15-jähriges Bestehen

Gut Aiderbichl: Das Paradies für Tiere

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2012: Ein Milchbauer bittet Aiderbichl um Hilfe. Sein Hof in Iffeldorf an den idyllischen Osterseen wird zu einem Gut umgebaut.

15 Jahre Gut Aiderbichl – das bedeutet ein rasantes Wachstum zu Europas größtem Gnadenhof-Verbund mit über 6000 Tieren, das heißt spektakuläre Tierrettungen und bewegende Schicksale.

Das vergangene Jahr war sehr turbulent mit der schweren Erkrankung des Gründers Michael Aufhauser und den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft wegen einer Hofübernahme. Unsere Redaktion sprach mit dem Geschäftsführer Dieter Ehrengruber über die Zukunft.

Wie geht es weiter?

Dieter Ehrengruber: Die Dinge werden anders werden müssen. Das ist ganz klar. Michael Aufhauser hat mich seit Langem als Nachfolger aufgebaut. Doch bisher war Aiderbichl sehr stark auf ihn konzentriert, Entscheidungen fielen oft spontan. Michael sagte immer: „Wenn wir das nicht stemmen können, springe ich notfalls mit meinem Privatvermögen ein.“ Entscheidungen und Projekte müssen nun zwangsläufig langfristiger geplant werden. Wir sind ein gut eingespieltes Team, ich habe die Aufgaben von Michael mit übernommen, andere haben meine Aufgabenübernommen. Natürlich trage ich die Verantwortung und die Sorge dafür, dass wir weiter im Sinne von Michael Aufhauser arbeiten. Die Arbeit wird jetzt zur Teamleistung. Im übrigen wissen wir, dass Michael das sehr recht ist. Er wollte sich in diesem Jahr aus dem aktuellen Tagesgeschehen mehr zurückziehen. Und wirklich: Er hätte die Erfolge genießen können. Das letzte Jahr war tatsächlich, so wie er das sich schon gedacht hatte, das wirtschaftlich beste Jahr für uns und unsere Tiere.

Er hätte auch mehr zu den Vorwürfen sagen können, dass bei der Übernahme eines Hofes der Besitzer angeblich dazu gedrängt wurde!

Ehrengruber: Ich bin mir nicht sicher, ob es diese Anschuldigungen überhaupt gegeben hätte. Die Vorwürfe kommen ja von Personen, die auch vor vier Jahren schon hätten sagen können, dass es nicht mit rechten Dingen zugeht, wenn sie das so empfinden. Die Schwäche von Michael Aufhauser sollte ausgenutzt werden. Wir haben uns absolut nichts vorzuwerfen, viele Anschuldigungen sind ja auch schon vom Tisch. Die Ermittler der Staatsanwaltschaft sind absolute Profis, und ich bin froh, mit ihnen zusammenzuarbeiten. Wir sind schon immer auf dem Prüfstand: Gerade haben wir unsere 46. Betriebsprüfung innerhalb von 15 Jahren! Alles ist durchleuchtet, immer schon. Auch der Amtstierarzt schaut genau hin–das ist ja auch gut so. Letztens haben wir einen Hof übernommen, da wurde sofort bemängelt, dass die Pferdeboxen einen halben Quadratmeter zu klein sind. Das stimmt, es war uns bei der Übernahme nicht aufgefallen. Wir sind ein dynamischer Betrieb, Fehler passieren und werden behoben. Wir nehmen tatsächlich im Sommer oft vorübergehend mehr Tiere auf, als wir im Winter unterstellen können. Aber sollen wir Tiere sterben lassen, weil wir auf Vorrat die Boxen freihalten? Das wäre nicht im Sinn von Aiderbichl.

Gibt es ein großes Jubiläumsprojekt?

Ehrengruber: Wir planen jetzt keine großen Neubauten, andererseits wenn jetzt jemand käme und uns anböte, ein neues Aiderbichl zu finanzieren, würden wir natürlich nicht Nein sagen. Wir verwirklichen gerade ein ProjektfürWildschweineinKärnten, ein neues Ziegenland ist geplant, und da immer mehr Kinder unsere Güter besuchen, wollen wir mehr Angebote fürsie entwickeln.Indiesem Jahr wird gefeiert – in Henndorf, Iffeldorf und Deggendorf sind Jubiläumsfeste geplant. Dann darf man nicht vergessen: Wir haben täglich zwischen40und100Anfragen zur Übernahme von Tieren. Besonders schlimm ist es in den Wochen nach Weihnachten, wenn geschenkte Tiere die Erwartungen nicht erfüllt haben,oderim Sommer, wenn das Tier bei der Urlaubsplanung stört. Auch unglaublich viele nicht mehr reitbare Pferde suchen neue Plätze. Das müssen wir uns alles anhören, wir müssenüberlegen, wie wir helfen können. Natürlich können wir nicht alle Tiere aufnehmen, aber manchmalkann man den Besitzern und ihren Tierenauchanderweitig einen Weg aufzeigen.

Gut Aiderbichl feiert 15-jähriges Bestehen

Rinder auf Gut Aiderbichl.2004-10-08Foto: Dieter EhrengruberKuh Mucky
2001: Michael Aufhauser, damals 49 Jahre alt, baute Gut Aiderbichl für sich und seine 21 Tiere, darunter Turbokuh Mucky. © fkn
Gut Aiderbichl - bei SalzburgFoto: Andreas Kolarik 08.04.2007
2002: Tierschützer retten Füchsin Melissa aus einer Pelztierfarm. Sie bekommt ein Gehege und zieht verwaiste Rotfuchswelpen auf. © fkn
2003: Der Zirkushengst „Der Schwarze“ nimmt nach 25 Jahren Abschied aus der Manege und wird der neue Star auf Aiderbichl. © fkn
2004: 400 Tiere leben auf dem Gut. Fohlen Kathi will nicht fressen, die Tierretter finden ihre Mutter und kaufen sie ebenfalls frei. © fkn
2005: Neubauten sind nötig, um die vielen geretteten Tiere unterzubringen. Haflinger Lori wurde mit der Flasche aufgezogen © fkn
2006: In Deggendorf entsteht ein neues Gut, das wie Aiderbichl in Henndorf täglich von 9 bis 18 Uhr für Besucher geöffnet ist. © fkn
2007: Hirsch Burli soll wegen seines prächtigen Geweihs geschossen werden, er wird freigekauft. © fkn
2008: Ein Bauer aus Kilb ist mit seinem Hof und den 60 Rindern überfordert, er bittet Aiderbichl um Hilf © fkn
2009: 40 Ex-Laborschimpansen werden Aiderbichler, ein Affe posiert mit seiner Pflegerin und Aufhauser. © fkn
2010: Zirkuskamel Franziska muss verkauft werden und findet auf dem Gut in Iffeldorf eine neue Heimat. © fkn
2011: Ein großer und ein bewegender Moment: Die Freigehege für die Laborschimpansen sind fertig. © fkn
2013: Das Jahrhunderthochwasser der Donau kostet viele Tiere das Leben, Stier Egon wird gerettet. © fkn
2014: Er war sein ganzes Leben angebunden: In Freiheit sucht Stier Bandit die Nähe seines Retters. © fkn

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