Warum plötzliche Kälte jetzt für Wildtiere besonders gefährlich wäre

Schwitzen im Winterfell

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Bisher war es nur in den Hochlagen der Gebirge wirklich kalt, im Flachland ist der Winter bisher ausgefallen

Wildtiere im Winter – das ist die Zeit der knappen Nahrung und eisigen Temperaturen. Falsch gedacht, die kalte Jahreszeit fällt heuer eher aus.

Nur in den Hochlagen der Berge macht isher das dichte Winterfell der Tiere wirklich Sinn – alle übrigen schwitzen eher in ihrem bisher überflüssigen Frostschutz.

Und bei Föhnlagen und warmem Wind beginnen sogar schon die ersten Vögel morgens zu zwitschern und ihre Reviere abzustecken. Das ist nach Informationen von Vogelexperten schon ungewöhnlich, aber Vögel sind flexibel: Selbst Zugvögel, die bisher dageblieben sind, können dann noch in wärmere Gefilde ausweichen, wenn es eisig werden sollte. Solange die Böden nicht gefroren und noch Mücken unterwegs sind, finden Vögel genügend Nahrung. Für wen der ausgefallene Winter noch ein Problem werden könnte, darüber sprach die tz mit Martin Hänsel vom Bund Naturschutz in Bayern.

Ungewöhnliche milde Winter sind keine Seltenheit mehr. Brauchen Wildtiere die Kälte?

Martin Hänsel:  Unsere Wildtiere sind an kalte Temperaturen angepasst. Wenn es ihnen Menschen nicht zusätzlich schwer machen, weil z. B. Waldspaziergänger ruhendes Wild aufscheuchen oder Gartenbesitzer, Laub und Blütenstände an Sträuchern und damit Schutz und Nahrung entfernen, dann überstehen die Populationen aller Wildtiere den Winter gut. Das heißt nicht, dass nicht mal ein einzelnes Tier stirbt, aber für die ganze Art ist ein kalter Winter keine Bedrohung. Bleibt es mild, haben sie es natürlich leichter. Gefährlicher sind schnell wechselnde Wetterlagen, wo es z. B. erst schneit, dann antaut und dann wieder gefriert Dann bilden sich dünne Eisschichten, an denen sich Rehe die Läufe blutig schneiden, zudem wird die Nahrung knapp.

Einzelne Igel werden wieder gesehen, ist das ein Grund zur Sorge?

Hänsel: Das wird zum Problem, wenn es plötzlich sehr kalt werden würde. DennderWinterschlaf ist kein An-aus-Programm, der Stoffwechsel des Tieres stellt sich langsam um, das Tier wird einige Tage fasten, damit der Darm entleert ist und das Tier nicht innerlich von Bakterien aufgefressen wird. Kürzere warme Periodenüberschlafendie Tiere einfach. Wenn es dauerhaft warm ist, können Igel aufwachen. Im Laub müsste er jetzt Spinnen und Würmer finden.

Fledermäuse halten auch Winterschlaf, ist es bei ihnen ähnlich?

Hänsel: Wenn Fledermäuse die Möglichkeit haben, überwintern sie in dickenaltenBäumenoder in Höhlen, dort wird die Temperatur stärker gepuffert. Tiere, die in Fledermauskästen, Schutz gesucht haben, sind durch Wärme stärker gefährdet. WerausdemWinterschlaf erwacht, braucht mehr Energie. Fledermäuse jagennachts, woaktuell nur wenige Insekten unterwegs sind. Fledermäuse findennichtsovielzufressen, wie sie an Energie durchs Fliegen verlieren. Das macht das frühe Aufwachen gefährlich.

Wie geht es den Bibern, von denen es in München wieder einige gibt?

Hänsel:  Biber sind das ganze Jahr über aktiv, sie fallen jetzt mehr auf, weil sie im Winter die Bäume annagen, um die dünne Rinde und die Knospen in den Baumkronen zu fressen. Im Sommer ernähren sich die Tiere dann wieder von Kräutern, Gräsern und Stauden im Uferbereich. Biber sind reine Vegetarier. Hier kann man nur raten, die Tiere nicht zu stören.

Profitieren Bienen von milden Temperaturen?

Hänsel:  Die Bienen überwintern als Volk. Im Gegensatz zu den Wespen, bei denen nur die junge Königin überlebt und im Frühjahr einen neuen Staat gründet. Bienen hocken als Wintertraube im Stock, sie halten sich gegenseitig durch Muskelzittern warm und nehmen auch Nahrung auf. Dasheißt, auch im Winter müssen Bienen manchmal ihren Stock verlassen,um die Kotblase zu entleeren. Ist es sehr kalt oder liegt viel Schnee, sterben viele Bienen an Unterkühlung. Daher kommen die milden Temperaturen den Bienen zugute. 

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