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Orientierung für Anleger in turbulenten Zeiten

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Abbiegen – aber wohin? Anleger stehen oft vor dieser Frage wie Autofahrer im Straßengewirr. Gut, wenn hier kundige Ratgeber helfen können. © Thinkstock/treakandshoot

Heuer ist es nicht einfach, Geld sicher und gewinnbringend anzulegen. Unabhängige Vermögensverwalter punkten hier mit ihrer Fachkenntnis – und eben damit, dass sie nicht aus Vertriebsinteressen Anlageprodukte verkaufen müssen.

Die Finanzkrise hat auch bei den Banken zu Veränderungen geführt, insbesondere bei den Bankberatern: Einengende Vorgaben aus der Führungsebene der Bank, Produktverkauf statt Beratung – so mancher Bankberater hat einen Schlussstrich gezogen und den Weg in die Selbstständigkeit gesucht. „Rund 85 Prozent der heute in der Unabhängigen Vermögensverwaltung tätigen Berater waren zuvor in der Vermögensverwaltung einer Bank oder Sparkasse beschäftigt“, meldet der Verband unabhängiger Vermögensberater (VuV).

Die Interessenvertretung der Branche, in der 280 der rund 400 Unabhängigen Vermögensverwalter Deutschlands organisiert sind, sieht genau in diesem Drang nach Unabhängigkeit und der individuellen, persönlichen Betreuung einige wichtige Vorteile gegenüber der klassischen Bankberatung. Doch während die Unabhängigen in anderen Ländern wie der Schweiz oder den USA eine herausragende Rolle spielen, ist vielen deutschen Anlegern ihr Wirken weniger bekannt. Das Finanzforum „Unabhängige Vermögensverwalter“ von Münchner Merkur tz ist daher zu einem wichtigen Austausch der Branche geworden. 22 Experten kamen am Runden Tisch im Verlagshaus in der Münchner Innenstadt zusammen, um über Anleger, Märkte und Chancen zu diskutieren.

Die Unabhängigen Vermögensverwalter punkten vor allem damit – wie der Name sagt –, dass sie nicht auf Vorgaben einer Bank oder eines Finanzinstituts achten müssen, irgendwelche Produkte zu verkaufen, um durch Provisionen die Erträge zu erhöhen. Dennoch ist ihr Bekanntheitsgrad in Deutschland noch gering – sie verwalten gerade einmal fünf Prozent der Vermögens-Volumina.

Alle Infos zum Finanzforum "Unabhängige Vermögensverwalter" finden Sie hier.

Doch das ändert sich allmählich. „Wir sehen gute Chancen für Unabhängige Vermögensverwalter“, betont Andreas Grünewald. Er ist als Vorsitzender des Vorstandes des Verbandes unabhängiger Vermögensverwalter Deutschland (VuV) der oberste Repräsentant der Branche. Und zählt darüber hinaus als Gründer und Vorstand der Münchner Vermögensverwaltung FIVV AG zu den etablierten Unabhängigen in Bayern. Der Verband wächst kräftig: „Seit Anfang 2017 haben wir rund 50 zusätzliche Mitglieder aufgenommen, und das in einem sonst stagnierenden Markt.“

„Finanzportfoliomanager“, wie sich die Unabhängigen Vermögensverwalter im modernen Amtsdeutsch nennen dürfen, müssen einen Vergleich zum Wealth Management bei einer renommierten Bank nicht scheuen. Im Gegenteil: Bei der Regulierung werden sie den gleichen strengen Regeln unterzogen wie bei einer Bank. Ihre Zulassung wird über die Finanzaufsichtsbehörde BaFin geregelt – unabhängig davon, ob es sich um eine kleine Vermögensverwaltungseinheit handelt oder um einen der Großen am Markt wie Dr. Jens Ehrhardt oder Flossbach von Storch, die Milliarden für ihre Anleger verwalten.

Andreas Grünewald betont vor allem die Unterschiede zu den Banken. Da spielt auch die Größe eine Rolle: Die meisten Vermögensverwalter beschäftigen zwischen fünf und 20 Mitarbeiter – das garantiert kurze und schnelle Wege. Und natürlich das Wesentliche, so Grünewald: „Bei der Auswahl der Investments sind Vermögensverwalter absolut unabhängig.“

„Vermögensverwalter werden nach Leistung, auf Honorarbasis, vergütet – für die meisten Anleger ist das ein Vorteil gegenüber dem Provisionsmodell, das vor allem die Banken und Vertriebsorganisationen haben“, argumentiert Grünewald. Er ist ein glühender Verfechter der Aufklärung: „Es gibt für beide Modelle, Provision oder Honorar, seine Berechtigung: Wichtig ist nur, dass der Anleger die Unterschiede kennt.“

Seit Jahren setzt sich der Verband daher für mehr Aufklärung in Geldangelegenheiten bei den Bundesbürgern ein, denn: „Ökonomische Bildung ist der beste Verbraucherschutz.“ Stattdessen hat der Staat die Regulierung noch stärker angezogen, das macht nicht immer Sinn. Auf die jüngste Finanzmarktrichtlinie Mifid II ist Andreas Grünewald daher nicht nur gut zu sprechen: „Der Dokumentationswahn hat nochmals zugenommen. Die letzten Monate waren für uns Vermögensverwalter von überbordender Regulierung geprägt. Allein die Fülle der Dokumente, die ein Anleger bei jedem Beratungsgespräch, geschweige denn Abschluss eines Vermögensverwaltungsvertrages ausfüllen muss, hat geradezu groteske Züge angenommen.“

Popularität haben viele Vermögensverwalter dadurch erreicht, dass sie ihre Anlagestrategien auch in Investmentfonds anbieten. „Ein eigener Fonds ist die ideale Visitenkarte des Vermögensverwalters, denn er kann mit einem Fonds nicht nur seine Anlagestrategie für ein breites Publikum öffnen, sondern so auch seine Leistungsfähigkeit zeigen“, so Grünewald. Ein Thema, das beim Finanzforum am Runden Tisch ebenfalls eifrig diskutiert wurde, wie auf den nächsten Seiten zu lesen ist.

JOSÉ MACIAS

Vermögensverwalter gesucht?

Unabhängige Vermögensverwalter, sprich Finanzportfolioverwalter, sollten nicht mit Finanzberatern oder anderen Dienstleistern im Finanzbereich verwechselt werden. Zugelassen werden diese Finanzexperten ausschließlich über die Finanzaufsicht BaFin. Auch die Mitgliedschaft im Verband unabhängiger Vermögensverwalter Deutschland (VuV) mit seinem Ehrenkodex und Compliance- Management-System ist als Suchkriterium hilfreich. Einen Vermögensverwalter in der Nähe findet man daher auch auf der Seite des Verbandes: www.vuv.de

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