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Händler klagen über Lieferengpässe - Sorge um Weihnachtsgeschäft

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Von: Daniela Pohl, Leoni Billina

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Florian Bartsch steht an einem Holzregal mit Spielsachen und hält einen Holz-Lastwagen in der Hand
Florian Bartsch im Kunst und Spiel: Vor allem Holz und Textilien sind knapp. © Marcus Schlaf

Die schlimmste Phase der Pandemie scheint überwunden. Doch schon droht neuer Frust: Lieferengpässe lassen den Handel mit Sorge auf das Weihnachtsgeschäft blicken.

„Lieferengpässe sind jetzt das große Thema im Einzelhandel – und zwar quer durch alle Branchen“, sagt Bernd Ohlmann vom Handelsverband Bayern. Die Nachfrage sei derzeit hoch, „die Menschen wollen sich nach der langen Zeit des Verzichts wieder etwas gönnen“. Gleichzeitig hätten aber während der Krise viele Firmen ihre Produktion heruntergeschraubt, Mitarbeiter waren in Kurzarbeit. Dazu kommen teilweise Engpässe bei Zulieferern aus aller Welt. Eine Entwicklung, die auch Münchner Geschäftsleute zu spüren bekommen, wie diese Umfrage zeigt.

Juwelier: „Auf Halde produziert man keine Artikel aus Gold oder Platin“

„In unserer sehr kleinteiligen Branche hat keiner freiwillig die Produktion heruntergefahren. Alle waren gezwungen zu reagieren. Und auf Halde produziert man keine Artikel aus Gold oder Platin“, sagt etwa Stephan Lindner, Mitinhaber von Juwelier Fridrich (Sendlinger Straße).

Bei Smartphones könnte es Engpässe geben

Bei den großen Elektronik-Fachmarktketten Media Markt und Saturn ist nach Angaben einer Sprecherin noch nichts von Lieferengpässen zu spüren. Einige Lieferanten hätten aber schon signalisiert, dass es in den kommenden Monaten zu Problemen bei der Verfügbarkeit einzelner Produkte kommen könnte. „Dazu könnten dann Smartphones, Tablets, Drucker, Geschirrspüler und Kühlgeräte gehören“, so die Sprecherin.

Tinten und Toner sind Mangelware

Markus Arendt von Schreibwaren Weber in der Maxvorstadt muss immer wieder Kunden vertrösten. „Bei uns sind Tinten und Toner gerade Mangelware“, sagt er. Papier ist bei ihm noch nicht knapp. Ganz anders sieht es bei vielen Verlagen aus.

Markus Arendt steht vor einem Regal mit Tonern
Tonerpatronen und Tinte sind im Schreibwarengeschäft Weber zur Zeit Mangelware, sagt Markus Arendt    © Marcus Schlaf

Buchverlags-Chef: „Bei vielen Büchern vor Weihnachten kein Nachdruck mehr möglich“

„Das ist ein großes Problem“, sagte Jonathan Beck, Chef des C. H. Beck Verlags dem Handelsblatt über die Papierkrise. „Bei vielen Büchern wissen wir jetzt schon, dass vor Weihnachten kein Nachdruck mehr möglich ist.“ Das klassische Buch-Geschenk zu Weihnachten könnte also ein Problem werden. „Ich befürchte stark, dass die Leute sich dieses Jahr zu Weihnachten nicht sicher sein können, jedes Buch auch noch kurzfristig zu bekommen.“

Hafenschließungen in Asien sind ein Risiko

Frank Dorscht vom Schuhhaus Suyer am Rindermarkt ist froh, dass er zum Großteil europäische Lieferanten hat. „Aber bei Kleinteilen wie Applikationen oder Reißverschlüssen, die von weiter weg kommen, gibt es oft einen Verzug.“ Es könne sein, dass die Schuhe dann Wochen später kämen, sagt er. Asiens Häfen sind das Nadelöhr für Lieferketten. Die Delta-Variante und niedrige Impfquoten sorgen dort immer wieder für Corona-Ausbrüche. Hafenschließungen sind ein Risiko – auch für die deutsche Wirtschaft.

„Katastrophale“ Lage bei Fahrradgeschäften

„Katastrophal“ nennt Christian Morgenroth, Geschäftsführer der Lucky Bike GmbH, die Lage. „Wir haben massive Lieferengpässe in verschiedenen Bereichen, hauptsächlich E-Bikes, aber auch ganz einfache Artikel wie Sättel und Ketten.“ Sein Tipp: Wer ein E-Bike suche, sollte flexibel bei der Auswahl sein, beispielsweise was die Farbe betrifft. Und: „Lieber jetzt noch ein E-Bike kaufen, als die Engpässe, die es im Frühjahr immer gibt, noch zu verschärfen.“

Spielzeugbranche trifft es besonders hart

Florian Bartsch, Geschäftsführer von Kunst und Spiel, hat zu kämpfen. „Gerade Sachen aus Holz und Kindertextilien sind betroffen“, sagt Bartsch. Ware, die sie im Januar bestellt hätten, sei im September erst angekommen. „Aktuell dauert es teilweise bis zu neun Monaten, bis die Ware kommt.“ Seine Prognose: „Das wird noch bis Mitte nächsten Jahres so weitergehen.“ Zwar hätten er und seine Kollegen die Entwicklung kommen sehen und mehr bestellt. Manches Regal muss dennoch umdekoriert werden – weil es sonst leer wäre.

Auch Einrichtungsriese Ikea hat Probleme

Auch der Möbel-Riese Ikea bleibt nicht verschont. „Um die Verfügbarkeit der Produkte für unsere Kunden sicherzustellen, haben wir außergewöhnliche Maßnahmen ergriffen, wie den Kauf eigener Container und das Chartern zusätzlicher Schiffe“, sagt eine Sprecherin. Das habe die Situation verbessert, aber es müssten noch weitere Schritte unternommen werden – wie die Priorisierung der relevantesten Sortimentsbereiche.

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