ANLAGE & FINANZEN

Die ideale Visitenkarte

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Unabhängige Vermögensverwalter verfolgen bei der Geldanlage unterschiedliche Strategien. Davon profitieren Anleger – sie können sich die Verwalter aussuchen, die am besten den eigenen Vorstellungen entsprechen.

Mit Fonds zeigen Vermögensverwalter ihre Anlagestrategien und bieten Anlegern Zugang zu Investments, die ihnen sonst nicht offenstehen.

Immer mehr Unabhängige Vermögensverwalter legen eigene Investmentfonds auf – und machen damit ihr Können auch einem breiteren Publikum zugänglich. Vor allem Spezialitätenfonds können eine Alternative sein.

Die Zahl ist beeindruckend: Über zwei Billionen Euro Anlegergelder werden in Deutschland in Investmentfonds verwaltet. Auch jenseits der großen Publikumsfonds- Gesellschaften wie Deka, Union und DWS etablieren sich immer mehr Unabhängige Vermögensverwalter mit ihren eigenen Fondsideen. „Die Hälfte der Mitglieder in unserem Verband Unabhängiger Vermögensverwalter Deutschland, VuV, verfügt über eigene Fonds. Üblicherweise sind es ein bis fünf Fonds pro Vermögensverwalter – und die Tendenz ist steigend“, bestätigt Andreas Grünewald (FIVV und Vorsitzender des Verbandes). Beim Finanzforum „Unabhängige Vermögensverwalter“ von Münchner Merkur tz wurde eifrig über die Fonds von Vermögensverwaltern diskutiert.

Denn während es einige Vermögensverwalterfonds zu beträchtlichen Milliardensummen gebracht haben, sind vor allem die vielen Spezialitätenfonds dem breiten Publikum nicht immer bekannt. „Dabei ist der Fonds die ideale Visitenkarte des Vermögensverwalters, denn er kann mit einem Fonds nicht nur seine Anlagestrategie für ein breites Publikum öffnen, sondern so auch seine Leistungsfähigkeit zeigen“, betont Grünewald die positive Wirkung. Und er macht gleichzeitig deutlich, dass es wesentliche Unterschiede zu den bankeneigenen Fonds gibt: „Wir Vermögensverwalter investieren nicht nur unser eigenes Geld in unsere Fonds – wir sind in der Regel ein Leben lang mit unseren Fonds verwachsen.“ Der Fonds als Visitenkarte – diese Idee überzeugt auch immer mehr Vermögensverwalter. Das bestätigt Michael Gillessen vom Berenberg Vermögensverwalter Office: „In den letzten Jahren sind viele Neugründer unter den Vermögensverwaltern mit neuen Fonds gestartet, das war früher anders. Von den rund 50 Existenzgründungen, die wir in den vergangenen fünf Jahren begleitet haben, haben 40 einen eigenen Fonds aufgelegt!“

Alle Infos zum Finanzforum "Unabhängige Vermögensverwalter" finden Sie hier.

Erik Podzuweit vom erfolgreichen Fintech Scalable Capital Vermögensverwaltung setzt zwar ETFs anstelle von Fonds in den Kunden-Depots ein, verweist aber auf die Vorteile: „Es macht für Vermögensverwalter Sinn, Fonds als Visitenkarte der eigenen Anlagestrategien zu nutzen, vor allem bei Spezialisierungen. Anders ist das bei den Banken: Der Bankberater, der Fonds verkauft, um sich damit selbst zu subventionieren, das ist ein sterbendes Modell.“ Er schwärmt von den technischen Möglichkeiten der Robo-Advisor, mit denen etwa Scalable seine rund 20.000 Kunden individuell abholt: „Wir nennen das digitales Händchenhalten, das können Bankberater – im Gegensatz zu Vermögensverwaltern – nicht.“

„Das muss man allerdings relativieren“, entgegnet Saskia Bernhardt von Amundi Deutschland. „Die Amundi- Studie aus 2017 zeigt: Die meisten Kunden ziehen trotz Internet die persönliche Beratung bei komplexeren Finanzprodukten vor. Das muss ganz klar Berücksichtigung beim Beratungsangebot finden – auch wenn wir uns als Haus selbstverständlich mit dem Thema Robo-Advice beschäftigen.“

Christian Fischl von Huber, Reuss & Kollegen stellt kritisch fest, dass von über 20 Fintechs auf dem deutschen Markt „derzeit nur ein einziger klassische Investmentfonds in seine Strategie einbindet, fast alle anderen haben nur ETFs“. Seine Vermögensverwaltung hat durchaus auch eigene erfolgreiche Fonds aufgelegt und damit gute Erfahrungen gemacht. Allerdings sieht er den Markt insgesamt kritisch: „Es gibt viel zu viele kleine, unbekannte Fonds, und da wird es sicherlich bald eine Konsolidierung geben.“ Er bedauert, dass durch das Verkaufsverhalten und Provisionsdenken der Banken in der Vergangenheit bei vielen Kunden fast eine „Fondsallergie“ entstanden sei: „Wir Vermögensverwalter müssen uns daher noch klarer als transparenter, kompetenter und moderner Dienstleister aufstellen und uns deutlich abgrenzen.“

Thomas Seppi (FPM Frankfurt Performance Management) schätzt vor allem die vielen Vorteile, die ein Fondsmantel bietet. „Wir sind sehr glücklich, dass wir eigene Fonds haben, denn der Mantel eines Fonds ist die sicherste Vermögensanlage, die ein Kunde haben kann“, sagt er mit Blick auf das insolvenzsichere Sondervermögen, das ein Fonds darstellt. „Fonds haben deshalb weiterhin eine positive Zukunft, das unterstreichen auch die steigenden Fondszahlen.“

Melanie Fulczyk (Berenberg VVO) verheißt insbesondere den Fonds der Unabhängigen Vermögensverwalter gute Aussichten: „Fonds sind für Vermögensverwalter eine gute Lösung, um auch weniger vermögende Anleger als Zielgruppe zu erreichen. Diese können so auch mit kleineren Beiträgen vom Know-how des Vermögensverwalters profitieren.“

Auch Marion Gridl hat sich bei der Gründung der Gridl Asset Management entschieden, einen eigenen Fonds aufzulegen – und hat das nicht bereut: „Nicht zuletzt die höheren Anforderungen durch die Regulierung haben uns dazu bewogen, denn im Fonds wird schließlich jeder Kunde gleich behandelt.“

„Fonds sind wie ein Schaufenster, mit dem der Vermögensverwalter zeigen kann, wie gut er ist“, argumentiert Dr. Norbert Hagen (ICM InvestmentBank). „Viele Vermögensverwalter haben Angst, dass sie zu transparent werden – aber diesem Wettbewerb muss man sich stellen. Fonds haben außerdem im Vergleich zu Einzelinvestments einen weiteren Vorteil: Der Papieraufwand ist deutlich geringer.“

Und der ist nicht zu unterschätzen. So verweist Andreas Gessinger von Universal Investment auf eine Fondsgesellschaft, die durch die Verschärfung der Regulierung zum Jahreswechsel rund 560 Tonnen Papier produzieren musste. „Dafür erhält der Anleger ein hohes Maß an Sicherheit. Fonds garantieren hohe Qualitätsstandards, auch was die laufende Aufsicht durch Wirtschaftsprüfer und Aufsichtsbehörden sowie die gegenseitige Kontrolle von Kapitalverwaltungsgesellschaft und Verwahrstelle angeht.“

Auch Stefan Calefice (Belvoir Capital) schätzt die Vorzüge von Fonds. „Der Fonds ist ein gutes Hilfsmittel, um unsere Investmentideen gerade in den Nischen gut darzustellen und Informationen einfach zu transportieren. Allerdings müssen wir uns auch beim Thema Technologie und Digitalisierung weiterentwickeln, wenn wir die nächste Kundengeneration überzeugen wollen.“

„Im digitalen Zeitalter ist die Transparenz der Investments eine obligatorische Pflicht“, betont Christoph Grote (KFM Deutsche Mittelstand AG). „Anleger möchten nachvollziehen können, in welche Titel ein Fonds das Geld investiert, und damit eine Pulsfühlung zu ihrer Geldanlage haben.“

Dr. Wilhelm Berghorn von Mandelbrot Asset Management sieht in den Vermögensverwalter-Fonds sogar eine Alternative zu den ETFs, die immer mehr an Beliebtheit gewinnen: „Ich betrachte den ETF-Markt mit Sorge, denn hier werden passiv oftmals viele Milliarden in einen einzigen ETF investiert. Aktiv verwaltete Fonds von Vermögensverwaltern können daher gerade in den Marktnischen ihre Stärken ausspielen.“

„Außerdem“, ergänzt Andreas Kneidl (Bankhaus Jungholz), „sind Fonds auch für das Ansparen sehr gut geeignet – und Kunden mit kleineren Vermögen erhalten dennoch die Leistung einer professionellen Vermögensverwaltung.“ Michael Gillessen ist ohnehin davon überzeugt, dass die Vermögensverwalter- Fonds bei vielen Anlegern in Zukunft eine größere Rolle spielen werden. „Die Regulierung führt unter anderem dazu, dass Anleger bei vielen Finanzdienstleistern keine Anlageberatung mehr erhalten, weil der Aufwand für die Beratung nicht durch entsprechende Erträge abgedeckt ist. Für breite Kreise der Bevölkerung wird es daher in Zukunft nur noch zwei Möglichkeiten geben: Digitale Vermögensverwaltung oder Investmentfonds.“

JOSÉ MACIAS

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