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Bei der Geldanlage zählt Qualität

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Unabhängige Vermögensverwalter verfolgen bei der Geldanlage unterschiedliche Strategien. Davon profitieren Anleger – sie können sich die Verwalter aussuchen, die am besten den eigenen Vorstellungen entsprechen.
Unabhängige Vermögensverwalter verfolgen bei der Geldanlage unterschiedliche Strategien. Davon profitieren Anleger – sie können sich die Verwalter aussuchen, die am besten den eigenen Vorstellungen entsprechen. © Marcus Schlaf

Unabhängige Vermögensverwalter unterscheiden sich bei ihren Anlagestrategien. Gerade darin zeigt sich ihre Individualität und Unabhängigkeit.

An den Märkten steigt die Unsicherheit, Kurse schwanken stärker. Umso mehr sind Profis gefragt, die werthaltige Investments finden. Davon gibt es mehr, als viele denken.

Sollte man jetzt bei der Vermögensanlage noch auf Aktien setzen – oder sind die zu teuer? Und wie sieht es mit Anleihen aus? Unabhängige Vermögensverwalter – allesamt erfahrene Profis in der Geldanlage – unterstreichen in ihren Einschätzungen und Strategien vor allem eines: ihre Unabhängigkeit und Individualität. Dabei kommen sie durchaus zu unterschiedlichen Bewertungen, die sie gut begründen können. Vorteil für Anleger: Sie können vergleichen, welche Anlagephilosophie am besten mit den eigenen Vorstellungen korrespondiert.

Die Spannbreite der Profi-Meinungen reicht von Optimismus bis zu sehr skeptischen Prognosen oder – so beim Finanzforum „Unabhängige Vermögensverwalter“ des Münchner Merkur tz – von Andreas Grünewald (FIVV) bis Ralf Borgsmüller (PSM). „Die Welt ist besser, als die meisten Beobachter denken“, sagt Grünewald. In Deutschland seien Aktien mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 12 bis 13 günstig bewertet, in den USA mit 15 bis 16 normal. Auch andere Daten wie steigende Bildung und Kaufkraft oder aus den Themenfeldern Digitalisierung und Innovation sprechen nach seiner Ansicht für ein positives Umfeld. Vor allem aber China, das mit seinen über 100 Millionenstädten Unternehmen aus vielen Branchen ein großes Potenzial für Geschäfte biete.

Auf der anderen Seite warnt Ralf Borgsmüller vor drohenden Gefahren. Die Geldschwemme der Notenbanken und die Spekulationen zu Nullzinsen hätten zu „veritablen Preisblasen“ nahezu aller Asset-Klassen geführt. Damit sei es nun bald vorbei, weil die US-Notenbank die Zinsen erhöht und dem Markt Geld entzieht. „Weitere Gewitter werden folgen“, ist Borgsmüller überzeugt. Die jüngsten Höchstkurse bei Aktien werden wahrscheinlich für viele Jahre nicht mehr überschritten. Chancen sieht der Experte dennoch – selektiv bei Anleihen, Edelmetallen und dem US-Dollar. Bei Aktien setzt Ralf Borgsmüller nur noch selektiv auf Japan. Dort pumpe die Notenbank weiter Geld in den Markt, was diesen unterstützt.

Alle Infos zum Finanzforum "Unabhängige Vermögensverwalter" finden Sie hier.

Selektion ist das Gebot der Stunde – davon gehen einige Anlagespezialisten aus, zum Beispiel Elmar Baur (Fundament Capital), der Initiator des noch sehr jungen Mischfonds Fundament Total Return ist. Stock picking, also das gezielte Auswählen von Aktien, und ein konzentriertes Portfolio – darauf komme es jetzt an. „In den aktuellen Märkten können wir unsere Vorteile ausspielen“, ist Baur überzeugt.

„Auf Diversifikation und Qualität achten und weiter gezielt auf Aktien setzen“, dieser Devise folgt auch Christian Fischl (Huber, Reuss & Koll.). Aber nach einer schon über zehn Jahre wachsenden Wirtschaft wird die Luft nach oben dünner, nach wie vor fehlen indes die Alternativen, beobachtet Fischl. Er geht davon aus, dass die Börsen in diesem Jahr „unter Nervosität weiter steigen werden“. Diese „Rückkehr der Volatilität“ beobachtet Andreas Kneidl (Bankhaus Jungholz) ebenfalls – auch, weil der US-Präsident Trump die Märkte verunsichere. „Wir haben die Aktienquote etwas reduziert, sie bleiben aber ohne Alternative“, sagt Kneidl. Und Parallelen zu den Crash-Zeiten der Dotcom- oder der Immobilienblase sieht er nicht. „Dafür agieren sowohl Profis als auch Privatanleger zu zurückhaltend. Gier, die Übertreibungen kennzeichnet, ist noch nicht zu erkennen.“

Nun aber einfach nach defensiven Aktien Ausschau zu halten, ist Stefan Calefice (Belvoir Capital) zu wenig. Dass sie mehr Sicherheit bieten, hält er für einen Mythos: „In Korrekturphasen fallen sie ebenfalls.“ In unsicheren Zeiten solle man sich – anders, als viele nahelegen – nicht breiter aufstellen, sondern konzentrierter. Mit einer guten Selektion habe man derzeit die besten Chancen.

Stock picking, werthaltige Aktien finden – darin sieht Thomas F. Seppi (FPM) die aktuelle Herausforderung für Anlageprofis. Die derzeitige Volatilität biete dafür sogar gute Chancen. „Aktive Strategien sind jetzt gegenüber passiven im Vorteil“, betont Seppi. Außerdem investieren Aktienanleger damit in wachsende Unternehmen, die in Substanz und Wert zulegen.

Aktien ja, aber leicht untergewichtet – dieser Strategie folgt Oliver Hiltscher (Novethos). Die Marktdaten (für Profis: die Technik und quantitative Modelle) hätten sich verschlechtert. „In dieser Situation gewinnt ein aktives Management an Bedeutung“, bestätigt Hiltscher.

„Viele Kunden brauchen ein regelmäßiges Einkommen aus ihrer Anlage“, wendet Rainer Fritzsche (OvidPartner) ein, der für Anleihen eine Lanze bricht. Dass gut ausgewählte Papiere unter einem deutlichen Zinsanstieg stark leiden, befürchtet er nicht. Damit sei nur bei höherer Inflation etwa durch Lohnsteigerungen zu rechnen. „Höhere Löhne werden aber durch digitale Einsparungen ausgeglichen.“ Infrastrukturanleihen zählen für Fritzsche zu den bevorzugten Investments. Da gebe es durchaus Titel mit Zinsen von fünf bis sieben Prozent und dennoch geringer Ausfallgefahr.

Christoph Grote (KFM Deutsche Mittelstand AG) sieht insbesondere in Anleihen der Hidden Champions von mittelständischen Unternehmen gute Chancen. „Es kommt wie bei allen Anlagen aber darauf an, das Chancen-/ Soliditätsprofil genau zu analysieren. Ein aktives Fondsmanagement, welches einen stringenten Auswahl- und Überwachungsprozess verfolgt, ist in chancenreichen Nischenmärkten unerlässlich.“

Interessante Bonds findet Marion Gridl (Gridl) ebenfalls, zum Beispiel in Asien. Zusammen mit werthaltigen (Value-) Aktien gebe es derzeit „viele attraktive Anlagemöglichkeiten“. Natürlich müsse man das Vermögen mit einem aktiven Management gegen Risiken absichern. Ähnlich sieht es Saskia Bernhardt (Amundi): „Wir sind weiterhin positiv für Aktien eingestellt, europäische Staatsanleihen bieten aktuell eine relativ niedrige Rendite im Verhältnis zum Zinsänderungsrisiko. Andere Sektoren wie EM Staatsanleihen erscheinen uns wesentlich attraktiver.“ Die Anlagespezialisten beobachten eine zunehmende Nachfrage nach Cash-Ersatzlösungen.

„Liquide Anlagen zu haben, ist wichtig“, stimmt Gottfried Urban (Bayerische Vermögen) zu und verweist auf Aktien, Renten und Cash. Für europäische Aktien konstatiert er ein faires Bewertungsniveau. Zwar befinde sich die Konjunktur in einem späten Aufschwungszyklus. Da aber die Zinsen kaum steigen, könnte die Konjunktur weiter laufen. Bei Renten gehe man derzeit höhere Risiken ein, Urban hält daher andere Cash-Instrumente für geeigneter.

„Eine langfristige Investition sollte eine gute Aktienquote haben.“ Dr. Wilhelm Berghorn (Mandelbrot) ist sich dabei mit den Diskussionsteilnehmern einig. Es gebe beim Aktienkauf kein „teuer oder billig“, dagegen komme es auf den Anlagehorizont an und auf die Entwicklung der Unternehmen. Vor Trump haben im Übrigen nach seiner Beobachtung die meisten Marktteilnehmer keine Angst: „Er ist für sie ein Geschäftsmann, pokert hoch, um bessere Deals zu machen.“

„Wir haben keine persönliche Marktmeinung, sondern folgen einem regelgebundenen Ansatz“, erklärt Erik Podzuweit die Strategie des digitalen Vermögensverwalters Scalable Capital. Die höhere Volatilität an den Märkten halte vermutlich länger an, deswegen habe das durch Algorithmen gesteuerte Modell die Aktienquote von 80 auf aktuell 50 Prozent gesenkt.

„An den Aktienmärkten gibt es nach wie vor einige spannende Themen zu entdecken, ebenso im Markt der Hochzinsanleihen“, merkt Dr. Norbert Hagen (ICM) an. Er nennt als Beispiel Schwellenländer. So böten etwa Supermärkte in Lateinamerika oder Minengesellschaften in Asien interessante Renditen, insbesondere dann, wenn die oft unabhängigen Mikromärkte nicht von den globalen Entwicklungen abhängen. Über die großen Märkte äußert sich Hagen eher zurückhaltend: „Sollten die US-Börsen fallen, könnten sie andere mit sich ziehen – und zwar völlig unabhängig davon, wie positiv dort die Rahmendaten aussehen.“

Als Spezialist im Gesundheitsmarkt sieht Dr. Andreas Bischof (nova funds) dort spezielle Chancen für Anleger. In den nächsten 50 Jahren wachsen die Gesundheitsausgaben stärker als die Gesamtwirtschaft, zitiert er aus einer OECD-Studie. „Daher sollten sich auch die Aktien der entsprechenden Unternehmen überdurchschnittlich entwickeln.“ Das zeige auch die Vergangenheit: Während der Finanzkrise sei der Gesundheitssektor gleichförmig weitergestiegen.

Andreas Gessinger (Universal-Investment) beobachtet sowohl bei den Fonds der Vermögensverwalter als auch bei institutionellen Spezialfonds einen anhaltenden Trend weg von Rentenpapieren hin zu Aktien. „Institutionelle Anleger gehen aber auch in illiquide Anlagen wie zum Beispiel Immobilien oder Infrastruktur.“ Auch nachhaltiges Investieren wird zunehmend gefragt. „So haben wir in der jüngeren Vergangenheit einige entsprechende Nachhaltigkeitsfonds aufgelegt oder bestehende Produkte umstrukturiert.“

Zusammenfassend würdigt Michael Gillessen (Berenberg) diese Vielfalt der Meinungsäußerungen. Gemeinsam sei allen, dass sie mögliche Ertragskomponenten für den langfristigen Vermögenserhalt und -aufbau aufzeigten – „wohltuend, da derzeit enorme Summen zu Minuszinsen auf den Konten liegen“.

JÜRGEN GROSCHE

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