen Schülern offensteht. Daher wäre eine Änderung des Lehrplans sinnvoll.

Int.: Lukas Kurkowski

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