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Füchse in der Stadt: Verstecken sich dort, wo sie der Mensch nicht findet

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Von: Sina Lück

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Füchse in Großstädten sind längst keine Seltenheit mehr und es werden immer mehr. Aber warum sehen wir sie dann eigentlich im Verhältnis relativ wenig?

Füchse sind in Großstädten längst kein seltenes Bild mehr. Mittlerweile sind die Wildtiere fast überall anzutreffen und suchen sich die kuriosesten Verstecke. Sie streunen durch Behörden, steigen in den Bus ein oder sitzen auf dem Dach – wie der jüngste Vorfall in Berlin-Charlottenburg beweist. Doch warum zieht es die Wildtiere aus den Wäldern überhaupt in die großen Metropolen?

Füchse verstecken sich dort, wo sie der Mensch nicht findet

Ein junger Fuchs sitzt auf einem Dach in Berlin.
Ein junger Fuchs sitzt auf einem Dach in Berlin. © Polizei Berlin/dpa

In Berlin hat sich ein junger Fuchs auf das Dach eines Hauses verirrt. Wie die Polizei mitteilt, haben die Bewohner das Tier in den Morgenstunden auf einem Balkon entdeckt. Von dort ist der Fuchs dann auf das Dach geflüchtet. Dass die Menschen Wildtiere in Städten antreffen, ist nicht ungewöhnlich. Im Gegenteil: Die Begegnungen nehmen zu. Immer mehr Füchse zieht es aus den Wäldern in die Großstädte oder auf die Nordseeinseln wie Sylt oder Norderney. In der Dämmerung seien Plätze wie die Wiese vor dem Berliner Reichstag besonders beliebt, weiß Sophia Kimmig. Seit einigen Jahren untersucht sie das Leben der Tiere in der Stadt am Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) im Forschungsverbund Berlin e.V.

„Es kann auch passieren, dass ein Fuchs sich im Botanischen Garten mit auf die Picknickdecke setzt“, erzählt die Wildbiologin gegenüber der Berliner Zeitung. Einige Exemplare sind den Berlinern sogar namentlich bekannt – so wie Fuchs „Theo“, der sich im Garten am Schloss Bellevue niedergelassen hat. Die Instagram-Community hatte sich zuvor eifrig an der Namensfindung beteiligt. Ein anderer Fuchs fährt dagegen lieber mit dem Bus durch die Stadt.

Füchse in der Stadt – Besiedlung schreitet weiter voran

In anderen deutschen Großstädten sieht es nicht anders aus. Dort schreitet die Besiedlung durch die rothaarigen Überlebenskünstler immer weiter voran. In städtischen Gebieten sind Füchse sogar meist häufiger vertreten, als ihre Artgenossen in freier Wildbahn. „In München-Schwabing ist die Fuchsdichte zum Beispiel zehn bis 15 Mal höher als im Bayerischen Wald“, klärt Sophia Kimmig auf. Im ländlichen Raum Deutschlands kommen auf einen Quadratkilometer im Schnitt 0,5 bis 1,5 Füchse. Auch der Goldschakal ist in Baden-Württemberg heimisch geworden.

Füchse in der Stadt – Tiere finden dort reichlich Nahrung

In den Städten finden Füchse reichlich Nahrung. Das ist ein Grund, weshalb es sie vermehrt dorthin lockt. Auf dem Speiseplan der Wildtiere stehen:

„In der Stadt sind Füchse eher Sammler als Jäger“, erklärt Derk Ehlert, Wildtierexperte der Umwelt-Senatsverwaltung Berlin. Abgesehen vom Nahrungsangebot bieten große Städte aber noch einen weiteren Vorteil: die heterogene Struktur als Lebensraum. „Der Fuchs braucht nicht unbedingt viel Grün, sondern vor allem Rückzugsmöglichkeiten wie Brachflächen und eingezäunte Gelände. Die Füchse sind extrem gut darin, Orte in der Stadt zu finden, an denen wir Menschen nicht sind“, erklärt Sophia Kimmig. In Bergheim braucht ein Fuchswelpe allerdings dringend Hilfe von den Menschen, weil er ganz alleine durch die Straßen irrt.

Dabei verschätzen sie sich allerdings häufig mit den Risiken. „Ein Passant erscheint bedrohlicher als ein Auto“, weiß die Wildtierexpertin. Verkehrsreiche Orte wie Straßen oder Bahntrassen erscheinen in ihren Augen sicher. „Oft bezahlen sie das mit dem Leben“, bedauert Sophia Kimmig. Ihre eigentliche Lebenserwartung von acht bis neun Jahren erreichen viele Tiere daher nicht. Stattdessen werden sie nur ein bis zwei Jahre alt.

Füchse in der Stadt – „Seit 30 Jahren kein Fuchsbandwurm mehr nachgewiesen“

Auch wenn die grazilen Tiere mit den bernsteinfarbenen Augen für manche Menschen unheimlich erscheinen, geht von ihnen grundsätzlich keine Gefahr aus. „In Berlin wurde seit 30 Jahren kein Fuchsbandwurm mehr nachgewiesen. Und wir haben auch seit mehreren Jahrzehnten keine Fuchstollwut in der Stadt“, betont Derk Ehlert. Der Wildtierexperte weiß aus Erfahrung: Problematische Zwischenfälle sind äußerst selten. „Die Fälle, die mir aus den vergangenen 20 Jahren bekannt sind, kann ich an einer Hand abzählen und sie sind alle auf menschliches Fehlverhalten zurückzuführen.“

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