Experten verraten:

So kommen Sie stressfrei zum perfekten Geschenk

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München - Von wegen fröhliche Weihnachtszeit! Gerade der Geschenkekauf zehrt bei vielen mächtig an den Nerven. Die tz sagt, worauf man dabei achten sollte und verrät Experten-Tipps für jeden Typen:

Eine forsa-Umfrage im Auftrag der KKH Kaufmännischen Krankenkasse zeigt’s jetzt schwarz auf weiß: Für jeden Vierten ist das Geschenke kaufen anstrengend und stressig! Das gilt vor allem für die internetaffine Gruppe der 18- bis 29-Jährigen: Von ihnen fühlen sich 40 Prozent gestresst, bei den 50- bis 70-Jährigen sind es noch 18 Prozent. Jeder Vierte plant sogar, weniger Geschenke als im Vorjahr zu kaufen.

Dr. Eva Lermer, Diplom-Psychologin vom Lehrstuhl für Sozialpsychologie der LMU.

Laut der Wirtschaftsberatung Deloitte wollen die Deutschen heuer im Schnitt 266 Euro für Geschenke ausgeben – sind zwei Prozent weniger als im Vorjahr. Aber der weihnachtliche Geschenkemarathon muss gar nicht sein! Noch sind es fast vier Wochen bis Heiligabend – und mit ein paar Strategien haut’s dieses Jahr auch sicher ohne Stress hin. Dr. Eva Lermer, Diplom-Psychologin vom Lehrstuhl für Sozialpsychologie der LMU, rät: „Fangen Sie noch heute an und setzen Sie sich eine Frist – etwa, dass Sie ab jetzt die Augen und Ohren offenhalten und die nächsten zehn Tage Geschenkideen für Oma und Opa sammeln.“

Dass Weihnachten für viele dann immer so plötzlich kommt, ist ganz einfach erklärbar: „Solange ein Ereignis nicht unmittelbar relevant ist, denken wir selten konkret darüber nach“, sagt Dr. Eva Lermer. Aber dann geht es auf einmal doch ganz schnell – und Heiligabend steht vor der Tür. „Versetzen Sie sich am besten gedanklich kurz in letztes Jahr – etwa wie stressig es war, zwei Tage vor Heiligabend noch durch die Läden zu hetzen“, berichtet die Sozialpsychologin. „Wir neigen dazu, negative Dinge, die nicht sehr relevant waren, zu vergessen. Aber um daraus zu lernen, müssen wir sie manchmal aktiv hervorholen.“

Am besten bei jeder Gelegenheit Ideen notieren – das geht ja mittlerweile auf jedem Handy. Und: „Fragen Sie den anderen einfach, was er sich wünscht“, sagt Dr. Lermer. Übrigens: Es müssen nicht immer unzählige Geschenke sein – wer ein ausgewähltes Präsent verschenkt, schont Nerven und Geldbeutel und macht dem anderen dennoch eine Freude. „Manchmal ist weniger mehr“, bestätigt Birgit Wiesemüller, Vorsitzende der Gesellschaft für Personzentrierte Psychotherapie und Beratung. „Überdenken Sie etwa, ob Sie statt Geschenken nicht mal an eine soziale Einrichtung spenden wollen.“

Schönes muss nicht teuer sein

Psychotherapeut Dr. Oliver Seemann.

Geschenke gehören für viele zum Fest der Liebe dazu. Genau das sollte auch beim Beschenkten ankommen – denn Geschenke haben eine ganz wichtige Bedeutung: Sie drücken immer eine Beziehung zwischen dem Geber und Nehmer aus. „Mit dem richtigen Geschenk zeigen Sie dem anderen, dass Sie an ihn gedacht haben und wie wichtig er Ihnen ist“, sagt Oliver Seemann, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie aus Wolfratshausen. Generell gilt: Schenken Sie nie, was Sie gerne hätten – sondern was der Beschenkte gerne hätte. „Der Wurm muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler“, erklärt der Experte.

Je persönlicher, desto besser! Kreative Geschenke kommen immer gut, zum Beispiel eine gebrannte CD mit den Lieblingssongs oder ein selbst gestalteter Seidenschal mit den Lieblingsfarben. „Das kommt bei vielen besser an als das noch schnell gekaufte Parfüm aus der Drogerie, das man auch noch einpacken lassen hat.“ Finanziell sollte das Schenken im Rahmen bleiben. „Es muss nicht immer das Teuerste sein“, sagt Seemann. Auch wer wenig Geld hat, kann schöne Geschenke machen – zum Beispiel ein selbst geschriebenes Gedicht in einem schönen Rahmen.

„Der Sinn von Geschenken ist, dass sie von Herzen kommen. Es kommt nicht darauf an, wie viel sie gekostet haben“, sagt Seemann. „Leider wird das heute oft von der Konsumgesellschaft aufdiktiert.“

Birgit Wiesemüller, Vorsitzende der Gesellschaft für Personzentrierte Psychotherapie und Beratung.

Tipp: Notieren Sie schon über das Jahr, wenn jemand einen Wunsch äußert oder bei was er leuchtende Augen kriegt. „Je höher der Zeitdruck, desto schwieriger wird die Suche“, sagt Birgit Wiesemüller, Vorsitzende der Gesellschaft für Personzentrierte Psychotherapie und Beratung. Das perfekte Geschenk gefällt und überrascht – und ist oft etwas, was sich der Beschenkte selbst nicht leistet. „Gemeinsame Aktivitäten wie ein Abend im Konzert oder Kino kommen bei den meisten gut an“, sagt Wiesemüller. Als Last-Minute-Geschenk tut’s aber auch eine gute Flasche Rotwein oder ein spannendes Buch.

Das schenken die Münchner zu Weihnachten

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Paare: Eine Freude für beide schenken

Wer Paaren, etwa den eigenen Eltern oder Tante und Onkel eine Freude machen will, sollte sie auch als Paar beschenken. „Wählen Sie am besten etwas aus, was beide gemeinsam unternehmen können“, sagt Dr. Oliver Seemann. Das gelingt – je nach Vorlieben und Alter – zum Beispiel mit einer Busfahrt in die Toskana oder Tickets fürs Konzert oder Ballett. Aber auch Sachgeschenke können dem Paar gefallen, zum Beispiel ein edler Fotokalender fürs Wohnzimmer oder eine neue Kaffeemaschine.

Rentner: Die persönliche Note ist wichtig

„Ältere Menschen erwarten nicht, dass Sie für sie viel Geld ausgeben“, sagt Dr. Oliver Seemann. Persönliche Geschenke kommen bei ihnen am besten an – etwa ein Fotobuch für den Onkel oder ein digitaler Bilderrahmen mit den schönsten Familienbildern für die Oma. Ältere Menschen, die viel alleine sind, freuen sich auch über verschenkte gemeinsame Zeit. Je nach Geldbeutel kann das der gemeinsame Wochenendtrip nach Barcelona sein, oder ein Gutschein für einen monatlichen Kaffeeklatsch mit selbstgebackenem Kuchen.

Singles: Auf das Feingefühl kommt es an

„Junge alleinstehende Menschen sollten unter Leute“, rät Dr. Oliver Seemann. Das lässt sich auch in einem Geschenk kombinieren. etwa einem Kochkurs oder Tanzkurs. Aber: Hier ist Feinfühligkeit gefragt. „Nicht jeder Single ist einsam oder bereit für eine Beziehung“, sagt Psychotherapeutin Birgit Wiesemüller. Dann möglichst kein Buch zur erfolgreichen Partnersuche verschenken, sondern lieber auf die jeweiligen Hobbys eingehen – und zum Beispiel ein neues Saunatuch fürs Fitnessstudio oder eine Skimütze verschenken.

Junggesellen freuen sich bestimmt auch über einen Gutschein für eine professionelle Putzfee, die den Haushalt auf Vordermann bringt.

Kinder: Mix aus Spiel und Fantasie

Die Kleinen schreiben vor dem Fest gerne Wunschzettel. „Die Wünsche sollte man zumindest teilweise berücksichtigen, soweit sie realisierbar sind“, rät Birgit Wiesemüller, Vorsitzende der Gesellschaft für Personzentrierte Psychotherapie und Beratung. Perfekt ist alles, was den Bewegungsdrang und die Fantasie der Kinder anregt – jeweils zugeschnitten auf das konkrete Alter. Ein Tipp wären etwa Inlineskates, ein Schlitten für den Rodelhang oder der altbewährte Gummitwist. Auch Wissens- und Lernspiele können Spaß bereiten. Wiesemüller: „Aber achten Sie darauf, dass Sie das Kind nicht überfordern.“

Beate Eike, Abteilungsleiterin der Kinderwelt bei Karstadt am Bahnhofplatz: „Der Renner bei uns ist nach wie vor Lego für die Jungs.“ Je nach Alter gibt es verschiedene Modelle. Mädchen freuen sich über die angesagten Loom-Bänder, mit denen Armbänder geknüpft werden. Für kleine Kinder empfiehlt die Expertin Holzeisen- oder Kugelbahnen. Übrigens: Süßigkeiten gibt es in der Weihnachtszeit oft schon genug.

Ehepartner: Gemeinsam etwas erleben

Die Königsdisziplin der Geschenkesuche! Viele tun sich schwer, für den Partner das Richtige zu finden. „Dabei wissen wir doch eigentlich am besten, welche Vorlieben und Wünsche er hat“, sagt die Psychotherapeutin Birgit Wiesemüller. Gemeinsame Aktivitäten oder Erlebnisgeschenke kommen bei dem oder der Liebsten oft gut an – leihen Sie doch für ein Wochenende einen schicken Flitzer oder schenken Sie Ihrem Mann einen Bierbraukurs.

Wiesemüller: „Oder Sie verabreden: Statt Geschenke leisten wir uns heuer endlich den lang ersehnten neuen Fernseher.“ Auch viele Frauen freuen sich meistens über gemeinsame Unternehmungen. „Hier sollte es romantisch sein“, rät Dr. Oliver Seemann. Wie wäre es zum Beispiel mit einem Silvestertrip auf eine einsame Hütte in den Bergen?

Jugendliche: Zuschuss für das Sparziel

„Jugendliche wünschen sich häufig Geld – in diesem Fall ist das auch okay“, sagt Dr. Oliver Seemann, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie aus Wolfratshausen. Oft sparen die Heranwachsenden auf etwas Größeres. „Noch besser, wenn man gleich das anvisierte Sparziel verschenkt – etwa einen Snowboardkurs oder ein neues Musikinstrument“, sagt Seemann. Dafür kann man sich auch mit anderen Familienmitgliedern zusammentun.

Geschenke für Jugendliche müssen aber auch nicht teuer sein: Viele freuen sich etwa auch über eine neue Handyhülle oder den Lieblingsfilm auf DVD. Überhaupt ist Technik in dem Alter sehr angesagt (siehe dazu auch Seite 10). Beate Eike, Abteilungsleiterin der Kinderwelt bei Karstadt am Bahnhofsplatz hat noch einen Tipp: „Von Ravensburger gibt es das neue Quizspiel Smartplay, das per Smartphone gesteuert wird und auch als Team gespielt werden kann.“

Christina Meyer

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