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Tanz auf dem Vulkan

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Ralf Borgsmüller, Partner bei der Münchner Vermögensverwaltungsgesellschaft PSM. © Marcus Schlaf

Kunst, Aktien, Immobilien – alle Werte steigen unaufhörlich. Scheinbar – die Gefahr, dass hier bald Blasen platzen, steigt ebenfalls, sagt der erfahrene Vermögensverwalter Ralf Borgsmüller.

Langjährigen Beobachtern der allgemeinen Lage ist es sicher aufgefallen: Auf verschiedenen Märkten steigen die Preise ins Unermessliche. Dreistellige Millionensummen für Fußballer oder für Kunstwerke sieht man immer häufiger. Das sind Signale einer allgemeinen Entwicklung, warnt Ralf Borgsmüller, Partner bei der Münchner Vermögensverwaltung PSM: „Wir sehen eine Überwertung aller Vermögenswerte. Ganz deutlich erkennbar ist dies insbesondere auf den Immobilien-, Anleihen- und Aktienmärkten.“

Wo liegen die Ursachen und wo führt das hin? Borgsmüller verweist auf die große Finanzkrise in 2008/9. Die Notenbanken drucken seither Geld, und die Staaten verschuldeten sich, um Wirtschaft und Banken am Leben zu halten. Konsequenz: „Die Notenbanken haben seither 20 Billionen US-Dollar neues Geld gedruckt“, sagt der Experte. Die Zinsen sanken weltweit auf quasi Null. Folge: „Die Weltverschuldung einschließlich der Staatsverschuldung kletterte aktuell auf 240 Billionen Dollar. Das sind 80 Milliarden mehr als vor zehn Jahren.“

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Darunter sind viele private und institutionelle Investoren, die sich verschuldet und Vermögenswerte auf Pump gekauft haben. Allein in den USA haben Anleger derzeit Aktien im Volumen von 650 Milliarden Dollar auf Kreditbasis erworben. Kommt es in einer solchen Situation zu Rückschlägen, folgen Zahlungsausfälle, ein Rückgang löst den nächsten aus und auf einmal ist die Krise ist da. „Wir tanzen auf einem Vulkan“, beschreibt Borgsmüller die Gefahr, die offenbar sonst wenige erkennen: „Es gibt eine Euphorie in allen Anlageklassen. Das Risiko spiegelt sich nicht mehr adäquat in den erzielbaren Renditen.“

Dazu kommen noch die geopolitischen Risiken: Die Gefahr von Handelskriegen oder militärischen Auseinandersetzungen, zum Beispiel im Nahen Osten. „Sie könnten sich nachhaltig auf die Wirtschaft und die Börsen auswirken, zum Beispiel über einen hohen

Ölpreis“, befürchtet Borgsmüller. Zudem sei die Zeit des billigen Geldes zumindest in den USA vorbei, seit die US-Notenbank dort die Zinsen wieder anhebt und die Bilanz verkürzt. Grund zur Panik also? Dies natürlich nicht. Borgsmüller ist erfahrener Profi genug, die Menschen hier nicht verrückt zu machen. Seit 1965 besteht die PSM Vermögensverwaltung; die Experten haben da schon so manche Krise gesehen. Aber Anleger sollten jetzt ihr Vermögen krisenfest machen, rät Borgsmüller: „Risiken reduzieren, Gewinne mitnehmen, das Geld parken.“ Die PSM zum Beispiel hat zehn Prozent der Anlagegelder in die klassischen Krisen-Assets Gold und Silber investiert, dazu einen großen Teil in kurzlaufende Anleihen solider Unternehmen, aber auch zehn Prozent in japanische Aktien. „Dort wird nach wie vor Geld gedruckt“, begründet der Experte die Entscheidung. Selbst wenn die Blasen nicht in einem großen Knall platzen – die Ballons werden Luft verlieren, beschreibt Borgsmüller mögliche Krisenszenarien. Und wenn da mal Luft raus ist, könne es ja wieder Chancen für Zukäufe geben.

JÜRGEN GROSCHE

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