Markt

Spezialisten für die individuelle Geldanlage

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Perle entdeckt: Auf der Suche nach der besten Strategie für ihre Vermögensverwaltung können Anleger auf Spezialisten treffen die für ihr Profil die genau passenden Lösungen finden. Unabhängige Vermögensverwalter bieten sich hier an, denn sie arbeiten individuell.

Für das, was sie leisten, haben Unabhängige Vermögensverwalter immer noch einen erstaunlich geringen Marktanteil. Doch sie tun einiges, um ihre Bekanntheit zu erhöhen – und ihre Vorzüge, zu denen etwa die persönliche Betreuung, die Unabhängigkeit und Transparenz, aber auch die starke Kontrolle durch die Aufsicht gehören.

Manchmal kann sich etwas Belastendes letztlich als Stärkung erweisen. So dürfte es den Unabhängigen Vermögensverwaltern in den zurückliegenden 20 Jahren ergangen sein.

Strenge Regeln schaffen Vertrauen

Sie mussten sich immer schärferen Regulierungsvorschriften unterziehen – doch letztlich erweist sich genau das als ein Plus gegenüber vielen anderen Beratern, Vermittlern und Finanzakteuren am Markt. Denn wer sich heuer Unabhängiger Vermögensverwalter – oder genauer: "Finanzportfolioverwalter" – nennen darf, signalisiert damit, strengen Regeln und der ebenso strengen Aufsicht der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) zu unterliegen.

Leistungsbezogene Gebühren, keine Provisionen

Wenn es eines solchen Vertrauensbeweises überhaupt bedürfte: Zum einen haben sich die im Verband unabhängiger Vermögensverwalter (VuV) organisierten Spezialisten selbst einen Ehrenkodex gegeben. Zum anderen unterscheiden sie sich allein schon durch ihr Honorarmodell von anderen Finanzakteuren. Unabhängige Vermögensverwalter erheben je nach Vermögensstruktur eine Grundgebühr und/oder leistungsbezogene Gebühren, die sich am Aufwand und dem Erfolg des Vermögensmanagements orientieren. Schon jetzt erhalten die meisten Vermögensverwalter keine Provisionen von Produktanbietern – und wenn doch, dann leiten sie diese an ihre Kunden weiter. Das heißt, sie haben kein Interesse am Verkauf von Produkten, die in vielen Fällen gar nicht zum Kunden passen.

Mehr Transparenz und Unterstützung im Verband

Der Druck durch die Regulierung war letztlich der Auslöser dafür, dass sich die Verwalter organisierten. Seit 1998 unterliegen die Finanzportfolioverwalter, wie die Experten offiziell heißen, Regulierungsvorschriften. Bereits ein Jahr zuvor schlossen sich einige von ihnen im VuV zusammen, zunächst, um ihre Interessen zu bündeln und zu schauen, wie man sich gegenseitig unterstützen kann, die Last der Vorschriften zu schultern. Doch dabei blieb es nicht.

Die organisierten Verwalter fanden bald neue Aufgaben, formulierten zum Beispiel den Ehrenkodex,, der die Verbandsmitglieder zu Transparenz (etwa bei Honoraren) und zur Unabhängigkeit verpflichtet, die „Finanzdienstleistungen frei von Vertriebsvorgaben und Weisungen Dritter zu erbringen". Der Kodex enthält weitere solcher Selbstverpflichtungen. Andreas Grünewald, Vorstand der Münchener Vermögensverwaltungsgesellschaft FIVV AG, wertet die Entwicklung als sehr positiv: "Wir haben durch die Verbandsarbeit die Qualität der Branche zum Wohle der Mitglieder und insbesondere auch der Kunden nach vorn gebracht."

Herausforderungen durch immer mehr Regulierungen

Was bewegt Unabhängige Vermögensverwalter und ihre Kunden aktuell? Darüber tauschten sich die Finanzprofis beim Finanzforum "Unabhängige Vermögensverwalter" der Mediengruppe Münchner Merkur tz im neuen Veranstaltungsraum Tal1 aus.

Grünewald ist seit zwölf Jahren ehrenamtlich im Vorstand des VuV tätig, seit mehr als drei Jahren steht er als Vorstandsvorsitzender an vorderster Front. Ein Frontkampf ist das mehr als einmal: War die Regulierung ein Auslöser für die Verbandsgründung, hat sie seither noch zugenommen. "Die Regulierungsflut steigt immer weiter", sagt Grünewald.

Aktuell müssen sich die Verwalter mit der Umsetzung von MiFID II herumschlagen, einer Überarbeitung der EU-Richtlinie über Märkte für Finanzinstrumente. Was das für die Verwalter, aber auch für die Anleger bedeutet, haben Finanzspezialisten beim Finanzforum "Unabhängige Vermögensverwalter" der Mediengruppe Münchner Merkur tz intensiv diskutiert. Die folgenden Artikel dieser Serie dokumentieren die Ergebnisse.

Alle Infos zum Finanzforum "Unabhängige Vermögensverwalter" finden Sie hier.

Aus einer Belastung wird eine Chance

Eines der Resultate ist eben die Erkenntnis, dass der Aufwand für die Regulierung einerseits zwar eine starke Belastung für die mittelständischen Verwaltergesellschaften bedeutet, dass sie andererseits damit aber punkten können. "Im Gegensatz zu vielen anderen Finanzdienstleistern, die lediglich der Gewerbe- bzw. Institutsaufsicht unterliegen, sind wir umfassend reguliert", sagt Grünewald, "und gehen zudem mit unserem Ehrenkodex an manchen Stellen sogar über die BaFin-Anforderungen hinaus". Das heißt auch, dass nicht jeder einfach so Mitglied im VuV werden kann. "Ein guter Leumund ist uns sehr wichtig", betont der Vorstandsvorsitzende.

Immer mehr Verbandsmitglieder

Mittlerweile sind rund 270 von etwa 400 Unabhängigen Vermögensverwaltern in Deutschland Mitglied im Verband, Tendenz steigend. Eine außerordentliche Mitgliedschaft können auch Unternehmen jenseits der Unabhängigen Vermögensverwalter anstreben, zum Beispiel Anlageberater oder Fonds-Advisor. Sie können dann die Angebote des Verbandes kostengünstig nutzen, die die Qualität ihrer Arbeit verbessern, zum Beispiel das Compliance-Management-System sowie die Weiterbildungsangebote.

"Wir wollen die Branchenstandards möglichst breit setzen", begründet Grünewald diese Offenheit. Im Gesamtmarkt der Anlageberatung und -Verwaltung haben die Unabhängigen aber immer noch einen kleinen Marktanteil, etwa drei bis fünf Prozent. Dagegen seien schätzungsweise 95 Prozent der Akteure im provisionsgetriebenen Produktverkauf tätig, schätzt Grünewald. Also in der Sprache der Unabhängigen Vermögensverwalter wohl eher am Verkauf als am konkreten Bedarf der Anleger interessiert. Allerdings werde die Leistung der unabhängigen Experten doch immer mehr wahrgenommen, freut sich der Branchenvertreter. "Da liegt die Zukunft, und da will ja vermutlich auch die Aufsicht hin."

Mehr Offenheit bei Beratung und Verkauf

Ein Blick in die neuen Regulierungsvorschriften bestätigt Grünewalds Aussage: So müssen künftig alle Vermittler von Finanzprodukten EU-weit offenlegen, ob sie unabhängig beraten oder auf Provisionsbasis tätig sind.

Bei aller Regulierung kämpfen die Unabhängigen Vermögensverwalter darum, ihre Individualität zu behalten. Im Wettbewerb untereinander positioniert sich jede Gesellschaft mit eigenen Strategien, macht sich dadurch unterscheidbar – und so auch interessant für Anleger. Ein Beispiel dafür ist die Vermögensverwaltung Knoesel & Ronge in Würzburg mit einem Konzept, das so wohl am Markt einmalig ist: Die Anlagespezialisten kaufen bevorzugt Aktien von Unternehmen, die sich in Sondersituationen befinden, die zum Beispiel über einen Unternehmensvertrag oder ein Übernahmeangebot durch die angebotenen Abfindungen möglichst gut abgesichert sind. "In der Regel besteht weitere Wertsteigerungsphantasie durch mögliche Nachbesserungen aus gerichtlichen Spruchverfahren", erklärt Portfoliomanager Reiner Pfeifferling. Die Strategie erweise sich, so der Experte durchaus als konservativ: "Nach unserer Auffassung sollte – bei allem Streben nach Rendite – der Werterhalt des angelegten Kapitals oberste Priorität haben", sagt Pfeifferling. Die Strategie weise eine geringe Schwankungsbreit auf.

Derzeit verwaltet die Gesellschaft ein Depotvolumen von rund 350 Millionen Euro. Neben Privatinvestoren zählen Family Offices, Pensions- oder auch Dachfonds zu den Kunden. Als Vertrauensbeweis wertet Pfeifferling, dass auch die Gesellschafter ihr eigenes Geld in die Strategie investieren.

Expertise ausbauen durch Fortbildungen

Unabhängige Vermögensverwalter müssen tiefe Sachkenntnis haben, wenn sie am Markt erfolgreich sein wollen. Der Verband unterstützt die Verwalter dabei nach Kräften, ihre Expertise auszubauen. So hat der VuV in diesem Jahr eine eigene Akademie zur Fortbildung eröffnet. Dort können die Teilnehmenden auch Kenntnisse erwerben, die sie für den ab 2018 erforderlichen Sachkundenachweis benötigen, etwa in Themen wie Compliance, aber auch zur Geldwäscheprävention oder zum Portfoliomanagement. Interessierte Anleger können übrigens auf der Seite des Verbandes einen Vermögensverwalter in räumlicher Nähe suchen, der zu den eigenen Vorstellungen passt.

Mehr Informationen im Internet: https://vuv.de

von Jürgen Grosche

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