Was fühlen Tiere?

Wissenschaftler erkennen an, dass Tiere Emotionen haben

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Elefantenherde verabschiedet sich von Lola.

Menschen sprechen, Tiere geben Laute von sich. Menschen lieben, Tiere gehen Bindungen ein. Menschen schließen Freundschaften, Tiere haben soziale Beziehungen. Menschen haben Sex, Tiere paaren sich. Fällt Ihnen ein Muster auf?

Menschen neigen dazu, sich vom Rest der Lebewesen auf der Erde abzugrenzen. Gefühle bei Tieren? Jahrhundertelang undenkbar! Erst seit Kurzem gesteht die Wissenschaft den Tieren Emotionen zu – aber noch scheuen sich die Forscher, sie auch so zu nennen. Für viele Menschen, die mit Tieren täglich zu tun haben, ist es ganz klar, dass auch die nichtmenschlichen Erdbewohner Trauer, Freude, Liebe und Freundschaft kennen. Sogar Eifersucht bei Hunden wurde nachgewiesen. Die tz hat einige Beispiele gesammelt und fasst die aktuelle Forschung zusammen.

Schon Charles Darwin erregte im 19. Jahrhundert mit der Behauptung für Aufsehen, dass auch Tiere nicht körperliche Schmerzen leiden würden. Von einer Seele wollte er nicht so deutlich reden. Und so geriet diese Erkenntnis leider in Vergessenheit. Was von Darwin übrig blieb, war der Spruch, dass in der Natur der Stärkste überlebt. Und erst in jüngster Zeit setzt sich die Überzeugung durch, dass die Natur eben nicht ein egoistischer Kampf ums Überleben ist. Verhaltensbiologe Frans de Waal sagt: „Die meisten Säugetiere überleben nicht, indem sie einander im Kampf ausstechen, sondern durch Kooperation, Fürsorge und Teilen.“ Tiere haben Gefühle – aber was fühlen sie? Das ist für die moderne Wissenschaft praktisch nicht zu beantworten. „Eine Emotion ist ein psycho-physiologischer Prozess“, sagt die Verhaltenstierärztin Barbara Schöning von der Freien Universität Berlin: „Es gibt also eine psychische Komponente, die für niemanden zugänglich ist – außer für denjenigen, der diese Emotion hat.“ Die Areale in den Gehirnen von Menschen und Säugetieren, wo Emotionen verarbeitet werden, ähneln sich jedoch und sie reagieren auch in ähnlicher Art und Weise auf emotionale Reize. Mittlerweile gehen die Forscher davon aus, dass Tiere zwischen Emotionen wie Angst und den Gegenspielern wie Freude oder Wohlgefühl unterscheiden können. Bei Gefühlsäußerungen wie Liebe oder Trauer scheiden sich die Geister. Auch wenn es immer mehr Stimmen gibt, die die Meinung vertreten, dass die Wissenschaft diese Emotionen nur nicht nachweisen könne. Studien haben gezeigt, dass das Stresshormon Cortisol und das Bindungshormon Oxytocin auch Tiere beeinflussen. Tiere sind unter Stress nachweislich ruhiger, wenn ihr Bindungspartner bei ihnen sei. Der Berliner Veterinärprofessor Gerd Schlenker geht noch einen Schritt weiter: „Vielleicht sind bestimmte Emotionen beim Tier sogar ausgeprägter. So sollen Hunde und Katze die Stimmungslage des Menschen empfinden können und daher sogar die Fähigkeit zur Empathie besitzen.“ Seinen Gefühlen vertrauen zu können, ist oft wichtiger als hohe Nervenleistungen.

Freundschaft: Gegensätze ziehen sich an

Quax und Mercy.

Hausschwein Quax und Wildschwein Mercy sind von klein auf unzertrennlich. Die zwei teilen auf Gut Aiderbichl das Fressen, die Weide und das Schlaflager im Stroh. Aiderbichl-Sprecherin Sonja Großmann sagt zu den ungleichen Freunden: „Wir stellen immer wieder fest, dass gerade unseren jüngsten Besucher diese Freundschaften unglaublich imponieren.“ Gut Aiderbichl freut es, wenn so viele Menschen erfahren, dass Nutztiere zu tiefen Emotionen fähig sind.

Treue: Warten auf das Herrchen

Der traurige Hund an der Straßenecke.

Dieser Straßenhund ist in Bolivien berühmt geworden: Seit fünf Jahren wartet er an einer Straßenecke auf die Rückkehr seines Herrchens. Der Student starb jedoch bei einem Autounfall. Damit zeigt der Hund das gleiche Verhalten wie der japanische Hund Hachiko, dessen Geschichte sogar verfilmt wurde. Hachiko hatte zehn Jahre lang auf sein Herrchen gewartet und war 1935 gestorben.

Trauer: Abschied nehmen

Schon oft ist beobachtet worden, wie Elefanten in freier Wildbahn von einem toten Familienmitglied Abschied nehmen. Sie halten stundenlang Wache, besuchen regelmäßig die Kadaver ihrer Artgenossen, betasten Knochen oder schleppen sogar Stoßzähne mit sich herum. Und so war es für die Mitarbeiter im Münchner Tierpark Hellabrunn ganz normal, dass sich die Herde von der kleinen Lola verabschieden durfte. Das Elefantenkalb war mit einem Herzfehler zur Welt gekommen und wurde 2012 eingeschläfert.

Liebe: Stierkalb erkämpfte sich Mutter zurück

Stierkalb Zeus war im Alter von zwei Monaten an einen Nachbarn verkauft worden. Seine Mutter schrie Tag und Nacht nach ihrem Sohn. Das Bindungshormon Oxytocin, das bei Müttern und ihren Kindern für innige Bindung sorgt, wurde auch bei Tieren nachgewiesen. Das Kälbchen sprang über die Boxenwand und lief zu seiner Mutter in den Stall – jeden Tag. Bis der Bauer bei Gut Aiderbichl anrief und um Hilfe bat. Mutter und Sohn leben nun auf dem Gut in Eslarn.

Angst vor der Ungewissheit

Kaltblutstute Bianka reißt verzweifelt die Augen auf und wiehert panisch – gerade wurde ihr Fohlen Lilly von Gut Aiderbichl freigekauft und auf den Hänger verladen. Die Angst der Stute vor dem ungewissen Schicksal ihres Fohlens ließ die Aiderbichler nicht mehr los. Tage später kaufen sie auch die Zuchtstute frei. Sie hatte seit dem Tag der Trennung nicht mehr gefressen.

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