Märkte

Die Bedürfnisse der Kunden im Zentrum der Anlagestrategie

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In unsicheren Zeiten ist guter Rat gefragt. Dass Unabhängige Vermögensverwalter für Anleger kompetente Ansprechpartner sind, machten die Finanzspezialisten beim Finanzforum „Unabhängige Vermögensverwalter“ von Münchner Merkur / tz einmal mehr deutlich.

Geht es mit den Börsen weiter bergauf oder lauern da Risiken? Unabhängige Vermögensverwalter setzen bei der Lageeinschätzung unterschiedliche Akzente. In einem sind sie sich aber einig: Die Anlagestrategie muss die Kundeninteressen in den Vordergrund stellen.

Nachrichten suggerieren oft ein Bild der Welt, das vielen Menschen Sorgen macht. Profis sehen die Lage nüchterner, erkennen häufig sogar Chancen, wo andere nur die Risiken sehen. Zu diesen Beobachtern mit ausgewogenerem Urteilsvermögen gehören die Unabhängigen Vermögensberater. Von Berufs wegen müssen sie Entwicklungen beurteilen, damit sie ihren Kunden eine gute Hilfestellung bei der Vermögensanlage geben können.

Dass dabei auch die Anlagespezialisten zu unterschiedlichen Einschätzungen kommen, zeigt sich beim Finanzforum „Unabhängige Vermögensverwalter“ von Münchner Merkur tz. Zum Beispiel bei der Frage: Laufen die Märkte weiterhin so gut wie bislang oder muss man mit einem Ende der Entwicklung rechnen? Andreas Grünewald (FIVV) verweist darauf, dass Aktien immer noch günstig bewertet sind. Der Dax weise ein vergleichsweise niedriges Kurs-Gewinn-Verhältnis von 14 auf, die Dividendenrendite liege bei drei Prozent im Schnitt. „Die USA haben Tritt gefasst, in China geschieht viel Positives, das hierzulande unbekannt ist“, sagt Grünewald, der auch in Japan und in Europa stabile Trends erkennt. „Die Welt ist besser, als allgemein angenommen wird“, macht Grünewald Mut.

Anleihen leiden unter Niedrigzins-Phase

„Die Märkte blenden derzeit die politischen Risiken aus“, sagt Christian Fischl (Huber Reuss & Kollegen). Die Unternehmensergebnisse fürs erste Quartal seien gut, so steigen die Aktien weiter. Vorsichtiger prognostiziert Fischl die Perspektiven fürs zweite Halbjahr. „Unsere Kunden sind derzeit mit ihren Ergebnissen sehr zufrieden, aber man muss aufpassen.“ Jetzt sei ein gutes Risikomanagement gefragt.

Im Allgemeinen leiden Anleihen unter der Niedrigzins-Phase. Doch auch hier gibt es für Anleger noch einiges zu holen – sowohl durch Kursentwicklung als auch in Nischenmärkten, betont Kathrin Eichler (Eichler & Mehlert): „Bis November waren Anleihendepots sogar die Gewinner am Markt.“ Im Schnitt seien fünf bis sieben Prozent Rendite mit Anleihen zu erwirtschaften, „Voraussetzung ist allerdings ein aktives Management“. Lars Hunsche (AHP Capital Management) setzt ebenfalls neben Aktien auf Anleihen, insbesondere im Hochzinssegment (High Yield) und bei Papieren mit höherem Risiko (BB- und B-Ratings). Hier seien allerdings ausgefeilte Frühwarnsysteme notwendig, Werkzeuge, die schnelle Analysen ermöglichen. „Die AHP setzt auf ein quantitatives System von Moody‘s und kann damit 34.000 Unternehmen täglich beobachten“, sagt Hunsche. Die Vermögensverwalter seien auf diese Weise mit Gewinnen aus Papieren ausgestiegen, die später fielen, oder konnten unterbewertete Anleihen finden, bei denen sich der Kurs nach dem Kauf sehr deutlich nach oben bewegt hat.

Wenig Euphorie beobachtet Christian Mallek (Sigavest) bei den Anlegern. „Da wir systematisch die Aktienstrategien besonders erfolgreicher Manager suchen und auswählen, spielt Markteinschätzung bei uns eine sehr untergeordnete Rolle. Wenn wir im Rahmen unseres Konzeptes herausragende und oftmals wenig bekannte Anlagestrategien erwerben, erfahren unsere Investoren aktienähnliche Renditen bei deutlich reduziertem Risiko.“

Für Verunsicherung sorgen der globale Wandel und Ereignisse wie der Brexit, bemerkt Hans-Jürgen Friedrich (KFM Deutsche Mittelstand), der genau darin andererseits Chancen für Mittelstandsanleihen erkennt. Allerdings fehle der Blick auf die Hidden Champions, die vom Wandel profitieren. „48 Prozent der mittelständischen Weltmarktführer kommen aus Deutschland“, sagt Friedrich, und viele von ihnen gäben lieber Anleihen heraus, als durch Aktienemissionen ihr Eigenkapital zu verwässern. Hinter der hohen Skepsis der Kunden stünden auch durch politische Themen geschürte Ängste, beobachtet Matthias Bohn (P&S Vermögensberatung). „Hier müssen wir die Kunden abholen.“ Die Kunden vertragen nach seiner Einschätzung unterschiedliche Aktienquoten – dies müsse in der Beratung individuell geklärt werden. Neben Anleihen seien Aktien wichtig allein schon vor dem hohen Verschuldungsgrad in der Welt.

im aktuell herausfordernden Marktumfeld defensive Optionsstrategien ein, um das Risiko von Aktienpositionen aktiv zu steuern und zu reduzieren. „Der Kunde erhält so eine auf seine individuelle Rendite-/ Risikopräferenzen maßgeschneiderte Anlagelösung.“ Der digitale Vermögensverwalter Scalable setzt hinter jedes Kundenportfolio eine mathematisch formulierte Risikobandbreite, erklärt Erik Podzuweit. Er hat dabei Erstaunliches festgestellt: „Das so definierte Rendite-Risiko-Verhältnis lässt heute einen größeren Aktienanteil bei gleichen Risikoschwellen zu wie noch vor einiger Zeit.“ Die mathematischen Algorithmen berücksichtigen zum Beispiel die Schwankungsintensität der Aktienkurse. Diese zeigen – so Podzuweit – auch, dass die Märkte derzeit nicht nervös seien.

„Wasser in den Wein“ goss Ralf Borgsmüller (PSM Vermögensverwaltung). So liege die Bewertung des amerikanischen Aktienmarkts über den historischen Höchstständen. Viele US-Aktien würden zudem auf Kredit gekauft, und die meisten Aktien seien „dramatisch überbewertet.“ PSM habe daher die Aktienquote derzeit auf 20 Prozent heruntergefahren. Die Anzeichen für eine Rezession in den USA im zweiten Halbjahr seien gestiegen. Als werterhaltendes Instrument seien zehn bis 15 Prozent der Anlagegelder derzeit in physisches Gold investiert.

„Wir haben in allen Anlagemodellen auch Gold“, sagt Gerhard Friedenberger von der gleichnamigen Vermögensverwaltung. Die Anteile Riedbetragen drei bis sieben Prozent. Insbesondere bei Portfolios mit hohen Aktienanteilen sei auch der Goldanteil hoch.

In der Anlagewelt haben vor allem die börsennotierten Indexfonds (ETFs) einen immer stärkeren Zulauf. Michael Friebe (Value Asset Management) sieht darin Gefahren: „Der enorme Kapitalzufluss in Index-ETFs hat dazu geführt, dass viele hochkapitalisierte Aktien sehr teuer geworden sind und mit ihrer Gewichtung

den Index dominieren. Kommt es bei diesen Titeln zu einer Verkaufswelle, dann werden die Indizes und ETFs entsprechend stark fallen.“ Günstig bewertete Value-Aktien seien hingegen in ETFs kaum vertreten; sie böten derzeit ein enormes Kurspotenzial. „Nach dem Platzen der TMT-Blase im Jahr 2000 sind unterbewertete Value- Aktien um mehr als 100 Prozent gestiegen“, sagt Friebe. Ähnliches könne sich jetzt wiederholen. Es sei viel Liquidität am Markt, die weiterhin in Aktien fließen werde, ist Konrad Burner (KB-Vermögensverwaltung) überzeugt. Generell sei die Lage für Unternehmen gut, Stichworte niedrige Zinsen, hohe Beschäftigungsrate. Bei der Geldanlage komme es nun aber auf die richtige Mischung an – sowohl bei der Auswahl von Aktien wie auch beim Verhältnis Aktie/Anleihe. In jedem Falle müssten die Einzeltitel genau analysiert werden.

Derzeit werden allgemein die Aktienquoten oftmals ohne Berücksichtigung der individuellen Kundenbedürfnisse erhöht, stellt Markus Riedmaier (Quattro Folio) fest. „Wir müssen aber darüber aufklären, dass damit auch Risiken verbunden sind.“ Diese könne man begrenzen zum Beispiel mit Zertifikaten. Sie sind daher ein sinnvoller Baustein in seiner Anlagestrategie. Michael Gillessen lenkt den Blick auf einen anderen Unsicherheitsfaktor: die künftige Besteuerung von Fonds. Hier würden Falschinformationen für Irritationen sorgen. „Tatsächlich werden Aktien in Fonds künftig bevorzugt behandelt, und für Altbestandsanteile wird es einen Freibetrag von 100.000 Euro für zukünftige Gewinne geben.“

Als Fazit der Diskussionsrunde stellt Melanie Fulczyk (Berenberg) fest: „Der Anleger sollte darauf achten, einen Vermögensverwalter an seiner Seite zu haben, der in seinem Sinne arbeitet. Im Mittelpunkt sollte eine lösungsorientierte Strategie stehen und nicht der Vertrieb von Produkten. Leicht verdientes Geld gibt es nicht mehr, daher wird es immer wichtiger, dass die Anleger Profis an ihrer Seite haben, die sie begleiten.“

Alle Infos zum Finanzforum "Unabhängige Vermögensverwalter" finden Sie hier.

Die Teilnehmer des Finanzforums „Unabhängige Vermögensverwalter“ im Überblick

  • AHP Capital Management GmbH: Lars Hunsche, Managing Partner
  • Berenberg Vermögensverwalter Office: Andreas Brückner, Prokurist Michael Gillessen, Direktor, Leiter Vermögensverwalter Office Melanie Fulczyk, Prokuristin
  • Eichler & Mehlert Finanzdienstleistungen GmbH: Kathrin Eichler, Geschäftsführende Gesellschafterin
  • FIVV AG: Andreas Grünewald, Vorstand
  • FPM Frankfurt Performance Management AG: Thomas F. Seppi, Vorstand
  • Gerhard Friedenberger Vermögensverwaltung und Family Office GmbH: Gerhard Friedenberger, Geschäftsführer
  • Huber, Reuss & Kollegen Vermögensverwaltung GmbH: Christian Fischl, Geschäftsführer
  • KB-Vermögensverwaltung GmbH: Konrad Burner, Geschäftsführender Gesellschafter
  • KFM Deutsche Mittelstand AG: Hans-Jürgen Friedrich, Vorstand
  • KJL Capital GmbH: Markus Lemkis, Geschäftsführender Gesellschafter
  • Mediengruppe Münchner Merkur: Daniel Schöningh, Geschäftsführer Andrea Schaller-Öller, Verlagsleitung Werbemärkte
  • P&S Vermögensberatungs AG: Matthias Bohn, Vorstand
  • PSM Vermögensverwaltung GmbH: Ralf Borgsmüller, Partner
  • Quattro!Folio! GmbH: Vermögensmanagement Markus Riedmaier, Geschäftsführender Gesellschafter
  • Scalable Capital GmbH: Erik Podzuweit, Co-CEO
  • Sigavest Vermögensverwaltung GmbH: Christian Mallek, Gschäftsführender Gesellschafter
  • Universal-Investment: Stefan Klein, Direktor Private Label Business Development
  • Value Asset Management GmbH: Michael Friebe, Partner
  • Moderation: José Macias, Jürgen Grosche, Dr. Patrick Peters

Von Jürgen Grosche

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