Der große tz-Ratgeber für die ganze Familie

Weihnachten ohne Stress und Streit - So geht's!

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Stille Nacht, heilige Nacht? Nicht selten gibt es zu Weihnachten Streit.

München - Jeder wünscht sich entspannte Feiertage, doch nicht selten gibt es an Weihnachten Frust und Streit. Wie man die vermeidet und mit einem Stimmungstief umgeht, erklärt ein Mediziner in der tz.

Weihnachten weckt Wünsche – nicht nur mit Blick auf den Gabentisch, sondern auch vor dem inneren Auge. „Viele Menschen haben eine genaue Vorstellung davon, wie die Feiertage ablaufen sollen. Wenn es anders kommt, ist die Enttäuschung oft groß“, weiß der renommierte Psychiater und Psychotherapeut Professor Dr. Ulrich Voderholzer, „und daraus resultieren wiederum Vorwürfe und Gegenvorwürfe.“

Dabei wären viele Frustrationen und Auseinandersetzungen an den Feiertagen zu vermeiden, wenn man ein paar goldene Regeln beherzigen würde. In der tz erklärt der Chefarzt der Schön-Klink Roseneck in Prien am Chiemsee, wie man Stress und Streit vorbeugen kann. Mehr noch: Voderholzer erläutert auch, wie man mit einem Stimmungstief über Weihnachten besser zurechtkommt.

Andreas Beez

Zur Vorbeugung

Schweigen ist Schmarrn, Reden ist Gold! 

„Besprechen Sie Ihre Vorstellungen, Erwartungen und Wünsche im Familienkreis – rechtzeitig und in Ruhe“, rät der Psychiater und Psychotherapeut Professor Dr. Ulrich Voderholzer. „Um Streit vorzubeugen, ist eine gute Kommunikation das beste Rezept. Ein simples Beispiel: Es ist völlig in Ordnung, wenn Sie sich an den Feiertagen zwischendrin auch mal eine Familien-Auszeit nehmen, sich mal zurückziehen. Sie sollten dies aber vorher offen ankündigen – vielleicht so oder so ähnlich: ‚Seid mir nicht böse, wenn ich zwischendurch mal ein paar Minuten oder auch ein, zwei Stündchen allein an die Luft gehen werde, das brauche ich einfach für mich und hat nichts mit euch zu tun.‘ Dadurch vermeiden Sie, dass Ihr Verhalten später die anderen Familienmitglieder irritiert und missverstanden wird“, erläutert Voderholzer.

Gehen Sie nicht mit zu hohen Erwartungen ins Weihnachtsfest. 

Diesen Kardinalfehler begehen viele Menschen. Sie haben eine Art Bilderbuch im Kopf, wie die Feiertage ablaufen sollen. Das kann zu Problemen führen – beispielsweise dann, wenn man geliebte Menschen endlich wieder trifft, die man lange nicht gesehen und deshalb vermisst hat. Voderholzer schildert eine typische Situation: „Eltern sehen an Weihnachten ihre erwachsenen Kinder wieder. Sie wünschen sich, dass sie von ihrer Tochter oder ihrem Sohn freudestrahlend begrüßt werden. Aber es kommt ganz anders, weil die Kinder vielleicht gerade besonders gestresst sind. Dann sind die Eltern enttäuscht – und aus dieser Enttäuschung heraus entstehen oft Vorwürfe: ,Du freust dich ja gar nicht...‘ Das wiederum ruft Gegenvorwürfe an die Eltern hervor: ,Ihr habt gar kein Verständnis für mich...‘“

Überfordern Sie die Familie nicht mit Ihren Erwartungen. 

„Für die Anderen ist es vielleicht gar nicht so einfach, Ihre Erwartungen zu erfüllen. Machen Sie sich bewusst, dass Ihre Lieben auch Wünsche und Vorstellungen haben. Fragen Sie einfach mal nach“, rät Voderholzer.

Schrauben Sie Ihren Perfektionsanspruch ein bisserl runter. 

Viele Menschen knien sich mit aller Kraft in die Vorbereitungen, damit die Festtage perfekt werden – oft gerade die Frauen. Sie backen, kochen und dekorieren schon Tage vorher von früh bis spät. „Bei aller Begeisterung sollte das Arbeitspensum aber nicht in Dauerstress ausarten“, mahnt Voderholzer. „Es muss ja nicht unbedingt ein siebengängiges Festmenü auf den Tisch kommen. Manchmal ist weniger mehr. Man kann auch bei einem einfacheren Essen schön zusammensitzen und Weihnachten genießen.“

Legen Sie rechtzeitig fest, wer bei den Weihnachtsvorbereitungen welche Aufgaben übernimmt. 

„Klare Absprachen sind wichtig, um allen Beteiligten Stress zu ersparen“, betont Voderholzer. „Gerade für eine Ehefrau und Mama kann es frustrierend sein, wenn die ganze Arbeit allein an ihr hängen bleibt. Verteilen Sie die notwendigen Fest-Vorbereitungen, falls möglich, auf mehrere Schultern.“

Setzen Sie sich bei der Auswahl der Geschenke für Ihre Lieben nicht zu sehr unter Druck:

„Geschenke stehen für Zuwendung“, erläutert Voderholzer. „Es kommt gar nicht so sehr auf ihren materiellen Wert an, sondern auf das Signal: ,Ich habe an dich gedacht, ich gebe dir etwas.‘“

Unterschätzen Sie den Wert einer persönlichen Weihnachtskarte nicht: 

„Ein paar persönliche, liebevolle Zeilen können dem Beschenkten mehr bedeuten als ein teures Geschenk.“

Fragen Sie Ihre Verwandten, wie es Ihnen geht – und hören Sie einfach mal bewusst zu. 

Das Problem gehört zu den Klassikern bei Familientreffen: Der eine redet permanent über sich selbst und erzählt von seinen Problemen, vergisst dabei aber, sich auch mal nach seinem Gegenüber zu erkundigen. Der andere hört zwar zu, erwartet aber, dass es irgendwann auch mal um ihn geht. „Geschieht das nicht, sind Enttäuschungen programmiert“, weiß Voderholzer.

Überfrachten Sie die Feiertage nicht mit einem Dauerprogramm. 

Weihnachten bedeutet auch, sich einfach mal von Verpflichtungen zu befreien und dem Zeitdruck des Alltags zu entfliehen. Machen Sie sich bei Ihren Planungen für die Feiertage einen Fakt immer wieder bewusst: „Es gibt auch noch eine Zeit und ein Leben nach Weihnachten. Man muss nicht alle Wünsche in wenigen Tagen realisieren“, so Voderholzer.

Nehmen Sie – wenn’s geht– schon etwas früher frei.

Wer kennt die Szene nicht: Gestresste Menschen hetzen kurz vor Weihnachten durch die Stadt, nachdem sie zuvor im Büro bereits um ihr Leben gerannt sind. „Wenn es in Ihrem Job möglich ist, dann machen Sie doch schon am nächsten Montag oder Dienstag frei. So reduzieren Sie die Hektik, starten weniger gereizt ab Mittwoch ins Weihnachtsfest“, erläutert Voderholzer. „Zur Entspannung wäre auch ein Kurzurlaub unmittelbar vor den Feiertagen hilfreich.“

Lassen Sie negative Erlebnisse aus der Vergangenheit bewusst ruhen. 

Ein Sprichwort sagt: Gib mir die Weisheit zu ändern, was ich ändern kann; und die Gelassenheit, Dinge zu ertragen, die ich nicht ändern kann. „Nehmen Sie Erlebnisse aus ihrer Vergangenheit an“, empfiehlt Voderholzer. „Es bringt Sie gerade an Weihnachten nicht weiter, wenn Sie sich grämen und nachkarten – im Gegenteil. Schauen Sie nach vorne!“

Beschenken Sie sich selbst, indem Sie anderen eine Freude machen. 

„Es gibt viele Leute, die an Weihnachten einsam sind. Wenn Sie diesen Menschen eine Freude machen, sei’s nur durch einen kurzen Besuch – kann Ihnen diese Geste selbst viel geben. Vielleicht schauen Sie mit der ganzen Familie mal bei einem alleinstehenden Nachbarn vorbei – solche Besuche können allen Beteiligten ein wertvolles Gemeinschaftserlebnis bescheren.“

Gehen Sie zwischendrin mal Spazieren. 

„Das wirkt zum einen entspannend, und es kann auch eine gute Gelegenheit sein, mal mit einem Familienmitglied ungestört ins Gespräch zu kommen.“

Trinken Sie nicht zu viel. 

„Alkohol in Maßen bedeutet Genuss, aber in größeren Mengen kann er sehr aggressiv machen und enthemmend wirken“, warnt Voderholzer. „Nach wie vor ist übermäßiger Alkoholgenuss eine der häufigsten Ursachen für schwerste familiäre Auseinandersetzungen.“

Im Stimmungstief

Verkriechen Sie sich nicht in Ihrem Schneckenhaus.

Leider gibt es auch viele Menschen, die an Weihnachten in ein Stimmungstief geraten. „Sie machen oft den Fehler, sich zurückzuziehen. Sie wollen mit niemandem reden und alles mit sich selber ausmachen“, berichtet Voderholzer. „Dabei kann es sehr helfen und guttun, auf andere zuzugehen, beispielsweise mal einen Freund oder eine Freundin anzurufen.“

Kämpfen Sie nicht gegen Ihre Traurigkeit an. 

„Solche negativen Gefühle und auch Ängste sowie Depressionen gehen vorüber“, betont Voderholzer. „Nehmen Sie Ihre Gefühle erstmal so an, wie Sie momentan sind; lassen Sie es zu; Trauer darf sein.“

Wenn Sie sich zu Aktivitäten aufraffen, geht es Ihnen oft besser.

 „Bleiben Sie nicht im Bett liegen und grübeln, das zieht Sie nur noch mehr runter“, sagt Voderholzer. „Besser ist es, konkrete Pläne für den Tag zu machen, nehmen Sie sich etwas vor. Gehen Sie raus an die frische Luft, bewegen Sie sich ein bisserl. Es kann einem gerade in Krisenphasen auch viel Halt geben, mal wieder einen Gottesdienst zu besuchen.“

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